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EXKLUSIV – Ex-Nationalspieler Andreas Hinkel stand uns Rede und Antwort: Was waren die Highlights und die großen Enttäuschungen des letzten Jahres?

Berlin. 2012 ist bald Geschichte. Es war ein aufregendes Jahr in der Welt des Fußballs: Dramatische Titelentscheidungen in Europas Topligen, der Höhenflug des BVB, die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine, das große Duell zwischen den Superstars Cristiano Ronaldo und Lionel Messi.

Es war außerdem auch ein Jahr der Abschiede. Zu den Kickern, die ihre Stiefel an den Nagel gehängt haben, zählt auch Ex-Nationalspieler Andreas Hinkel. Der langjährige Stuttgarter beendete seine Laufbahn Mitte des Jahres im Alter von 30 Jahren.

Goal.com traf den sympathischen Blondschopf zum Jahresrückblick der besonderen Art. Hinkel wird die herausragenden Ereignisse der vergangenen zwölf Monate kommentieren. Los geht es heute, Teil zwei folgt am Silvestermorgen.

DIE BVB-DOMINANZ: PUNKTEREKORD UND TITELVERTEIDIGUNG IN DER LIGA, TRIUMPH IM POKAL

„Das war ein Prozess über mehrere Jahre. Die Mannschaft wurde kontinuierlich zusammengestellt. Auf bestimmte Spieler wurde gebaut und neue, junge Talente kamen dazu. Die Früchte haben die Dortmunder in den letzten beiden Jahren geerntet. Beides Mal hatten sie nach der Winterpause keine Doppelbelastung mehr. Einmal waren sie in der Europa League ausgeschieden, das andere Mal in der Champions League. Für Liga und Pokal war das ein großer Vorteil. Aber die Dortmunder haben sowieso ein Riesenpotenzial. Sie galten immer als schlafender Riese, als der Verein finanziell angeschlagen war. Zu Recht. Jetzt stehen sie richtig gut da.“



BAYERNS „DRAMA DAHOAM“

„Für die Bayern war es eine richtig bittere Niederlage. Vom Spielverlauf her waren sie die klar bessere Mannschaft. Auch von der Statistik her, was aber natürlich nichts zählt im Fußball. Wie das ganze Spiel ablief, war eine richtig bittere Geschichte. Geführt, kurz vor Schluss den Ausgleich kassiert, in der Verlängerung einen Strafstoß verschossen, im Elfmeterschießen vorne gewesen – und doch verloren: Das war echt enttäuschend. Dennoch muss ich sagen, dass die Bayern mit dem ganzen Potenzial, das sie haben – sowie dem bald abbezahlten Stadion - in Zukunft mehr denn je mit den großen europäischen Klubs um den Titel in der Champions League mitreden werden.“



„Hut ab aber auch vor Chelsea. Das ist eine Mannschaft, die sich mit all ihrer Erfahrung auf die Spiele gegen Barcelona und das Finale fokussiert hat und die im entscheidenden Moment dann noch mal gekommen ist. Solch ein Team darf man niemals abschreiben.“

FAVRES GLADBACHER HÖHENFLUG ENDET TATSÄCHLICH AUF PLATZ VIER

„Wenn man sich erinnert an die Relegationsspiele (gegen Bochum am Ende der Saison 2010/11, Anm. d. Red.), dann war das ja eine hauchdünne Geschichte. Es war brutal eng und die Borussia schaffte es gerade noch so, in der Liga zu bleiben. Es ist eine Riesenleistung, dann mit diesem Kader das zu erreichen und so konstant guten Fußball zu spielen. Da steckte ein Plan dahinter und man sieht, dass da richtig gute Arbeit gemacht wurde. Das wurde belohnt. Gerade ein Verein wie Gladbach, der fast abgestiegen wäre, musste hart und akribisch arbeiten. Wenn man dann gute Leute hat, dann ist aber auch vieles möglich. Wichtig sind Trainer und Manager, die etwas erkennen und eine Mannschaft dann formen können.“



BALOTELLI ZERSTÖRT DEUTSCHLANDS EM-TRAUM UND STÖßT DIE DEBATTE UM LEITWÖLFE AN

„Ich bin davon überzeugt, dass sie beim DFB auch nach den Gründen suchen. Es heißt immer: „Wir haben die Mannschaft der Zukunft.“ Nur haben wir dann jedes Turnier die Mannschaft der Zukunft, wenn das so weitergeht. Es kommen ja immer wieder Spieler nach und junge Leute werden eingebaut. Man muss schon schauen, dass man nicht immer die Mannschaft der Zukunft hat, sondern auch einmal die Mannschaft des Turniers. Die Argumentation seitens des DFB, dass es nun eine andere Generation ist, die stimmt wirklich. Die Spieler sind ganz anders groß geworden, als noch zum Beispiel vor zehn, zwanzig Jahren. Jede Generation wächst anders auf und deshalb gibt es vielleicht auch nicht mehr so den Leitwolf oder die Spieler, die auf den Putz hauen.

Die Verantwortung verteilt sich. Aber meiner Meinung nach sollte es schon so sein, dass es ein paar Spieler gibt, die eben ein mehr Verantwortung übernehmen und mehr Erfahrung haben. Leitwölfe moderner Prägung. Aber das ist auch charakterlich bedingt. Es muss nicht sein, dass einer viele Spiele mitgemacht hat und deswegen Führungsspieler ist. Der hat zwar viel erlebt und ist auf seine Weise wichtig für die Mannschaft. Aber ob er dann als Führungsspieler auftreten kann, das ist wieder eine andere Frage. Manche Spieler, ein Carles Puyol zum Beispiel, hat diesen Charakter schon als junger Spieler gehabt. Puyol, so erzählt man es in Spanien, war unbegabter als andere Spieler in der Mannschaft. Aber wegen seines Charakters haben sie sich bewusst für ihn entschieden. Ich finde das sensationell.. Denn auch über diese Punkte muss man sich Gedanken machen und nicht nur über das Fußballerische.“




„Ich glaube, die Mischung muss stimmen. Die Mischung muss nicht 50-50 sein und es gibt auch keine Schablone, nach der man sagen kann: „So muss es aussehen.“ Aber wenn man drei Führungsspieler, am besten noch in einer Achse, in der Mannschaft hat, dann kann das nie verkehrt sein. Denn als junger Spieler entwickelt man sich, und wenn ich mich zurückerinnere, dann war ich froh darüber, Spieler neben mir zu haben, die gewisse Situationen schon durchgemacht hatten. Ich kann auch ein Beispiel aus der normalen Gesellschaft nehmen. Ein Azubi bei einem Unternehmen ist froh, wenn er einen alten Haudegen an seiner Seite hat, der alle Tricks und Kniffe bereits kennt.

„Du kannst so gut sein, wie du willst, manche Erfahrungen musst du machen. Manche kaufen dir den Schneid ab. Auch wenn du besser bist! Im Training gab es früher oft die Alten gegen die Jungen und oft gewinnen eben doch die Alten. Weil sie nur die wichtigen Wege machen und wissen, wie sie laufen müssen.“

IBRAHIMOVIC UND DER FALLRÜCKZIEHER

„Ich denke, jedem, der das gesehen hat, sind die Augen aus dem Kopf gefallen. Das ist Fußball! Da geht einem das Herz auf, wenn man so etwas sieht. Das sind einmalige Momente und dieses Tor wird man auch in Zukunft immer wieder sehen. Wahnsinn: Das war sein viertes Tor in dem Spiel. Er macht drei Treffer und kurz vor Schluss dann dieses Ding.



Dass da alles so passt, dass der Torwart rauskommt und den Ball so schlecht köpft und er trifft den Ball dann so, das war sensationell, keine Frage.“

Morgen früh im zweiten Teil des Jahresrückblicks mit Andreas Hinkel geht es unter anderem um das Duell zwischen den beiden „Außerirdischen“ Cristiano Ronaldo und Lionel Messi, die Stärke der Serie A und Manchester Citys Schwäche auf internationalem Parkett.

EURE MEINUNG: Wie bewertet Ihr Hinkels Aussagen und was waren für Euch die prägendstens Momente in 2012?

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