thumbnail Hallo,

EXKLUSIV - Gerade in der Hintermannschaft zeigen sich bei der Nationalelf Baustellen. Hilbert hat in Istanbul zum Rechtsverteidiger umgesattelt. Wäre er eine Option für Löws Elf?

Istanbul. Nachdem Roberto Hilbert im gestrigen ersten Teil des Exklusiv-Interviews mit Goal.com ausführlich Stellung zu Besiktas Istanbul und dem Rennen um die Meisterschaft in der türkischen Süper Lig bezogen hatte, dreht sich der Fragenkomplex des zweiten Teils eher um die Bundesliga und die deutsche Nationalelf sowie das Leben in Istanbul allgemein.

Wie sehen Ihre Ziele für die Zukunft aus?

Roberto Hilbert: In erster Linie ist es für mich natürlich wichtig, dass ich gesund bleibe. Denn wenn ich gesund und fit bin, kann ich meine Leistungen so erbringen, wie ich mir das auch vorstelle. Ich glaube, das habe ich bisher in der Saison gut gemacht. Das Nächste ist, klar, ich bin jetzt 28 und ich denke sicherlich im Moment nicht ans Aufhören, aber nicht desto trotz, ich habe Familie, ich habe Kinder und muss trotzdem für meine Zukunft planen. Ich glaube der nächste Vertrag, den ich unterschreiben würde, soll natürlich auch für mich und meine Zukunft passen. Ich muss dann zweifelsfrei aufs Gesamtpaket schauen und dann guckt man mal, wie es in der Zukunft aussieht. Aber in erster Linie gilt: Ich spiele hier bei BJK und fühle mich sehr wohl im Umfeld. Es gibt wenige Städte, die so toll zum Leben sind wie Istanbul, und mein erster Ansprechpartner ist momentan immer BJK...

Also ist ein Verbleib in der Türkei optional?

Roberto Hilbert: Auf jeden Fall. Ich fühle mich in Istanbul und im Verein sehr wohl und mein Ziel ist es, irgendwann auch wieder mit BJK international zu spielen und Titel zu gewinnen.

Thema Nationalmannschaft: Abgehakt oder doch noch im Hinterkopf? Gerade weil es auf Ihrer aktuellen Position, rechts hinten, ja von außen Diskussionen gibt, was die Besetzung angeht.

Roberto Hilbert: Abgehakt nicht. Ich sage immer, die Hoffnung stirbt zuletzt. Wenn ich natürlich die Chance und Möglichkeit bekommen sollte, mich in der Nationalelf zu beweisen, dann würde ich ohne Frage mit allem was ich habe versuchen, diese Chance auch zu nutzen. Aber ich bin selbstverständlich auch Realist und kein Tagträumer. Ich weiß, dass ich seit vier Jahren nicht mehr dabei war und die Mannschaft mittlerweile sehr gefestigt ist. Ich kann nur mein Bestes geben und hoffen, dass es gesehen wird. Aber ich weiß, dass ich in der Türkei nicht zwingend auf dem Radar vom Bundestrainer bin.

Verfolgen Sie die Buli momentan, und wenn ja, gibt es spezielle Vereine, die Sie besonders interessieren?

Roberto Hilbert: Ich verfolge natürlich die Bundesliga insgesamt, was in der Türkei nicht schwer ist. Ganz klar, Deutschland ist und bleibt ja mein Heimatland und ich mag die Bundesliga auch. Ich hab natürlich beim VfB noch viele Freunde. Dann ist da Greuther Fürth, mein Heimatverein. Und im Allgemeinen bin ich bei der Bundesliga immer up-to-date.

Apropos VfB: Bobic Labbadia, passt das, oder passt das nicht?

Roberto Hilbert: So wie ich das vor Augen habe, passt das. Wenn man das so mitverfolgt was nach Außen hin gezeigt wird, dann passt das.

Ist es möglich, dass Stuttgart dauerhaft internationales Parkett betritt?

Roberto Hilbert: Alles ist möglich. Gerade bei Stuttgart kommen ja auch immer wieder junge Spieler mit Potenzial nach und ich glaube, die Mannschaft ist gut organisiert und eingespielt. Und wenn man die Saison weiterhin mit solch einem Willen und dieser Stärke spielt, kann man auch Erfolg haben - und vielleicht sogar wieder international spielen. Ich traue Stuttgart auf jeden Fall einiges zu.

Thema Jugend-Nationalspieler, die für Deutschland oder die Türkei spielen könnten. Haben sich vielleicht die Spieler in der Türkei einmal bei Ihnen Rat geholt?

Roberto Hilbert: Nein, bis jetzt wurde ich darauf in der Türkei überhaupt nicht angesprochen. Olcay (Sahan, Anm. d. Red) hat ja schon für die türkische Jugend gespielt und verfolgt, soweit ich weiß, das Ziel, auch in der türkischen Nationalmannschaft zu spielen. Ich glaube, letztendlich ist es für diese Spieler eine schwierige Entscheidung. Ich war ja damals zu der Zeit, als sich Serdar Tasci entscheiden musste, vor Ort und es ist schon schwierig. Wenn man jetzt zum Beispiel in Deutschland aufwächst und groß wird und hat halt türkische Eltern, man sitzt da so ein bisschen zwischen den Stühlen und diese Entscheidung ist sicherlich nicht einfach. Jeder, der seine Entscheidung getroffen hat, scheint wohl damit zufrieden und glücklich zu sein, weil es eine Entscheidung des Herzens bleibt und das ist die Hauptsache. Da hat wohl jeder Spieler bisher das Richtige gemacht.

Ist es denn tatsächlich so, wie in manchen Diskussionen zum Thema gesagt wird, die „B-Spieler“ oder die Spieler, die eher in der deutschen Nationalelf keine Chance haben, dazu tendieren, im Ausland für dortige Nationalteams – hier Türkei zu spielen? Oder ist das gedanklich zu kurz gesprungen?

Roberto Hilbert: Ich würde das nicht so unterstreichen. Ich glaube nicht, dass irgendein Spieler seine Entscheidung, für welches Nationalteam er spielen möchte, an der Konkurrenzsituation festmacht. Ich bin noch keinem Spieler begegnet, der so einem Konkurrenzkampf aus dem Weg gehen würde. Natürlich gibt es unterschiedliche Spielertypen. Der eine Spieler ist vielleicht etwas sensibler, der andere Spieler ist etwas härter. Aber ich glaube schon, dass die Spieler, die für zwei Nationalteams in Frage kommen, nur nach ihrem Herz gehen und nicht nach einer Wettbewerbssituation. Aber man darf auch nie vergessen, dass es auch ein Stück weit schwierig ist für die Jungs, die diese Entscheidung treffen müssen, weil sie natürlich auch in gewissem Umfang zwischen den Stühlen sitzen. Ich denke, wenn man bisher die Spieler sieht, die Entscheidungen getroffen haben – ich denke da an Mesut oder Serdar sowie Gündogan und jetzt auch Ömer Toprak – jeder ist für sich den Weg gegangen ist, mit dem er persönlich am glücklichsten ist und welcher am Ende die richtige Entscheidung für ihn als Person war. Und ich hoffe auch für jeden dieser Spieler, dass sie mit dem, was sie entschieden haben, glücklich bleiben.

Wie haben Sie und Ihre Familie den Wechsel in die Türkei, im Grunde ein Wechsel in eine völlig andere Kultur, für sich selbst gemanagt und einen eventuellen „Kulturschock“ überwunden, denn Istanbul ist ja nun eine absolute Megametropole?

Roberto Hilbert: Ja, am Anfang war es schon etwas ungewöhnlich. Man kommt in eine gänzlich andere Kultur. Am Anfang war es, das muss ich ehrlich sagen und zugeben, für meine Familie und mich nicht einfach, uns daran zu gewöhnen. Aber ich denke, wir haben uns an das Leben sehr gut angepasst und haben auch versucht, uns in die Kultur gut einzuleben. Jetzt, also nach zwei Jahren, können wir sagen, wir fühlen uns richtig wohl, sind glücklich so wie es ist und durch die gute Anpassung passt das sehr gut im Moment.

Und nun die obligatorischen „letzten Worte“ an die Fans in Deutschland?

Roberto Hilbert: Immer dran bleiben!

 

Für Türkei-Updates folge Christian Ehrhardt oder auf und Anıl P. Polat  


EURE MEINUNG: Wäre Roberto Hilbert auf der rechten Seite in der Nationalelf einen Versuch wert?

Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal.com auf
oder werde Fan von Goal.com auf !

Dazugehörig