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EXKLUSIV - Roberto Hilbert, Deutscher Meister mit dem VfB Stuttgart und Ex-Nationalspieler, fand die Zeit, mit Goal.com über seine Ziele und Pläne in der Türkei zu sprechen.

Istanbul. Zu Beginn der Saison setzten die Experten kaum einen Pfifferling auf Besiktas Istanbul, wenn es um die Kandidaten auf die Meisterschaft in der türkischen Süper Lig ging. Doch durch eine geschlossene und erfolgreiche Mannschaftsleistung mausern sich die „Schwarzen Adler“ wieder zu einer festen Größe in der Megametropole Istanbul. Gerade der Ex-Stuttgarter Roberto Hilbert hat es dabei geschafft, zu einem Schlüsselspieler zu werden und zum Publiukumsliebling zu avancieren. Goal.com stand er im großen, zweiteiligen Exklusiv-Interview Rede und Antwort.

Herr Hilbert, Sie sind jetzt seit zwei Jahren in der Türkei. Wie sieht rückblickend Ihr Resümee aus?

Roberto Hilbert: Ich bin natürlich nach meiner Zeit bei Stuttgart mit dem Gedanken in die Türkei gekommen, für mich jetzt einen Neuanfang zu starten. Die erste Zeit war natürlich schwierig, weil ich mich erst einmal eingewöhnen musste und am Anfang auch nicht so gespielt habe, wie ich mir das vorgestellt hatte. Aber ich habe mich bis zum jetzigen Zeitpunkt immer durchgekämpft und es geschafft, mich zum Stammspieler hochzuarbeiten. Ich habe auch das Gefühl, dass die Fans meine Art schätzen. Und da bin ich sehr stolz drauf im Moment.

Wie nehmen Sie die Fans und die Atmosphäre im Inönu-Stadium wahr?

Roberto Hilbert: Es ist immer wieder eine neue Erfahrung, wenn man ins Stadium einläuft und man denkt sich „Wow! Das ist der absolute Hammer!“ Und gerade bei den Derbys ist die Atmosphäre ohne Frage besonders fantastisch. Die Fans sind schon sehr speziell, und ich kann bis jetzt eigentlich nur Positives über sie berichten.

Nun gab es gerade in Deutschland viele Schlagzeilen um die Chaos-Fans und Ausschreitungen. Gab es für Sie in der Türkei schon mal eine Situation, wo Sie sagen würden: „Da habe ich echt Angst gehabt“?

Roberto Hilbert: Die türkischen Fans sind natürlich schon sehr emotional. Das ist zweifellos in der Hinsicht schon ein Unterschied zu Deutschland. In Deutschland stehen die Fans zwar auch 100 Prozent hinter ihrem Verein, aber in der Türkei sind sie doch noch ein Stück weit emotionaler. Es ist natürlich schon so, dass es manchmal dann ein bisschen Überhand nimmt, wenn es so emotional zu geht. Ich wurde damals nach dem Fortuna–Hertha-Spiel (das unterbrochene Relegationsmatch der Vorsaison, Anm. d. Red.) auch gefragt, was ich davon halten würde, und ich hab dann ein bisschen im Scherz gesagt: „Ich kenn das gar nicht anders“ (lacht). Ich meine, dass die Zuschauer aufs Spielfeld laufen, habe ich in meiner Zeit hier auch schon erlebt. Aber ich persönlich habe eigentlich fast nur positive Erfahrungen mit unseren Fans gemacht. Und wirklich Angst musste ich auch noch nie haben. Aber bei meinem allerersten Spiel in der Türkei gegen Bursa kam es außerhalb des Spielfeldes zu ziemlichen Ausschreitungen. Da würde ich dann als Spieler und als Zuschauer sagen: „Das geht einfach zu weit.“

Wie die Ausschreitungen nach dem Süperfinal Spiel zwischen Galatasaray und Fenerbahce ...

Roberto Hilbert: Das sind dann so Dinge, die gehen ins Extreme, und das hat dann auch mit dem Sport an sich nichts mehr zu tun. Da muss man dann schone eine klare Grenze setzen. Und der türkische Verband versucht es ja auch immer wieder, das Problem in den Griff zu kriegen. Fan sein, emotional sein - schön und gut. Aber man muss einfach eine Grenze ziehen, wenn es darum geht, andere Menschen zu verletzten oder Unbeteiligte mit reinzuziehen. Ich bin auch Fan und Spieler und immer mit 100 Prozent Einsatz dabei, aber irgendwo sollte halt auch Schluss sein.

   „Ich denke schon, dass man bei uns auf einem guten Weg ist, um sowohl in der Liga als auch international wieder dabei zu sein.“

Roberto Hilbert im Interview mit Goal.com

Bei BJK bildeten Sie einen Teil des fantastischen Duos Hilbert/Ernst. Schmerzt der Weggang von Fabian Ernst sehr?

Roberto Hilbert: In erster Linie ist Fabian natürlich ein sehr guter und erfahrener Fußballspieler, ein Supertyp und er hat einen tollen Charakter. Gerade deswegen war ich natürlich schon sehr traurig, dass er nicht mehr in unserem Team spielt. Sportlich kann man sagen, dass wir seinen Weggang gut kompensiert haben, und Fabian und ich stehen auch in regelmäßigem Kontakt und ich denke, wir sind gute Freunde geworden. Aber ich habe mich auch in den letzten zwei Jahren mit den anderen Spielern angefreundet, sodass sein Weggang jetzt kein Problem für mich war.

Wie sehen die weiteren Erwartungen in Bezug auf die restliche Saison aus?

Roberto Hilbert: Vor der Saison standen wir natürlich vor einem großen Umbruch. Die Mannschaft wurde stark umgebaut, der Nachwuchs mit eingebaut und man hatte uns als Team nicht wirklich auf der Rechnung. Das ist wohl immer noch so. Nach dem guten Saisonstart haben wir ein bisschen einen mentalen Hänger gehabt und gedacht, dass läuft jetzt so weiter. Aber nach den drei Niederlagen ist das jedem bewusst geworden, dass es so eben nicht funktioniert und wir wirklich in der mannschaftlichen Geschlossenheit bei jedem Spiel alles abrufen müssen was wir können, um eine erfolgreiche Saison zu spielen. Das haben wir auch in den letzten Spielen gemerkt und wir bewegen uns da auch in die richtige Richtung. Was am Ende der Saison dabei rauskommt, da bin ich überfragt, denn ich bin kein Hellseher (lacht) - aber wenn wir gemeinsam so weiter machen, dann kann man schon noch erfolgreich sein.

Wird BJK die Lücke zwischen sich und Fenerbahce oder Galatasaray wieder schließen können?

Roberto Hilbert: In erster Linie glaube ich, dass wir gar nicht soweit von Fenerbahce oder Galatasaray entfernt sind. Galatasaray zum Beispiel hat auf Grund von Champions League und Fenerbahce wegen der EL natürlich kräftig investiert. Aber sieht man sich einmal die Tabelle an, sind die beiden Teams nicht so weit von uns entfernt und man kann nicht sagen, dass sie sich jetzt im Moment extrem abheben in der Liga. Ich denke schon, dass man bei uns mit dem Vorstand, dem Präsidenten, dem Trainer und dem jungen Team auf einem guten Weg ist, um sowohl in der Liga als auch international wieder dabei sein zu wollen – und das soll und muss auch natürlich das Ziel sein. Auf der einen Seite ist es natürlich gut, wie man an Dortmund sieht, ein sehr junges Team zu haben und das versucht, aus den eigenen Reihen aufzufüllen. Auf der anderen Seite muss man auch eine gute Mischung aus Jung und Alt finden. So haben wir mit den älteren Spielern einen erfahrenen Kern und durch die talentierten jungen Spieler frisches Blut. Natürlich muss man die jungen Spieler fordern, fördern und von den Älteren lernen lassen.

So weit Teil Eins des Interviews mit Roberto Hilbert. Den zweiten Part gibt es morgen bei Goal.com. Dann spricht der Flügelflitzer über den Traum von der Nationalelf und die aktuelle Situation im deutschen Fußball.

Für Türkei-Updates folge Christian Ehrhardt bei oder auf und Anıl P. Polat bei  

EURE MEINUNG: Ist Besiktas, wie es Roberto Hilbert sieht, tatsächlich auf Augenhöhe mit GS und FB?

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