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Julian Schieber: „Ich werde nicht das Handtuch werfen!“

EXKLUSIV - Vor dem Spiel gegen Gladbach nahm sich Julian Schieber die Zeit, mit Goal.com seine aktuelle Situation beim BVB und seine großen Wünsche für die Zukunft zu besprechen.

Dortmund. Zwischen Training und Merchandise-Aktionen sprach Julian Schieber exklusiv gegenüber Goal.com über die beiden Fouls, die im letzten Heimspiel von Borussia Dortmund gegen Eintracht Frankfurt zu einer schnellen Gelb-Roten nach nicht einmal 30 Minuten führten, und wie sehr ihn und die Mannschaft die aktuellen Gerüchte um Robert Lewandowski beschäftigen. Dass er geht, scheint inzwischen nicht mehr in Frage zu stehen. Wie geht Schieber damit um, dass er nicht als Ersatz für den Platz im Sturm gehandelt wird? Darüber hinaus gewährt er Einblick, was er sich für seine ganz persönliche Zukunft wünscht. Wessen Füße hat die 23 des BVB in schlechter Erinnerung behalten? Wer reißt ihn von der heimischen Couch? Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo?

Wie haben Sie den letzten Spieltag erlebt?

Julian Schieber: Er war für mich leider früher beendet als geplant. Meine zwei Aktionen waren natürlich unglücklich - sehr schade. Aber das Wichtigste war für mich, dass wir noch gewonnen und souverän gespielt haben.

Waren es zwei Fouls?

Julian Schieber: Es ist natürlich nicht astrein gewesen, aber es gibt dann auch Schiedsrichter, die nur eine mündliche Verwarnung aussprechen. In der Summe war es für mich unglücklich, dass die zwei Fouls zu Gelben Karten geführt haben und das Spiel für mich beendet war. Ich hätte es gerne anders gehabt. Leider hat der Schiedsrichter an dem Tag eine ganz klare Linie gehabt – auch in anderen Szenen. Daher sind die Entscheidungen vertretbar.

Was tat Ihnen im Nachhinein am meisten leid?

Julian Schieber: Ich war eigentlich nur sauer auf mich selbst, auf die ganze Situation! Ich habe die Chance bekommen und wir haben super angefangen. Dann kamen diese zwei Szenen...

Thema Lewandowski: Wie geht die Mannschaft mit den aktuellen Gerüchten um?

Julian Schieber: Das tut gar nichts zur Sache für die Mannschaft. Das Thema wird einfach von den Medien wahnsinnig hochgepusht, jeden Tag gibt es einen neuen Artikel dazu. Das bekommt man schon mit. Aber es spielt keine Rolle für uns.

Innerhalb dieser Spekulationen spielen Sie offenbar keine Rolle als Nachfolger im Sturm des BVB.

Julian Schieber: Das ist das Fußballgeschäft. Natürlich wird viel spekuliert, wenn so ein Spieler den Verein verlässt, weil er einfach einen großen Eindruck hinterlässt. Er zeigt großartige Leistungen, und dann wird eben ein neuer Spieler geholt. In meiner Situation, in der ich leider auch nicht immer gespielt habe und mir das eine oder andere Tor nicht gelungen ist, ist klar, dass mein Name nicht so groß besprochen wird. Aber es bleibt ein Tagesgeschäft. Da geht es diese Woche so und in der nächsten so.

Was sind Ihre persönlichen Ziele für die Rückrunde?

Julian Schieber: Nach meiner Sperre möchte ich natürlich wieder meine Einsätze bekommen. Ich hoffe, dass mir in der Bundesliga wieder Treffer gelingen und dass ich der Mannschaft helfen kann.

Nach einem halben Jahr BVB – was waren die Höhepunkte im neuen Verein?

Julian Schieber: International zu spielen, ist immer ein Highlight. Die Champions League ist etwas ganz Großes. Da sind wir nach wie vor gut dabei, haben aber noch ein schwieriges Heimspiel gegen Donetsk. Wir sind guter Dinge, dass die Reise weitergeht. Aber auch sonst ist das einfach ein Riesen-Verein: sehr gut organisiert, eine unglaubliche Fankultur. Man bekommt das schon mit und es ist ein großartiger Weg, den man gemeinsam geht.

Also war es die richtige Entscheidung, zum Doublesieger zu wechseln?

Julian Schieber: Ja, ich sehe das komplett positiv! Auch wenn viele negativ reden, ich wusste ja, dass es schwierig wird. Die Mannschaft ist einfach individuell so stark und die anderen Spieler sind einfach so hochklassig, da ist es nicht einfach, gleich Fuß zu fassen. Aber ich bin doch erst am Anfang meiner Reise! Von vier Jahren ist erst ein halbes um, da gibt es keinen Grund, das Handtuch zu werfen oder aufzugeben.

Wo wollen Sie denn Fuß fassen? Als harte Neun oder lieber zurückgezogen, mal auf dem Flügel?

Julian Schieber: Ich fühle mich wirklich auf allen Positionen wohl. Ich kann mir auch gut vorstellen, auf einer Position zu spielen, wie ich sie in Stuttgart zuletzt ein halbes Jahr lang besetzt habe. Aber vorne drin, wie ich es gelernt habe, gefällt es mir schon am meisten. Ich bin absolut flexibel und arbeite auf den Tag hin, an dem ich wieder in der Startformation und auf dem Platz stehe!

Im Winter gab es Gerüchte, dass der eine oder andere Verein angeklopft habe.

Julian Schieber: Ich will hier nicht das Handtuch werfen! Auch auf die neue Saison freue ich mich schon. Da gibt es bei mir überhaupt gar keine Gedanken an irgendetwas anderes.

Jürgen Klopp begleitet Ihre tägliche Arbeit. Wie ist es, ihn an der Seitenlinie zu haben?

Julian Schieber: Jeder Trainer hat immer seine eigene Marschroute. Er hat wahnsinnig viele Gesichter. Er ist der Coolste, aber auch der wirklich disziplinierte, harte Arbeiter, der immer hundert Prozent verlangt. Im Training muss er auch manchmal wirklich richtig ruppig werden.

[Julian Schieber stockt kurz, grüßt freundlich mit „Servus“ und greift lachend den Satz wieder auf.]

Er ist gerade reingekommen, da wollte ich nicht in seiner Gegenwart über ihn sprechen. Aber zurück zum Thema: Es imponiert einem, mit welchem Einsatz er an der Seite agiert, wirklich unglaublich, wie er sich da reinhängt.

Welche großen Ziele haben Sie für Ihre Karriere bei Borussia Dortmund, unter Klopp?

Julian Schieber: Im Fußball willst du immer gewinnen und soweit nach oben kommen, wie es irgendwie geht. Mein eigener Traum ist es, einmal die Deutsche Meisterschaft zu gewinnen. Deswegen bin ich hierher gekommen. Ich hätte es eben gerne, dass irgendwann einmal in meiner Vita steht, dass ich viel gewonnen habe. Am liebsten die Deutsche Meisterschaft – die will ich unbedingt.

Abseits vom eigenen Verein, welche Topteams verfolgen Sie privat?

Julian Schieber: Ich bin ein großer Fan – ob es nun Fußball ist oder ob es andere Sportarten sind. Natürlich schaue ich englischen Fußball oder auch spanischen, Real und Barca etwa. Es gibt aber keine Mannschaft, die ich speziell verfolge. Wenn irgendwo ein Topspiel ansteht, schalte ich gerne ein.

Hand aufs Herz, Herr Schieber. Wer ist denn nun besser, Messi oder Ronaldo?

Julian Schieber: Ach, das ist eine wirklich schwere Frage. Das sehen alle unterschiedlich. Ich bin von Haus aus eher Madrilene, weil mein ehemaliger Kollege und Freund Sami Khedira bei Real spielt. Da bin ich natürlich auf der weißen Seite.

Haben Sie heute noch Vorbilder? Schaut man sich Sachen bei einem Robin van Persie ab?

Julian Schieber: Nein, nicht mehr. Als Kind oder Jugendfußballer hat man sicher Vorbilder, die die Tore in den großen Ligen schießen. Mit der Zeit möchte man aber seinen eigenen Spielstil entwickeln und gar nicht so oft mit anderen Spielern verglichen werden.

Wer sind die härtesten Verteidiger der Bundesliga? Wer hat weltweit die Nase vorn?

Julian Schieber: Der unangenehmste Gegner war eigentlich mein ehemaliger Mitspieler Philipp Wollscheid, der jetzt bei Bayer Leverkusen ist. Er hat echt lange Füße und trifft oft genug die Beine, aber immer so, dass es kein Foul ist. Da machte es ehrlich gesagt keinen Spaß, gegen ihn zu trainieren. Jetzt momentan muss ich einfach sagen, dass Mats Hummels einer der Topverteidiger der Welt ist, ich erlebe es ja jeden Tag im Training. Er hat einen unglaublichen Blick und spielt sensationelle Pässe. Auch als Innenverteidiger könnte er die Nummer 10 tragen, weil er einfach so gute Bälle spielt. Er ist zweikampfstark und mit dem Kopf sehr torgefährlich. Ich weiß einfach, was Mats kann. Er ist einer der Besten!

Wie sieht denn der Tagesablauf vorm Spiel aus? Gibt es Rituale? Sind Sie abgergläubisch?

Julian Schieber: Da bin ich eigentlich total langweilig, weil ich keine Rituale habe. Ich höre keine Musik, ich lese kein Buch, für mich ist es nur wichtig, vor der Mannschaftsbesprechung noch einmal kurz kalt zu duschen, damit ich noch einmal hundert Prozent wach werde. Ich habe wirklich keine Rituale!

Das ist sehr selten..

Julian Schieber: Ja, das wollte ich mir auch nie aneignen. Wenn es zehn Mal funktioniert, funktioniert es das elfte Mal nicht. Dann hinterfragt man sich auch wieder. Also von vornherein: Keine Rituale!

Haben Ihre Mannschaftskollegen irgendwelche bemerkenswerten Bräuche vorm Spiel?

Julian Schieber: Ilkay, ein sehr guter Freund von mir, macht irgendwas mit dem Stutzen. Was man immer mal mitbekommt im Fußball, sind natürlich die Gläubigen. Gerade die türkischen Mitspieler beten sehr viel. Nuri ist vorm Spiel sehr in sich gekehrt. Lukasz Piszczek redet aber auch nicht viel vorm Spiel. Jeder ist da individuell und es ist schön, dass jeder seinen Glauben hat.

Was alle Spieler miteinander verbindet, ist der Auftritt in den sozialen Medien. Wie Ihre Kollegen haben auch Sie eine Facebook-Seite. Wie wichtig ist Ihnen der Austausch?

Julian Schieber: Das ist sehr wichtig. Von den technischen Möglichkeiten her, sich als Spieler zu präsentieren und auch seine eigene Meinung einmal aktiv vertreten zu können. Außerdem ist so ein Auftritt ja auch für den Fan gedacht, der einem Spieler das Like schenkt und sich wirklich für ihn interessiert.

Kommt die Privatsphäre manchmal ein wenig kurz, wenn man sich im Internet als Spieler derart zeigt?

Julian Schieber: Das muss jeder Spieler selbst entscheiden, wie viel er von sich preisgibt und welche Bilder er reinstellt. Ich stelle sehr oft private Bilder rein von Freunden oder meinen Tieren, ich habe damit gar kein Problem! Außerdem bekomme ich sehr viel positives Feedback.

Am Sonntag tritt Borussia Dortmund in Gladbach an. Was erwartet die Fans?

Julian Schieber: Wir haben in der Liga schon unheimlich viele Punkte liegen lassen, das war unglücklich, wir waren aber auch selbst Schuld. Wir müssen konstant bleiben und wollen keine Punkte abschenken. Wir fahren nach Gladbach und gehen voll auf Sieg!

Wir bedanken uns für das Gespräch!


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