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Arthur Boka: „Drogba ist ein großer Spieler, egal wo er spielt“

EXKLUSIV - Am Wochenende startet der Africa Cup. Stuttgarts Arthur Boka sprach mit Goal.com über den Spagat zwischen Vereinstreue und Nationalstolz und Drogbas letzte Titelchance.

Abidjan. Am Samstag startet in Südafrika der 28. Africa Cup of Nations. Für die Elfenbeinküste nahm Arthur Boka bereits an den Kontinentalturnieren 2006, 2008, 2010 und 2012 teil. Der Linksverteidiger, der seit 2006 für den VfB Stuttgart spielt, sprach mit Goal.com über den Spagat zwischen Vereinstreue und Nationalstolz, die letzte Titelchance der „Goldenen Generation“ und erste Spracherfahrungen im Ländle.

Wie schwer ist es, alle zwei Jahre die Vorbereitung auf die Rückrunde sowie den Auftakt selbiger zu verpassen?

Hier eine richtige Entscheidung zu treffen, ist für einen Spieler immer schwer. Natürlich will jeder Spieler auch für sein Land auflaufen, wenn er hierzu die Möglichkeit hat. Es ist sehr schade, dass der Africa Cup immer im Januar stattfindet. Für uns Afrikaner ist diese Meisterschaft eine ganz besondere. Die EM würde auch kein deutscher Spieler verpassen wollen. Ich werde in bester Form vom Afrika Cup zurückkehren und dann wie bisher alles für meinen Verein geben.

Könnten Sie sich überhaupt entscheiden? Viele afrikanische Spieler stehen vor demselben Problem?

Mein sportliches Herz schlägt natürlich für Stuttgart. Aber wenn dich die Nationalmannschaft anfordert, kann man nicht einfach absagen. Auch Ya Konan, der mit mir in der Nationalmannschaft spielt, sagte mir, wie schwer diese Situation jedes Mal für ihn ist.

Dabei geht es diesmal um Einiges. Die Elfenbeinküste gehört traditionell zu den Favoriten, scheiterte die letzten Male aber denkbar knapp am ersten Titel seit 1992. Ist 2013 die letzte Chance für die „Goldene Generation“?

So ist es! Unsere Generation weiß, denke ich, dass dies wohl wirklich die letzte Chance sein wird und für einige wird es wohl auch der letzte Africa Cup sein. Wir haben zuletzt zwei Mal im Finale gespielt.

2006 und 2012 ging das Finale jeweils im Elfmeterschießen verloren, 2006 standen Sie persönlich auf dem Platz.

Ja, und es war denkbar knapp und schmerzhaft. Wir haben alles gegeben, aber im Elfmeterschießen braucht man auch etwas Glück. Wir hatten und haben den Titel noch nie gewonnen und wollten ihn unbedingt. Jetzt haben wir Gott sei Dank noch eine Chance und ich bin froh, für mein Land alles in die Waagschale werfen zu können. Es wäre schon sehr schade, wenn wir diesmal wieder mit leeren Händen zurückkommen.

Didier Drogba hat sich im Sommer doch noch einen Titelwunsch erfüllt, im Champions-League-Finale gegen die Bayern. Ein Vorbild, ein Garant, dass auch dieses Jahr etwas möglich ist? Hat er noch denselben Stellenwert für das Team?

Natürlich, er ist der „Held“ der Nationalmannschaft, wenn ich das so sagen kann. Er ist ein großer Spieler, egal wo er spielt. Ich denke, er kann auch diesem Turnier seinen Stempel aufdrücken. Er hat viel in seinem Leben erreicht, und ebenso wie er wollen auch wir anderen alle den Pokal holen.

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Yaya Toure, zweimal Afrikas Fußballer des Jahres und englischer Meister mit Manchester City, musste sich in der Heimat zuletzt viel Kritik anhören wegen der Titellosigkeit mit dem Nationalteam. Auch er dürfte besonders motiviert sein, um seine Kritiker zu widerlegen...

Ich denke schon, dass er diesen Plan im Kopf hat. Wir sind zusammen aufgewachsen und ich habe größten Respekt vor ihm, er ist ein großer Fußballspieler. Die Chance, nun mit seinem Land zu  gewinnen, wird er sich nicht entgehen lassen wollen. Aber auch hier gilt: Er ist bestimmt nicht der einzige, wir alle möchten unbedingt diesen Titel gewinnen, uns alle treibt der gleiche Gedanke! Diese Gelegenheit wollen wir nicht liegen lassen.



2010 und 2012 kamen Sie kaum zum Zug. Wie sind Ihre Erwartungen für dieses Jahr?

Stimmt, damals habe ich im Verein nur unregelmäßig gespielt. Deswegen musste ich die letzten Male von der Bank aus zusehen. Aber dieses Jahr bin ich fit und ich fahre nach Südafrika, um zu spielen.

Sie spielen in der Gruppe gegen Tunesien, Algerien und Togo. Wie sehen Sie die Chancen auf das Weiterkommen?

Wir gelten zwar traditionell als Favorit, aber ich werde bestimmt nicht sagen, dass diese Gruppe einfach ist. Das Potential, um weiterzukommen haben wir, müssen aber jedes Spiel mit Mut und Konzentration angehen.

Wenn Sie die Gruppenphase überstehen, geht es wahrscheinlich gegen Sambia oder Nigeria. Gegen welchen Gegner würden Sie im Viertelfinale lieber spielen?

Wenn wir die Gruppenphase überstehen, dann hoffe ich auf Sambia, das uns im letzten Finale 2012 bezwungen hat, im Elfmeterschießen, wie gesagt. Es wäre eine schöne Gelegenheit für eine Revanche und gleichzeitig auch eine gute Gelegenheit, um zu zeigen, dass wir die Favoritenrolle nicht umsonst innehaben.

Ihr Spitzname als „afrikanischer Roberto Carlos“ begleitet Sie noch heute. Wie sind Sie auf dieser „Exoten“-Position gelandet?

(lächelt) Das war in der Fußballschule in Abidjan, wo ich als Stürmer begann, und gar nicht mal als schlechter. Aber langfristig war ich zu klein. Also hat mein Trainer mir gesagt: Wenn Du was erreichen und Profi werden willst, musst du weiter nach hinten kommen. Profi-Vereine bevorzugen in der Regel große Stürmer. Du hast einen guten linken Fuß, Du kannst links in die Abwehr! Nicht gleich am Anfang, aber mit der Zeit habe ich mich dann dort wohlgefühlt. So kam ich auch nach Europa, als Angreifer hätte ich den Sprung wohl nicht geschafft.

Was macht für Sie einen guten Linksverteidiger aus?

Ein starker linker Fuß und eine gute Technik! Es ist auch wichtig, dass du bereit bist, viel zu laufen. Aber ich denke, auch Passstärke und Übersicht im Spielaufbau sind unverzichtbar.

Welche waren für Sie die schwierigsten Spiele und Gegenspieler in der Hinrunde?

Gegen die Bayern natürlich, Thomas Müller ist in starker Form. Da waren wir ziemlich chancenlos und haben früh gemerkt: Da können wir heute nichts machen. Und das letzte Spiel gegen Mainz war auch schwer, da ging es gegen einen anderen Müller, Nico Müller.

Arthur Boka | VfB Stuttgart, LV, 29 Jahre
STATISTIKEN
BuLi-Einsätze 2012/13 12
Tore / Assists 0/1
Gelbe/Rote Karten 1/0
Länderspiele / Tore / Assists 50 / 0 / 4
UND SONST SO...
Starker Fuß Links
Vertrag bis... 2013

In Stuttgart wartet man derzeit auf ein Signal Bruno Labbadias zur Vertragsverlängerung. Wären Sie für eine Verlängerung?

Ich hoffe, dass er bleibt. Bruno ist für mich ein sehr guter Trainer – und ein Gewinner. Er will immer gewinnen und bringt die Spieler auf den richtigen Weg. Er redet viel mit uns, ist aber auch kritisch. Wenn du denkst, du bist gut in Form, dann fordert er noch mehr von dir. So etwas braucht man als Spieler...

Sie gehören in Stuttgart zu den Dienstältesten der Spieler, waren schon 2007 bei der letzten Meisterschaft dabei. Vor ein paar Jahren schlugen Sie sogar eine Tottenham-Offerte für den VfB aus. Können Sie sich vorstellen, im Ländle auch Ihre Karriere zu beenden?

Natürlich, wenn ich die Gelegenheit haben sollte. Selbst wenn es mich aus Vertragsgründen nochmal woanders hin verschlagen sollte, will ich später zurückkommen, um hier zu leben. Wenn Stuttgart mich halten will, werde ich nicht nein sagen. Als ich die Sprache noch nicht beherrschte und das Land nicht kannte, kam ich hierher und habe eine Weile gebraucht. Mit Deutsch lernte ich auch die Menschen, Freunde und Familie kennen. Nun will ich bleiben, immerhin habe ich mein erstes deutsches Wort hier gesprochen.

Herr Boka, wir danken für das Gespräch!

EURE MEINUNG: Wie werden Boka und die Elfenbeinküste beim Africa Cup abschneiden?

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