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Andreas Beck über den Abstiegskampf mit 1899: „Es gibt hier grundsätzlich viel zu viele Diskussionen um Nebensächlichkeiten“

EXKLUSIV - TSG-Kapitän Andi Beck spricht im Interview Klartext. Die momentane Situation nervt ihn, seine Mitspieler nimmt er in die Pflicht. Doch auch das Ausland reizt ihn.

Sinsheim. Bei der TSG 1899 Hoffenheim ist der Abstiegskampf täglicher Begleiter. Kapitän Andreas Beck spricht vor dem schweren Spiel beim FC Schalke 04 im exklusiven Interview bei Goal.com über die angespannte Situation, seine persönliche Lage und den Wunsch mal im Ausland die Stiefel schnüren zu dürfen.

Andreas Beck, Sie stecken mit der TSG tief im Abstiegskampf. Die letzten Monate waren ziemlich turbulent. Wie hat die Mannschaft das alles aufgearbeitet?

Beck: Es ist natürlich eine schwierige Situation. Wir stecken da unten drin und haben vier Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz. Das ist keine gute Ausgangslage für den Endspurt, aber es ist machbar.

Der leichte Aufwärtstrend muss beibehalten werden …

Beck: Natürlich. Uns haben schon sehr, sehr viele abgeschrieben. Wenn die Augsburger Punkte liegen lassen, dann müssen wir zur Stelle sein. Wir wissen ja selbst, wie schnell es wieder negativ werden kann. Beim Spiel gegen den FC Augsburg haben wir einen mächtigen Dämpfer bekommen, wo wir erschreckend schwach gespielt haben. Da haben alle gesagt, dass wir den Klassenerhalt nicht mehr schaffen.

Hat Sie das wachgerüttelt?

Beck: Ich hätte lieber gewonnen. Aber vielleicht hatte das schon einen Effekt, die Einstellung ist jetzt noch fokussierter. Wir haben gegen die Bayern (Hoffenheim verlor 0:1, Anm. d. Red.) ein gutes Spiel gemacht. Wir haben einfach eine Reaktion gezeigt. Die Spiele gegen Fürth und zumindest in der Defensive gegen Mainz waren ebenfalls gut. Wir müssen daran anknüpfen.

Haben Sie und Ihre Mitspieler den Abstiegskampf vorher unterschätzt?

Beck: Nun, die Winterpause hat uns geholfen. Wir haben Dinge aufarbeiten können. Ich glaube, dass es mittlerweile auch der Allerletzte gemerkt hat, in welcher Situation wir uns befinden und spürt, um was es hier geht. Wir müssen weiter alle an einem Strang ziehen und jeder Einzelne muss sich aufopfern!

Woher kam die hohe Erwartungshaltung? Hoffenheim sprach vom großen Fußball und wollte international spielen …

Beck: Es kamen neue Spieler mit gewissen Namen. Der Verein hat sich was anderes vorgestellt. Nun ist die Lage so, wie sie nun mal ist. Das müssen wir annehmen. Durch die Erwartungshaltung hat es sehr lange gedauert, bis man das innerhalb des Vereins gemerkt hat. Wir kämpfen um den Klassenerhalt - das muss das Bewusstsein sein. Es wurde viel über die „Riesenqualität“ der Mannschaft gesprochen. Am Ende vom Tag muss man sich nun eingestehen, dass die vielleicht doch nicht da ist.

Tut Ihnen die Situation um Tim Wiese leid?

Beck: Wir als Mannschaft sind gut beraten, uns nur auf das Sportliche zu konzentrieren. Zum Thema Tim Wiese ist so viel gesagt worden, daran brauche ich mich nicht noch beteiligen. Das ist auch nicht meine Aufgabe.

Aber das belastet doch auch die Mannschaft, oder nicht?

Beck: Es gibt hier grundsätzlich viel zu viele Diskussionen um Nebensächlichkeiten. Wir müssen Punkte einfahren, so einfach ist das. Alles andere muss ausgeblendet werden.

Mit Marco Kurz haben Sie einen neuen Übungsleiter. Warum hat es mit Markus Babbel nicht mehr funktioniert?

Beck: Über Markus Babbel möchte ich rückblickend nicht urteilen. Wir schauen nicht zurück, wir schauen nach vorne.

Dann sprechen wir über Marco Kurz …

Beck: Marco Kurz wurde auch deshalb geholt, weil er ein unheimlich geradliniger Mensch ist. Er nennt die Dinge beim Namen, ehrlich und direkt. Die Erwartungshaltung aus der Anfangszeit dieser Saison ist bei Marco Kurz nicht spürbar. Mit ihm kam jemand, der von Beginn an gesagt hat: „Damit haben wir nichts am Hut. Wir werden bis zum letzten Spieltag und der möglichen Relegation um den Klassenerhalt kämpfen müssen.“ Vorher war niemand da, der das so klar und deutlich vermittelt hat. Das war ein Signal für das Umfeld und die Mannschaft. Der Verein hat das gebraucht.


Wenn es um meine Gesamtkarriere geht, ist es schon so, dass ich gerne irgendwann auch mal im Ausland spielen würde. England, Russland, Italien oder Spanien klingen für mich interessant.“

- Andreas Beck

Aufbruchstimmung ist also da. Knallt es denn auch mal im Gebälk?

Beck: Da passt unser Trainer schon auf. Manchmal muss er die Wogen glätten. Bei einem Team, dass diesen Abstiegskampf annehmen muss, ist natürlich auch Feuer drin. Ich gehe jetzt auf die 200 Bundesligaspiele zu und bin schon lange dabei. Feuer muss einfach drin sein, das zeigt, dass das Kollektiv lebt.

Schaffen Sie den Klassenerhalt?

Beck: Das wird eine Mammutaufgabe. Aber wenn jeder mitzieht, dann packen wir das. Die Tugenden sind ganz entscheidend, und die muss man immer an den Tag legen. Die Bereitschaft, die Demut, die Aufopferung, alles das muss da sein. Schön spielen bringt uns nichts! Das muss sich jeder vor Augen führen. Das ist anstrengend für den Trainer und für die Spieler. Aber nur so geht es.

Sprechen wir etwas über Sie. Sie haben Ihr letztes Spiel in der Nationalmannschaft 2010 gemacht. Warum hat Sie Joachim Löw aus den Augen verloren?

Beck: Ich bin Fußballprofi und habe natürlich auch das Ziel in der Nationalmannschaft zu spielen. Dennoch bin ich Realist genug und sehe, dass es derzeit nicht mein Thema ist. Man rückt halt dadurch in den Fokus, wenn man mit der gesamten Mannschaft guten Fußball zeigen kann. Das war ja damals, als wir mit Hoffenheim für Furore gesorgt haben, nicht anders. Da habe ich den Weg geschafft, worauf ich sehr stolz bin. Aber mich interessiert in erster Linie nur der Abstiegskampf mit Hoffenheim.

Wie sehen Sie Ihre eigene Leistung in dieser Spielzeit?

Beck: Wir stehen auf einem Abstiegsplatz. Ich glaube nicht, dass da irgendjemand mit seiner Leistung richtig zufrieden sein kann.

Sie haben sicherlich andere Ansprüche, gemessen an der Aktualität. Sie haben auch Ihre persönliche Situation im Blick. Denken Sie über einen Vereinswechsel nach?

Beck: Mein Vertrag läuft bis Sommer nächsten Jahres. Das ist Fakt. Für mich zählt zurzeit aber einzig und allein der Klassenerhalt. Andere Gedanken stelle ich hinten an. Mit jeder Faser des Körpers ordne ich mich aber der momentanen Situation unter, da bleibt keine Zeit für Gerüchte oder Spekulationen.

Dennoch würden wir gerne wissen, ob das Ausland immer noch ein Thema für Sie ist. Ist es das?

Beck: Wenn es um meine Gesamtkarriere geht, ist es schon so, dass ich gerne irgendwann auch mal im Ausland spielen würde. England, Russland, Italien oder Spanien klingen für mich interessant.

Sie werden doch sicherlich mal die Möglichkeit dazu gehabt haben …

Beck: Es gab während meiner Karriere immer mal Anfragen aus England, Russland oder Italien … Besonders in einem Fall eines italienischen Klubs habe ich mich schon mal intensiver damit auseinandergesetzt. Aber so ein Schritt macht nur Sinn, wenn es auch wirklich passt. Für alles andere ist die Bundesliga einfach viel zu attraktiv. Und dort spiele ich auch riesig gerne mit Hoffenheim, was anderes zählt jetzt nicht.

Ihr Vertrag läuft 2014 aus. Es heißt, sie hätten eine Ausstiegsklausel für den Sommer …

Beck: Ich habe noch nie in der Öffentlichkeit über Klauseln oder sonstige Vertragsinhalte gesprochen. Das möchte ich so beibehalten.

Am Wochenende geht es zum FC Schalke 04. Eine schwere Aufgabe …

Beck: Sie sagen es. Das wird eine extrem schwere Aufgabe. Wenn wir was Zählbares holen wollen, und das wollen wir, keine Frage, dann brauchen wir ein sehr gutes Spiel. Bei Schalke bekommst du die Punkte nicht einfach so, die musst du dir knallhart erarbeiten! Wir fahren da hin, und wir wollen denen wehtun.

Vielen Dank, Herr Beck.

Andreas Beck findet ihr auch bei

EURE MEINUNG: Wird Hoffenheim den Klassenerhalt schaffen?

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