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Peter Neururer über den Transfer von Leon Goretzka: "Es ist traurig wie es gekommen ist"

Peter Neururer ist einer der bekanntesten Trainer in Deutschland. Er trainierte bereits den FC Schalke 04, den MSV Duisburg, Hannover 96 und den VfL Bochum. Wir sprachen mit ihm.

INTERVIEW
von Stefan Döring

Bochum. Peter Neururer trainiert seit dem Ende der letzten Zweitliga-Saison wieder seinen alten Verein, den VfL Bochum. Wir sprachen mit dem Kult-Trainer über die Saisonvorbereitung, Leon Goretzka und warum er Michael Kostner auf eine Stufe mit Franz Beckenbauer stellt.

Herr Neururer, wie läuft die bisherige Saisonvorbereitung beim VfL Bochum?

Ich bin zufrieden mit den bisherigen Einheiten. Der Trainingsbetrieb läuft gut und es hat sich noch keiner großartig verletzt. Das Trainingslager ist gut verlaufen und auch die Testspiele liefen im Prinzip ganz gut. Natürlich sind wir nicht ganz zufrieden, das ist aber auch normal. Die effektive Leistung war noch nicht wie wir sie gerne hätten, kommen aber langsam in den Bereich. Wir sind auf einem guten Weg.

Sie haben derzeit 20 Spieler im Kader, in den Ligaspielen müssen Sie diesen aber noch einmal zusammenstreichen, wann wird der Kader feststehen?

Wir haben am Mittwoch noch ein Testspiel, dann ziehen wir einen Strich und ich werde mit meinen Trainerkollegen die bisherigen Leistungen analysieren. Daraus bilden wir dann einen Kreis aus 15-16 Leuten, die dann für uns zum Liga-Kader zählen. Wer allerdings gegen Leverkusen nicht spielt, kann sich bereits jetzt ausrechnen, wie seine Chancen stehen…

Im Sommer gab es beim VfL viele Abgänge und einige bekannte Neuzugänge. Wie beurteilen Sie ihren aktuellen Kader?

Wir haben ein gemischtes Team aus erfahrenen Spielern und sehr guten Nachwuchskräften. Am Nachwuchs scheiterte es aber noch nie in Bochum. Uns ist es sogar gelungen einen angeschlagenen Jan Gyamerah ans Team heranzuführen. Der Junge ist einer, der das Potenzial für die Erste Bundesliga hat und er wird auch im Testspiel gegen Bayer Leverkusen starten. Ansonsten unterscheiden sich die Neuzugänge im körperlichen Zustand, weil sie einfach unterschiedlich belastet waren in den letzten Monaten. Wir arbeiten aber darauf hin, dass die Trainingsstände zum Ligaauftakt gegen Union Berlin alle auf dem höchsten Niveau sind.

Warum hatte es eigentlich so lange gedauert, bis Sie wieder einen Trainerjob angenommen hatten?

Es ist nicht so gewesen, dass ich keine Angebote hatte. Da gab es seit 2009 viele von. Allerdings sah ich persönlich für mich bei den meisten keine Perspektive. Als dann der VfL Bochum in der schwierigen Phase für den Klub auf mich zukam, war für mich sofort klar: Das mache ich. Die Frage hat sich eigentlich überhaupt nicht gestellt. Der VfL ist schließlich mein Verein.

In den letzten Tagen hatte vor allem das Thema Leon Goretzka Fußballdeutschland beschäftigt. Wie beurteilen Sie den Wechsel und die Begleiterscheinungen?

Das ganze Theater musste nicht sein. Vor allem für Leon tut es mir leid, aber der VfL hat daran keine Schuld gehabt. Es lag an eigenartigen Vertragspunkten. Während der ganzen Zeit gingen alle Gedanken aber immer nur um Leon. Um ihn sollte hier in Bochum eine Mannschaft aufgebaut werden. Wir hatten eigentlich die Zusage, dass er bis zu seinem Abitur 2014 bei uns spielen würde. Das hat er mir auch persönlich gesagt. Das ist jetzt zwar traurig wie es gekommen ist aber so ist der Fußball nun einmal.

Stimmt es Sie dann aber ein wenig milder, dass Leon Goretzka zu einem "ihrer" Vereine, zum FC Schalke 04, gegangen ist?

Der Transfer ist natürlich gut für Schalke, keine Frage. Ich wünsche Leon auch alles Gute.

Wie sehen Sie generell den Weg, den ihr Reviernachbar in der Sommerpause eingeschlagen hat?

Die Schalker haben natürlich auch die finanziellen Möglichkeiten sich den einen oder anderen Spieler zu holen. Dass sie dabei auf junge Spieler setzen, ist schön. Außerdem hatte der Verein schon immer eine sehr gute Jugendarbeit. Vor allem Norbert Elgert (Anmerk. d. Red.: U19-Trainer auf Schalke) macht dort seit Jahren eine sehr gute Arbeit. Wir gehören mit unserer Jugendarbeit aber auch zu den vier besten Vereinen in Deutschland.

Sie blicken ja bereits auf eine lange und erfolgreiche Trainerkarriere zurück. Viele Spieler liefen unter ihrer Führung auf. Können Sie da einen hervorheben?

Nein, ich hatte viele gute Spieler trainieren dürfen. Außerdem ist das immer so eine Sache, wenn man sagt: "Der ist der beste Spieler der Welt." Ist Messi zum Beispiel besser als Neuer? Da sage ich "Nein", weil Neuer stärker im Tor ist. Abgesehen davon hängt es bei einem Spieler auch immer davon ab, in welcher Mannschaft er spielt. Trotzdem ist Messi wahrscheinlich gerade der beste Spieler auf seiner Position. Wenn ich aber einen Spieler wegen seines spielerischen Potenzials nennen sollte, dann wäre das Michael Kostner. Den habe ich damals in Köln trainiert und vom fußballerischen würde ich ihn auf eine Ebene mit Franz Beckenbauer stellen…

Mit dem großen Franz Beckenbauer?

Ja, er war fußballerisch wirklich sehr gut. Doch es gibt einen großen Unterschied: Er hatte nie ein Länderspiel gemacht. Das lag aber an anderen Dingen. Deshalb sage ich auch, dass er vom fußballerischen Können ein guter Spieler war. Aber auch im Tor hatte zum Beispiel einen Jens Lehmann oder einen Bodo Ilgner trainiert. Ich kann also nicht den besten Spieler benennen.

Vom Fußballmagazin 11-Freunde wurden Sie zum Typen des Jahres gewählt. Wissen Sie warum und was macht Sie als Typ aus?

Ich glaube es hängt viel mit dem Job bei Sport1 und meinem Herzinfarkt zusammen. Wahrscheinlich liegt es einfach daran, dass ich ein so plötzliches Comeback gegeben habe.

Wenn Sie sich derzeit einen Spieler für den VfL Bochum wünschen könnten, wer wäre das?

Das wäre ganz klar ein Typ wie Rudi Völler – nur 30 Jahre jünger. Einfach so eine Persönlichkeit wie ihn, mit den fußballerischen Fähigkeiten und dem Willen eine Mannschaft zu führen.

Eine Frage zum Schluss: Wo landet der VfL Bochum am Ender der Saison?

Wir haben in der letzten Saison den Klassenerhalt geschafft und haben den Kader umstrukturiert. Eine Zielsetzung geben wir aber erst aus, wenn wir den Kader komplett haben. Wir suchen schließlich noch Spieler, die uns verstärken. Wenn wir den Kader zusammen haben, dann sagen wir auch, was wir erreichen wollen.

EURE MEINUNG: Sehen wir Peter Neururer und den VfL Bochum bald wieder in der ersten Liga?

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