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Das Ausgliederungskonzept HSVPLUS findet innerhalb der Mitgliedschaft viel Zuspruch. Gemeinsam mit vielen Ehemaligen wirbt Ex-Aufsichtsratchef Rieckhoff um Stimmen.

EXKLUSIV
Von Daniel Jovanov

Hamburg.
Mit neuen Strukturen zu altem Erfolg: Der ehemalige Aufsichtsratchef Ernst-Otto Rieckhoff will den Hamburger SV reformieren. Sein Konzept HSVPLUS sieht eine Ausgliederung des Profifußballs in eine Aktiengesellschaft vor, um sich Investoren und weiteren neuen Einnahmequellen öffnen zu können. Die Idee stößt jedoch nicht überall auf Zustimmung – Reformgegner wie Aufsichtsrat Jürgen Hunke oder der Vorsänger der Fangruppierung "Chosen Few", Johannes Liebnau, sehen die Zukunft des Vereins nicht als Kapitalgesellschaft. Die Bedenken gegen eine Ausgliederung hält Rieckhoff allerdings für unbgeründet, wie er im exklusiven Interview auf Goal erklärt.

Herr Rieckhoff, fühlen Sie sich momentan wie ein Politiker im Wahlkampf?

Ernst-Otto Rieckhoff: Leider komme ich mir tatsächlich so vor. Man muss sich auch erst daran gewöhnen, immer wieder das Gleiche zu erzählen (lacht).

Wie ist die Resonanz auf HSVPLUS?

Rieckhoff: Bislang überwältigend. Die positiven Rückmeldungen halten bis heute an, wobei wir in den Diskussionen mit der Mitgliedschaft auch kritische Stimmen wahrnehmen. Wir verstehen es jedoch als unsere Aufgabe, Aufklärung zu leisten und darzulegen, dass es keine Alternative gibt.

Das Thema Ausgliederung ist komplex. Können die Mitglieder Ihren Ideen folgen?

Rieckhoff: Natürlich gibt es weiterhin Erklärungsbedarf, das sehen wir an den Reaktionen. Der große Vorteil ist, dass wir rechtzeitig mit unserem Konzept an die Öffentlichkeit gegangen sind, um bis zur Mitgliederversammlung Unklarheiten in persönlichen Gesprächen und Diskussionsrunden zu beseitigen.

Worin ist die Angst derer begründet, die HSVPLUS gänzlich ablehnen?

Rieckhoff: Ich kann die Bedenken und Sorgen nicht nachvollziehen und halte sie für unbegründet. Ohne Geld geht im professionellen Fußball nichts mehr, deshalb müssen wir zusehen, dass die Entschuldung des Vereins vorangetrieben wird. Vonseiten der Kritiker habe ich noch keine Erklärung bekommen, wie das innerhalb einer derzeitigen Vereinsstruktur funktionieren soll. Zudem ist das Konzept doch eindeutig gegen Fremdbestimmung ausgelegt.

Mittlerweile sind viele ehemalige Funktionäre und Spieler in Ihrer Initiative vereint. Keiner von ihnen strebt allerdings ein Amt beim HSV an. Woher sollen die kompetenten Führungspersönlichkeiten mit der "Raute im Herzen" kommen?

Rieckhoff: Wir sind sehr gut darin beraten, uns aktuell nur mit Inhalten zu befassen. Erst im zweiten Schritt sollte man sich mit Namen auseinandersetzen. Dafür ist es allerdings noch viel zu früh. Irgendwann wird es zwangsläufig zu einer Diskussion um Personen kommen. Meine Mitstreiter haben bislang übrigens nur gesagt, sie stünden in den jetzigen Strukturen auf keinen Fall zur Verfügung.

Jürgen Hunke hat parallel einen Satzungsentwurf präsentiert und setzt auf Tradition. Zunächst hieß es, dass er mit seinem Konzept nur in den Vordergrund tritt, falls HSVPLUS scheitert. Sind Sie über die Vorgehensweise verwundert?

Rieckhoff: Nein, eher über den rückwärtsgerichteten Inhalt dieses Konzeptes. Das werde ich aber nicht weiter kommentieren. Allerdings wundere ich mich darüber, dass Jürgen Hunke in der Argumentation inhaltlich nicht für sein eigenes Konzept eintritt, sondern fast ausschließlich gegen HSVPLUS agiert.

Glauben Sie, dass es der "Konkurrenz" nur darum geht, HSVPLUS zu verhindern?

Rieckhoff: Ja, auch anderen angekündigten Konzepten kann man das durchaus unterstellen. Das ist den Argumentationsweisen zu entnehmen. Inhaltlich werden keine Alternativen zur Kehrtwende angeboten.

Sie haben kürzlich eine aktualisierte Fassung Ihres Organigramms präsentiert. Was ändert sich?

Rieckhoff: Ich habe die Mitgliedschaft dazu aufgerufen, sich mit den Inhalten auseinanderzusetzen. Umso glücklicher bin ich, dass wir viele Reaktionen und Verbesserungsvorschläge erhalten haben. Das Thema Beirat und Wahlausschuss stand dabei im Mittelpunkt der Kritik, einige der Ideen haben wir, wie versprochen, umgesetzt. Die Änderung besteht darin, dass nicht die jeweiligen Leiter gesetzt, sondern Delegierte der Fördernden Mitglieder und der Amateure auf der Mitgliederversammlung gewählt werden. Das steigert noch mehr die Mitgliederrechte. Außerdem wird der Beirat beziehungsweise Wahlausschuss verkleinert, und es wird der Aufsichtsrat der AG nicht mehr allein vom Wahlausschuss ernannt, sondern zusammen mit den gewählten drei Präsidiumsmitgliedern des e.V.

Nochmals zum Verständnis: Worüber werden die Mitglieder auf der kommenden Versammlung am 19. Januar 2014 abstimmen und welches Ergebnis brauchen Sie?

Rieckhoff: Da wir erstmalig in der Geschichte der Bundesliga eine solche Initiative aus der Mitgliedschaft heraus betreiben, können wir nicht alles, was den Ausgliederungsantrag in der formalen Hinsicht betrifft, alleine vorbereiten. Die Mitgliederversammlung möge deshalb am 19. Januar 2014 mit einfacher Mehrheit beschließen, dass der Vorstand beauftragt wird, die Ausgliederungsformalitäten zu Ende zu führen. In einer außerordentlichen weiteren Versammlung müsste der Vorstand den kompletten Antrag vorlegen. Dieser Ausgliederungsvorgang, bei dem beispielsweise die Lizenz der DFL vom Verein auf die Kapitalgesellschaft übertragen wird, beinhaltet eine Änderung unserer Satzung, für die eine Dreiviertelmehrheit notwendig ist.

Hinter Ihrer Initiative steckt auch ein finanzieller Aufwand. Wer trägt die Kosten?

Rieckhoff: Das Gerücht, die anfallenden Kosten würden von jemandem getragen, kann ich ganz klar von mir weisen. Die Initiative ist ausschließlich aus ehrenamtlichem Engagement heraus entstanden. Diejenigen, die Aufgaben bei uns übernehmen, haben aus Verbundenheit zum Verein ein Interesse daran, dass sich beim HSV etwas ändert. Die Kosten sind in einem Rahmen, die wir im Team begleichen können, wobei das nicht der Rede wert ist. Wer Profis und so viel Leidenschaft um sich hat, braucht keine großen Gelder einzusetzen.

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