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Jackson Martinez sieht einen "verbesserten Fußball" in Portugal

In Falcaos Fußstapfen: Jackson Martinez über den FC Porto und die Kolumbien-Connection

Jackson Martinez sieht einen "verbesserten Fußball" in Portugal

Getty Images

Der begehrte Stürmer wurde nach starker Debütsaison mit einem Wechsel zu einem der großen Klubs in Europa in Verbindung gebracht, aber er ist glücklich in Porto.

EXKLUSIV
Von Victor Vago & Rupert Fryer

Porto. Marcos Rojo befand sich einen halben Meter hinter der restlichen Sporting-Defensive. Ebenso Jackson Martinez vom FC Porto. Auf der Schwelle zur virtuellen Abseitslinie, die alle großen Angreifer instinktiv im Kopf haben, las Danilo die Gedanken des Kolumbianers und chippte den Ball in den Sechzehner.

MARTINEZ: Karrierestatistik
Klub
Independiente M.
(2004-2009)

Chiapas
(2010-2012)

Porto
(2012-heute)
Ligaeinsätze
136


58


30

Tore
55


28


26

Das Problem: Der Spielzug war zu hölzern, zu langsam. Mit so wenig Raum rund um den Elfmeterpunkt musste Martinez seine Geschwindigkeit drosseln und konnte den Ball nur mit dem Oberschenkel annehmen. Hinzu kam ein weiteres Problem: Er stand mit dem Rücken zum Tor.

Als Rojo ihn angriff, war Martinez gezwungen zu improvisieren. Er ließ den Ball zu Boden fallen und kickte ihn mit der Hacke in Richtung Tor, an Rui Patricio vorbei ins Netz. Auch für die letzten Portistas, die es bis dahin noch nicht kapiert hatten, war nun klar, dass sie da jemand Besonderen in ihren Reihen hatten.

Dieser Treffer war nur einer von 31, die er in seiner ersten Saison erzielen sollte, ein nahtloser Übergang in den europäischen Fußball. Der kolumbianische Nationalspieler, auf Platz 33 in der Goal 50, der 2012 für eine Ablöse von geschätzten neun Millionen Euro von den Jaguares aus Mexiko gekommen war, fühlte sich vom ersten Moment an in Portugal zuhause.

"Vom Tag meiner Ankunft an gab mir das Team das Gefühl, Teil der Gruppe zu sein, ein Teil von ihnen", so Martinez gegenüber Goal. "Porto ist ein Verein, der die Leute sehr gut aufnimmt. Sie reden sofort mit dir, so dass man sich nur auf Fußball konzentrieren kann."

Sie haben auch jede Menge Übung. Martinez kam im Sommer 2012 an, in einer Zeit, in der der Klub bereits 60 Millionen Euro netto eingenommen hatte. Durch Joao Moutinhos und James Rodriguez' Wechsel nach Monaco hat der Klub weitere 40 Millionen im aktuellen Transferfenster verdient.

Das könnte sich durchaus noch verdoppeln, wenn das reiche Napoli Martinez aus dem Estadio Dragao wegzulocken vermag. Porto möchte allerdings nicht verkaufen, und Martinez sagt, er würde gern bleiben. Porto würde ihn ebenso gern behalten.

Der Verein konnte seine Abgänge meist kompensieren, aber ihnen fehlte nach dem Abgang von Falcao ein Mittelstürmer; Kleber konnte die Lücke, die der Monaco-Neuzugang hinterlassen hatte, ebenso wenig füllen wie Marc Janko.

Martinez hingegen bewies, dass er das Erbe seines Landsmannes mit der Nummer neun anzutreten in der Lage ist, und der Erfolg von Kolumbianern im Dragao zuletzt hat in seiner Entscheidung, sich dem Klub anzuschließen, durchaus eine Rolle gespielt:

"Ich hatte von James Rodriguez viel über Porto gehört, auch von Fredy Guarin, als er hier war. Es macht mich stolz, wenn meine Landsleute auf dem höchsten Niveau spielen und siegen."

Martinez hat diese Tradition bereits fortgesetzt, aber er war schon immer von Anfang an voll da. Er schoss neun Tore in seinen 13 Spielen in Mexiko, seinen ersten Treffer für Porto erzielte er gegen Academica – er markierte einen wichtigen Moment seiner Debütsaison in Europa.

"Ich habe mich über mein erstes Tor sehr gefreut, besonders, weil ich dem Team helfen konnte", so Martinez. "Dadurch bekam ich das Vertrauen des Trainers und eines Großteils meiner Mannschaftskollegen, und es half mir in meinem Anpassungsprozess."

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Da Brasiliens Wirtschaft weiterhin boomt und der Preis für die jungen Talente steigt, fangen die unstrittigen Könige des Transfermarktes bereits an, etwas weiter nördlich nach den nächsten Goldeseln Ausschau zu halten. Hector Herrera und Diego Reyes machten den selben Weg wie Martinez über Mexiko nach Porto, und sollte er bleiben, ist nun Martinez in der Rolle, Neulinge in der Gruppe willkommen zu heißen, in der er inzwischen ein integraler Bestandteil geworden ist.

"Der portugiesische Fußball hat sich sehr verbessert", so der Stürmer. "Viel Qualität, aufwändige Vorbereitung, verschiedene Spielsysteme. Aber es kommt auch auf die Mannschaft an, auf den Trainer und die Art zu spielen. Ich denke, der Unterschied liegt in den Systemen."

Sollte Martinez diesen Sommer aus Porto weggelobt werden und vor der Aufgabe stehen, sich erneut an ein neues System anzupassen, wird er die Gelegenheit zweifellos mit Vergnügen ergreifen und sich akklimatisieren. Und falls nicht, kann er immer noch improvisieren.

EURE MEINUNG: Was haltet Ihr von Martinez, und welchen Weg wird er nehmen?

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