thumbnail Hallo,

EXKLUSIV - Ein Gespräch über Deutsche in Spanien, Spanier in Deutschland, eine veränderte Transferpolitik und berühmte Nachwuchsspieler Osasunas, unter anderem Javi Martinez.

Pamplona. Spätestens ab diesem Sommer wird die Bundesliga wieder ein Stück spanischer, die Sportzeitung Marca spricht bereits von einem 'Bundespana'. Goal.com hat sich mit Petar Vasiljevic von CA Osasuna über den neuen Trend unterhalten.

Der gebürtige Serbe spielte in seiner aktiven Zeit selbst in Pamplona und ist heute die rechte Hand von Sportdirektor Angel Martin Gonzalez. Zu seinen Aufgaben zählt das Scouting und die Analyse des Transfermarkts - ein Job, in dem sich in den vergangenen zwei Jahren viel verändert hat, wie er erzählt. Ein Gespräch über Deutsche in Spanien, Spanier in Deutschland, eine veränderte Transferpolitik und berühmte Nachwuchsspieler Osasunas.

Herr Vasiljevic, der anstehende Clasico wird auch in Deutschland gespannt verfolgt. Aber wie schlagen sich eigentlich die Deutschen in Spanien, die nicht Özil oder Khedira heißen?

Vasiljevic: Patrick Ebert spielt hier eine tolle Saison! Er hat alle überrascht, denn anfangs war er hier nicht sehr bekannt. Aber für Valladolid hat er schon so manches Spiel mit entschieden. Er und auch Antonio Rukavina, zwei, die aus Deutschland kamen, machen einen sehr guten Job auf dem rechten Flügel und haben ihrem Team schon einige Zähler gesichert. Sie sind gut drauf und haben wohl auch schon das Interesse anderer Vereine auf sich gezogen. Auch Christian Lell macht bei Levante einen sehr ordentlichen Job und hat schon mehr als 15 Spiele bestritten...

Welchen Reiz könnte die BBVA für deutsche Spieler haben?

Vasiljevic: Zum Einen ist da natürlich der unglaubliche Erfolg der Nationalmannschaft, der Spanien und seiner Liga nach wie vor Glanz verleiht. Zudem hat sie den Ruf, dass recht offensiv gespielt wird. Aber auch taktisch ist die BBVA längst auf dem Niveau. Als ich 2000 in Mainz mal Jürgen Klopp kennenlernte, war ich noch überrascht, er war damals einer der ersten Trainer, die ich kannte, der in Zonen verteidigen ließ. Das haben damals hier nur ganz wenige Mannschaften gemacht, verteidigen hieß noch, den Mann decken. Mittlerweile hat eine neue, junge Trainergeneration auch in Spanien die Bedeutung von Taktik verinnerlicht. Und Jürgen Klopp ist seinen Weg sowieso gegangen, wie man heute sieht.

Aus La Liga in die Bundesliga
Spieler von zu
Martinez Bilbao Bayern München
Dominguez Atletico M'Gladbach
Joselu Real II Hoffenheim
Carvajal Real II Leverkusen
Ezequiel* Betis Freiburg
Afellay* Barca Schalke 04
Demidov R. Sociedad Frankfurt
Abraham Getafe Hoffenheim
*=Ausleihe
Umgekehrt haben nun junge spanische Talente die Bundesliga für sich entdeckt...

Vasiljevic: Ohne Frage. Ich glaube sogar, man kann den Zeitpunkt recht genau ausmachen: Das war, als Raul nach Schalke wechselte. Vorher konnte man fast mit Sicherheit sagen, dass spanische Spieler von hohem Niveau nur selten mal ins Ausland wechselten, und wenn, dann nach Italien oder England. Jetzt verlassen sie immer öfter das Land und suchen neue Märkte, einer davon ist Deutschland. Das liegt zum einen daran, dass sich die Bundesliga sehr verbessert hat und an der Seriosität, mit der die Vereine dort wirtschaften.

Wirtschaftliche Gründe sind das Eine, aber auch das Bild Deutschlands veränderte sich?

Vasiljevic: Sicher, ich denke aber, für die Jungen hatte auch Rauls Wechseln damals eine Art Türöffner-Effekt. Für viele junge Spanier war und ist er einfach ein Idol. Sehen Sie: Alle Nachrichten, Informationen oder Interviews, die aus Deutschland über ihn kamen, waren damals durchweg positiv. Das Bild, das er hierher vermittelte, war eine fundamentale Erfahrung, auch für die Erschließung des neuen Marktes und für das Image der Bundesliga. Und wenn Raul der erste Schritt war, wird die Ankunft von Pep Guardiola der zweite sein...

Wie macht sich das Verschieben der Kräfteverhältnisse in Ihrer Funktion als Scout und für einen kleinen Verein wie Osasuna konkret bemerkbar?

Vasiljevic: Ich bin nun in meinem dritten Jahr in dieser Funktion tätig und die Situation hat sich sehr verändert. Einen Transfer von einer bis drei Millionen mal eben zu zahlen wie früher, das ist heute nicht mehr möglich. Heute sind wir als wirklich kleiner Verein verpflichtet, ablösefreie Spieler zu suchen, also meistens solche, bei denen der Vertrag ausläuft. Das trifft wohl auf 70 Prozent aller Klubs in Spanien zu. Mit Verträgen, wie sie in Deutschland geboten werden, wo die Spieler sehr gut verdienen, können wir nicht mithalten.

Wo suchen Sie?

Vasiljevic: Portugal ist noch machbar, oder die zweite französische Liga. Die erste wäre schon außerhalb unserer Reichweite. (lächelnd) Von der Bundesliga oder England brauchen wir gar nicht erst zu sprechen... Aber wir schauen auch im Iran, Israel, Tschechien, der Slowakei oder dem alten Jugoslawien. Und natürlich in Skandinavien.


Gunner Nacho Monreal - damals noch im Trikot von Osasuna gegen Ebi Smolarek

Ist denn die zweite deutsche Liga eine Option?

Vasiljevic: Ehrlich gesagt: bisher nicht. Ich denk aber: Da das Niveau der Bundesliga steigen wird, könnte Ähnliches passieren wie zuvor in Spanien, als ausländische Spieler wegen der großen Verträge kamen und die einheimischen Spiele gewissermaßen in die zweite Liga verdrängten. In zwei bis drei Jahren könnte auch dort dann das Niveau – entsprechend der Gesamtsituation – steigen. Dann dürfte auch die zweite Liga interessanter werden für spanische Beobachter.

Petar Vasiljevic spielte in seiner aktiven Zeit als Verteidiger für Partizan (89-94), Osasuna (94-95, 99-2000), Albacete (95-99) und Rot Weiss Ahlen (00-03). Heute ist er Assistent der Sportdirektion in Osasuna und für Scouting und Marktanalyse zuständig.
Andererseits ist Osasuna auch ein hervorragender Ausbildungsverein. Die wenigsten dürften im Kopf haben, dass Javi Martinez aus Osasunas Jugend stammt...

Vasiljevic: Das stimmt. Tajonar, unser Trainings- und Ausbildungszentrum, das Anfang der Achtziger entstand, ist eine landesweit anerkannte Ausbildungsstätte. Und als kleiner Verein leben wir auch davon, solche Spieler dann abgeben zu müssen. Martinez verließ Osasuna noch vor meiner Zeit als Funktionär, er war damals gerade erst 16, als Bilbao ihn für viel Geld holte. Aber er ist nur ein Beispiel... Cesar Azpilicueta wäre ein anderes. Wir verkauften ihn 2010 nach Marseille, heute spielt er für Chelsea. Ein weiterer bekannter Name ist natürlich auch Nacho Monreal, der nach Malaga ging und jetzt bei Arsenal spielt.

Einer der vielleicht besten Außenverteidiger derzeit ...

Vasiljevic: Ich denke schon, denn er kann beides und ist zuvorderst ein Verteidiger alter Schule, dessen starke Physis es aber erlaubt, auf der gesamten Außenbahn aktiv zu sein. Als er uns verließ, gab es Zweifler, ob er sich bei größeren Klubs durchsetzen könnte. In Malaga, wo man sehr offensiv spielt, hat er dann einen großen Schritt gemacht und gezeigt, wie stark er auch offensiv ist. Heute werden spielstarke Mittelfeldspieler oft zu Außenverteidigern umgeschult und müssen sich Defensivverhalten erst aneignen.

Bei Monreal ist das umgekehrt?

Vasiljevic: Nacho ist von Haus aus erstmal ein Verteidiger, der dann quasi den umgekehrten Weg ging, und sehr gut mit in den Angriff gehen kann. Nur wenige haben für mich diese grundlegende defensive Aggressivität. Für mich zählt er zu den besten. Aber heute ist es auch fast unmöglich, gute Linksverteidiger zu finden. Die Betonung liegt auf dem zweiten Wortteil! Weil alles prinzipiell offensiver ausgerichtet ist, leidet oft das Gleichgewicht zwischen Verteidigung und Angriff.

Herr Vasiljevic, wir danken für das Gespräch!

EURE MEINUNG: Wird der Trend mit mehr Spaniern in der Bundesliga noch lange weitergehen?

Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal.com auf
oder werde Fan von Goal.com auf !

Dazugehörig