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Timo Gebhart: „Für jeden Fußballer ist die Nationalelf ein Traum“

EXKLUSIV - Die Verpflichtung Timo Gebharts galt beim FCN als Paukenschlag. Nach einem Vierteljahr Anlaufzeit hat er sich als Stammkraft etabliert. Goal.com bat ihn zum Interview.

Nürnberg. Beim VfB Stuttgart drohte die Karriere nach ereignisreichen Jahren zu stagnieren, also wechselte Timo Gebhart nach langer Verletzung im vergangenen Sommer zum 1. FC Nürnberg. Dort fiel die Eingewöhnung schwer, doch mittlerweile ist der offensive Mittelfeldspieler bei den Franken kaum noch wegzudenken. Mit Goal.com sprach Gebhart nun exklusiv.

Erst am vergangenen Freitag spielten Sie in Dortmund. Beim BVB wird immer wieder über die Individualisten Mario Götze und Marco Reus geredet. Wie empfinden Sie denn die Beiden?

Gebhart: „Was über die Beiden geschrieben wird, stimmt zu 100 Prozent. Das sind zwei Ausnahmespieler, die wir in Deutschland haben. Zusammen harmonieren sie perfekt, aber Dortmund ist viel mehr als die beiden.“

Sie sind jetzt ein halbes Jahr in Nürnberg. Sind Sie komplett angekommen beim FCN?

Gebhart: „Ich denke, mittlerweile bin ich auf jeden Fall angekommen. Ich hatte zwar Anlaufschwierigkeiten, aber es war abzusehen, dass es nicht einfach wird. Es ist immer schwer als neuer Spieler. Aber ich habe immer Gas gegeben und nun spiele ich ja.“

In Ihrer kurzen Zeit hatten Sie nun zwei Trainer mit Dieter Hecking und Michael Wiesinger. Können Sie kurz charakterisieren, was die beiden Coaches ausmacht?

Gebhart: „Beide reden sehr viel mit den Spielern, legen ganz viel Wert auf Disziplin, auch außerhalb des Platzes. Die spielerischen Schwächen, die wir haben, haben beide Trainer erkannt und wir arbeiten mit Michael Wiesinger nun auch weiter daran. Hecking und Wiesinger sind, abgesehen vom Alter (lacht ganz kurz), ähnliche Typen.“

Attraktiver wollen sie spielen und am Ende natürlich nicht absteigen...

Gebhart: „Natürlich. Ich denke aber auch, dass wir daran anknüpfen sollten, wo wir in der Vorrunde aufgehört haben. Wir wollen immer besser werden und vielleicht sogar mehr als 20 Punkte in der Rückrunde holen.“

Für Sie persönlich war es am Anfang relativ schwierig, bevor Sie gegen Wolfsburg das Siegtor gemacht haben. Wie wichtig war diese Partie für Sie?

Gebhart: „Jeder weiß, dass mir dieses Tor viel bedeutet hat. Es war das Führungstor und dann auch noch der Siegtreffer. Man muss auch sehen, dass ich ein Jahr lang fast keine Spielpraxis hatte. Darum konnte ich nicht sofort umsetzen, was Dieter Hecking verlangt hatte. Das wurde dann aber von Spiel zu Spiel immer besser.“

Sie werden in der offensiven Dreierreihe ja auf verschiedenen Positionen eingesetzt. Wo sehen Sie sich selbst am stärksten?

Gebhart: „Meine Lieblingsposition ist die 10. Aber ich spiele natürlich da, wo der Trainer mich aufstellt. Und es gibt da auch ganz unterschiedliche Spiele. Manchmal bekommt man auf der 10 so wenig Bälle, dass man sich dann eher wünscht, auf dem Flügel zu spielen.“

Der FCN hat in dieser offensiven Dreierreihe sehr viel Qualität mit Ihnen, mit Alex Esswein, Robby Mak, Mike Frantz, Hiroshi Kiyotake und natürlich auch Markus Feulner. In welcher Besetzung funktioniert das Ganze am Besten?

Gebhart: „Es ist das Wichtigste, dass es in einer Mannschaft Konkurrenz gibt und die ist bei uns klar vorhanden. Man muss in jedem Training Gas geben und kann sich nicht ausruhen. Auch von der Bank können wir entsprechend Qualität ins Spiel bringen.“

 

„Der Wechsel nach Stuttgart war der richtige Weg. Ich habe Champions League gespielt, um den Meistertitel gespielt, gegen den Abstieg gespielt. Ich habe in Stuttgart viel erlebt und möchte diese Erfahrungen nicht missen.“

- Timo Gebhart über seine Zeit beim VfB

Sie sind sicher nicht umsonst zum FCN gewechselt – was zeichnet diesen Traditionsverein denn besonders aus?

Gebhart: „Gerade die Fans machen natürlich einiges aus, man hat ja auch gesehen, wie ich mich mit ihnen verstehe, als ich in Fürth in der Kurve stand. Es ist alles sehr familiär hier. Ich bin dankbar, für diesen Verein spielen zu dürfen und versuche es, dem Verein und den Fans mit Leistung zurückzuzahlen.“

Das wäre meine nächste Frage gewesen: Was hat Sie dazu bewegt, das Spiel in Fürth mit den Fans in der Kurve anzusehen?

Gebhart: „Fans hatten mich schon öfter mal gefragt, ob ich mal mit in die Kurve kommen möchte. Ich war früher ja auch in der Kurve und wusste daher, wie es da abgeht. Beim Spiel gegen Fürth war natürlich Bombenstimmung, das war ein richtig geiles Erlebnis.“

Würden Sie es wieder machen, auch bei einem weniger brisanten Spiel als in Fürth?

Gebhart: „Ja, natürlich. Die Erfahrung war richtig geil, seine eigene Mannschaft aus der eigenen Kurve anzufeuern. Ich habe da wahnsinnig mitgefiebert.“

Im anderen Derby gegen Bayern München haben Sie mit einem Foul an Bastian Schweinsteiger für Aufsehen gesorgt? Wie haben Sie das Foul selbst gesehen?

Gebhart: „Es war unglücklich, dass ich davor schon eine Szene mit Bastian hatte und dann ist es zwei Minuten später wieder passiert. Das war sehr unglücklich, aber es passiert. Ich habe aber nach dem Spiel mit Bastian geredet und es ist alles geklärt. Wir verstehen uns eigentlich sehr gut.“

Wie beurteilen Sie Ihren bisherigen Karriereverlauf?

Gebhart: „Ich habe schon vieles erlebt, Höhen und Tiefen. Die ersten zweieinhalb Jahre in der ersten Bundesliga in Stuttgart haben mir viele Erfahrungen gebracht. Meine Verletzung hat mich ziemlich zurückgeworfen, aber ich schaue nur nach vorne und man sieht, dass es bei mir wieder nach oben geht.“

Würden Sie sagen, der Wechsel nach Stuttgart kam damals zu früh?

Gebhart: „Nein, das war der richtige Weg. Ich habe Champions League gespielt, um den Meistertitel gespielt, gegen den Abstieg gespielt. Ich habe in Stuttgart viel erlebt und möchte diese Erfahrungen nicht missen.“

Bei Ihrem Ex-Verein, 1860 München, geht es derzeit drunter und drüber? Wie bekommen Sie das mit?

Gebhart: „Die Probleme werden dort leider nicht weniger. Ich hoffe, dass sie ihre Probleme lösen und in die 1. Bundesliga aufsteigen. Ich weiß, dass ich dem Verein viel zu verdanken habe.“

 

  „Ich sage es mal so: für jeden Fußballer ist es ein Traum, in der Nationalelf zu spielen. Aktuell schaue ich da aber nicht drauf, obwohl ich alle U-Teams von U15 bis U21 durchlaufen habe.“

- Timo Gebhart auf die Frage, ob er sich noch Hoffnungen auf die DFB-Elf macht.

In den letzten Wochen wurde oft über die Fans geredet. Pyro-Technik, Stimmungsboykott, Sicherheitsgipfel – was ist Ihre Meinung zur Fan-Thematik?

Gebhart: „Dazu möchte ich gar nichts sagen. Das müssen andere machen. Unsere Aufgabe liegt auf dem Feld. Ich weiß nur eines: Unsere Fans sind unheimlich wichtig.“

2009 haben Sie es mal beim Stande von 5:0 geschafft, gegen San Marino vom Platz zu fliegen. Wie konnte das passieren?

Gebhart: „Das war etwas kurios. Ich habe eine Gelbe Karte in der ersten Halbzeit bekommen und anschließend gab es in der zweiten Halbzeit eine Szene, bei der ich getroffen wurde und dann gelb-rot für eine Schwalbe gesehen habe. Ich bin mir aber bis heute sicher, dass das keine Schwalbe war.“

In Deutschland ist es oft so, dass Spieler, die zwei, drei gute Spiele gemacht haben, gleich mit der Nationalelf in Verbindung gebracht werden. Lässt Sie so etwas kalt, oder haben Sie noch Hoffnungen in diese Richtung?

Gebhart: „Ich sage es mal so: Für jeden Fußballer ist es ein Traum, in der Nationalelf zu spielen. Man gibt niemals auf und will immer das Beste erreichen. Aktuell schaue ich da aber nicht drauf, obwohl ich alle U-Teams von U15 bis U21 durchlaufen habe.“

Nach vielen verpassten Chancen in den letzten Jahren greift die junge DFB-Elf 2014 in Brasilien wieder an. Welche Chancen geben Sie dem Team?

Gebhart: „Wenn man die Qualität sieht, muss man Deutschland alles zutrauen. Ich möchte nicht sagen, dass man auf jeden Fall Weltmeister wird, aber mit dieser Qualität muss man zu den Favoriten zählen.“

Wir bedanken uns für das Gespräch, Herr Gebhart.


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