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Sammy Kuffour: Die aktuellen Bayern sind noch nicht besser als die Champions-League-Sieger von 2001

Wir trafen Bayerns Ex-Verteidiger Samuel "Sammy" Kuffour zum ausführlichen Interview. Ein Gespräch über Dramen, Triumphe und das Drücken vorm Elfmeterschießen.

EXKLUSIV
Von Juliet Bawuah

Sammy Kuffour weiß, wie es ist, mit dem FC Bayern München die Champions League zu gewinnen. Im Jahr 2001 war er beim Triumph über den FC Valencia dabei. Und der Ghanaer betont im Gespräch mit Goal.com, dass die aktuelle FCB-Truppe sich erst mit den Helden aus "San Siro" vergleichen dürfe, wenn sie am Abend in Wembley das Endspiel gegen den BVB gewinnt.

Für die Bayern ist das Duell mit Borussia Dortmund bereits die dritte Endspielteilnahme in den letzten vier Jahren. 2010 und 2012 scheiterten sie jeweils an der letzten Hürde - das soll diesmal nicht passieren.

Kuffour spielte insgesamt zwölf Jahre lang für die Bayern. Sein größter Triumph war gewiss der Sieg in der Königsklasse 2001. Zwei Jahre zuvor hatte er allerdings auch die Last-Minute-Niederlage gegen Manchester United miterlebt. "Niemand konnte damals glauben, was passiert war. Es war ein sehr, sehr trauriger Moment", erinnerte sich Kuffour im Gespräch mit Goal.com. Wir trafen den Ghanaer und sprachen mit ihm ausführlich über seine Erfahrungen und das Finale am Samstagabend.

Eines der einprägendsten Bilder vom Finale 1999 war der Moment, als sie voller Zorn Grasbüschel über den Rasen des "Camp Nou" schleuderten. Welche Erinnerungen haben sie an jenen Tag?

Sammy Kuffour: Bis heute habe ich es nicht über's Herz gebracht, mir das Spiel anzuschauen. Als wir gegen Manchester United spielten, waren dort Yorke und Cole. Wenn man sie ruhig stellte, war es das mit Manchester United. Wir schafften es und wir hatten mehr Ballbesitz und mehr Chancen. Aber es war einfach ihr Tag und darum haben sie gewonnen. Sie hatten das Glück auf ihrer Seite.

Lothar Matthäus kam in der Nacht vor dem Finale zu mir und meinte, dass wir gewinnen, wenn wir Yorke und Cole im Griff haben. Viele haben sich hinterher gefragt, warum Lothar in der 80. Minute ausgewechselt wurde. Aber das war geplant. Lothar war 38 Jahre alt. Also kam Thorsten Fink, um das Mittelfeld zu stärken. Aber der Plan funktionierte nicht. Ich persönlich, wäre ich Matthäus gewesen, hätte bis zum letzten Tropfen Blut gespielt. Es war das Champions-League-Finale und wäre er geblieben, wäre das Spiel anders gelaufen.

Welchen psychologischen Effekt könnte das verlorene Endspiel aus dem Vorjahr für das aktuelle Bayern-Team haben?

Kuffour: Alles, was die Spieler gegen Chelsea für einen Finalsieg brauchten, war Charakter. Robben verschoss den entscheidenden Elfmeter in der Liga gegen Dortmund. Also wäre es für Bastian Schweinsteiger an der Zeit gewesen, eine starke Entscheidung zu treffen: Er hätte ihn fragen müssen, ob er nicht selbst schießen dürfe. Dass er das nicht tat, führte zur Niederlage. Im Prinzip ist es dieselbe Mannschaft, die im vergangenen Jahr zusammenspielte. Ein Champions-League-Finale zu Hause zu verlieren, ist eine sehr schmerzhafte Sache. Sie müssen jetzt miteinander sprechen und daran glauben, dass sie gewinnen können.



Jeder kann sehen, dass dies nun ihre Zeit ist. Ich war vor ein paar Wochen in München, als sie den Bundesliga-Titel gewannen. Viele ehemalige Spieler waren dort und ich denke, das war eine Inspiration für die aktuelle Mannschaft. Wir haben mit ihnen geredet. Schaut man sich ihre Ausgeglichenheit an, sieht man, dass es in Europa keine stärkere Mannschaft gibt. Alle sind solide und Ribery und Robben brennen. Sie dürfen Dortmund auf gar keinen Fall unterschätzen. Aber ich tippe, die Bayern werden mit zwei Toren Vorsprung gewinnen.

Bayern kassierte im letzten Jahr nach einer Standardsituation das Gegentor kurz vor dem Ende. Ist das eine Schwachstelle, die Dortmund ausnutzen kann?

Kuffour: Ich denke, die Konzentration der Bayern-Verteidiger muss einfach höher sein. Ich habe mich mit Jerome Boateng unterhalten und er ist sehr optimistisch für das Duell mit Lewandowski. Außerdem haben sie Dante, der sehr sicher gespielt hat die ganze Saison. Ich liebe es außerdem, Alaba beim Spielen zuzusehen. Im letzten Jahr hat er das Finale verpasst und nun wird das für ihn mit all seinem Potenzial eine große Gelegenheit sein.

Sie haben das Endspiel 2001 nach Elfmeterschießen gewonnen. Was muss man haben, um in dieser Disziplin zu gewinnen?

Kuffour: Der Trainer kam vorher zu mir und fragte mich, ob ich einer der ersten fünf Schützen sein wolle. Ich sagte nein. Ich erinnere mich, dass Bixente Lizarazu und ich zu ihm gingen und sagten: "Lass die Deutschen schießen, dann sehen wir, was passiert. Lass sie schießen und ich werde hinter ihnen stehen und beten."

Ich bin ein sehr guter Elfmeterschütze, aber in dem Moment habe ich mich gedrückt. Es war das Finale und gegen Valencia konnte alles passieren. Beim Elfmeter geht es nur um Konzentration. Du suchst Dir ein Ziel und hältst hart drauf. Als Spieler solltest Du Dir keine zweiten Gedanken machen, sondern einfach auf Dein Ziel schießen.

Bayern hat eine ausgeprägte Siegermentalität. Wie sehr schmerzen da die Final-Niederlagen, besonders die letzte im heimischen Stadion?

Kuffour: Das war hart für die Fans, die ihren Klub so sehr lieben. Bevor wir gegen Valencia auf den Platz gingen, schwor uns Stefan Effenberg darauf ein, rauszugehen und alles für die Leute in Bayern zu geben. Die Endspiele ‘87, ‘99, 2010 und 2012 waren gewiss nicht leicht. Egal, was es ist, diesmal dürfen sie nicht zurückblicken. Sie können nicht wieder ein Finale verlieren. Falls sie gewinnen, wird jeder es für verdient halten: Sie haben Barcelona 7:0 geschlagen und Juventus 4:0.

Wie lauten die Erwartungen an die aktuelle Mannschaft der Bayern?

Kuffour: Die ganze Saison lief fantastisch. Die Stimmung innerhalb der Mannschaft ist positiv. Großes Lob an Jupp Heynckes, der einen außerordentlichen Job erledigt und den deutschen Fußball auf ein neues Level gebracht hat. 25 Punkte Vorsprung in der Liga sind ein neuer Rekord. Bei uns waren es damals 15 Punkte. Nun liegen noch das Pokalfinale und eben die Champions League vor ihnen. Dort wird sich zeigen, wie sie den Schock gegen Chelsea verdaut haben.



Den europäischen Fußball zu dominieren ist der Traum, vor allem nun mit Pep Guardiola. Er ist einer der besten Trainer auf der Welt. Als er bei Barcelona war, sagten alle, die Spieler seien so gut. Aber nun sieht man seine Qualität. Ich denke, Guardiola wird bei Bayern seine Arbeit fortsetzen und wir werden Verbesserungen sehen. Bayern hat Mario Götze gekauft und wahrscheinlich folgt noch Lewandowski. Sie werden für eine lange Zeit an der Spitze stehen. Sie werden die Bundesliga im nächsten Jahr gewinnen und wahrscheinlich auch wieder das Endspiel der Champions League erreichen.

Wie können sie beweisen, dass sie besser sind als das Team von 2001?

Kuffour: Im Moment sind sie nicht besser als die Mannschaft von 2001. Sie müssen die Champions League gewinnen. Das ist der größte Wettbewerb und das Team von 2001 hat ihn geholt. Wir haben Barcelona damals 2:1 besiegt, sie haben 7:0 gewonnen. Eine tolle Leistung, aber sie müssen erst den Pokal gewinnen, ehe man darüber reden kann, dass sie besser sind als wir.

Wir gewannen die Liga und die Champions League, also das Double. Nun ist das Triple möglich. Falls sie das schaffen, dann kann ich sagen, dass sie besser sind als wir.

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