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EXKLUSIV - Der schweizer Ex-Nationaltrainer ist der sportliche Ziehvater von Roberto di Matteo und kennt ihn seit über 20 Jahren. An dessen Wechsel zu Schalke glaubt er aber nicht.

Berlin. Seit Monaten ranken sich Gerüchte um die Personalie: Roberto di Matteo. Vereine aus England, Italien und aus Deutschland werden als Interessenten für den 42 Jahre alten Trainer genannt. Allen voran der FC Schalke 04. Nach der Entlassung beim FC Chelsea ist der Champions-League-Sieger zurzeit zwar ohne Job, aber heiß begehrt. Doch welche Entscheidung wird Di Matteo treffen? Goal.com sprach exklusiv mit seinem sportlichen Ziehvater, Rolf Fringer.

Auf dem Teppich geblieben

In der öffentlichen Wahrnehmung gilt Di Matteo als zurückhaltend und schüchtern. Auch wenn er im Rampenlicht des europäischen Fußballs zuhause ist, ist er „bodenständig, alles andere als arrogant“, wie Rolf Fringer wissen ließ und anfügte: „Er ist ein vernünftiger Kerl mit einem gesunden Menschenverstand. Er ist mit einer großen Sozialkompetenz ausgestattet und war schon als Spieler sehr spielintelligent, und deshalb überrascht es mich nicht, dass er als Trainer solch große Erfolge hatte.“

Während der gemeinsamen Zeit beim FC Schaffhausen und dem FC Aarau Anfang der Neunziger Jahre lernten sich beide kennen. Besonders hob Fringer dessen damalige Visionen und seinen Ehrgeiz hervor: „Als er bei mir Spieler war, war er noch sehr jung. Es ging dort auch um die Einbürgerung in die Schweizer Nationalmannschaft, aber er wollte nicht. Er hatte immer ein Ziel, eine Vision. Er wollte italienischer Nationalspieler werden. Das ist schon über 20 Jahre her. Da war es für einen jungen Mann, aus einer kleinen Provinzstadt in der Schweiz nicht leicht. Aber, er hat es geschafft, weil er es unbedingt wollte.“

SCHLEUDERSITZ SCHALKE


„Es gibt halt Vereine, die immer viel zu viel wollen, wie Schalke. Und sich selber alles kaputtmachen. Da ist er viel zu vernünftig, als dass er sich auf solch einen Schleudersitz setzen würde.“

- Rolf Fringer

Champions-League-Titel war „Schicksal“

Dass der FC Chelsea im Mai 2012 gegen den FC Bayern München die Königsklasse gewann, war sehr überraschend. „Das war bei ihm auch ein Stück Schicksal“, erläuterte Rolf Fringer und begründete dies wie folgt: „So was gibt es im Leben immer mal. Das Momentum war auf der Seite von Chelsea. Vom Menschen her und seiner Qualität hat Roberto das absolut verdient, dass er dieses Schicksal erfahren durfte. Sogar Didier Drogba hat nach dem Spiel in München gesagt, dass er diesen Titel auch allen ehemaligen Spielern des FC Chelsea widmet, weil es Schicksal gewesen sei, dass sie diesen holten.“

Die Londoner mauerten sich gegen Barcelona und eben die Bayern zum Sieg. Seitdem haftet Roberto di Matteo der Makel eines Defensiv-Spezialisten an. Er könne nur diese Art von Fußball spielen lassen, heißt es.

Damit räumt Fringer gegenüber Goal.com auf, denn „das war überhaupt nicht die Art wie Roberto spielen lassen will. Er ist eigentlich ein Fußball-Gourmet, ein Ästhet.“

Di Matteo habe die Stärken der Mannschaft erkannt und diese ausgespielt, weil „auf eine andere Art wäre es unmöglich gewesen, dass Chelsea das Finale erreichte oder die Champions League gewonnen hätte. Das hat aber mit seiner Spielkultur oder Auffassung von Fußball überhaupt nichts zu tun. Zu Mauern war das Werkzeug des klar Schwächeren, denn der Zweck heiligt die Mittel“, so der 56-Jährige.

Schalke für Roberto di Matteo keine ernsthafte Option?

„Ich kann alle deutschen Vereine beruhigen: Wenn man ihn holt, dann wird das nicht sein Fußball sein“, führte der zweifache Schweizer Meister weiter aus. In den Medien wird seit Monaten über einen möglichen Wechsel zum FC Schalke 04 spekuliert. Man habe sich offenbar mehrmals für Gespräche getroffen. Doch Rolf Fringer glaubt nicht wirklich an einen Job bei dem Revierklub: „Ich denke schon, dass er dem FC Schalke helfen könnte. Aber, ich bin nicht davon überzeugt, dass er das machen würde.“

„Ich habe ihnen gesagt, das ist ein vernünftiger Junge mit gesundem Menschenverstand. Es gibt halt Vereine, die immer viel zu viel wollen, wie Schalke. Und sich selber alles kaputtmachen. Da ist er viel zu vernünftig, als dass er sich auf solch einen Schleudersitz setzen würde. Ich denke nicht, dass er das macht.“

Rolf Fringer glaubt eher, „dass er auch einen anderen Verein in England oder Italien finden könnte. Wo er mit Nachhaltigkeit arbeiten kann. Er kennt beide Ligen ja sehr gut und er hat zu diesen beiden mit Sicherheit auch eine gewisse Affinität.“

Rolf Fringer möchte zurück auf die Trainerbank

Fringer selbst würde gern wieder als Trainer arbeiten, im Moment muss der Routinier allerdings etwas kürzertreten, da er „noch eine Hüftoperation durchmachen muss. Ich muss in den nächsten Wochen erstmal auf meine Gesundheit schauen, und ab Sommer bin ich sicherlich wieder offen für alles.“ Währenddessen wird sich Fringer den Trainermarkt ganz genau anschauen. Denn widrige Begleitumstände gab es zumindest in der Schweiz: „Es ist grundlegend schwierig geworden, auch hier in der Schweiz. In den ersten fünf Monaten haben von zehn Vereinen sieben ihren Trainer entlassen. Das hat ein Ausmaß angenommen, was nicht mehr ganz normal ist!“

Doch in der Ruhe liegt ja bekanntlich die Kraft, und diese hat der gebürtige Schweizer. „Ich lasse alles auf mich zukommen, vielleicht gibt es etwas im Ausland – ich wäre da sicherlich nicht abgeneigt. Es wird sich alles zeigen, im Moment ist es noch zu früh, da genau was sagen zu können. Bisher sind das nur Spekulationen.“

EURE MEINUNG: Sollte Di Matteo in die Bundesliga wechseln?

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