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Fabrice Muamba genießt sein Leben: „Wenn Du Dir zu viele Sorgen machst, kriegst Du noch einen Herzinfarkt“

Fabrice Muamba genießt sein Leben: „Wenn Du Dir zu viele Sorgen machst, kriegst Du noch einen Herzinfarkt“

Getty

EXKLUSIV - In diesem Jahr war Fabrice Muamba gezwungen, seine Karriere zu beenden. Langsam aber sicher scheint er sich an ein Leben ohne den Profi-Fußball zu gewöhnen.

London. Für jemanden, der so viel durchgemacht hat, wie Fabrice Muamba, ist es ungewöhnlich, wie entspannt er sich gibt. Ohne seinen enormen Willen und das beherzte Eingreifen Anderer wäre der 17. März 2012 sein Todestag gewesen. Doch wie es aussieht, markiert jenes Datum nur den Beginn seiner neuen Reise.

Das Bild des 23-jährigen Fußballers, der auf dem Rasen der „White Hart Lane“ an diesem Tag um sein Leben rang, hat sich in das Gedächtnis aller eingebrannt, die es damals verfolgten. Die Fußball-Gemeinsschaft wurde durch die Übertragungen in Radio und Fernsehen in ihrer Anteilnahme geeint.

Mit einer bemerkenswerten Sichtweise hat Muamba die Geschehnisse mittlerweile verarbeitet.

„Ich vermisse das Spiel. Doch ich muss realistisch bleiben, denn ich war bereits tot.“
„Ich sorge mich nicht allzu sehr um die Zukunft. Denn wenn Du das machst, dann bekommst Du einen weiteren Herzinfarkt“, erzählte er uns in entspannter Atmosphäre in seinem Haus in Wilmslow, in dem er mit seiner Frau Shauna lebt.

Muamba ist völlig ruhig. Drei Monate nach seinem Karriereende, zu dem ihm die Ärzte geraten haben, wägt er seine nächsten Schritte ab.

„Ich nehme mir gerade Zeit und überlege, wo ich in der Welt des Fußballs einen Platz finden kann. Wenn die Zeit reif ist, dann werde ich eine Entscheidung treffen, die ich für richtig halte und dann weitermachen“, erläuterte er. „Ich nehme mir diese Zeit gemeinsam mit meiner Familie und meinen Freunden. Ich tue nun Dinge, die ich nicht tun konnte, als ich noch ein Profi-Fußballer war. Wir werden sehen, was ich der Zunkunft machen werde.“

Muamba sagte weiter: „Ich bin einfach dankbar, dass ich Zeit mit meinen Freunden und meiner Familie verbringen darf. Und ich freue mich, dass ich diese Art von Interviews geben darf, um meine Geschichte zu erzählen. Ich will die Leute motivieren, dass sie das Leben nicht als selbstverständlich hinnehmen. In der einen Minute kannst Du noch Fußball spielen, in der nächsten Minute nicht mehr. Du solltest also jeden Augenblick zu schätzen wissen und jeden Moment genießen, den Du mit Deinen Liebsten verbringen darfst. Denn Du weißt nie, was hinter der nächsten Ecke auf dich wartet.“

Nach dem Rücktritt vom Fußball haben viele Profis Probleme. Nicht wenige fallen in ein Loch, teilweise sind Depressionen die Folgen. In Muambas spezieller Situation ist die Lage allerdings anders. „Ich vermisse das Spiel. Doch ich muss realistisch bleiben, denn zu einem bestimmten Zeitpunkt war ich bereits tot“, sagte er. „Natürlich wäre es toll gewesen, wenn ich zurückkommen gekonnt hätte, aber das hat einfach nicht sollen sein.“

„Für mich fühlt es sich an, als sei jener Tag mein zweiter Geburtstag. Jeder kennt mich wegen dieses Tages. Die Menschen kannten mich zuvor als Fußballer. Doch diese Situation hat mir dabei geholfen etwas zu begreifen: Das Leben ist wichtig und während Du gerade noch bei Deinen Freunden bist, kannst Du in der nächsten Minute alles verlieren.“

Muamba hat ein gutes Gespür für das, was wichtig ist. Das hat zweifelsohne auch damit zu tun, dass er im Alter von sechs Jahren von seinem Vater getrennt wurde. Marcel Muamba war damals ein prominenter Berater der stürzenden Regierung in Zaire (nun die Demokratische Republik Kongo) und floh 1994 ins Vereinigte Königreich. Denn in seiner Heimat musste er wegen seiner politschen Überzeugung um das Überleben bangen.

„Meine Stärke kommt aus meinem Glauben und der Art und Weise, wie ich aufgewachsen bin. Diese Kombination macht mich zu dem Menschen, der ich nun bin.“
Fabrice hätte es damals vermutlich nicht gedacht, doch es dauerte fünf Jahre, ehe er seinen Vater in London wiedersah.

„Als Dad uns verließ, änderte sich alles“, erinnerte sich Muamba. „Wir mussten viel vorsichtiger mit allem sein, denn, wenn man bedenkt, wer mein Vater war, gaben wir ein einfaches Ziel ab.“

„Es war damals schwierig, nicht in der Nähe meines Dads zu sein. Die Entfernung war groß und er wollte, dass ich zu ihm ins Vereinigte Königreich komme. Jedes Kind braucht seinen Vater und da bin ich keine Ausnahme.“

All die Erfahrungen, die er bis dato gesammelt hat, machen ihn nach eigene Angaben zu dem, der er nun ist. „Meine Stärke kommt aus meinem Glauben und der Art und Weise, wie ich aufgewachsen bin. Diese Kombination macht mich zu dem Menschen, der ich nun bin. Es geht einfach darum, realistisch durch das Leben zu gehen. Du solltest nie etwas als selbstverständlich ansehen, so ist nun meine Sicht auf die Dinge.“

Die Dinge mit einer großen Portion Realismus zu sehen, ist mittlerweile normal für den ehemaligen englischen U-21-Nationalspieler. Wahrscheinlich ist es nach seinen Erlebnissen des letzten Jahres sogar notwendig. Seine Realität endete vor ein paar Monaten für satte 78 Minuten. Seitdem hat er eine Menge vollkommen anderer Herausforderungen meistern müssen.

Im Prinzip bedeutet es, dass seine Hingabe, die ihn an die Spitze des englischen Fußballs geführt hat, nun darauf ausgerichtet ist, jedes bisschen Glück aus seinem leben zu quetschen.

So, wie er seine vorherigen Kämpfe gewonnen hat, liegt die Vermutung nahe, dass er auch diesen gewinnen wird.

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