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EXKLUSIV – In Berlin blieb der Durchbruch aus, doch nun bekommt Sascha Bigalke die Chance, der Hertha zu zeigen, was in ihm steckt. Goal.com sprach mit dem Kölner.

Köln. Als Sascha Bigalke erstmals die Fußballbühne RheinEnergieStadion betrat, stieg beim 1. FC Köln leise der Traum eines neuen Littbarskis, eines neuen Häßlers auf. Wieder führten die Wege eines kleinen und wendigen Zehners aus Berlin in Richtung Domstadt. Der ehemalige Jungnationalspieler, der aus Unterhaching ans Geißbockheim wechselte, überzeugte mit seiner kreativen Ader auf Anhieb bei seinem Debüt gegen St. Pauli im September.

Doch seine unbekümmerte Art ist dem 22-Jährigen nach ein paar Auftritten abhanden gekommen und Bigalke fand sich plötzlich auf der Bank wieder. Stanislawski nahm das Talent von der Überholspur, um den 1,67-Mann gemächlich an das höhere Trainingspensum und Niveau der 2. Bundesliga zu gewöhnen. Nach einem kurzen Formhänger zeigt die Kurve von Joker Bigalke mittlerweile wieder klar nach oben.

Ob Stanislawski den jungen Berliner beim Topspiel am Donnerstag gegen seinen Ex-Verein Hertha, für den er zwölf Jahre spielte, mit einem Platz in der Startelf belohnt? Bigalke bleibt geduldig, wie er im Interview mit Goal.com betont.

Herr Bigalke, am Donnerstag spielen sie mit dem FC gegen ihren Ex-Club Hertha. Welche Gefühle hat man als gebürtiger Berliner vor solch einem Wiedersehen?

Sascha Bigalke: Klar ist das ein besonderes Spiel, auf das ich mich sehr freue, weil natürlich sehr viele Freunde, Familie und Angehörige im Stadion sein werden. Ich werde auf alte Mitspieler treffen. Ich habe zwölf Jahre für den Verein gespielt und es ist auf jeden Fall etwas Besonderes, im Olympiastadion zu spielen.

Mit wem haben sie noch Kontakt?

Sascha Bigalke: Zum Beispiel mit Fabian Holland, der zurzeit seinen Durchbruch schafft und dort Linksverteidiger ist. Mit ihm habe ich bestimmt zehn Jahre in der Jugend und im Amateurbereich zusammengespielt. Auch noch mit ein paar anderen wie Sascha Burchert, der zweiter Torwart ist. Das sind alles Jungs, mit denen ich viel erlebt habe. Deshalb freue ich mich, sie wiederzusehen.



Sie haben so lange in Berlin gespielt: Ist die Hertha „Ihr“ Verein? Oder wem haben sie als Kind die Daumen gedrückt?

Sascha Bigalke: Das muss ich verneinen. Klar hat man Sympathien für den Verein, wenn man so lange dort gespielt hat. Auch außerhalb hat man die Mannschaft angefeuert, als man noch ein bisschen jünger war. Aber richtiger Fan der Hertha war ich nie.

„Richtiger Fan der Hertha war ich nie.“
 
Sondern von welcher Mannschaft?

Sascha Bigalke: Als Kind war ich Fan vom FC Bayern München.

Wie blicken sie auf ihre Zeit in Berlin zurück? Warum ist der Durchbruch bei der Hertha nicht geglückt?

Sascha Bigalke: Es lag an mehreren Faktoren: Einerseits habe ich nicht die Chancen erhalten, die ich mir erhofft hatte, zumal ich in der Jugendnationalmannschaft immer gespielt habe. Dann haben mich Verletzungen zurückgeworfen. Ich habe mir dreimal den Mittelfuß gebrochen, weshalb man auch nicht auf mich setzen konnte. Es kamen ein paar Sachen zusammen, schlussendlich hat es in Berlin nicht sollen sein. Aber ich bin froh, dass ich jetzt in der gleichen Liga wie die Hertha spiele und hoffe, dass ich einigen Verantwortlichen zeigen kann, dass ich durchaus in der Lage bin, auf diesem Niveau zu spielen.

War das nicht ein Kulturschock für Sie, als Sie von der Hauptstadt ins kleine Unterhaching gewechselt sind?

Sascha Bigalke: Dadurch, dass Haching nach München übergeht, war der Kulturschock nicht ganz so groß. Allerdings ist die Mentalität dort anders. Es ist alles ein wenig ruhiger gewesen, aber ich habe das für ein Jahr gebraucht, um neu anzufangen. Ich freue mich, dass ich nun wieder bei einem großen Verein bin und dass ich hier den richtigen Durchbruch schaffe.

Wie ist das, wenn man als junger Spieler erst zum Ende des Transferfensters zu seinem neuen Team dazu stößt ohne die Vorbereitung in Köln mitgemacht zu haben?

Sascha Bigalke: Das ging alles ziemlich fix. Nach dem Pokalspiel gegen den FC ist der Kontakt entstanden. Wir hatten ja auch schon ein paar Spiele in der 3. Liga, dadurch war das Reinkommen einfach für mich, weil ich ja schon voll im Saft stand. So musste man sich an die neuen Kameraden gewöhnen und an das Umfeld. Das ist ja hier ein bisschen größer als in Unterhaching und eher wie Berlin, auch was die Medien betrifft. Aber das hat sich alles relativ schnell gefunden. Die Mannschaft, das Trainerteam, die Leute in der Geschäftsstelle machen es einem auch leicht.

Wie gefällt ihnen die Stadt und die Mentalität der Kölner?

Sascha Bigalke: In München waren die Menschen eher distanzierter, was mir nicht ganz so gefallen hat. Hier erinnern mich die Menschen so ein bisschen an die Berliner. Deshalb fühle ich mich hier in Köln sehr wohl.

Stimmt es, dass auch Erstligisten an Ihnen interessiert waren?

Sascha Bigalke: Das kann sein, aber damit habe ich mich nicht beschäftigt.

Was hat Ihnen der Verein vorab in den Gesprächen vom geplanten Umbruch erzählt? Warum fiel die Wahl auf den 1. FC Köln?

Sascha Bigalke: Erst einmal habe ich den „Rückschritt“ in die 3. Liga gemacht, um einen Neuanfang zu starten. Es gab bereits zu Anfang der Transferperiode ein, zwei Interessenten aus der 2. Liga, bei denen ich die Perspektive aber nicht gesehen habe. Aber wenn der 1. FC Köln anklopft und man spielt eine Klasse tiefer und der FC will in den nächsten ein-zwei Jahren in die 1. Liga, wo der Verein einfach hingehört mit seinen vielen Fans, dem ganzen Umfeld, dann braucht es eigentlich nicht mehr viel Überzeugungsarbeit, so dass ich mich für diesen Club entschieden habe. Klar hat man davon gesprochen, dass hier ein Umbruch stattfindet. Das hat man ja auch gesehen, beispielsweise an den Zu- und Abgängen. Das hat mich noch mehr davon überzeugt, dass das hier die richtige Entscheidung ist für meine Entwicklung. Deswegen sind wir uns schnell einig geworden.

„Ich glaube, so eine Rotation ist nie verkehrt. Natürlich muss es einen Stamm geben, der von Spiel zu Spiel auf dem Platz steht.“
Der FC fährt mit zwei Siegen in Serie nach Berlin, sogar sieben Punkten aus den letzten drei Spielen bei nur einem Gegentor und hat generell kaum Torchancen zugelassen. Sehen Sie da einen Zusammenhang zwischen den jüngsten Leistungen und der Tatsache, dass nicht rotiert und das Spielsystem beibehalten wurde?

Sascha Bigalke: Ich glaube, so eine Rotation ist nie verkehrt. Natürlich muss es einen Stamm geben, der von Spiel zu Spiel auf dem Platz steht. Im Nachhinein ist das immer einfach zu sagen: Klar, wir haben jetzt zweimal mit derselben Elf gespielt und zweimal gewonnen. Gerade gegen 1860 führt man nach drei Minuten mit 1:0, das spielt der Mannschaft natürlich in die Karten. Viel häufiger sind wir in dieser Saison in Rückstand geraten, einem hinterher gerannt oder es stand lange 0:0. Jetzt gegen Bochum haben wir es wieder gut gemacht. Natürlich ärgert man sich, wenn man auf der Bank sitzt. Wenn dem nicht so wäre, dann hätte man sich den falschen Beruf ausgesucht. Aber ich denke, dass immer wieder Chancen kommen, für mich und die anderen. Es gibt immer mal wieder Verletzungen, Sperren und es überzeugen auch nicht immer alle Elf. Ich mache mir da nicht so viele Gedanken. Schauen wir mal, wie das in dieser Woche aussieht.

Haben Sie in der Mannschaft Verunsicherung gespürt, als regelmäßig so viele Änderungen vom Trainer durchgeführt wurden?

Sascha Bigalke: Nein. In vielen Spielen ist uns einfach das Quäntchen Glück abhanden gekommen. Jetzt hatten wir dieses Quäntchen Glück auf unserer Seite, was natürlich auch damit zusammenhängt, dass eine gewisse Konstanz reingekommen ist. Aber heutzutage muss man sich auch häufiger auf einen Gegner einstellen und dementsprechend das System ändern. Oder auch mal mit kleineren Spielern agieren, wenn man sieht, dass die gegnerischen Abwehrspieler größer und unbeweglicher sind. Aber im Endeffekt ist es schon ein Vorteil, wenn sieben-acht Mann immer auf dem Platz stehen, na klar.



Sie hatten einen sehr überzeugenden, unbekümmerten Einstand, ehe ein Hänger folgte und sind nun meist Joker. Wie erklären sie sich ihre Formkurve?

Sascha Bigalke: Am Anfang hatte ich bereits sieben, acht Spiele gemacht, stand voll im Saft und dann kommt diese zusätzliche Motivation: Das erste Spiel, ein Montagsspiel gegen St. Pauli, was hier eines des Highlights der Saison ist, vor 45.000 Zuschauern. Wie man auch in dieses Spiel reinkommt: In den ersten fünf Minuten hatten wir ein-zwei Torchancen, an denen ich dann auch beteiligt war und dann läuft so ein Spiel auch für einen. Wenn mal die ein oder andere Situation zu Beginn nicht funktioniert, dann ist es für mich als Spielertypen eher schwierig. Ich versuche immer gewisse Dinge und dann klappt auch mal was nicht. Dann hatte ich so eine Phase von drei, vier Wochen, die vielleicht auch mit dem Training zusammenhing. Man merkt, dass das Niveau hier deutlich höher ist als in Unterhaching. Hier wird die Trainingswoche viel physischer gestaltet. Da musste ich mich erst dran gewöhnen. Ich denke, dass in den letzten Spielen, in denen ich reingekommen bin - oder auch gegen Duisburg, in dem ich von Beginn an aufgelaufen bin – ich das recht ordentlich gemacht habe. Auch am Freitag, wo ich mit der Balleroberung quasi das 3:0 eingeleitet habe. Ich glaube, dass will der Trainer sehen: Dass ich noch einmal für Belebung sorge, wenn ich von der Bank komme. Das versuche ich umzusetzen und dann eventuell bald wieder von Beginn an zu spielen.

Was sagt Stanislawski wo Sie sich verbessern müssen? Die Physis?

Sascha Bigalke: Ich denke, was die Physis betrifft, ist jeder für sich selbst verantwortlich. Da muss jeder selbst wissen, wie sein Körper reagiert. Ob er noch ein, zwei Kilo draufpacken muss oder denkt, dass ihm dann die Spritzigkeit abhanden kommt. In den anderen Bereichen sagt er, dass ich noch konsequenter selbst den Abschluss suchen muss. Das ist mir auch aufgefallen, dass ich häufiger abspiele, statt es selber zu machen. Gerade in dem Bereich trainieren wir häufiger. Nach dem Training machen wir noch ein paar Abschlüsse, damit wir uns da verbessern.

„Gerade in Köln ist man, wenn man ein Tor erzielt, schnell der Gerd Müller. Es geht schnell hoch, schnell runter.“
Nach ihrem FC-Debüt wurden schnell Vergleiche mit Littbarski und Häßler herangeführt, beide Zehner und beide gebürtige Berliner. Wie geht man damit als Spieler um?

Sascha Bigalke: Ich versuche, die Zeitungen nicht so intensiv zu verfolgen. Ich weiß, gerade in Köln ist man, wenn man ein Tor erzielt, schnell der Gerd Müller. Wenn man dann ein, zwei Wochen nicht getroffen hat - warum auch immer - dann ist man gleich der Buhmann. Das muss man ausblenden. Ich denke, die Boulevardzeitungen bauschen so etwas immer schnell auf. Es geht schnell hoch, schnell runter. Vor zwei Wochen wurden wir noch als ‚schlechtester 1. FC Köln aller Zeiten’ tituliert. Jetzt nach den zwei Siegen sieht das wieder ganz anders aus.

Sie haben in den Jugendnationalmannschaften unter anderem die großen U-17-Turniere gespielt. Denkt man, wenn man ehemalige Teamkollegen wie Toni Kroos sieht, dass man auch bereits soweit sein könnte?

Sascha Bigalke: Klar schaue ich mir das immer mal wieder noch einmal an. Ich weiß noch ganz genau, mit wem ich da zusammengespielt habe und wo alle spielen. Ich denke, dass man da nach vorne schauen muss. Klar ärgert man sich in der ein oder anderen Minute darüber, aber ich versuche das vielmehr als zusätzliche Motivation zu sehen. Wenn ich mit 25 auch gegen die spiele oder ein Spiel gegen Toni Kroos gewinne, dann freue ich mich auch! Das sollte einfach die Motivation sein. Was früher war, war eine schöne Zeit. Momentan ist man eine Liga tiefer und darauf muss ich mich konzentrieren. Mit ihm (Kroos) habe ich früher auch immer das Zimmer geteilt in der Nationalmannschaft. In ein paar Jahren machen wir es vielleicht mal wieder, wer weiß... (lacht).

Ihr Tipp für Donnerstag?

Sascha Bigalke: Ich tippe, dass wir 2:1 in Berlin gewinnen.

Wo landet Köln am Saisonende? Wo die Hertha?

Sascha Bigalke: Ich denke, dass Hertha aufsteigen wird und dass wir unter den ersten Sieben landen.

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