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EXKLUSIV – Der ehemalige Angreifer des VfB Stuttgart und Schalke 04 ist begeistert vom deutschen Fußball und traut den Bundesligaklubs international eine Menge zu.

Moskau. Lange Jahre spielte Kevin Kuranyi in der Bundesliga für den VfB Stuttgart und den FC Schalke 04. Im Sommer 2010 wechselte der 30-Jährige aus dem Ruhrgebiet zu Dinamo Moskau. Warum seine Frau ihm in Russland den Einstieg erleichterte und weshalb der gebürtige Brasilianer mit dem Namen „Kevin Dennis Kurányi Rodríguez“ nicht ganz zufrieden mit sich ist, das sagte er Goal.com im exklusiven Gespräch.

Herr Kuranyi, Sie leben und spielen mittlerweile seit zweieinhalb Jahren in Russland bei Dinamo Moskau. Wie war die erste Zeit für Sie?

Kuranyi: „Hier ist alles wunderbar, meine Familie fühlt sich wohl und wir haben Erfolg. Deshalb habe ich auch bis 2015 verlängert.“

Haben Sie sich schnell wohlgefühlt?

Kuranyi: „Ja, das ging wirklich relativ schnell. Zum einen, weil ich hier super aufgenommen worden bin, von Fans und Verein. Zum anderen, weil meine Frau schon bevor wir nach Moskau gezogen sind, fließend Russisch konnte. Das hat vieles erleichtert.“

Welche Unterschiede gibt es zwischen dem deutschen und dem russischen Fußball?

Kuranyi: „Fußball ist eine internationale Angelegenheit geworden. Trainer und Spieler hier haben die verschiedensten Wurzeln. Von daher sind die Unterschiede nicht grundlegend. Die Bundesliga ist wohl etwas ausgeglichener, die Top-Mannschaften der Premier Liga würden auch in Deutschland eine gute Rolle spielen.“

Zurzeit rangieren Sie mit Ihrem Klub im Mittelfeld der Premier Liga, vier Punkte von den internationalen Plätzen entfernt …

Kuranyi: „Wir haben in dieser Saison leider einen klassischen Fehlstart hingelegt mit fünf Niederlagen in Folge. Das hängt uns immer noch etwas nach. Aber das Blatt hat sich gewendet: Seit fast drei Monaten zählen wir zu den besten Teams der Liga. In den letzten zwölf Spielen haben wir zehn Siege geholt und bis auf Anschi alle Top-Teams geschlagen. Der neue Trainer hat ein paar wichtige Dinge geändert und wir spielen nun einen besseren Fußball und kommen dem Ziel ‚Europa‘ immer näher.“

Wie sehen Sie da Ihre persönliche Situation?

Kuranyi: „Ich habe in dieser Saison erst fünf Mal getroffen und damit bin ich natürlich nicht ganz zufrieden. Aber, ich komme immer besser rein und finde meine alte Form. Ich versuche, der Mannschaft mit Toren oder Vorlagen zu helfen. Die gegnerische Defensive ist schon sehr auf mich fixiert, deshalb ist es auch eine meiner Aufgaben, Räume für meine Mitspieler zu schaffen.“

Ihr Vertrag läuft noch relativ lang - bis Ende Juni 2015. Was passiert danach? Haben Sie sich schon Gedanken gemacht oder planen Sie nicht soweit voraus?

Kuranyi: „Ja, mein Vertrag läuft noch bis 2015. Um ehrlich zu sein, Gedanken habe ich mir bis jetzt noch keine gemacht.“

Da helfen wir doch gerne … Können Sie sich vorstellen irgendwann nach Deutschland zurückzukehren?

Kuranyi: „Selbstredend bin ich voll fokussiert auf Dinamo Moskau und versuche mit dem Team all unsere Ziele zu erreichen. Aber im Fußball weiß man ja nie. Gedanken an einen anderen Verein habe ich allerdings nicht.“

Am 8. Dezember 2012 spielen in der Bundesliga zwei Klubs gegeneinander für die Sie beide schon kicken durften. Schalke 04 trifft auf den VfB Stuttgart. Was empfinden Sie da?

Kuranyi: „Mein Herz schlägt natürlich für beide Vereine. Ich habe sowohl auf Schalke als auch in Stuttgart eine tolle Zeit gehabt und viel gelernt.“

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„Als Spieler musst Du versuchen, Pfiffe auszublenden und Dein Bestes zu geben.“
Kevin Kuranyi

Einen Tipp möchten wir aber schon …

Kuranyi (lacht): „Beide Vereine haben starke Teams.“

Werden Sie jetzt zum Diplomaten?

Kuranyi (lacht): „Ein Unentschieden, damit hätte ich keine Probleme.“

Verfolgen Sie denn beide Klubs regelmäßig?

Kuranyi: „Ich schaue mir natürlich die Spiele an und verfolge Schalke und Stuttgart. Ich telefoniere auch noch mit alten Kollegen und höre mich um, was so passiert.“

Wie wird die Bundesliga denn in Russland aufgenommen?

Kuranyi: „Hier werden die Spiele natürlich auch gezeigt und das Interesse ist recht groß.“

In der UEFA-Champions League haben sich mit Borussia Dortmund, dem FC Schalke 04 und dem FC Bayern München gleich drei deutsche Mannschaften für das Achtelfinale qualifiziert. Wie sehen Sie den deutschen Fußball zurzeit aufgestellt?

Kuranyi: „Die Bundesliga wird im Vergleich zu den anderen Topligen Europas immer stärker. Die Mannschaften haben international eine gute Entwicklung gemacht. In der Bundesliga ist der Konkurrenzkampf untereinander sehr groß, das wirkt sich dann auch auf die internationale Performance dieser Vereine aus. Es ist ja nicht nur die Champions League, auch in der Europa League ist der deutsche Fußball gut vertreten.“

Vor eineinhalb Jahren zog der FC Schalke 04 sensationell ins Halbfinale der Königsklasse ein. Was trauen Sie Ihrem Ex-Klub in dieser Champions-League-Saison zu?

Kuranyi: „Sie haben die Gruppenphase sehr gut gemeistert. Und nun, ab der K.o.-Runde ist sowieso vieles möglich. Ich denke, sie können den gleichen Weg erneut beschreiten wie damals.“

Was halten Sie vom aktuellen Schalker Kader?

Kuranyi: „Ich denke, dass die Mannschaft wirklich exzellent aufgestellt ist. Sie haben erfahrene und junge Spieler im Team, die Mischung ist top. Zudem verfügen Sie mit Huub Stevens über einen sehr guten Trainer. Deswegen ist Schalke ein starkes Team.“

Alles über Kevin Kuranyi erfahrt Ihr natürlich auch auf seiner offiziellen Page bei 

Bleiben wir zum Abschluss noch bei Schalke 04 und reden über ein Thema, was Sie während der Zeit im Revier ebenfalls begleitet hat. Es gibt immer wieder mal Pfiffe gegen die eigene Mannschaft, besonders Torwart Lars Unnerstall gerät bei den Fans in Kritik und wurde nun aus der Startelf beordert. Wie sollte ein Spieler damit umgehen?

Kuranyi: „Er ist ja noch sehr jung. Man versucht sich bei so was nur auf das Spiel zu konzentrieren, aber das ist nicht immer einfach. Im Tor steht ein Nachfolger von Manuel Neuer. Er hat jetzt einen Weg gemacht, den nicht viele Torhüter schaffen. Wer auch immer auf lange Zeit sein Nachfolger wird, hat es schwer.“

Kommt die Akzeptanz dann mit der Zeit von ganz alleine?

Kuranyi: „Als Spieler musst Du versuchen, Pfiffe auszublenden und dein Bestes zu geben. Dann sehen die Leute, dass Du für den Verein da bist. Die guten Leistungen kommen mit der Erfahrung und das werden die Fans dann auch merken, entsprechend honorieren und egal welchen Torwart auch unterstützen.“

Wie war das bei Ihnen?

Kuranyi: „Diese Zeit war für mich eine lehrreiche. Für die Zukunft kann das hilfreich sein, jede Erfahrung nimmt man mit und reift dadurch ja auch. Es kommt natürlich darauf an, wie man damit umgeht. Ich bin dadurch stärker geworden.“

EURE MEINUNG: Würdet ihr Kevin Kuranyi gerne wieder in der Bundesliga sehen?

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