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Naldo trifft am Samstag alte Bekannte: Vor dem Duell mit Werder stand der Brasilianer bei Goal Rede und Antwort. Ein Gespräch über die Entwicklung der Liga und seine Ziele.

INTERVIEW
Das Gespräch führte John C. Brandi

Wolfsburg.
Es wird kein Spiel wie jedes andere! Sieben Jahre lang spielte Naldo für Werder Bremen und am Samstagabend muss er mit dem VfL Wolfsburg gegen die alten Kollegen ran. Goal traf den sympathischen Brasilianer vor dem Match und sprach mit ihm unter anderem über seinen Wechsel vor gut einem Jahr, die Entwicklung der Bundesliga und seinen Landsmann Neymar.

Naldo, Sie spielen im Topspiel der Bundesliga am Samstagabend mit Wolfsburg gegen Ihren ehemaligen Arbeitgeber Werder Bremen. Welche Gefühle kommen da in Ihnen hoch, woran denken Sie?

Naldo: Ich denke, das ist ein sehr wichtiges Spiel für uns. Vor drei Wochen haben wir gegen Braunschweig verloren, die Enttäuschung war sehr groß, auch bei den Fans. Sie erwarten zu Recht ein anderes Spiel von uns. Wir haben jetzt gegen Augsburg erstmals auswärts gewonnen. Das Selbstvertrauen ist ein bisschen zurückgekehrt, und wenn wir am Samstag gewinnen, wird es noch größer. Wir wollen auf dem Platz zeigen, dass wir weiter oben angreifen können.

Auch Gedanken an Ihren alten Klub?

Naldo: Ja. Werder Bremen gegen Wolfsburg, das sind immer besondere Spiele. Letzte Saison haben wir zu Hause Unentschieden gespielt und in Bremen gewonnen. Ich denke jetzt nur an Wolfsburg – ich hatte zwar sieben tolle Jahre in Bremen, aber jetzt bin ich ein Spieler des VfL, fühle mich sehr wohl hier. Ich will auf jeden Fall am Samstag drei Punkte holen.

VON WERDER ZU WOLFSBURG


"Ich habe vorgehabt, meinen Vertrag in Bremen zu verlängern, aber die Möglichkeiten in Wolfsburg, auch im Hinblick auf meine Zukunft, waren besser."

- Naldo
Sie hatten bis zu Ihrer schweren Knieverletzung eine tolle und erfolgreiche Zeit bei Werder. Konnten Sie die Enttäuschung der Fans verstehen, als Sie so plötzlich weg waren?

Naldo: So etwas passiert im Fußball und ich glaube auch, dass die Fans in Bremen diese Entscheidung verstanden haben. Ich habe vorgehabt, meinen Vertrag in Bremen zu verlängern, aber die Möglichkeiten in Wolfsburg, auch im Hinblick auf meine Zukunft, waren besser. Daher denke ich, dass es ein guter Schritt für mich und auch für meine Familie war. Leider war unsere letzte Saison nicht so gut, jetzt wollen wir wieder angreifen, mittelfristig auch wieder international spielen.  

Wie geht es ihrem Knie inzwischen? Ist es wieder wie früher, oder merken Sie schon einen Unterschied?

Naldo: Nein, jetzt ist alles perfekt. Nach der Operation hatte ich sechs Monate Reha. Es läuft sehr gut, ich merke seit Langem nichts mehr, ich mache mir keine Sorgen.  

Wie beurteilen Sie Werders Entwicklung in den letzten Jahren? Man könnte fast meinen, es ist bergab gegangen, seit Sie nicht mehr spielten und schließlich den Verein verließen. Wo sehen Sie die Gründe für den Niedergang?

Naldo: Diese Saison läuft es doch vergleichsweise gut! Werder hat wie wir zwölf Punkte. Letzte Saison war es schwierig, weil sie fast Abstiegskandidat waren, aber das ist nicht ungewöhnlich bei einem Umbruch in der Mannschaft.  Aber ich denke, dass der Trainer und die Verantwortlichen versuchen, den Erfolg so schnell wie möglich nach Bremen zurückzubringen.

Ein Landsmann und alter Kollege aus Bremen ist wieder Ihr Teamkollege: Mit Diego spielen nun Sie schon sehr lange zusammen. Sein Vertrag läuft aus - was glauben Sie: Wird er bei Wolfsburg verlängern?

Naldo: Jeder Verein braucht einen Spieler wie Diego. Er ist für die Mannschaft sehr wichtig, aber ich rede mit ihm nicht über dieses Thema. Es ist seine Entscheidung und die Entscheidung des Vereins. Es wäre super, wenn er den Vertrag verlängern würde.

Wie sehen Sie die aktuelle Situation beim VfL Wolfsburg? Man hat sich ja unter anderem mit Luiz Gustavo namhaft verstärkt. Was ist möglich?

Naldo: Wir denken immer von Spiel zu Spiel. In Augsburg haben wir einen großen Schritt gemacht, standen wegen der Braunschweig-Niederlage unter großem Druck. Wenn wir am Samstag gewinnen, sieht es in der Tabelle noch besser aus – aber wir gehen den Weg Schritt für Schritt. Samstag ist ein sehr wichtiges Spiel für uns, in dem wir versuchen, drei Punkte zu holen.

Werder gehen verletzungsbedingt langsam die Stürmer aus: Gegen welche Art Angreifer spielen Sie lieber, gegen den klassischen Stoßstürmer á la Gomez oder Kießling, oder bevorzugen Sie die "falsche Neun" wie sie etwa Messi, Götze oder Müller verkörpern?

Naldo: Gegen einen zentralen Stürmer ist es immer einfacher. Wir wissen dann, wen wir angreifen müssen. Und gegen einen falschen Neuner ist es kompliziert. Wichtig ist, dass die Mannschaft kompakt steht, dann ist es immer einfacher in der Verteidigung.

Was sagen Sie zu Ihrem jungen Defensiv-Partner Robin Knoche? Er scheint sich sehr schnell in der Bundesliga zurechtgefunden zu haben.

Naldo: Für die Mannschaft ist er eine positive Überraschung. Robin hat vergangene Saison die letzten vier Spiele gemacht, war sofort bei der Mannschaft. Ich freue mich für ihn – er hat sich gut entwickelt.  Ich hoffe, dass er in Zukunft noch viel besser wird. Er ist ein junger Spieler, ein zweikampfstarker Innenverteidiger, aber ich bin sehr zufrieden mit ihm und weiß, er ist jemand, der jeden Tag dazulernen will. Für ihn läuft es sehr gut im Moment.

Sie sind jetzt seit acht Jahren in der Bundesliga. Der deutsche Fußball erhält gerade weltweit große Anerkennung – wie hat er sich verändert in der Zeit, in der Sie in Deutschland sind?

Naldo: Ich bin 2005 nach Deutschland gekommen, da war es ganz anders. Es gibt jetzt so viele Stars, die Bundesliga ist immer stärker geworden. Bayern hat die Champions League gewonnen, und ich denke, sie sind dort auch jetzt wieder Topfavorit. Dass Pep Guardiola nun Trainer ist, ist auch gut, das bringt noch viel mehr Aufmerksamkeit. Deutschland hat eine starke Liga, meiner Meinung nach im Augenblick die beste Liga der Welt.

Sie haben erwähnt, dass Sie sich aktuell in Wolfsburg wohlfühlen. Denken Sie, dass das Ihr letzter Verein sein wird – oder haben Sie vor, noch einmal in Brasilien zu spielen, so wie Ihre Landsleute Pato und Ronaldinho?

Naldo: Nein, darüber mache ich mir keine Gedanken. Wie gesagt, es läuft sehr gut in Wolfsburg. Im Fußball kann es natürlich immer schnell gehen, aber ich habe noch ein Jahr Vertrag und denke nicht über Brasilien nach, auch nicht nach Ablauf meines Vertrags. Die Zukunft ist offen – im Moment bin ich sehr zufrieden.

Stichwort Brasilien: Die WM in Ihrem Heimatland wird Sie bestimmt auch nicht kaltlassen. Gab oder gibt es Kontakt zu Felipe Scolari, oder haben Sie das Thema Selecao vorerst abgehakt?

Naldo: Nein, das Thema ist noch immer in meinem Kopf, aber ich konzentriere mich auf meine Aufgabe in Wolfsburg, denn wenn ich hier gute Leistungen bringe, bekomme ich vielleicht eine Chance. Ich denke, drei Innenverteidiger sind fix: Dante, Thiago Silva und David Luiz. Da bleibt ein Platz frei. Aber ich denke nicht darüber nach, ich denke nur an den VfL.

Wie schätzen Sie bei der WM die Chancen für Brasilien ein, die bei vielen nach dem überragenden Confederations Cup als Favorit gelten?

Naldo: Ich denke, Deutschland ist auf einem sehr guten Weg. Deutschland, Brasilien und Italien sind immer stark. Und Spanien – die vier sind wohl die Topfavoriten bei der WM.



Wie haben Sie die Proteste der Bevölkerung in Brasilien während des Confed Cups erlebt, und was halten Sie davon?

Naldo: Wenn Tausende auf die Straße gehen und ein paar wollen nur Streit, ist das natürlich nicht gut. Aber für die WM ist das kein Problem, beim Confed Cup gab es auch keine Gefahr für die Spiele – ich bin davon überzeugt, dass es bei der WM genauso sein wird.

Neymar ist der jüngste Megastar aus Ihrer Heimat, der in Europa für Furore sorgt. Haben Sie seine Entwicklung verfolgt und denken Sie, dass er zum richtigen Zeitpunkt nach Barcelona gewechselt ist?

Naldo: Ja. Ein Jahr vor der WM nach Barcelona, das war eine sehr gute Entscheidung. Der Fußball in Brasilien ist ganz anders als in Europa. Neben Messi, oder neben Iniesta kann er so viel lernen – aber Neymar ist ein Weltklassespieler.

Wolfsburg und Werder sind im Moment auf Platz neun und zehn Tabellennachbarn – wo landen die Wölfe am Ende, wo Werder?

Naldo: Ich hoffe, dass wir Fünfter oder Vierter werden – und ich drücke die Daumen, dass Werder eine gute Saison hat, aber nicht vor uns landet, das ist klar!

Wie geht’s aus am Samstag?

Naldo: Wir spielen zuhause, wir müssen offensiv agieren, aber auch defensiv denken und wir müssen drei Punkte holen. Die Zuschauer erwarten von uns, dass wir 90 Minuten Gas geben – das versuchen wir.

Naldo, vielen Dank für das Gespräch!

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