thumbnail Hallo,

EXKLUSIV - Uwe Rösler will mit Brentfort die Sensation schaffen und Chelsea aus dem FA Cup schmeißen. Wir sprachen mit ihm über das Match und seinen kriselnden Ex-Klub ManCity.

London. Am Sonntag ab 13 Uhr gilt es für Uwe Rösler und seinen Brentford FC. Nach dem bärenstarken Remis des Underdogs gegen den FC Chelsea im Hinspiel des FA-Cups, tritt die Mannschaft des deutschen Cheftrainers nun zum Rückspiel an der „Stamford Bridge“ an. Goal.com sprach exklusiv mit dem Mann, dem viele Fans und Experten in England eine große Karriere als Trainer vorraussagen.

Zum ersten Teil des Interviews

Erst einmal herzlichen Glückwunsch zu der tollen Leistung gegen Chelsea. Wie war denn die Stimmung in der Mannschaft nach dem Spiel?

Uwe Rösler: Es war natürlich eine sehr gute Stimmung. Wir haben viel Kredit bekommen, von den Medien, von den Fans und es hat sich positiv auf das Selbstvertrauen der Spieler ausgewirkt. Sie haben gesehen, dass wir mannschaftlich gegen so eine Mannschaft gegenhalten können. Zwar nicht unbedingt Spieler gegen Spieler, aber mannschaftlich! Wenn man einen guten Schlachtplan hat, wenn man sich unterstützt und die Räume eng macht, dann kann man auch gegen solche Weltstars, wie Chelsea sie hat, bestehen.

Waren die englischen Gazetten eher auf Ihrer Seite, auf Seite des Underdogs?

Uwe Rösler: Sie haben uns schon einen Kredit gegeben und auch gesehen, dass wir fußballerisch mithalten konnten. Wir haben nicht nur einen Bus vor dem Tor geparkt und verteidigt, sondern wir hatten prozentual in der ersten Hälfte auch einen höheren Anteil am Ballbesitz im gegnerischen Raum. Das schließt natürlich darauf, dass wir eine spielende Mannschaft sind und das hat uns Kredit gegeben.

Was erwarten Sie sich nun von dem Nachholspiel an der „Stamford Bridge“ am Sonntag?

Uwe Rösler: Dadurch, dass die Einnahmen aus dem Hin- und Rückspiel geteilt werden, durften wir uns schon über einen warmen Segen freuen, den wir auch brauchen. In das Spiel am Sonntag gehen wir ohne jeglichen Druck. Wir müssen gegen Chelsea nicht weiterkommen, soviel ist sicher. Wir wollen uns wieder zeigen und unsere Farben und Fans würdig vertreten.

Brentford gilt als ambitionierter Verein, doch sie mussten einige Federn lassen. Woran lag es in den vergangenen Wochen?

Uwe Rösler: Durch die Spiele im FA-Cup haben wir auch in der Liga Federn lassen müssen und ich würde mich freuen, wenn das Spiel so schnell wie möglich aus dem Weg ist, dass wir uns wieder voll und ganz auf unser tägliches Brot konzentrieren können. Klar, ich würde gern weiterkommen, aber der Name Chelsea muss aus den Köpfen der Spieler raus. Wir haben dann am Dienstag schon wieder ein Spiel und das ist für mich wichtiger, da muss der Fokus drauf sein und nicht am Sonntag auf Chelsea. Das muss unsere junge Mannschaft noch lernen, bei solchen Ereignissen nicht den Faden zu verlieren. Sportlich liegt unser Hauptaugenmerk ganz klar auf der Meisterschaft.

Ist denn der Aufstieg für die Mannschaft Pflicht?

Uwe Rösler: Ich denke, unser Saisonziel ist, dass wir unter die ersten Sechs kommen. Mit dem achten oder neunten Platz der vergangenen Saison haben wir die beste Platzierung seit sieben Jahren erreicht und dieses Jahr wollen wir uns weiter verbessern, nach dem wir letztes Jahr noch knapp an den Play-Off-Plätzen gescheitert sind. In den Play-Offs kann dann alles möglich sein. Aber aufsteigen zu müssen, dieser Druck ist nicht da. In die Play-Offs ja, Aufstieg nein.

Nun haben nicht nur Sie mit Brentford im FA Cup überrascht, sondern auch Ihr Ligakonkurrent Oldham Athletic mit dem Sieg über Liverpool oder Bradford im, wenn auch als etwas unwichtiger geltenden, League Cup. Ist dies eine kleine Trendwende hinzu mannschaftlich starken „Underdogs“?

Uwe Rösler: Auf Grund der Vielzahl und der Wichtigkeit der Spiele oder auch dem neuen Fernsehvertrag ab kommender Saison, aus dem die Vereine 30 Millionen mehr bekommen, ist der Druck auf die Meisterschaft oder die Champions League erreichen zu müssen größer. Da lassen dann größere Klubs Spieler auf das Feld, die auf der Bank sitzen, wie zum Beispiel Marko Marin bei Chelsea. Sie haben dann einige Zeit nicht gespielt und müssen dann gegen kampfstarke und hochmotivierte Drittligisten spielen. Das ist dann manchmal nicht einfach. Einige, speziell auch Ausländer, unterschätzen vielleicht die Wertigkeit des FA-Cups. Er ist der beste Pokalwettbewerb der ganzen Welt, mit der größten Historie und dann kommt es eben zu solchen Resultaten.

Wie bewerten Sie als City-Legende und Fanliebling die Vorkommnisse bei ihrem Ex-Klub, dass es in der Champions League nicht richtig laufen will und auch Lokalrivale United weit vor den „Citiziens“ steht?

Uwe Rösler: Mit der Niederlage Citys gegen Southampton und dem Sieg von United gegen Everton ist für mich die Meisterschaft entschieden. United wird nicht noch einmal so einen Vorsprung hergeben, wie letztes Jahr. City hat nicht so konstant gespielt, wie in der vergangenen Saison. Sie haben damals viel weniger Tore kassiert, waren in der Abwehr stabiler und wenn man die Meisterschaft gewinnen will, braucht man immer eine gute Abwehr. Sie stehen noch ganz vorn in der Tabelle und die Qualifikation zur Champions League ist nicht in Gefahr. Aber für die Ansprüche, die City hat, sind die zwölf Punkte Abstand zu groß.


„Um den Trainerjob bei City zu bekommen, musst du einer der drei, vier besten Trainer der Welt sein. Da habe ich noch einen ganz, ganz langen Weg.“


- Uwe Rösler

Aber auch in Europa scheitern sie immer wieder. In der Gruppenphase zuletzt wieder ausgeschieden…

Uwe Rösler: Die Champions League war natürlich eine Enttäuschung, das muss man ehrlich sagen. Letztes Jahr war das erste Jahr dort, da musste man sich auch an die Doppelbelastung gewöhnen. Spieler und Trainer hatten zwar Erfahrungen ohne Ende, aber eben nicht als Verein. Dieses Jahr in der Todesgruppe mit vier Landesmeistern war es natürlich sehr schwierig, doch dass man sich dann nicht einmal für die Europe League als Minimum qualifiziert hat, war schon eine Enttäuschung.

Würde Sie irgendwann einmal der Trainerjob bei Manchester City reizen?

Uwe Rösler: Um den Trainerjob bei ManCity zu bekommen, musst du einer der drei, vier besten Trainer der Welt sein. Da habe ich noch einen ganz, ganz langen Weg. Ich glaube nicht, dass ich das erreichen werde. Im Moment ist es unrealistisch, da werden nur die besten der Besten gehandelt. Man kann zwar träumen, muss aber auch realistisch sein.

Oder bei einem anderen Klub in der Premier League?

Uwe Rösler: Mein Ziel ist es schon auch dort zu trainieren, wo ich als Spieler schon war. Ich habe zwar meinen Vertrag bei Brentford verlängert, aber natürlich bin ich auch ambitiös den nächsten Schritt zu machen. Das wäre die Championship, die zweithöchste Klasse, und natürlich würde ich mir wünschen, dies mit Brentford zu schaffen. Das wäre wirklich eine fantastische Leistung, wenn man einen relativ kleinen Verein in die zweite Liga führen kann. Man darf nicht vergessen, dass sie die fünftbestbezahlte Liga in Europa ist. Das zeigt auch den Stellenwert und die Qualität dieser Liga.

Geht für sie als Londoner Klub, je höher man klettert auch die Stellung innerhalb der Stadt verloren? Es gibt ja doch einige namhafte Konkurrenz um den Kampf um das Geld…

Uwe Rösler: Nein, ein Fußballklub muss ja auch wirtschaftlich geführt werden und wir haben in unser Trainingsgelände investiert, in unsere Mannschaft, in das Team um dem Team und in unsere Akademie. Wir hoffen natürlich, dass sich das auch auszahlt. Wir haben zwar noch immer ein relativ kleines Budget gegenüber anderen Vereinen in unserer Liga, doch unser Besitzer hat auch Ambitionen und will mit uns nach oben, denn ab 2016 haben wir ein neues Stadion und wollen damit auch mehr Einnahmen generieren. Unser Ziel ist es, dass sich der Verein langfristig selber trägt. Und es sieht ganz gut aus.

Folge Fabian Biastoch auf

EURE MEINUNG: Kann der FC Brentford dem amtierenden Champions-League-Sieger erneut ein Bein stellen?

Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal.com auf
oder werde Fan von Goal.com auf !

Dazugehörig