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EXKLUSIV - Im zweiten Teil des ausführlichen Interviews mit Norbert Meier nimmt er sich Zeit, verschiedenste Personalien zu besprechen und stellt seine Neuverpflichtungen vor.

Düsseldorf. Diesen Winter wurden noch einmal fünf neue Spieler von Fortuna Düsseldorf verpflichtet. Im zweiten Teil des Interviews mit Goal.com spricht Norbert Meier über die „Neuen“ in seiner Mannschaft. Ein überaus wichtiges Thema ist für den Trainer auch der Konkurrenzkampf innerhalb des Teams, der dazu beiträgt, dass es keine Platzhirsche in der Startelf oder im Kader allgemein gibt. Außerdem verrät Meier, was seine Highlights der bisherigen Bundesliga-Saison waren und erklärt seine Hoffnungen und Wünsche für den Rest der Rückrunde bis zum möglichen Klassenerhalt.

Der erste Teil des Meier-Interviews: „Wir schauen auf die gesamte Mannschaft“

Was kann man vom neuen Linksverteidiger Ramirez erwarten? Kaum jemand hat ihn bisher spielen sehen.

Norbert Meier: „Es ist ein sehr junger Spieler, der gerade 18 geworden ist, aber in Ecuador schon in der U-20-Nationalmannschaft und in der dortigen ersten Liga gespielt hat. Er ist ein sehr großes Talent! Aber für uns ist er natürlich auch schon ein Vorgriff auf die Sommerverpflichtungen. Er wird jetzt nicht gleich von null auf hundert gehen. Er muss sich erst einmal akklimatisieren. Wir haben zwar große Hoffnungen in ihn, werden ihn aber jetzt nicht unter Druck setzen.“

Er ist also aktuell noch keine Konkurrenz?

Norbert Meier: „Er ist schon eine Konkurrenz, aber aktuell noch nicht der Spieler, der am Samstag gegen Schalke 04 beginnen wird.“

Auf welchem Stand sind die anderen neuen Spieler? Gerade Bolly und Omae?

Norbert Meier: „Latka und Tesche spielen ja schon und haben sich sehr gut integriert. Omae ist ein sehr, sehr guter Fußballer, der sich aber auch an die Gangart in Deutschland noch gewöhnen muss. Bolly verfügt über sehr gute Anlagen, die er schon im Trainingslager gezeigt hat, war dann aber leider die ganze Zeit verletzt. Jetzt hat er wieder Anschluss gefunden und ich hoffe, dass er in der nächsten Woche komplett ins Mannschaftstraining einsteigen kann. Derzeit wird er immer noch sehr differenziert behandelt. Erst ist er beim Fitnesstrainer, dann kurz im Mannschaftstraining. Wir wollen ihn dosiert einsteigen lassen und das Ganze nicht zu schnell voran treiben. Bolly kann aus unserer Sicht auch über kurz oder lang eine gute Alternative sein. Und um es nochmals zu sagen: Bei Omae, Bolly oder Ramirez handelt es sich um junge Spieler, deren Verpflichtungen einen Vorgriff auf die Sommertransfers 2013/14 darstellen.“

Ist Martin Latka ein Schlüsselelement für die Verbesserung der zuletzt wackelnden Abwehr?

Norbert Meier: „Ich denke, wir haben gerade zu Beginn gezeigt, dass wir eine sehr starke Defensive haben, denn wir haben in den ersten sechs Pflichtspielen kein einziges Gegentor bekommen. Ich denke, das ist beachtlich. Danach hatten wir riesige personelle Probleme durch Verletzungen. Teilweise wurden schon Mittelfeldspieler wie Adam Bodzek in der Innenverteidigung eingesetzt, wo er aber gut gespielt hat. Da mussten wir improvisieren, weil die Achse Langeneke-Malezas sehr gut funktioniert hat, aber eben auseinander gerissen wurde, weil beide ausgefallen waren. Martin Latka ist sicherlich einer, der hier nahtlos reingewachsen ist und auch die nötige Erfahrung mitbringt. Er hat es für sich gut gelöst, weil er auch menschlich absolut integer ist und somit in diese Mannschaft wunderbar passt.“

Auch Oliver Fink hat die Konkurrenzsituation im Mittelfeld schon zu spüren bekommen. Wo sehen Sie ihn?

Norbert Meier: „Olli hat bislang nur in zwei Spielen nicht von Anfang an auf dem Platz gestanden. Aber natürlich ist die Konkurrenz größer geworden durch einen Robert Tesche oder auch einen Ivan Paurevic, der in der ersten Halbserie urplötzlich gegen Dortmund, seinen alten Verein, zum Einsatz kam, oder Leon Balogun. Es handelt sich um Spieler, die zu Beginn eben keine so große Rolle gespielt haben, aber dann im Training auf sich aufmerksam machen konnten und mir als Trainer dann eine gewisse Sicherheit geben, eingesetzt werden zu können.“

Hat einer Ihrer Stürmer aktuell die Nase vorn?

Norbert Meier: „Das ist bei uns ganz unterschiedlich. Mal spielt ja sogar Robbie Kruse wieder im Sturm, der jetzt aktuell auf der rechten Seiten spielt. Nando Rafael war verletzt, hat aber auch gespielt. Dani Schahin, Stefan Reisinger, jetzt habe ich Gerrit Wegkamp eingewechselt. Also das ist von Spiel zu Spiel unterschiedlich.“

Würden Sie mit „falscher Neun“ oder „schwimmender Neuneinhalb“ spielen lassen? Was halten Sie von diesen Modebegriffen?

Norbert Meier: „Das kann jeder nennen, wie er will. Da habe ich kein Problem mit. Wir wissen ja, was wir wollen. Die Spieler kennen ihre Aufgabenstellung in der Offensive wie in der Defensive und haben immer wieder genügend Freiraum, um ihren Fußball zu leben. Sie sind nicht reglementiert. Dass man Dinge verpackt, das ist schon wichtig, aber ansonsten gibt es immer irgendwas Neues. Jetzt sind wir eben bei einer schwimmenden Neun oder einer Neuneinhalb. Ich kannte vorher nur „9 ½ Wochen“, den Film. Jetzt haben wir auch eine Neuneinhalb im Fußball. Ist doch schön.“

Wie geht die Planung jetzt weiter? Haben Sie schon Positionen oder direkte Spieler im Auge für die Sommertransferphase?

Norbert Meier: „Sicher, das geht ganzjährig weiter. Es ist ja nicht so, dass die Transferliste schließt und wir beenden unsere Arbeit, bis sie wieder öffnet. Man muss davor, dazwischen und danach tätig sein. Und wir als Fortuna müssen eben sehr schnell sein, wenn wir gewisse Dinge umsetzen können. Wir haben umgekehrt gesehen, dass gewisse Dinge für uns nicht machbar sind. Wir konnten die überragenden Spieler der zweiten Liga beispielsweise nicht für uns verpflichten. Wir müssen andere Wege gehen oder auch einmal im Ausland tätig werden. Denn eines ist doch klar: Wenn man den oder den für 30 Millionen holt – worauf ich nicht neidisch bin –, ist natürlich die prozentuale Wahrscheinlichkeit größer, dass derjenige auch funktioniert. Bei uns bleiben Unwägbarkeiten. Damit muss man umgehen können. Aber damit leben wir, deswegen werden wir jetzt nicht zu Kreuze kriechen. Das haben sich andere Vereine in den langen Jahren erarbeitet. Die Bundesliga hat auch ohne die Teilnahme von Fortuna weitergelebt in den 15 Jahren, wo unsere Farben in der obersten Klasse nicht vertreten waren. Das können wir nicht mal eben im Vorbeigehen aufholen. Es ist alles sehr, sehr schnell bei uns gegangen, jetzt müssen wir das Beste daraus machen, damit aus dem Schnellgehen auch ein dauerhafter Verbleib wird.“

Was waren die größten Unwägbarkeiten auf diesem Weg?

Norbert Meier: „Es hat immer alles sehr lange gedauert, bis wir Sicherheit hatten. Jetzt müssen wir uns vorbereiten auf alle Fälle. Da kann ja sonst etwas passieren! Wir sind nicht durch! Wir haben respektable 27 Punkte, das ist klasse. Da können wir uns auch drüber freuen, aber wenn es nur bei der Freude bleibt, wird uns das keinen weiteren Punkt bringen. Wir müssen sehen, dass wir genauso weiterarbeiten, dass die Mannschaft den Glauben an sich behält, dass sie sich auch durch Negativerlebnisse nicht aus dem Rhythmus bringen lässt. Wenn man zu Beginn einer Serie als Abstiegskandidat Nummer eins gilt, dann heißt es im Grunde im Umkehrschluss nichts anderes, als dass man mehr Spiele verlieren als gewinnen wird. Das haben wir bisher in etwa in der Waage halten können. Und das ist toll, dass die Mannschaft dies geschafft hat, und in schwierigeren Phasen, in denen es nicht so lief, den Glauben an die eigenen Stärken bewahrt hat – auch durch die großartige Unterstützung der Fans natürlich, was bei uns ein ganz wichtiger Faktor ist. So müssen wir weiterarbeiten.“

Wie ist die Mannschaft mit dem Wechsel in die erste Liga umgegangen?

Norbert Meier: „Wir haben einen richtig guten Start gehabt. Es war sehr wichtig, dass die Mannschaft gleich gesehen hat, dass wir auch in Liga eins mithalten können. Dann kam eine Negativserie, wo wir aus fünf oder sechs Spielen nur einen Punkt geholt haben. Darauf folgte die englische Woche, die uns natürlich mit sieben Punkten richtig nach vorn gebracht hat. Wir haben wieder zu alter Heimstärke zurückgefunden, was natürlich in der ersten Liga nicht einfach ist. Die Stimmung in der Mannschaft blieb immer gut, sie hat nicht angefangen zu bröseln. Die Spieler genießen es ja auch. Es sind ja unheimlich viele dabei, die nie in der ersten Liga gespielt haben. Langsam gewöhnt man sich daran. Ich weiß noch, wie wir nach Stuttgart gefahren sind in dieses große Stadion. Das war für etliche das erste Mal, solche Dinge mitzunehmen und in einem solchen Umfeld zu spielen. Wichtig ist, dass wir uns auf unserem Weg nicht beirren lassen dürfen - beispielsweise ob wir attraktiven oder weniger attraktiven Fußball bieten. Ich glaube schon, dass auch unsere Mannschaft einen sehr guten Ball spielt. Falls man Statistiken Glauben schenken darf, sind wir mit 37 Prozent Effektivität beziehungsweise Toreffizienz anhand der gegebenen Torchancen ganz vorne mit dabei. Das ist ein Kriterium, das eine Mannschaft auszeichnet. Aber man hat auch gesehen, dass zuletzt gegen Fürth sehr viel vergeben wurde und wir auch in Freiburg unsere Chancen nicht genutzt haben. Wir müssen die Kirche im Dorf lassen und erst zu einem gestandenen Bundesligisten reifen.“

Gab es für Sie einen Moment, in dem Sie sich in der ersten Liga angekommen fühlten?

Norbert Meier: „Zuerst ist immer wichtig, was die Spieler erleben. Als Trainer kann ich ja nur meine Erfahrungen weiter transportieren, dass man jetzt in einer Liga angekommen ist, wo sich das Beste vom Besten in Deutschland bewegt. Ob es nun deutsche Spieler oder ausländische Trainer sind, höher hinaus geht es nicht mehr. Es gibt aber immer solche Momente, die Schub geben. Wie in Augsburg, wo wir die Saison begonnen und gleich gewonnen haben. Aber auch andere Spiele, die sehr spannend waren, aber verloren wurden. Wo man dann draußen sitzt und denkt: ‚Die Mannschaft probiert alles.‘ Natürlich ist mancher Gegner von seinen Möglichkeiten her überlegen, das ist eben so. Aber wir können mit unseren Tugenden ebenfalls etwas erreichen, und das sind Dinge, die man mitnimmt und die einen letztlich zufriedenstellen. Dann weiß man, dass es sich lohnt zu arbeiten, den Einzelnen individuell weiterzubringen. Das sind die guten Momente für einen Trainer.“

Gibt es einen Spieler aus der aktuellen Mannschaft, bei dem Sie diesen Prozess sehr stark wahrgenommen haben?

Norbert Meier: „Wenn Sie alleine jemanden nehmen wie Andreas Lambertz: Jedes Jahr hat man ihm nachgesagt, dass die jeweils höhere Klasse jetzt das Endstadium für ihn sei – nicht im Leben, sondern im Beruf. Er aber ist immer den Weg mitgegangen und hat sich durchgesetzt. Oder nehmen wir Robbie Kruse, der im ersten Jahr hier in der zweiten Liga nur ein oder zwei Spiele von Anfang an gemacht hat. Jetzt in der ersten Liga spielt er regelmäßig. So lohnt sich das Arbeiten einfach. Man gibt einfach die Hoffnung nicht auf und schreibt einfach einen Spieler ab. Wenn Spieler anzeigen, dass sie gewillt sind, sich zu verbessern und jeden Tag in ihrem Beruf in der relativ kurzen Zeit, die ihnen hierfür gegeben ist, alles zu tun, dann ist man auch als Trainer immer bereit, darauf zu reagieren. Schlimm ist es nur, wenn man ein riesiges Talent hat, das sich darauf ausruht. Die müssen zwangsläufig auf der Strecke bleiben, weil viele Spieler Talent haben. Aber entscheidend ist, dass man ständig an sich arbeitet, um sich zu verbessern - und den absoluten Willen dazu hat. Das ist das gewisse etwas, was die besonderen Fußballer auszeichnet.“

Leon Balogun steht aktuell vor Tobias Levels, gehört er auch in den von Ihnen beschriebenen Kreis?

Norbert Meier: „Er ist gelernter Innenverteidiger und wir haben aus der Not eine Tugend gemacht, als wir ihn auf der rechten Seite gebracht haben. Denn Tobias Levels war zunächst gegen den Hamburger SV als Innenverteidiger eingesprungen, weil sich Jens Langeneke verletzt hatte. Dann hat sich wiederum Levels verletzt, worauf Leon Balogun seine Chance genutzt hat. Mit einem sehr sauberen und ordentlichen Spiel. Aber deswegen ist Tobias Levels nicht abgeschrieben. Sie haben es richtig formuliert, aktuell spielt Balogun, aber Levels will natürlich auch und wird alles daran setzen, wieder in die Mannschaft zu kommen. Das ist ja auch völlig normal.“

Haben Sie diese prompten starken Auftritte von Fabian Giefer erwartet?

Norbert Meier: „Erwarten kann man nichts. Man sieht in einem Spieler etwas, von dem man meint, dass es passend sein könnte. Ich bin von diesen Lobhudeleien nicht immer begeistert, weil ich einfach sage, Spieler müssen sich nicht nur eine halbe Saison beweisen, sondern sich so durchsetzen, dass sie mindestens mal 50 Bundesligaspiele absolviert haben. Er hat das für uns sehr, sehr ordentlich gemacht und jetzt auch zwei Spiele dabei gehabt, die nicht so positiv verlaufen sind. Aber auch er muss halt noch lernen. Dazu ist er auch bereit. Ich bin kein Freund davon, Spieler in den Himmel zu heben. Auf der anderen Seite mag ich es nicht, Spieler gänzlich wieder fallen zu lassen. Wir wissen, wie der Fußball ist. Da passieren die tollsten Sachen! Entwicklungen gehen nicht immer nur nach oben. Das ist ja das, was einen stark macht, woran man wächst. Nur dann kann man einschätzen, wie schön es ist, wenn alles gut läuft. Die Wahrheit liegt immer noch auf dem Platz und wichtig ist, dass man kontinuierlich arbeitet. Wobei jeder im Hinterkopf haben muss: Der Fußball ist vergänglich.“

Gib es Positionen, auf denen noch dringend durch Verpflichtungen nachgebessert werden muss?

Norbert Meier: „Wir haben schon noch Positionen, bei denen wir uns verbessern wollen. Eine gewisse Reibung, ein gesunder Konkurrenzkampf steigert die Leistung und das muss so bleiben, damit jeder unserer Spieler aufmerksam bleibt und nicht irgendwann als Platzhirsch gilt.“

Haben Sie solche Platzhirsche im Team?

Norbert Meier: „Nein, aber wenn sich jemand in eine solche Richtung entwickelt, ist das doch menschlich. Verfügt man beispielsweise nur über einen Linksverteidiger, dann weiß derjenige doch von vornherein, dass schon eine ganze Menge passieren müsste, dass er nicht spielt. Wenn einem aber andere Mitspieler im Nacken sitzen, dann hat man eine derartige Spannung, dass man Leistung bringen will und muss. Das heißt nicht, dass man sich dann nicht auch einmal ein schlechtes Spiel erlauben kann, aber die Aufmerksamkeit muss da sein.“

Auf welche Highlights freuen Sie sich in der Rückrunde bis zum möglichen Klassenerhalt?

Norbert Meier: „Ich brauche in erster Linie keine Highlights, ich brauche Punkte! Aber natürlich war es ein Highlight, als wir Hannover zu Hause 2:1 geschlagen haben - mit dem Freistoß von Ken Ilsö in letzter Minute. Das sind emotionale Highlights! Trotzdem brauche ich keine Sensationen, sondern eine Mannschaft, die topmotiviert ist und gewillt ist, Leistung zu zeigen. Das wird nicht immer gehen. Entscheidend ist einfach, dass die Mannschaft weiter diesen Zusammenhalt hat. Dass sie eine Einheit auf dem Platz ist, bei der sich jeder für den anderen ein Bein ausreißt. Wir müssen nicht übermäßig bescheiden sein, aber wir haben unter den 18 Klubs in der Bundesliga mit bislang 27 Punkten gezeigt, dass wir berechtigterweise in der höchsten deutschen Klasse vertreten sind.“

Herr Meier, wir bedanken uns für das Gespräch!


 

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