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Hannovers Mario Eggimann warnt Borussia Dortmund: „Wir werden voll auf Sieg spielen“

EXKLUSIV – Längst ist Mario Eggimann Leistungsträger bei Hannover 96. Wir sprachen mit dem Verteidiger vor dem Pokal-Knaller der „Roten“ beim Titelverteidiger Borussia Dortmund.

Hannover. Mit einer 1:2-Auswärtsniederlage bei Fortuna Düsseldorf beendete Hannover 96 vergangenes Wochenende die Hinrunde in der Bundesliga. Platz elf, 23 Punkte und 32 zu 31 Tore stehen nach 17 Spielen zu Buche. Deutlich besser lief es dagegen in der Europa League: Souveräner Gruppensieger und keine Niederlage in sechs Spielen. Ein Erfolg, der auch Innenverteidiger Mario Eggimann zuzuschreiben ist.

Der Schweizer hat sich in Hannover mittlerweile zur Stammkraft entwickelt und erweist sich immer mehr als sicherer Rückhalt in der Defensive. So gut lief es für den 31-Jährigen in der niedersächsischen Landeshauptstadt jedoch nicht immer. Lange wurde Eggimann nur sporadisch eingesetzt und musste meist auf der Bank oder sogar der Tribüne Platz nehmen. Über die Wandlung zum Stammspieler, seine Ziele mit Hannover und über Weihnachten sprach der Innenverteidiger im exklusiven Goal.com-Interview.

Weihnachten steht vor der Tür. Wo wollen Sie die besinnliche Zeit verbringen? Bleiben Sie in Hannover, oder geht’s in die Schweiz?

Mario Eggimann: „Wir fahren erstmal in den Süden von Deutschland, wo wir viele Bekannte und Verwandte haben. Weihnachten verbringen wir dann bei meiner Familie in der Schweiz.“

Trübt die am Ende doch sehr unglückliche Niederlage gegen Düsseldorf die Stimmung und hätte 96 sich aus Ihrer Sicht mindestens einen Punkt verdient gehabt?

Mario Eggimann: „Der Spielverlauf war eher so, dass wir dem 2:1 näher waren als Düsseldorf und das Spiel ganz gut im Griff hatten. Von daher tut diese Niederlage schon sehr weh, weil wir natürlich auch in der Tabelle eher so dagestanden hätten wie wir uns das vorstellen. Das war schon bitter.“

Warum denken Sie, dass es trotz der zuletzt etwas enttäuschenden Darbietungen am Mittwoch im Pokal gegen den BVB zum Weiterkommen reicht?

Mario Eggimann: „Wir wissen natürlich, dass wir auf eine unheimlich starke Mannschaft treffen, gerade zu Hause. Das ist schwierig für jeden Gegner, aber der Pokal hat seine eigenen Gesetze und es passieren Dinge, die man nicht voraussehen kann. Wir werden hochmotiviert in dieses Spiel hineingehen und voll auf Sieg spielen. Wir werden mit aller Macht versuchen, zu gewinnen. Wer weiß, vielleicht schaffen wir eine Überraschung.“

In der Liga holte 96 ja ein Remis gegen den BVB. War das Ihr Highlight der Hinrunde? Oder vielleicht das 3:2-Siegtor von Szabolcs Huszti im irren Duell mit Werder Bremen?

Mario Eggimann: „Solche Spiele sind schon Highlights, aber gerade in der Europa League gab es viele besondere Spiele. Aber das war schon ein tolles Spiel gegen Dortmund, das kann man so sagen.“

Sind diese Spiele in der Europa League immer etwas Besonderes? Geht man da motivierter in die Partien als in der Bundesliga?

Mario Eggimann: „Die Motivation ist nicht anders als in der Bundesliga. Aber die Atmosphäre, unter der Woche abends zu spielen, ist schon ganz besonders. Man spürt das einfach.“


„ Wir werden hochmotiviert in dieses Spiel hineingehen und voll auf Sieg spielen. Wer weiß, vielleicht schaffen wir eine Überraschung.“


- Mario Eggimann

Wie bewerten Sie die abgelaufene Hinrunde?

Mario Eggimann: „Wir haben in der Meisterschaft zuletzt nicht mehr so viele Punkte geholt, wie wir uns das vorgestellt haben. Hier und Da haben wir Punkte liegen lassen. Nichtsdestotrotz haben genau so viele Punkte geholt wie in der letzten Saison und da waren alle zufrieden. Die Ansprüche sind gestiegen, auch von außen. Deshalb sind wir nicht ganz zufrieden.“  

Meinen Sie, dass 96 in der Rückrunde auf die Europacup-Plätze rücken kann? Ist Hannovers Ziel die erneute Qualifikation für die Europa League?

Mario Eggimann: „Das nehmen wir uns schon vor, ganz klar. Die letzten zwei Jahre haben wir das geschafft und wir haben gemerkt, dass uns das allen unheimlich viel gebracht hat, dem ganzen Verein. Dieser Platz ist absolut unser Ziel.“

Hannover gehört offensiv zu den stärksten Teams der Liga. Andererseits musste Ron-Robert Zieler auch schon 31 mal hinter sich greifen. Woran liegt das?

Mario Eggimann: „Wir haben viele Tore gekriegt, aber auch sehr viele geschossen. Unsere Grundeinstellung ist sehr offensiv und wir spielen mit hohem Risiko nach vorne, weshalb wir auch viele Gegentore kassieren. Wir müssen als gesamte Mannschaft kompakter stehen und individuelle Fehler abschalten. Dann hätten wir auch den einen oder anderen Punkt mehr geholt.“

Spielt da möglicherweise auch die relativ dünne Personaldecke in der Abwehr eine Rolle? Martin Kind hat Neuzugänge im Winter angekündigt. Ist das Ihrer Meinung nach notwendig?

Mario Eggimann: „Wir sind defensiv als ganzes Team gefordert, das ist kein Problem der einzelnen Mannschaftsteile. Es ist natürlich immer gut, wenn wir uns verstärken können, aber ich kann nicht beurteilen, was da jetzt passiert.“  

Sie sind derzeit die Stütze in Hannovers Abwehr. Woran liegt es, dass Sie innerhalb eines Jahres vom sporadisch eingesetzten Ersatzspieler zur unverzichtbaren Stammkraft wurden?

Mario Eggimann: „Ich hatte eine lange Zeit, in der es nicht so gut lief - auch, weil ich unter einer sehr langwierigen Verletzung litt. Jetzt kann ich mein Potenzial wieder abrufen, deshalb läuft es auf dem Platz wieder gut. Ich freue mich unheimlich darüber.“
GUTE STIMMUNG BEI 96


„Wir haben allgemein eine sehr gute Stimmung. Gerade wenn es mal nicht so gut läuft, merkt man das.“

- Mario Eggimann

Ihr Vertrag läuft im kommenden Sommer aus. Wo sehen Sie sich in Zukunft? Wollen Sie Ihren Vertrag in Hannover verlängern?

Mario Eggimann: „Mein erster Ansprechpartner ist natürlich Hannover, ganz klar. Man wird sich irgendwann mal zusammensetzen und mal gucken, wie das so aussieht. Mir gefällts hier in Hannover sehr gut und ich könnte mir vorstellen, länger zu bleiben. Aber ich werde abwarten, wie die Gespräche laufen und dann irgendwann entscheiden.“

Spielt auch die gute Stimmung im Team eine Rolle? Wie ist das Verhältnis zu den anderen Innenverteidigern Karim Haggui und Felipe?

Mario Eggimann: „Wir haben alle zusammen ein sehr gutes Verhältnis. Es ist klar, dass man auf dem Platz auch Konkurrent ist, aber vor allem spielen wir als Team zusammen für den Erfolg. Wir haben allgemein eine sehr gute Stimmung. Gerade wenn es mal nicht so gut läuft, merkt man das. Da tut man sich zusammen, redet miteinander und sucht Lösungen. Gerade daran merkt man, dass wir ein sehr intaktes Mannschaftsgefüge haben.“

Felipe plagen zurzeit immer wieder Verletzungen. Wie schafft es die Mannschaft, ihn trotzdem zu integrieren?

Mario Eggimann: „Ich glaube, dass er trotzdem gut in die Mannschaft integriert wird. Weil er sich sehr offen gibt und auch sehr offensiv auf uns zukommt. Da sehe ich überhaupt kein Problem.“

Alle sieben Bundesliga-Mannschaften in den internationalen Wettbewerben haben die Gruppenphase überstanden. Reicht es mal wieder zu einem Titel für ein deutsches Team?

Mario Eggimann: „Die Chancen für einen Titel nach Deutschland sind da. Auch, weil die Bundesliga sehr sehr stark ist dieses Jahr. Gerade in der Champions League ist man mit Bayern, Dortmund und auch Schalke sehr gut vertreten und auch sehr dominant. Die Europa League ist dieses Jahr unheimlich stark besetzt, mit vielen hochkarätigen Mannschaften. Das ist schon eine ganz große Herausforderung für die deutschen Mannschaften, sich da durchzusetzen.“

Was ist in der Europa League möglich? Ist für 96 mehr drin als letztes Jahr?

Mario Eggimann: „Das ist immer schwer zu beurteilen, das kommt auch ein bisschen auf die Lose an. Die Europa League ist sehr stark in dieser Saison. Egal auf wen wir in der nächsten Runde treffen, es wird eine sehr starke Mannschaft sein. Es wäre schon toll, wenn wir wieder das Viertelfinale erreichen könnten.“

Haben Sie einen Wunschgegner für die nächste Runde? Den FC Basel zum Beispiel? Wie würden Sie reagieren, wenn wieder Atletico Madrid aus dem Lostopf käme?

Mario Eggimann: „Atletico hatten wir ja letztes Jahr schon. Der FC Basel wär für mich als Schweizer natürlich eine sehr spezielle Geschichte. Ich bin sehr gespannt auf die Auslosung.“  

Warum wirkt 96 „heißer“ auf die Europa League als andere deutsche Vereine?

Mario Eggimann: „Ich kann nur für uns sprechen: Das liegt in erster Linie an unserer Mentalität. Wir freuen uns unheimlich auf die Europa-League-Spiele. Man denkt vielleicht, dass im zweiten Jahr in diesem Wettbewerb ein wenig Normalität eintritt, das ist bei uns aber nicht der Fall. Das ist für uns immer noch etwas Spezielles, etwas Anreizendes und so gehen wir auch in die Spiele. Ich denke, dass es nicht selbstverständlich ist, als Gruppen-Erster durch die Gruppenphase zu gehen.“   

Mirko Slomka erklärte vor dem Leverkusen-Spiel, die Mannschaft sei durch die hohe Anzahl an Spielen weniger körperlich, aber vor allem mental müde, kommt kaum zur Ruhe. Können Sie das bestätigen?

Mario Eggimann: „Das stimmt, das ist schon eine Herausforderung. Wenn man sieht, dass wir im Vergleich zu unseren Gegnern am Wochenende vielleicht zehn Spiele mehr absolviert haben, ist das schon schwierig. Das ist schon eine Herausforderung an Körper und Geist, immer wieder auf den Punkt da und fit zu sein. Aber ich glaube, dass wir das trotzdem ganz gut hinbekommen. Wir hätten ohne diese Mehrbelastung vielleicht den einen oder anderen Punkt mehr holen können, aber wir wollen diese Mehrbelastung ja auch unbedingt - deshalb wird es von mir kein Wort der Klage darüber geben. Und ich glaube, dass es den Verein auch in der Entwicklung weiterbringt, weshalb ist auch unser Ziel ist, wieder unbedingt auf diese Europa-League-Plätze zu kommen.“

Hannover gehört in der Bundesliga wieder zu den Favoriten auf einen Europacup-Platz. Wem ist es zuzuschreiben, dass sich 96 von einem Abstiegskandidaten zum Aspiranten auf das obere Tabellendrittel entwickelt hat?

Mario Eggimann: „Ich glaube, wenn man von ganz oben anfängt, dass wir einen Präsidenten haben, der klare Vorstellungen hat, was er erreichen möchte und ich glaube, dass er mit seinem Ehrgeiz auch die Leute um sich herum ansteckt. Es war auch eine sehr kluge Entscheidung, damals Jörg Schmadtke und dann Mirko Slomka zu engagieren. Ich glaube, dieses Paket zusammen hat die Mannschaft geformt. Und diese Mannschaft wird immer besser, und mit dem Erfolg verbessert sich auch das gesamte Umfeld. Je länger wir auf diesem Niveau spielen können, desto besser wird das und ich hoffe, dass Hannover 96 sich unter den ersten sechs bis acht etablieren kann über die nächsten Jahre. Das wäre für diesen Verein großartig.“

Mirko Slomka hat kürzlich einen neuen Vertrag bis 2016 unterschrieben. Wie wichtig ist es für den Verein und für Sie, dass er weiterhin Trainer bei Hannover bleibt?

Mario Eggimann: „Es ist klar, dass die Erfolge in den letzten Jahren auch dank ihm möglich waren. Ich glaube, dass es gut ist, diesen Weg konsequent weiterzugehen. Das zeigt auch, dass wir mehr wollen und dieses Kapitel mit zwei guten Jahren noch nicht beendet ist.“


„Es war eine sehr kluge Entscheidung, damals Jörg Schmadtke und dann Mirko Slomka zu engagieren. Ich glaube, dieses Paket zusammen hat die Mannschaft geformt.“


- Mario Eggimann

Wie hat die Mannschaft die langen Verhandlungen zwischen Klub und Mirko Slomka verfolgt? War das ein großes Thema in der Kabine?

Mario Eggimann: „Vertragsverhandlungen sind doch Alltag im Profifußball. Ich glaube nicht, dass das irgendjemanden in unserer Mannschaft belastet hat.“    

Wie fühlte sich für Sie als Teil des Schweizer Teams der Sieg gegen die als unbezwingbar geltenden Spanier bei der WM in Südafrika an, und erfüllt Sie die Tatsache, dass die Schweizer seit fast sechs Jahren das einzige Team waren, welches Spanien bei den großen Turnieren schlagen konnte, immer noch mit Stolz?

Mario Eggimann: „Das war natürlich ein absolutes Highlight, Spanien zu schlagen. Ich glaube, das hätte niemand von uns erwartet. Wir sind bei dem Spiel absolut auf den Punkt dagewesen und haben eine tolle Leistung gezeigt. Das Ganze wurde dann ein bisschen getrübt, weil wir uns trotz dieses Sieges nicht für die nächste Runde qualifizieren konnten. Aber das war schon toll.“

Haben Sie vielleicht eine „magische Formel“ für die Teams, die gegen Spanien antreten müssen?

Mario Eggimann: „Ich glaube, man braucht einfach einen sehr guten Tag. Gehört vielleicht auch ein bisschen Glück dazu. Eine 'Formel' kann ich Ihnen nicht verraten.“

Sie haben seit 2010 nicht mehr für die Nationalmannschaft gespielt. Hoffen Sie, durch Ihre starken Leistungen in dieser Saison, wieder auf Ottmar Hitzfelds (Trainer des Nationalteams, Anmerk. d. Red.) Zettel zu kommen oder ist das Thema „Nati“ für Sie abgehakt?

Mario Eggimann: „Es ist für mich unheimlich wichtig, hier auf konstantem Niveau zu spielen. Alles andere kann ich nicht beeinflussen. Ich kann meine Leistung im Verein zeigen und ich glaube, die waren ordentlich. Aber der Trainer muss entscheiden, was er für Pläne hat. Da kann ich nicht mehr dazu sagen.“  

Was trauen Sie Ihren hochgepriesenen Landsleuten Shaqiri und Xhaka auf Sicht in der Bundesliga zu?

Mario Eggimann: „Die beiden stehen natürlich für diese junge Generation in der Schweiz, eine starke Generation. Wir haben viele Spieler in diesem Alter, die im Ausland spielen und versuchen, sich da durchzusetzen. Das sind zwei unheimlich gute Spieler. Gerade bei Xherdan sieht man, dass er sich bei Bayern durchsetzen kann und immer wieder gute Leistungen zeigt. Ich bin absolut beeindruckt von ihm. Ich glaube auch, dass der Granit sich bei Gladbach durchsetzen kann. Er ist halt mit sehr vielen Erwartungen angekommen und er muss sich da jetzt durchkämpfen. Ich glaube, dass er es mit seiner Qualität schaffen wird.“    

Abschließend: Vergangenen Mittwoch wurde das DFL-Sicherheitskonzept verabschiedet. Wie stehen Sie dazu? Ein „Segen“ für die Stadionbesucher oder ein „Fluch“ für die Fans?

Mario Eggimann: „Das höchste Gebot ist meiner Meinung nach die Sicherheit. Man sollte sich mit den Fans zusammensetzen und sich auch deren Anliegen anhören. Umgekehrt müssen die Anhänger auch wissen, dass zum Beispiel durch Pyrotechnik Probleme für den Verein entstehen.“  

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