thumbnail Hallo,
Thorsten FInk sieht den Hamburger SV noch lange nicht am Ende seiner Entwicklung

Thorsten Fink: "Wir haben es auch ohne Magie geschafft"

Thorsten FInk sieht den Hamburger SV noch lange nicht am Ende seiner Entwicklung

Getty Images

Vor dem ersten Pflichtspiel im DFB-Pokal sprach HSV-Reporter Daniel Jovanov mit Thorsten Fink über die Kaderplanung, seine Spielphilosophie und die Chance auf Europa.

EXKLUSIV
Von Daniel Jovanov

Hamburg.
Der Hamburger SV muss in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen den SV Schott Jena antreten. Zumindest auf dem Papier sind die Rothosen klarer Favorit. Dass dies keine Garantie auf das Weiterkommen bedeutet, erlebte die Mannschaft von Thorsten Fink im vergangenen Jahr beim 2:4 in Karlsruhe. Warum es diesmal besser klappen könnte, welche Philosophie hinter dem System von Thorsten Fink steckt und wie groß er die Chancen auf einen europäischen Startplatz sieht, erklärt er im Interview mit HSV-Reporter Daniel Jovanov auf Goal.

Herr Fink, am Sonntag geht es nach Jena zum ersten Pflichtspiel der neuen Saison. Was stimmt Sie zuversichtlich, dass es diesmal in der ersten Runde des DFB-Pokals besser läuft?

Thorsten Fink: Wir sind mit unserem Planungsstand des Kaders weiter als im Jahr zuvor. Die Mannschaft musste nur punktuell verstärkt werden. Das sah in der letzten Saison noch ganz anders aus. Zum Zeitpunkt des Aufeinandertreffens mit Karlsruhe waren wir mit unseren Planungen längst nicht so weit wie jetzt. Dennoch hätten wir das Spiel damals nicht verlieren dürfen.

Welche Erkenntnisse ziehen Sie aus der Vorbereitung? Was hat sich verbessert, woran hapert es noch?

Fink: Wir haben Automatismen einstudieren können und das in einigen Testspielen umgesetzt. In den Testspielen gegen Kopenhagen oder Anderlecht haben wir den Ball sehr gut in unseren Reihen gehalten, standen stabil in der Ordnung, haben uns daraus Chancen herausgespielt und diese auch genutzt. Bei Standardsituationen haben wir hingegen noch Probleme. Wenn wir die Schwächen in der Abwehr nicht abstellen, kann uns das schnell um die Früchte der Arbeit bringen.

Dafür haben Sie bereits zwei neue Verteidiger verpflichtet. Zuletzt fehlte Ihrer Mannschaft allerdings auch in der Offensive die Durchschlagskraft. Werden Sie noch einen neuen Stürmer verpflichten?

Fink: Ich bin kein Freund davon jeden Tag offensiv anzukündigen, wen wir noch verpflichten wollen. Zum jetzigen Zeitpunkt bin ich sehr mit meinem Kader zufrieden. Mit Artjoms Rudnevs haben wir jemanden, der in seiner ersten Bundesligasaison zwölf Tore geschossen hat. Zudem haben wir Jacques Zoua geholt, der ein großes Entwicklungspotenzial hat. Auch Maxi Beister wird in dieser Saison den nächsten Schritt machen. Wenn für uns die Möglichkeit besteht, einen erfahrenen Stürmer dazuzubekommen, dann werden wir das sicherlich machen. Falls nicht, bin ich trotzdem guter Dinge.

Was passiert mit den aussortierten Spielern Slobodan Rajkovic, Paul Scharner und Michael Mancienne?

Fink: Es ist doch klar, dass ich nicht sieben Innenverteidiger für den Kader benennen kann. Daher wird der eine oder andere auf der Tribüne Platz nehmen müssen. Mit Heiko Westermann, Johan Djourou, Lasse Sobiech und Jonatan Tah haben wir uns auf vier Innenverteidiger festgelegt, auf die wir setzen.

Eine der Baustellen in Ihrem System war die Rolle von van der Vaart. Ist er ein Spielertyp, der in den Fußball, wie er heute von den guten Mannschaften gespielt wird, noch passt?

Fink: Ich finde, dass man damit vorsichtig sein muss. Van der Vaart hat in der letzten Saison fünf Tore geschossen und zehn Vorlagen gemacht. Für mich gehört er nach wie vor zu den besten Spielern der Bundesliga. Er ist in der Lage ein Spiel zu diktieren, ist torgefährlich und ein absoluter Leader. Daher grenzt die Frage, ob er noch zum zeitgemäßen Fußball passt, einer Frechheit.

Welche Lösung haben Sie für das Problem der Spieleröffnung gefunden?

Fink: Man muss ja feststellen, dass wir der erste Verein in der Bundesliga waren, der das Spiel über den zurückfallenden Sechser eröffnet hat. Mittlerweile macht das so gut wie jede Mannschaft. Zu unserer Philosophie gehört es, in Ballbesitz zu bleiben und uns hierdurch Torchancen zu erarbeiten. Unser Spiel ist nicht auf Hurra-Fußball angelegt, indem wir die Bälle einfach nach vorn schlagen. Der Kader ist nach anderen Prämissen zusammengestellt. Wir haben mit Djourou, Badelj und van der Vaart eine gute Achse und mit Zoua darüber hinaus einen spielstarken Stürmer verpflichtet.

Seit Ihrem Amtsantritt ist ein Prozess hin zu mehr Laufen, mehr Tempo und mehr Offensive zu erkennen. Wie weit ist Ihre Mannschaft noch von Ihrer Vorstellung von Fußball entfernt?

Fink: Als ich vor knapp zwei Jahren hier angetreten bin, habe ich angekündigt, dass es Zeit braucht, der Mannschaft eine Spielphilosophie und Mentalität zu vermitteln. Ich sehe uns noch lange nicht am Ziel, aber auf einem guten Weg. Die bisherigen Etappen haben wir erfolgreich überstanden. Im ersten Jahr ging es ausschließlich darum, den Abstieg zu vermeiden. Der Druck für meine Mannschaft und mich war brutal. Franz Beckenbauer hat damals prognostiziert, dass nur ein Zauberer den Verein retten kann. Wir haben es auch ohne Magie geschafft. Im zweiten Jahr war das Ziel der einstellige Tabellenplatz, den wir letztlich erreicht haben. Sicher war mehr drin, doch dafür hat uns die Konstanz gefehlt. Jetzt wollen wir den nächsten Schritt machen.
 
Was planen Sie mit Dennis Aogo?

Fink: Er kann auf der linken Seite alle Positionen spielen. Sowohl defensiv als auch offensiv durch seine Schnelligkeit und technischen Fähigkeiten. Daher ist er in unserem System variabel einsetzbar.

Neuzugang Hakan Calhanoglu gilt als Hoffnungsträger für die Zukunft. Was ist er für ein Spielertyp?

Fink: Es ist schön zu sehen, dass er, ähnlich wie Kerem Demirbay, ein richtig frecher Hund ist, der Bock auf Fußball hat. Er drängt sehr stark in die Mannschaft, wird sich daher nicht erst zwei oder drei Jahre hinten anstellen. Hakan hat eine überragende Schusstechnik, die sich bis in die Bundesliga herumgesprochen hat. Bei ruhenden Bällen haben wir uns durch ihn verbessert. Ich sehe ihn nicht unbedingt nur in der Nachfolgerolle von van der Vaart, sondern bin gespannt darauf, die beiden zusammen auf dem Platz zu sehen.

Wie schätzen Sie die realistischen Chancen auf einen europäischen Startplatz verglichen mit Team wie Wolfsburg, Hannover, Mönchengladbach oder Stuttgart?

Fink: Vor der Saison ist eine Einschätzung nichts weiter als Kaffeesatzleserei. Die Bayern sind in der Spitze natürlich der absolute Favorit. Es wird für jede Mannschaft schwer, Punkte gegen sie zu holen. Nach ihnen sehe ich Dortmund, Schalke und Leverkusen. Um die Europa League werden sich sechs oder sieben Mannschaften streiten müssen. Für uns ist entscheidend, dass wir einen guten Start in die Saison hinlegen und nicht der Musik hinterherlaufen. Das war in den letzten zwei Jahren leider der Fall. Daher wollen wir eine gute Basis legen, um das Feld nicht ständig von hinten aufräumen zu müssen.

Folge HSV-Reporter Daniel Jovanov auf und und bleibe ständig am Ball!

EURE MEINUNG: Landet der HSV in Europa oder braucht es dazu Magie?

Dazugehörig