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Dortmund: Zlatan Alomerovic' schwere Entscheidung

EXKLUSIV - Dortmunds Zlatan Alomerovic sprach mit Goal.com über Ansprüche an junge Keeper, seinen auslaufenden Vertrag und darüber, was Top-Stürmer ausmacht.

Dortmund. Es gehört zu den wenigen sicheren Fussballweisheiten, dass es Deutschland nie an guten Torhütern mangeln wird. Und umgekehrt, dass es wohl nirgends so schwer ist, sich in der Bundesliga oder gar der Nationalelf zu etablieren wie im Land der Illgners, Kahns und Köpkes – vor allem für junge Keeper. Zlatan Alomerovic weiß das nur zu gut aus eigener Erfahrung: Der 21-Jährige ist bei Borussia Dortmund hinter Roman Weidenfeller und Mitch Langerak der dritte Mann für's Tor.

Bei den Westfalen gehört Alomerovic zu den dienstältesten Profis, nicht zuletzt deswegen ist der BVB für den jungen Keeper eine Herzensangelegenheit. Umso schwerer könnte die Entscheidung werden, wenn diesen Sommer sein Vertrag ausläuft - mit 22 wäre es Zeit für den nächsten Schritt. Soll heißen: Regelmäßige Einsätze auf hohem Niveau. Beobachtern und Scouts ist das nicht entgangen. Mittlerweile liegen Angebote von holländischen Erstligisten vor. „Dortmund ist aber nach wie vor unser erster Ansprechpartner“, meinen Alomerovic' Berater Rusmir Dzebic und Heiko Hofstätter gegenüber Goal.com.

Herz oder Vernunft? Noch stellt sich die Frage nicht, denn Alomerovic' Augenmerk liegt derzeit auf der 3. Liga, wo er für die zweite Mannschaft der Schwarz-Gelben zwischen den Pfosten steht. Letztes Jahr ist er mit dem Team aufgestiegen, „jetzt geht es um den Klassenerhalt“, sagt Alomerovic im Gespräch mit Goal.com pflichtbewusst. Außerdem sprach er mit uns über die Ansprüche an junge Keeper, darüber, was Top-Stürmer ausmacht und sein Vorbild zwischen den Pfosten.


Herr Alomerovic, Deutschland erfreut sich in den letzten Jahren an einer neuen Torhüter-Generation. Wo sehen Sie die Gründe für die vielen starken Nachwuchskeeper?

Man merkt auf jeden Fall das hohe Niveau, aber auch die hervorragende Ausbildung. In den Leistungszentren ist sie sehr sehr gut und die meisten Torwarttrainer haben selbst früher auf hohem Niveau gespielt und können das weiter geben, was für mich auch den Boom von jungen Torhütern in den letzten Jahren erklärt. Wenn ich mir Spiele von früher anschaue, kann man beispielsweise sehen, dass damals noch nicht so viel Technik abverlangt wurde...

Der grundlegendste Unterschied zu früher?

Ich denke schon. Heute wird da immens Wert drauf gelegt. Kraft kann man sich immer noch später aneignen, aber wenn man die Technik nicht gelernt hat, ist das später kaum noch nachzuholen. Natürlich ist die Hauptsache Bälle halten, aber das Mitspielen ist heutzutage schon ein Hauptkriterium. Den Ball unter Druck platziert an den Mann zu bringen, das macht einen sehr guten Torwart aus.

Sie waren im Winter mit Dortmunds erster Mannschaft im Trainingslager, saßen in dieser Saison auch schon in der Bundesliga auf der Ersatzbank. Wie sehen Sie Ihre Situation hinter Roman Weidenfeller und Mitch Langerak?

Roman ist ein klasse Tormann mit tollen Fähigkeiten, der schon eine Menge in seiner Karriere erlebt hat. Ich denke, er kann noch ein paar Jahre auf dem Niveau spielen. Für mich als Nummer drei ist es da natürlich schwer mit Einsatzzeiten, aber ich nehme trotzdem das Beste mit. Denn, dritter Torwart beim Deutschen Meister zu sein, sehe ich nicht als das Schlechteste. Im Training heißt das auch: Du kriegst von den besten Offensivspielern Deutschlands die Bälle aufs Tor, das ist schon eine ganz schöne Erfahrung, die man da mitnimmt.

Was kann man dabei an Erfahrungen mitnehmen?

Ich habe auf diesem Niveau beispielsweise gelernt, dass Schüsse sehr schnell auf das Tor kommen, und oft dann wenn man es am wenigsten erwartet. Top-Stürmer schließen schnell ab, das ist ihre Qualität. Man muss wirklich in jeder Sekunde hoch konzentriert sein...

Ihr Vertrag läuft in diesem Sommer aus, es gibt Anfragen von ausländischen Erstligisten... Für Sie ein Stück weit eine Zwickmühle zwischen Herzensangelegenheit und Zukunftsplanung?

Mir wurde von Teddy de Beer signalisiert, dass man mich gerne in Dortmund behalten möchte. Für mich ist die Situation insofern schwierig, weil Roman und Mitch in einer super Form sind. Ich muss natürlich schauen, was für mich das Beste ist, auch wenn ich mich hier sehr wohl fühle, jeden Mitarbeiter kenne und schon lange hier bin. Momentan ist die Situation aber noch offen und Priorität hat für mich zur Zeit nur Dortmunds Zweite, mit der es um den Klassenerhalt geht.

Momentan steht Dortmund II auf dem letzten Tabellenplatz. Wie sehen Sie die Chancen?

Eigentlich gut, wir haben fraglos das Potential! Auch gegen Tabellenführer KSC haben wir beispielsweise in einem der letzten Spiel lange dominiert, nur war der Gegner wie so oft am Ende etwas effizienter...

Sie heißen zwar Zlatan, aber auf Ihrer Position haben Sie bestimmt andere Idole als Ibrahimovic, oder?

Tatsächlich ist mein Vorbild Oliver Kahn. Früher, als mitspielende Torhüter noch nicht so häufig waren, faszinierten mich seine starken Paraden und Reflexe. Aber auch dieser unbedingte Wille, zu gewinnen und der Beste zu sein. Die mentale Stärke ist bei diesem Job mit das Wichtigste.

Wenn sich das Thema Nationalmannschaft eines Tages stellen sollte: Deutschland oder Serbien?

Ich kam schon als kleiner Junge vom Balkan, aus dem Bürgerkrieg, und bin seit meiner Kindheit in Deutschland. Weil ich mich hier sehr wohl fühle und auch meine Ausbildung hier genossen habe würde ich mich für den DFB entscheiden.

Es heißt Sie sind spielerisch recht gut, weil es gar nicht Ihr Kindheitstraum war, mal im Tor zu stehen...

Das stimmt. Wie die meisten wollte auch ich früher lieber Tore schießen. Weil ich kleiner war, hieß es dann immer 'Geh du mal ins Tor'. Daraus ist dann eine andere Liebe entstanden...

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