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EXKLUSIV - Der U21-Nationalspieler ist seit einigen Wochen bei Tottenham Hotspur. Er genießt die Zeit, fühlt sich pudelwohl und will endlich sein erstes Tor schießen.

London. Lewis Holtby kam mit vielen Vorschusslorbeeren zu Tottenham Hotspur. Der 22-Jährige will mit den Nordlondonern vieles erreichen und gibt dafür selbstredend alles. Noch hat er sich keinen Stammplatz erarbeitet, doch Holtby nimmt sich Zeit. Goal.com sprach mit dem Jungstar exklusiv.

Herr Holtby, wie fühlt sich Premier League an?

Holtby: „Richtig, richtig gut. Ich freue mich total. Die Premier League ist eine sehr starke Liga.“

Ist der Unterschied zur Bundesliga groß?

Holtby: „Beide Ligen haben ein sehr hohes Niveau. Die Premier League ist sehr schnell und hier wird nur wenig abgepfiffen – auch sehr harte Fouls werden teilweise nicht abgepfiffen. Es geht ständig hoch und runter, das Tempo ist enorm. Die Bundesliga ist aber im Ganzen wesentlich ausgeglichener und taktisch besser. Wird der Ball nach hinten gespielt, dann kommen von den Rängen Pfiffe. Die Fans tragen die Mannschaften und peitschen sie nach vorne.“

Ihr Vater ist Engländer und Everton-Fan. Was hat er gesagt, nachdem Sie ihm erklärt haben, dass Sie zu Tottenham wechseln?

Holtby: „Er ist natürlich stolz auf mich. Es war immer unser gemeinsamer Traum, dass ich irgendwann in der Premier League spiele. Jetzt spiele ich sogar für einen der größten Vereine in England. Es ist fantastisch, für diesen Klub zu spielen. Mein Vater freut sich bei jedem Spiel dabei zu sein.“

Was ist denn, wenn Sie gegen Everton spielen müssen?

Holtby: „Natürlich hat er schon ein paar Scherze gemacht und gesagt: Wenn ich auf dem Platz stehe, dann kickt er mich aus dem Feld, oder setzt mich für das Spiel irgendwie anders außer Gefecht.“


„Gareth ist sportlich gesehen einfach nur ein Tier, hat kaum Fett am Körper und ist richtig groß. Außerdem hat er einen Schuss wie ein Pferd.“


- Lewis Holtby über Gareth Bale

Was ging in Ihnen vor, als Sie beim ersten Spiel auf dem Rasen standen? Für Sie ist diese Liga ja etwas ganz Besonderes …

Holtby: „Ich genieße jeden Tag hier. Das ging schon sehr schnell. Ich bin hier angekommen, hab einmal mittrainiert und stand direkt im Kader. Ich hab im ersten Spiel gleich 20 Minuten Spielzeit bekommen, das war super.“

Haben Sie sich gut einleben können?

Holtby: „Absolut. Wir haben eine gute Mannschaft, einen guten Team-Spirit. Hier wird an jeder Ecke sehr professionell gearbeitet. Tottenham ist ein massiver Verein! In Deutschland wird das vielleicht nicht so gesehen, aber die Leute müssten mal hier hinkommen und sich anschauen, was das hier für ein Verein ist.“

Wer hat Ihnen dabei geholfen?

Holtby: „Eigentlich jeder. Mir hat man meinen Einstieg so einfach wie nur möglich gemacht. Steffen Freund hat mir sehr geholfen. Auch mit unseren Belgiern Jan Vertonghen und Moussa Dembele, die ja auch nicht weit weg von mir wohnen, verstehe ich mich toll.“

Wohnen Sie alleine?

Holtby: „Ja. Ich habe meine Wohnung nicht weit weg vom Trainingsgelände und meine Teamkollegen leben ebenfalls in Reichweite. Zudem wohnt ein Teil meiner Familie auch nur 40 Minuten entfernt. Auf der anderen Seite der Stadt lebt noch ein anderer Teil meiner Familie. Ich werde also nie alleine sein.“

In den Medien wird oft über Gareth Bale gesprochen. Sie haben ihn kennengelernt und hautnah erlebt. Was ist er für ein Typ?

Holtby: „Er ist ein ruhiger, aber sehr professioneller Typ. Auf der anderen Seite lässt er aber auch gerne mal einen Spruch los oder scherzt etwas rum. Er ist einfach ein echt guter Kerl, der trotz des Hypes um ihn stets auf dem Boden bleibt und nicht abgehoben ist. Er arbeitet sehr hart an sich! Gareth ist sportlich gesehen einfach nur ein Tier, hat kaum Fett am Körper und ist richtig groß. Außerdem hat er noch einen Schuss wie ein Pferd. Die Saison ist noch nicht vorbei und Gareth wird bestimmt noch einige Tore machen.“

Wie sieht es bei Ihnen mit einem Stammplatz aus? Geht da was in dieser Rückrunde?

Holtby: „Ich bin hier hergekommen, um erstmal kleinere Brötchen zu backen. Es war ja eigentlich geplant, dass ich erst im Sommer wechsle. Aber weil sich Sandro leider schwer verletzt hat, wurde der Transfer vorgezogen. Ich bin da bescheiden genug und werde jetzt nicht hingegen und einen Stammplatz fordern. Ich habe einen langfristigen Vertrag unterschrieben, möchte mich weiterentwickeln und werde da schon meine Chancen bekommen. Ich bin sicher, dass ich mit meinen Qualitäten der Mannschaft helfen kann. Alles andere kommt von alleine.“

War Andre Villas-Boas der wesentliche Faktor für den Vereinswechsel?

Holtby: „Er hat mich vom allerersten Gespräch an überzeugt. Er wollte mich unbedingt haben. Die Gespräche waren sehr gut, ähnlich wie damals bei Mainz 05 mit Thomas Tuchel. Andre Villas-Boas ist ein erfahrener Coach, trotz seines jungen Traineralters. Die Gespräche mit ihm waren für mich ein Riesenansporn. Das Gesamtpaket‚ Trainer und Verein, passte für mich einfach perfekt zusammen.“

Wie geht er mit der Mannschaft um, was zeichnet ihn aus?

Holtby: „Wie ich es bereits erwähnte – viele Gespräche. Er ist sehr nah an der Mannschaft dran, in manchen Momenten fast schon ein Kumpeltyp. Er kann aber auch härter werden! Die Mischungen zwischen langer und kurzer Leine ist ideal bei ihm. Er strahlt Autorität aus.“

Wenn es die Stadt Manchester nicht geben würde, dann wären Sie Tabellenerster …

Holtby (lacht): „Ja… Aber im Ernst: Ich glaube, Manchester United ist zu weit weg. Ich schiele etwas zu Manchester City. Wer weiß, vielleicht holen wir uns noch den zweiten Platz. Die Champions von London zu sein ist auch ein Ansporn und ein Ziel. Wir sind gewappnet, wollen unbedingt wieder Champions League spielen und die beste Mannschaft Londons sein.“

Rafael van der Vaart, ein ehemaliger Spieler Tottenhams, hat vor dem Rückrunden-Spiel seiner Hamburger gegen Mönchengladbach ein Tor versprochen, und machte sensationell den Siegtreffer mit einem Weitschuss in den Winkel. Wann treffen Sie für die Spurs?

VOM EHRGEIZ GEPACKT


„Ich arbeite jeden Tag darauf hin, Tore zu schießen. Es ist völlig egal gegen wen. Ich will meiner Mannschaft einfach nur irgendwie weiterhelfen.“

- Lewis Holtby

Holtby (lacht): „Ich hoffe gegen Everton! Mein Vater würde ausrasten. Spaß beiseite… Ich arbeite jeden Tag darauf hin, Tore zu schießen. Es ist völlig egal gegen wen. Ich will meiner Mannschaft einfach nur irgendwie weiterhelfen. Aber wichtiger ist, dass wir gewinnen. Es bringt ja nichts, wenn ich treffe und wir verlieren trotzdem.“

Vielleicht kommt Ihr erstes Tor in der Europa League und vielleicht gewinnen Sie den Wettbewerb. Hat Tottenham die Qualität, die Europa League zu gewinnen?

Holtby: „Ja, ich denke schon. Uns darf man nicht unterschätzen, wenn man sieht, was wir für einen Kader haben und welche Qualität wir mitbringen. Deshalb habe ich das Gefühl, dass wir das packen können. Aber das wird ein hartes Stück Arbeit. Es ist noch ein weiter Weg zu gehen. Wir haben noch das schwere Rückspiel gegen Inter Mailand. Je näher es zum Finale geht, umso mehr wird das Niveau zur Champions League. Das ist auch gut für uns und unsere weitere Entwicklung.“

Wir haben schon über Ihre Stammplatz-Ambitionen gesprochen. Glauben Sie, dass der Kampf um den Stammplatz Sie etwas zurückwirft in Sachen Nationalmannschaft?

Holtby: „Ich glaube nicht. Es gibt auch andere Nationalspieler die nicht unbedingt jede Woche von Anfang an spielen. Ich werde hier bei Tottenham versuchen alles abzurufen, meine Leistung zu bringen um damit auch meine Ambitionen zu unterstreichen. Wichtig ist aber erstmal die Europameisterschaft der U21 in Israel. Darüber kann man sich auch empfehlen. Mein Fokus liegt erstmal auf der U21. Danach wird man sehen.“

Welche Chancen rechnen Sie sich denn für die WM 2014 in Brasilien aus? Ist doch bestimmt ein großes Ziel für Sie?

Holtby: „Ja, absolut. Aber ich gehe lieber Schritt für Schritt. Wichtig ist für mich die U21-EM, und wenn wir das Ding da holen oder ein gutes Turnier spielen, dann werden die Chancen größer.“

Es wurde vor Ihrem Wechsel zu Tottenham viel spekuliert. Vielleicht können Sie damit ja aufräumen. Hatten Sie wirklich diese Anfragen vom FC Arsenal, FC Everton und dem FC Liverpool? Oder haben Sie nur mit Tottenham gesprochen?

Holtby: „Ich persönlich: ja. Ich habe mir nur die Anfrage von Schalke und von Tottenham angehört und mit ihnen gesprochen. Was für Vereine da sonst Anfragen geschickt haben, das müssen Sie meinen Berater fragen. Auseinandergesetzt habe ich mich nur mit Tottenham und Schalke.“

Wo Sie Schalke ansprechen. Schafft Ihr ehemaliger Klub die Qualifikation zur Champions League?

Holtby: „Ich hoffe es sehr. Meinen Glauben haben sie! Die Saison ist noch lang. Man muss jedes Spiel gewappnet sein. Man kennt ja auch die Presse rund um Gelsenkirchen. Die werden nach zwei, drei Siegen hochgejubelt und wenn man dann beim nächsten Spiel nur einen Punkt holt oder verliert, dann ist man wieder der Depp der Nation. Einfach konzentriert bleiben, dann packt Schalke das – ich würde es mir wünschen.“

Herr Holtby, Sie sind jetzt 22 Jahre alt, Fußballprofi und stehen permanent im öffentlichen Interesse. Wie geht man mit der großen Aufmerksamkeit um? Muss man gerade als junger Mensch nicht aufpassen schnell abzuheben?

Holtby: „Wenn du eine richtige Familie, die richtigen Freunde und einen ehrlichen Berater hast, dann kann da nicht viel schiefgehen. Ich persönlich bin immer noch der Lewis, der aus Gerderath kommt. Der da jeden begrüßt und sich immer freut, dorthin zurückzukommen. Egal wie viele Melonen man auf dem Konto hat, egal wie viele Pokale man hat – man muss immer wissen, wo man herkommt. Ich bin ein Familienmensch.“

Werden Sie in den Straßen Londons denn oft erkannt?

Holtby: „Es ist ziemlich locker hier. So viele Leute erkennen einen hier nicht, weil es hier so viele andere Vereine gibt. Ich muss mich hier nicht verstecken. Der ein oder andere Tottenham-Fan erkennt einen natürlich, aber das ist kein Problem.“

Die Fans in Tottenham haben Sie bereits mit einem Lied besungen. Wie fanden Sie diese Geste?

Holtby: „Einfach geil, wenn die dich nach nur zwei Spielen schon besingen. Ich bin anerkannt worden, das hat es mir hier wesentlich einfacher gemacht. Da muss ich mich auch noch mal ganz herzlich bedanken! Hier im Stadion zu spielen macht mir richtig Spaß, die Leute sind fußballverrückt.“

EURE MEINUNG: Schafft Lewis Holtby den Durchbruch in der Premier League?

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