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Uwe Rösler: „Bayern hat eine realistische Chance die Champions League zu gewinnen“

EXKLUSIV - Uwe Rösler überrascht mit dem FC Brentford im FA-Cup und gilt auf der Insel als kommender Spitzentrainer. Goal.com unterhielt sich mit dem Ex-Stürmer von ManCity.

London. Uwe Rösler ist gebürtiger Sachse, eine lebende Legende und Fanliebling von Manchester City. Nun arbeitet er als Trainer in England und überraschte in den vergangenen Wochen mit seinem Klub Brentford FC im FA-Cup: Der krasse Außenseiter rang dem amtierenden Champions-League-Sieger FC Chelsea daheim ein Remis ab und zwang ihn in ein Rückspiel. Spätestens nun ist Rösler auf der Insel in aller Munde.

Goal.com sprach exklusiv mit dem Erfolgstrainer. Im ersten Teil unseres Interviews erzählt der 44-Jährige vom Verhältnis zwischen Deutschland und England, die Stärke der Topklubs FC Bayern und Borussia Dortmund, sowie der Bundesliga.

Herr Rösler, Sie sind seit Jahren in England aktiv, würden Sie für einen Trainerjob in der Bundesliga Englands Hauptstadt verlassen?

Uwe Rösler: Für mich als Deutscher ist es natürlich irgendwo immer ein Traum. Ein Ziel, das zu erreichen ist und ich bin mir sicher, ich werde irgendwann einmal auch in Deutschland trainieren. Ich hoffe, dass es dann auch die Bundesliga ist. Wann das sein wird, kann ich natürlich nicht sagen. Ich bin jetzt hier auf einem guten Weg, mir einen Namen zu machen und mich nach oben zu arbeiten. Im Moment bin ich in England zur richtigen Zeit am richtigen Platz. Die Zukunft ist offen und Fußball ist ein sehr schnelllebiges Geschäft, speziell im Trainerbereich. Deutschland ist nach wie vor für mich ein Ziel.

Das Verhältnis zwischen England und Deutschland ist ja nicht immer einfach gewesen und ist es auch im Zuge der Eurokrise in diesen Tagen nicht. Müssen Sie als Deutscher mit Vorurteilen, Klischees oder ähnlichem kämpfen?

Uwe Rösler: Naja, ich war der erste Deutsche der nach 30 Jahren wieder erfolgreich in der Premier League gespielt hat und sie haben mich am Anfang schon kritisch beäugt. Meine Leistung wurde kritischer betrachtet, als die von einheimischen Spielern, aber das ist generell im Ausland so. Ich habe mich hier immer wohlgefühlt, die Leute haben mich immer sehr warmherzig aufgenommen und mich immer unterstützt. Das habe ich mit meinen Toren versucht zurückzugeben. Ich fühle mich schon als halber Engländer, weil ich nun schon viele Jahre hier gelebt habe.

Werden ausländische Trainer in England insgesamt anders, vielleicht kritischer, betrachtet?

Uwe Rösler: Das ist aber in Deutschland genau so. Oder in Österreich oder in Italien, das ist überall so. Egal wo du im Ausland arbeitest, und das ist meine Maxime, du musst immer besser sein als die einheimischen Spieler. Sonst könnten sie ja auch den Job machen. Du musst immer sehr hart arbeiten und es ist nicht einfacher als Deutscher in England eine Mannschaft zu trainieren und im Amt zu bleiben.

Mit Kickern wie Per Mertesacker oder Lukas Podolski zieht es immer mehr Deutsche nach England. Sind deutsche Spieler generell besser geworden oder ist es „nur“ die individuelle Klasse Einzelner?

Uwe Rösler: Es sind alles gestandene Spieler, Nationalspieler und ich will mir darüber gar kein Urteil erlauben. Aber, um sich hier auf Dauer zu behaupten, musst du schon über Jahre hinweg konstante Leistungen bringen. Und Podolski, Mertesacker oder auch Marin sind ja erst eine kurze Zeit hier. Wir reden aber über Jahre, um sich hier einen Namen zu machen.

Die eben erwähnten Mertesacker und Podolski spielen in der Champions League gegen Bayern München. Ihr Tipp?

Uwe Rösler: Bayern wird gewinnen und weiterkommen. Ich habe Arsenal gesehen und ich schätze Bayern stärker ein. Sie haben auch eine realistische Chance die Champions League zu gewinnen. Ich glaube, für Arsenal wird es schwer.

Und ihr Tipp zum BVB?

Uwe Rösler: Sie haben mich absolut begeistert. Ich hab das Spiel gegen Dortmund live in Manchester gesehen und ich bin ein absoluter Dortmund-Fan. Wie die Mannschaft spielt, mit so viel jungen Leuten, Energie, Struktur und individueller Klasse und sie sind hungrig. Ich bin absoluter Fan dieses Fußballs und meine Spielweise orientiert sich auch daran. Sie können, ein bisschen als Außenseiter, den großen Vereinen Riesenprobleme bereiten.

Was sagen Sie zum DFB-Pokalhalbfinale, wo diese beiden Mannschaften aufeinander treffen?

Uwe Rösler: Dortmund hat diese Doppelbelastung und die Meisterschaft hat Bayern für mich eingefahren. Und für Dortmund ist es wichtig, sich für die Champions League zu qualifizieren. Ich denke, dass sich der BVB in diesem Jahr auf die Champions League und den Pokal konzentriert. Es ist ein spannendes Spiel. Generell ist Bayern schon Favorit, aber wie schon gesagt, mit dieser Spielweise ist Dortmund in der Lage jede Mannschaft zu schlagen. Auch die Bayern.

„Der deutsche Fußball ist stabil und wird immer um Titel kämpfen. Wenn man lange an die Tür klopt, geht sie irgendwann auf und es kommen wieder Titel.“


- Uwe Rösler

Ist der deutsche Fußball nach dem Durchhänger um die Jahrtausendwende endgültig wieder in die Erfolgsspur zurückgekehrt?

Uwe Rösler: Ja, schon lange. Die Art und Weise, wie die Mannschaft spielt, die Erfolge im Nachwuchsbereich, das sind alles Anzeichen dafür, dass der deutsche Fußball einer der Führenden ist neben Länder wie Spanien. Wenn man die Resultate sieht, aber auch wie viele junge Talente von unten nach oben kommen. In Deutschland ist eine gute Balance zwischen einheimischen Talenten und Ausländern. In der Premier League zum Beispiel haben es junge englische Spieler, auf Grund der Einnahmen und das die Vereine so viel Geld für ausländische Spieler ausgeben, sehr schwer zu spielen. In Deutschland haben die Nachwuchsspieler relativ viel Spielzeit und dadurch können sie sich auch gut entwickeln.

Führt diese Entwicklung in den nächsten Jahren auch zu einem Titel der DFB-Elf?

Uwe Rösler: Um Titel zu gewinnen, muss man auch das Quäntchen Glück haben. Deutschland wird immer weit oben sein und das sind dann auch Spiele im Halbfinale oder Finale, wo die Tagesform sehr viel entscheidet. Da kann man eine super WM spielen, wie Deutschland 2010 und dann hat man einen Tag, wo man nicht die besten Leistungen abrufen kann und dann reicht es halt nicht. Um auf so einem Niveau Titel zu gewinnen, muss alles stimmen. Die Tagesform muss stimmen, man darf keine Verletzten haben, aber der deutsche Fußball ist stabil und wird immer oben mitspielen und um Titel mitkämpfen. Wenn man lange an die Tür klopt, geht sie irgendwann auf und es kommen wieder Titel.

Morgen lest Ihr in Teil zwei unseres Interviews mit Uwe Rösler, wie der Deutsche den FC Chelsea erneut ärgern will, warum er seinen Job in Brentford so gerne macht und wie er die Entwicklung seines Ex-Klubs ManCity wahrnimmt!

Folge Fabian Biastoch auf

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