thumbnail Hallo,

Während die Bundesliga-Stars in den Trainingslagern schwitzen, müssen sich auch die Schiris auf die neue Saison vorbereiten. Für Goal erklärt Wolfgang Stark, wie er sich fit macht.

EXKLUSIV
Von Fabian Roßmann

Während der Saison werden sie wieder Woche für Woche im Fokus stehen und Fans und Medien werden ihre Leistungen genau unter die Lupe nehmen – doch jetzt in der Vorbereitung stehen sie kaum in der Öffentlichkeit: die Schiedsrichter der Bundesliga. Dabei müssen sie sich genauso hart auf die neue Saison vorbereiten wie die Profis – wenn nicht sogar noch härter, weil sie in der Regel neben dem Sport auch noch ihrem Beruf nachgehen.

"Der Terminkalender während der Vorbereitung ist immer voll. Berufs- und Familienleben werden immer mit dem Fußball abgestimmt", erzählt Wolfgang Stark im Gespräch mit Goal. Der 43-Jährige gehört sowohl national als auch international zur absoluten Schiedsrichter-Elite. Mit bislang 276 Bundesliga- und 46 Champions-League-Spielen ist er der erfahrenste aktive Schiedsrichter in Deutschland.

Erhöhtes Trainingspensum während der Vorbereitung
DAS IST WOLFGANG STARK
  • Wolfgang Stark ist verheiratet und hat ein Kind
  • Er ist der Sohn von Rudi Stark, früher selbst Schiedsrichter und heute Schiedsrichter-Obmann beim Bayerischen Fußball-Verband
  • Beruflich ist der Bayer im Vertriebsmanagement der Sparkasse Landshut tätig
  • Sein erstes Spiel pfiff Stark im April 1997: 1. FC Köln – MSV Duisburg
  • Seit 1999 ist er FIFA-Schiedsrichter; im selben Jahr pfiff er auch sein erstes UEFA-Cup-Spiel, die erste Champions-League-Partie folgte 2001
  • 2010 erhielt er die Auszeichnung „Schiedsrichter des Jahres“
  • In der Relegation 2012 leitete er das „Skandalspiel“ Fortuna Düsseldorf – Hertha BSC
  • 2012 war er Schiedsrichter beim Europa-League-Finale zwischen Atletico Madrid und Athletic Bilbao


Stark geht jetzt in seine viertletzte Saison, dann hat er die Altersgrenze für Bundesligaschiedsrichter erreicht, international ist bereits in zwei Jahren Schluss. Doch der Bayer nimmt das noch gelassen hin: "Dass es in vier Jahren vorbei sein wird, weiß man zwar, aber das ist jetzt noch weit weg."

Momentan beschäftige er sich nur mit den anstehenden Lehrgängen und während der Saison mit dem nächsten Spiel. Und damit ist der Unparteiische sowieso genug ausgelastet.

Die Vorbereitung für die Schiedsrichter ist anstrengend. Ausdauer-, Sprint- und Krafttraining, Prävention gegen Verletzungen durch spezielle Übungen (Dehnen) und Physio gehört alles zum Programm. "Das Trainingspensum wird in der Vorbereitungsphase erhöht. Einen Schwerpunkt setze ich dabei nicht, ich arbeite in allen Bereichen", erklärt Wolfgang Stark.

Dazu kommen noch Lehrgänge, Regeländerungen und Videoschulungen. Wie auch unter der Saison arbeitet Stark im Team mit seinen Assistenten bei einem Lehrgang durch Videos von einzelnen Spielsituationen oder ganzen Spielen die vergangene Saison auf.

Veränderung des Schiedsricherberufs

Wolfgang Stark selbst hat bereits 1997 sein erstes Bundesligaspiel geleitet, ist damit so lange dabei wie kein anderer aktueller Schiedsrichter. Und der Beruf hat sich seitdem gewaltig verändert.

"Der Fußball genießt eine enorme Präsenz in den Medien, was natürlich auch den Druck auf uns Schiedsrichter erhöht. Der Fußball wurde schneller, weshalb auch wir uns der zunehmenden Professionalität angepasst haben, was auch mit einem deutlich höheren Trainingsaufwand verbunden ist" sagt Stark.

Da im Sommer 2014 die WM in Brasilien ansteht, wird die kommende Saison wieder sehr wichtig für die Unparteiischen – die FIFA-Schiedsrichter wollen sich empfehlen, um bei der Endrunde in Südamerika dabei zu sein. Um sich optimal auf die Bundesliga vorzubereiten, hat Stark auch während der Vorbereitung immer wieder Kontakt zu den Schiedsrichter-Verantwortlichen des DFB um Schiri-Boss Herbert Fandel – sowohl bei den Lehrgängen und den Stützpunkten, als auch telefonisch.

Die intensive Vorbereitung ist für die Schiedsrichter vonnöten, um gut gewappnet in die neue Spielzeit zu starten. Denn auch dann werden Fans und Medien wieder ein kritisches Auge auf die Entscheidungen der Unparteiischen werfen.

NEUE REGELN 2013/14 | Was sich in der kommenden Spielzeit ändert
  • Abseits: Bislang war eine Abseitsstellung bereits zu ahnden, wenn der Spieler durch Worte, Gesten oder Ähnliches ins Spiel eingreift. Das reicht nun nicht mehr. Ab der kommenden Saison muss erst dann auf Abseits entschieden werden, wenn der Spieler den Gegenspieler attackiert und versucht, in den Zweikampf zu gehen.
    Auch die Abseitsregelung, wenn der Ball von einem gegnerischen Spieler kommt ist nun klarer geregelt. So tritt eine aktive Abseitsstellung nur dann ein, wenn der Ball nur abgelenkt oder abgefälscht wurde, nicht aber, wenn der Ball bewusst und mit voller Absicht vom Gegner gespielt wurde. Im Zweifel ist auf Abseits zu entscheiden.
  • Handspiel: Wird der Ball mit der Hand gespielt, wenn er auf das Tor geht, so ist der Spieler ab der Saison 2013/2014 mit der gelben Karte zu verwarnen.
  • Notbremse des Torhüters: Der Torwart wird ab sofort mit einem Feldspieler gleichgesetzt. Somit ist jede Verhinderung einer klaren Torchance mit einem Platzverweis zu bestrafen. Bislang hatte der Schiedsrichter den Handlungsspielraum, nur die gelbe Karte zu zeigen, sollte das Foulspiel durch eine torhütertypische Aktion erfolgen. Dieser Spielraum fällt weg.

Dazugehörig