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EXKLUSIV - Bei Genoa läuft es für Alexander Merkel derzeit nicht wirklich rund. Der Youngster aber will sich wieder rankämpfen und glaubt an seine Chance.

Genua. Der CFC Genua 1893 steckt in der Serie A überraschenderweise im Abstiegskampf. Zuletzt gab es mit der 2:4-Heimniederlage gegen AC Chievo Verona den nächsten Rückschlag, nachdem man in der Vorwoche endlich wieder einen Sieg landen konnte. Der deutsche Mittelfeldmann Alexander Merkel durfte in beiden Partien nicht mitwirken und saß nur auf der Bank.

Dennoch ist der 20-Jährige zweifelsohne ein großes Talent, das man noch nicht abschreiben sollte. Merkel wechselte im Jahr 2008 von der Jugend des VfB Stuttgart ins Nachwuchsteam des AC Mailand, über den er letztlich bei Genoa landete. Wir hatten die Möglichkeit, uns mit dem in Kasachstan geborenen Legionär auszutauschen. Im exklusiven Goal.com-Interview sprach er mit uns über die Krise seines aktuellen Vereins, die italienische Liga und Zlatan Ibrahimovic.

Alexander Merkel, Genoa konnte in der vergangenen Woche bei Atalanta Bergamo mit 1:0 gewinnen und nach zuvor sechs sieglosen Partien endlich wieder einen Dreier einfahren. Wie groß war die Erleichterung bei Ihnen und dem Team?

Alexander Merkel: Sehr groß. Wir haben schwere Wochen hinter uns und sechs Spiele in Folge verloren. Die Situation war etwas angespannt. Wir waren jetzt ja auch eine Woche lang mit der Mannschaft im Trainingslager, um uns auf das Spiel vorzubereiten. Da hat sehr gut getan, mal wieder drei Punkte zu holen.

Wie sehr schmerzt es, dass Sie das ganze nur von der Bank aus beobachten durften?

Alexander Merkel: Erst einmal war wichtig, dass wir gewonnen haben. Aber natürlich bin ich Profi und möchte immer spielen. Es ist natürlich nicht schön, auf der Bank zu sitzen. Jeder Fußballspieler will spielen. Dennoch ist die Hauptsache, dass wir gewonnen haben.

Was sind Ihrer Meinung die Gründe dafür, dass Sie zuletzt nur selten in der Startelf standen?

Alexander Merkel: Ich habe momentan sehr starke Konkurrenz im Mittelfeld. Ich muss kämpfen und im Training alles geben, um meine Chance zu bekommen. Aber im Moment steht der Verein im Vordergrund.

„Natürlich bin ich Profi und möchte immer spielen. Es ist natürlich nicht schön, auf der Bank zu sitzen. Jeder Fußballspieler will spielen.

- Merkel über seine Reservistenrolle

Im Oktober wurde Gigi de Canio als Genoa-Coach entlassen, nun hat Luigi Delneri bei Ihrem Team das Sagen. Hat die Vereinsführung den richtigen Mann geholt?

Alexander Merkel: Auf jeden Fall. Der Trainer hat ein Konzept. Es braucht natürlich Zeit, die Umstellung kann man nicht von heute auf morgen vollziehen.

Was macht Delneri anders als sein Vorgänger?

Alexander Merkel: Er will Fußball spielen lassen, und das ist sehr wichtig. Mit Flachpässen, statt mit langen Bällen. Ich glaube, das kommt uns sehr entgegen.

Trotz des Trainerwechsels steckt Genoa im Abstiegskampf, obwohl einige große Namen im Kader stehen. Woran liegt das?

Alexander Merkel: Wenn man ein bis zwei Mal verliert, kann man in eine Abwärtsspirale geraten. Aber ich hoffe, dass es mit dem Sieg vom Wochenende jetzt wieder bergauf geht und wir häufiger punkten.

War die Verletzung von Marco Borriello ein großer Rückschlag für Genoa?

Alexander Merkel: Natürlich. Nicht nur Borriello war verletzt, auch Juan Vargas oder Marco Rossi. Drei, vier weitere Spieler waren angeschlagen. Für uns sind diese Spieler enorm wichtig, deswegen ist es gut, dass sie zurück sind und wir wieder einen vollen Kader haben.

Die Serie A wurde zuletzt von Korruptionsskandalen gebeutelt und hat zudem Probleme mit niedrigen Zuschauerzahlen. Schmälert das die Lust am Fußball?

Alexander Merkel: In Italien ist eigentlich jeder Mensch fußballbegeistert, Männer wie Frauen. Jeder hat seinen Verein. Da ist es natürlich schade, dass nicht so viele Zuschauer wie in der Bundesliga oder der Premier League in die Stadien kommen. Das liegt vielleicht auch daran, dass die Stadien nicht so neu wie in Deutschland oder England sind.

Trotzdem gibt es in der Serie A tolle Duelle, wozu sicherlich das Stadtderby in Genua zählt. Vor Kurzem hat Sampdoria gegen ihren Klub mit 3:1 gewonnen, wie haben Sie die Atmosphäre wahrgenommen?

Alexander Merkel: Ich habe hier schon mal das Duell zwischen Milan und Inter erlebt. Das war schon beeindruckend. Aber bei Sampdoria gegen Genoa sind die Fans noch einmal emotionaler und singen 90 Minuten lang. Die Fans reden das ganze Jahr von diesem Derby, deswegen ist es schade, dass wir das Spiel verloren haben.

Ihr alter Verein Milan trifft in der kommenden Woche auf Zenit St. Petersburg. Werden Sie sich das Spiel anschauen?

Alexander Merkel: Ich werde mir das Spiel im Fernsehen anschauen. Ich drücke beiden Mannschaften die Daumen. Milan ist mein Ex-Verein und Zenit verfolge ich aufgrund meiner russischen Wurzeln. Ich hoffe, dass sie es in die Europa League schaffen.

Zenit St. Petersburg soll interessiert sein, wäre der russische Verein eine interessante Option?

Alexander Merkel: Natürlich ehrt es mich, wenn man von dem Gerücht hört, dass ein so großer Klub wie Zenit an mir Interesse haben soll. Aber um solche Dinge kümmert sich mein Berater, ich kümmer mich um das Sportliche.

Milan kann momentan in der Liga die Erwartungen nicht erfüllen. Wie überraschend ist das für Sie? Was sind die Gründe?

Alexander Merkel: Milan ist ein großer Klub, aber man musste die Abgänge von Zlatan Ibrahimovic, Thiago Silva und Antonio Cassano verkraften. Das ist nicht so einfach, das sind drei absolute Topstars. Außerdem haben auch Clarence Seedorf, Gennaro Gattuso und Alessandro Nesta den Verein verlassen. Ich glaube, da braucht es seine Zeit, bis sich die neuen Spieler integriert haben. Aber ich bin zuversichtlich, dass Milan bald wieder Erfolge einfahren kann.

Gibt es noch Kontakt zu Mailänder Verantwortlichen oder Akteuren?

Alexander Merkel: Zu einem Mitarbeiter und Kevin-Prince Boateng habe ich gelegentlich noch Kontakt. Wir schreiben uns ab und zu.

„Das war eine wichtige Zeit für mich und dort habe ich angefangen, Profi-Fußball zu spielen. Aber das Kapitel ist abgeschlossen.

- Merkel über Milan

Würdest Du gerne zu Milan zurückkehren?

Alexander Merkel: Zunächst mal: Ich bin sehr gerne in Genua, fühle mich wohl hier. Und zu Milan habe ich eigentlich schon alles gesagt: Natürlich werde ich den Verein nie vergessen. Das war eine wichtige Zeit für mich und dort habe ich angefangen, Profi-Fußball zu spielen. Aber das Kapitel ist abgeschlossen.

Können Sie sich vorstellen, Italien im Winter zu verlassen? Oder ist ein Wechsel vorerst ausgeschlossen?

Alexander Merkel: Ich werde jetzt erst einmal weiterhin alles geben, um mich in Genua durchzusetzen. Mal sehen, was passiert. Im Moment sind meine Gedanken bei Genoa…

…aber jetzt mal im Ernst: Sie haben seit Wochen keine Minute gespielt.

Alexander Merkel: Das ist nicht optimal, aber es zählt nur die Mannschaft.

Aber das muss doch unbefriedigend sein. Wäre doch verständlich, wenn da Frust aufkommt und man sich über einen Wechsel Gedanken macht.

Alexander Merkel: Sie sind aber hartnäckig. Aber es tut mir leid, ich kann nicht mehr dazu sagen, als ich schon gesagt habe.

Wie sehr reizt es Sie generell, in der Bundesliga zu spielen?

Alexander Merkel: Ich habe schon häufig gesagt, dass die Bundesliga eine tolle Liga ist, die sich zudem Jahr für Jahr verbessert und volle Stadien bietet.

Gab es im Sommer Kontakt zu Werder Bremen, wie man gerüchteweise gehört hat?

Alexander Merkel: Das habe ich auch durch die Medien mitbekommen, näheren Kontakt gab es aber nicht.

Bereuen Sie es, so früh ins Ausland gewechselt zu sein, wenn Sie sehen, wie Youngsters wie Marco Reus oder Mario Götze hierzulande entwickelt haben?

Alexander Merkel: Natürlich freue ich mich für Spieler wie Mario Götze. Borussia Dortmund habe ich im Fernsehen verfolgt, die spielen sehr guten Fußball. Aber ich bereue nichts. Ich habe den Schritt gemacht und bin Profi-Fußballer geworden. Jetzt hoffe ich, dass ich noch viele weitere Schritte machen kann.

Ihr letztes U-Nationalmannschaftsspiel haben Sie vor über einem Jahr absolviert (12.11.11). Wie groß ist die Hoffnung auf eine erneute Einladung?

Alexander Merkel: Über eine Einladung würde ich mich natürlich freuen, aber wenn ich im Klub nicht spiele, ist es natürlich schwer, eine Einladung zu bekommen. Deswegen konzentriere ich mich voll und ganz auf den Verein. Ich will spielen - und dann kommt eine Einladung von ganz und alleine.

Wie realistisch schätzen Sie es ein, irgendwann für die deutsche A-Nationalmanschaft spielen zu können?

Alexander Merkel: Damit beschäftige ich mich derzeit nicht. Wie schon gesagt brauche ich erst einmal Einsatzzeiten.

Sie könnten aber auch noch für Kasachstan auflaufen. Ist auch das eine Option?

Alexander Merkel: Wie gesagt, das Thema Nationalmannschaft ist noch keines. Egal, um welches Land es geht.

Nicht zuletzt bei Milan haben Sie einige Größen des Weltfußballs kennengelernt. Wer hat Sie dort am meisten beeindruckt?

Alexander Merkel: Das ist schwer zu sagen. Im Endeffekt war jeder Star auf seine Weise besonders. Einen Ibrahimovic kann man nicht mit einem Gattuso vergleichen oder Gattuso mit Ronaldinho. Ronaldinho hatte zum Beispiel nicht die Aggressivität eines Gattusos. Aber von diesen Spielern - auch Andrea Pirlo zählt dazu - konnte man sich eine Menge abschauen. Die hatten eine unglaubliche Ballbehandlung. Auch ihre Führungsqualität war beeindruckend. Niemand war arrogant, alle waren immer freundlich und bodenständig. Das hat mir imponiert.

„Dieser Treffer passt einfach zum Typ ,Ibra‘. Deswegen kam das nicht allzu überraschend, der macht einfach solche Dinger.“

- Merkel über das Jahrhundert-Tor von Ibrahimovic

Ihr ehemaliger Teamkollege Zlatan Ibrahimovic spielt inzwischen bei PSG. Hat es Sie überrascht, dass er zu einem Verein gewechselt ist, der international zuletzt eher keine Rolle spielte?

Alexander Merkel: PSG ist vielleicht nicht so groß wie Milan. Aber mit den Neuverpflichtungen wie Ibrahimovic, Thiago Silva oder Ezequiel Lavezzi kann man da was ganz Großes aufbauen und in der Champions League was reißen.

Ibrahimovic hat mit seinem Jahrhundert-Tor gegen England die Fußball-Fans verzückt. Hat Sie der Treffer auch begeistert?

Alexander Merkel: Natürlich. Aber dieser Treffer passt einfach zum Typ „Ibra“. Deswegen kam das nicht allzu überraschend, der macht einfach solche Dinger.

EURE MEINUNG: Welche Zukunft sagt Ihr Merkel voraus? Sollte er Genoa verlassen und sich eine neue Aufgabe suchen?

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