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Goal.com sprach mit Nürnbergs Angreifer Sebastian Polter über Kulturvermittlung in Wolfsburg, die anstehende U21-EM in Israel und "deutsche" Tugenden im Sturm .

EXKLUSIV
Von Martin Ernst

Nürnberg. Am Donnerstag berief U 21-Trainer Rainer Adrion seinen Kader für die EM in Israel, wo die deutsche Mannschaft in der Vorrunde auf Spanien, die Niederlande und Russland trifft. Mit dabei: Stürmer Sebastian Polter, der vom VfL Wolfsburg derzeit noch an den 1. FC Nürnberg ausgeliehen ist.

Goal.com sprach im Rahmen der Preisverleihung der Initiative "Deutscher Fussball Botschafter" mit dem 23-jährigen Nationalspieler über Kulturvermittlung in Wolfsburg, die anstehende U21-EM in Israel und "deutsche Tugenden" im Sturm.

Herr Polter, Sami Khedira hat aus elf Kandidaten, unter anderem Mesut Özil oder Lukas Podolski, den Publikumspreis der Initiative "Deutscher Fussball Botschafter" gewonnen. Für wen hätten Sie denn gestimmt?

Polter: Kurz vor der Bekanntgabe habe ich zu meiner Frau gesagt, ich glaube, dass es Miro Klose macht. Egal, wo er gewesen ist, er hatte meiner Meinung nach immer eine Vorbildrolle. Als Stürmer ist er natürlich auch für mich persönlich ein Vorbild (schmunzelt). Meine Frau hat aber auf Sami Khedira getippt, sie lag da richtig.

Bevor Sie diese Saison nach Nürnberg kamen, waren Sie in Wolfsburg – wo es ja letztes Jahr einen sehr internationalen Kader gab. Fühlt man sich bei so vielen Spielern aus dem Ausland auch manchmal ein bisschen wie ein Deutscher Botschafter?

Polter: Ein Stück weit schon. Man versucht natürlich immer, Spieler aus dem Ausland so gut wie möglich zu integrieren und ihnen die Sprache nahe zu bringen. Mit Ja-Cheol Koo, der momentan in Augsburg spielt, war der Kontakt damals beispielsweise sehr eng, wir haben zusammen gekocht und gelernt. Mittlerweile spricht er auch schon sehr gut deutsch, nach gerade mal drei Jahren. Klar, man will Deutschland natürlich "schmackhaft" machen und irgendwo positiv rüber zu bringen...

Aus Ihrer Erfahrung: Was verbinden ausländische Spieler damit, wenn sie an „Deutsche Tugenden“ denken?

Polter: Eine deutsche Tugend ist immer noch diese bestimmte Art von Leidenschaft, also dass man mit Herzblut bei der Sache ist und gerne den Adler auf dem Trikot trägt. Jede Sekunde, die man sein Land vertritt, sollte man das mit Stolz und Leidenschaft machen. Ich denke, dass hat man bei der Preisverleihung auch gemerkt. Bei der U21-EM in Israel wird das ja auch eine Rolle spielen: Deutschland – nicht nur sportlich – im Ausland gut zu vertreten.

 Sebastian Polter | Bundesliga-Blianz für  den 1. FC Nürnberg und den VfL Wolfsburg
Saison Spiele
Tore / Assists
Minuten Startelfeinsätze
 2011/2012 12 2 / 0
348 1
 2012/2013 25 4 / 0
1053 10
Gesamt 27 5/ 0
1401 11


Die Qualifikations-Spiele gegen die Schweiz verliefen ja etwas knapper als erwartet...

Polter: Richtig. Nach dem 1:1-Hinspiel, als wir in der Nachspielzeit das Unentschieden kriegten, war der Druck natürlich groß. Ein bisschen haben wir auch gegrübelt, sind dann aber mit voller Überzeugung in die Schweiz gefahren, wo wir klar gewinnen konnten. Die Erleichterung, nach Israel zu reisen war dann groß, auch wenn wir immer von uns überzeugt waren.

Die Truppe von Rainer Adrion reist in starker Besetzung nach Israel. Mit Pierre-Michel Lasogga, Daniel Ginczek oder Kevin Volland haben sie namhafte Konkurrenz im Sturm. Wie sehen Sie die Chancen auf einen Einsatz?

Polter: Ich hoffe sehr gute! In den Playoffs konnte ich der Mannschaft mit Toren helfen, kam aber in der Rückrunde bei Nürnberg nicht auf so viele Einsätze, wie erhofft. Dass ich mitfahre, ist aber Anerkennung für mich. Nun möchte ich im Training zeigen, dass ich die EM unbedingt mit der Mannschaft gewinnen möchte. Auch Lewis Holtby hat zuletzt nicht immer gespielt, aber wir wissen alle um seine Qualitäten und hoffen auf sie.

Als großgewachsener, bulliger Stürmertyp: Wie verfolgen Sie die Diskussion um stürmende Mittelfeldspieler und falsche oder schwimmende Neuner? In Isreal geht es ja auch gegen Spanien...

Polter: Das ist natürlich sehr "spanisch" beeinflusst – Barcelona lebt es vor, Spanien lebt es vor. Deutschland hat das bisher auch sehr positiv gestaltet. Allerdings waren Miro Klose und Mario Gomez auch nicht immer fit. Ich denke nicht, dass sich der deutsche Fussball da komplett anpasst, sondern, dass die "deutschen" Sturm-Tugenden – beispielsweise: Kopfballspiel und Bälle in die Tiefe fordern – nach wie vor gefordert sind und gefordert werden. Meiner Meinung nach steht der deutsche Fussball auch dafür, mit einem Mittelstürmer zu spielen. (Lächelt) Da ich natürlich genau auf der Position spiele, hoffe ich, dass es so bleibt...

Haben sie bestimmte Vorbilder in dieser Richtung?

Polter: Uwe Seeler, den ich bei dieser Preisverleihung sehr gerne getroffen hätte und der eines meiner Vorbilder ist, hat den deutschen Fussball für mich gelebt. Schade, dass er nicht kommen konnte.

Zum Thema Botschafter im Ausland: Reizt Sie der Gedanke, mal in einer anderen Liga zu spielen?

Polter: Egal mit welcher Bundesligamannschaft oder der U-Nationalmannschaft: Man ist immer mal im Ausland und vertritt dann sein Land, sei es Trainingslager oder einem Turnier. Ich glaube aber, dass die deutsche Liga zusammen mit Spanien die beste Liga sein wird. Daher weiß ich gar nicht, ob man unbedingt ins Ausland muss.

Sie stehen beim VfL Wolfsburg unter Vertrag und kehren im Sommer dorthin zurück zu ihrem alten, neuen Trainer Dieter Hecking. Was nehmen Sie aus Nürnberg mit?


Polter: Vom ersten Tag wurde ich hier sehr gut behandelt und bin mit allen gut ausgekommen, vom Trainer bis zum Busfahrer. Und natürlich bin ich auch sehr froh, bei einem Verein mit so viel Tradition gespielt zu haben. Meine Frau und ich wurden hier sehr gut aufgenommen und sind dafür sehr dankbar. Laut Vertrag geht es im Sommer aber erstmal zurück nach Wolfsburg.

EURE MEINUNG: Kann die U-21 den Titel von 2009 wiederholen?

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