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EXKLUSIV - Der Niederländer forderte Wenger auf, gestandene Stars zu verpflichten. Nach einem explosiven Gesprächen kippte die Stimmung zwischen beiden.

London. Der Anfang vom Ende der Zeit von Robin van der Persie beim FC Arsenal erfolgte in einem Treffen mit seinem damaligen Trainer Arsene Wenger. Im exklusiven Norden Englands, der Heimat von Wenger, gab es drei Tage nach dem Ende der dramatischen Premier-League-Saison 2011/12 ein Treffen zwischen dem Coach der „Gunners“ und dem niederländischen Nationalspieler.

Van Persie war bereit, über seine Zukunft zu reden, nachdem die Vertragsgespräche zuvor ins Stocken gerieten.

Kurz vor dem Duell zwischen Arsenal und Manchester United im Old Trafford deckt Goal.com erstmals die brisanten Details des Gipfeltreffens, die zum Bruch zwischen Arsene Wenger und Robin van Persie geführt haben, auf. Es war der Anfang, der am Ende dafür sorgte, dass van Persie drei Monate später für umgerechnet rund 30 Millionen Euro zu United wechselte. Wenger reizte die Geduld der Verantwortlichen aus Manchester so weit aus, bis sie bereit waren, das Maximum für den Niederländer zu bieten.

Mittwoch, der 16. Mai

Wie Goal.com im Mai enthüllte, fanden die Gespräche am Mittwoch, den 16. Mai, statt - weniger als 72 Stunden nachdem Arsenal den dritten Platz in der Premier League sicher hatte und somit auch eine gut bezahlte Platzierung für die Champions League.

Van Persie und sein Berater Kees Vos, ein langjähriger Freund der Familie, trafen sich zu einem Gespräch mit Arsene Wenger und Arsenal-Boss Ivan Gazidis. Das Treffen fand im Zuhause des Managers statt, da er sich gerade erst einer Augen-OP unterziehen musste und daher eine Augenklappe trug.

Die Diskussionen fokussierten sich dabei nicht auf die Vertragslänge oder das Gehalt, das Arsenal bieten würde und auch nicht auf die Vertragsforderungen von van Persie. Stattdessen forderte der niederländische Stürmer eine Erklärung, in welche Richtung der Klub in Zukunft denken und gehen würde. Wenger nannte den Namen von Lukas Podolski, dessen Vertragsunterschrift sich bereits im April ankündigte. Podolskis Wechsel solle den linken Flügel beleben und es gab Pläne, den Kader in der Tiefe mit mehr Qualität aufzubessern. Van Persie war mit dem, was er gehörte hatte, nicht zufrieden. Gestärkt durch seine überragenden Leistungen in der Saison 2011/12, als seine 37 Tore nach einem schwachen Saisonstart sogar noch für höhere Ziele ausreichten, sprach der Niederländer seine Gedanken und Ansichten offen aus.

Forderung nach neuen Spielern - Wenger nicht begeistert

„Es waren sehr lebhafte Diskussionen“, erklärte eine Quelle, die detaillierte Kenntnisse von den Gesprächen hat, gegenüber Goal.com. „Van Persie gab Wenger zu verstehen, welche Spieler verpflichtet werden könnten und wer die Nummer zwei hinter Wenger werden sollte. Er wollte einen Trainer von außerhalb, der den pensionierten Pat Rice ersetzen sollte. Eine Beförderung von Steve Bould wollte van Persie vermeiden, da er den Eindruck hatte, dass das derzeitige Personal voller ,Ja-Sager‘ wäre und Leuten, die in ihrer Arbeit zu bequem sind.“

Arsenal war nicht bereit, einen Kommentar dazu abzugeben, nachdem sie von Goal.com kontaktiert wurden. Aber es versteht sich, dass Wenger davon nicht begeistert war und dementsprechend auch wütend reagierte. Er hatte einst Thierry Henry aus seinem Kader gestrichen, nachdem dieser in einer Zeitungskolumne schrieb, dass der Klub Shaun Wright-Phillips verpflichten sollte.

„Van Persie forderte Wenger heraus - ein No-Go, ein echtes Tabu“, so die Quelle weiter. Danach stand fest, dass die Beziehung zwischen dem angesehen Trainer und dem europäischen Star-Stürmer gebrochen ist. Van Persie bereitete sich auf die Europameisterschaft 2012 vor, ohne dass seine Zukunft geklärt war. Wenger bemühte sich indes darum, seine Pläne für mögliche Nachfolger voranzutreiben. Die Arsenal-Chefetage weigerte sich daraufhin, van Persie einen einfachen Abschied zu gewähren, während für Wenger feststand, dass der Niederländer, egal was passiert, gehen muss. Diese Ansicht wurde gestärkt, nachdem van Persie am vierten Juli offen und ehrlich über sein gebrochenes Verhältnis zu Wenger und seine Unzufriedenheit mit dem Klub sprach.

Mitte Juli kehrte der Niederländer dann nach London zurück, um dort die Vorbereitung auf die neue Saison aufzunehmen. Sein Bestreben war es weiterhin, den Klub zu verlassen. Für alle Beteiligten stand fest, dass der Niederländer den Verein verlassen wird, einzig die Frage „wohin“ war noch ungeklärt.

Drei Vereinsoptionen für van Persie

Drei Optionen gab es für den Niederländer: Manchester United, Manchester City und Juventus Turin. Aus van Persies Sicht enttäuschend, die beiden spanischen Giganten Real Madrid und FC Barcelona hatten kein Interesse an ihn. Chelseas Interesse zerschlug sich, da der Niederländer nicht zu einem anderen Londoner Klub wechseln wollte.

„Es gab einen Preis für europäische Klubs und einen Preis für Vereine aus England“, erklärt die Quelle weiter. „Wenger hatte den Preis sogar um knapp 12,5 Millionen Euro verringert, damit er ins Ausland wechselt, aber van Persie wollte nicht zu Juventus.“ Der 29-Jährige riskierte sogar seinen Ruf, als er denselben Weg, wie Emmanuel Adebayor, Kolo Toure, Samir Nasri und Gael Clichy, zu Manchester City einschlagen wollte.

Wenger sagte einem Aktionär, dass City sogar bereit war, rund 375.000 Euro pro Woche für van Persie zu zahlen. Es gab Gerüchte, dass der Premier-League-Champion sogar bereit war, einen Hubschrauber für den Niederländer zur Verfügung zu stellen, damit dieser jeden Tag nach Manchester zum Training pendeln konnte. Manchester City weigerte sich am Ende jedoch, mehr als 19 Millionen Euro für den Transfer zu bezahlen. Auch van Persie selbst wollte den Schritt zu Manchester City nicht machen. Ihm lag gleichzeitig auch ein Angebot von Manchester United auf dem Schreibtisch bereit.

24 Stunden nach dem Köln-Spiel die Entscheidung

Van Persies Haltung änderte sich dann in den ersten August-Tagen, als Gerüchte aufkamen, dass Santi Cazorla und Nuri Sahin auf dem Weg zum FC Arsenal seien. Der Niederländer wirkte motivierter: „Seine Haltung und seine Körpersprache waren anders“, so die Quelle. „Er schien die Vertragsunterschrift von Cazorla zu begrüßen.“ Das einwöchige Trainingslager in Deutschland endete vor dem Testspiel gegen Köln jedoch mit einem festen Entschluss von Arsene Wenger: Einige Tage zuvor kontaktierte Wenger United und gab David Gill die Erlaubnis, mit van Persie verhandeln zu dürfen. 24 Stunden nach dem Spiel in Köln einigten sich Arsenal und United auf eine Ablösesumme von rund 30 Millionen Euro.

Aber es gab noch eine letzte Wendung. Wenger, der van Persie nur ungern zu einem Rivalen verkaufte, forderte zusätzlich knapp 2,5 Millionen Euro von United. Der Deal wurde somit um weitere 24 Stunden verzögert. Es war der späte Dienstagabend, der 13. August, an dem man sich dann auf 30 Millionen Euro einigte. Am folgenden Tag wurde das Geschäft öffentlich bekannt.

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