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EXKLUSIV - Aufstiegsheld in Fürth, Eurofighter auf Schalke. Mike Büskens liebt den FC Schalke 04, am Samstag wird diese Liebe für 90 Minuten ruhen müssen. Goal.com sprach mit ihm.

Gelsenkirchen/Fürth. Mit dem FC Schalke 04 wird der Chefcoach der SpVgg Greuther Fürth nicht irgendeinen Verein in der Trolli Arena begrüßen. Für Mike Büskens wird dieses Spiel ein besonderes sein. Mehr aber auch nicht, zumindest während des Spiels. Goal.com bat den Schalker Eurofighter von 1997 exklusiv zu einem Gespräch. Gut gelaunt spricht der gebürtige Düsseldorfer über seine Fürther Truppe, die Außenseiterrolle, Schalke 04 und noch vieles mehr…

Herr Büskens, mit der Meisterschaft sieht es schlecht aus. Sie stehen im grauen Mittelfeld der Bundesliga. Wie sehr nagt das an Ihnen?

Mike Büskens (lacht): „Wir können mit dem grauen Mittelfeld sehr, sehr gut leben, glauben Sie mir.“

Spaß beiseite. Die SpVgg Greuther Fürth spielt zum ersten Mal in der Vereinshistorie im Fußball-Oberhaus. Das dürfte nicht einfach werden…

Mike Büskens: „Natürlich und logischerweise wissen wir, dass es für uns eine sehr schwierige Saison wird, gerade als kleinerer Verein, für den das alles eigentlich ein großes Abenteuer ist. Wir machen Woche für Woche neue Erfahrungen. Von daher sind wir mit dem Platz im Mittelfeld sehr zufrieden.“

Wie bitter war für Sie das Ausscheiden im DFB-Pokal in Offenbach, gerade auch im Hinblick auf sämtliche Bundesligisten, denen das Gleiche wiederfahren ist?

Mike Büskens: „Wir wussten um die schwere Aufgabe in Offenbach. Es ist als Drittligist schon von Vorteil, wenn du zu diesem Zeitpunkt fünf Meisterschaftsspiele bestritten und deinen Wettkampf-Rhythmus hast. Wir kamen direkt aus der Vorbereitung. Das ist ja auch kein Einzelfall und schaut man sich die anderen Ergebnisse mancher Bundesligisten an, dann bestätigt sich dies teilweise auch.“

Sie haben in der letzten Saison tolle Pokalschlachten geliefert, welche ihnen auch für den Ligaalltag enorm Aufwind gegeben haben. Dies wird nun fehlen.

Mike Büskens: „Die emotionalen Erlebnisse haben uns auch in der Meisterschaft sehr gepusht. Die fehlen uns jetzt logischerweise und es tut natürlich weh, in der ersten Runde auszuscheiden, definitiv. Dass du im Anschluss gegen Bayern München verlierst, nachdem du in der ersten Halbzeit aus dem Spiel heraus nichts gestattest und du dann in der 43. Minute aus einer Standardsituation das Tor fängst, das ist nicht verwunderlich. Natürlich fällt es schwer, gegen solch ein starkes Team dann ein Spiel zu drehen.“

Im Anschluss daran wurden kritische Stimmen laut…

Mike Büskens: „Einiges kam hoch, zum Beispiel, dass wir in der Liga keine Chance haben, wenn wir uns weiter so präsentieren. Aber, wir haben doch acht Tage später gesehen, wozu die Bayern in der Lage sind. Dort ging es gegen einen etablierten Bundesligisten, den VfB Stuttgart.“ (Bayern München besiegte den VfB Stuttgart 6:1, Anm. d. Redaktion)

Umso wichtiger war es, dass Sie dann direkt zurück zum Erfolg fanden…

Mike Büskens: „Ja, es war emotional sehr wichtig, dass du als Neuling in der Bundesliga früh anfängst, zu punkten. Meine Mannschaft war es vorher in den meisten Fällen gewohnt als Favorit in die Spiele zu gehen und jetzt sind wir halt Außenseiter. Solch ein Ergebnis wie gegen Mainz, das bestärkt meine Mannschaft natürlich in unserem Glauben, dass wir die Liga halten können. So ein Sieg ist dann wie ‚Ankommen‘. Ich sage aber auch: Man muss uns eine gewisse Anpassungszeit zugestehen.“

Sie haben vor Kurzem einen wichtigen Mann verletzungsbedingt für rund drei Monate verloren. Wie geht es der Schulter von Djiby Fall?

Mike Büskens: „Djiby wurde Donnerstag vor einer Woche operiert. Er muss die Schulter für sechs Wochen ruhig halten, darf also keine Rotationsbewegungen machen.“

Vor dieser schweren Verletzung haben Sie sich aber bereits um Schalkes Stürmer Edu bemüht und ihn letztendlich auch ins Frankenland gelotst. Sie haben ihn bis zum Winter ausgeliehen. Wie wichtig kann er für den Verein werden?

Mike Büskens: „Wir bekommen mit Edu einen Spieler, der einen gewissen Erfahrungswert in die Mannschaft einbringen wird. Wir hoffen, dass er ein weiterer Eckpfeiler unseres Teams mit vielen talentierten jungen Spielern wird.“

Könnte aus diesem kurzen Intermezzo auch was Langfristiges entstehen?

Mike Büskens: „Wir können uns natürlich einiges vorstellen, aber… Dazu gehören immer drei Parteien, die zusammenfinden müssen. Fakt ist: Er hat bis zum Ende der aktuellen Spielzeit einen Vertrag auf Schalke. Wir warten mal ab, was noch passieren kann. Zumal man sich auch die Frage stellen muss: Was kann sich Edu vorstellen?“

Welchen Eindruck macht er denn auf Sie?

Mike Büskens: „Aus meiner Sicht kann ich sagen, dass das Miteinanderarbeiten bisher sehr angenehm war und in professioneller Form stattgefunden hat. Edu hat durch seinen Charakter, seine Persönlichkeit und seine fußballerischen Klasse mehr als nur angedeutet, dass er uns helfen kann. Das erstmal bis Ende Dezember und dann müssen wir schauen, welche Lösung sich ergibt.“

Nun geht es gegen Schalke. Ist ihr Team für das schwere Spiel gerüstet?

Mike Büskens: „Ich denke, dass uns dieser Sieg in Mainz Selbstvertrauen geben wird. Aber, wir müssen auch mutiger auftreten, wenn es darum geht, den Weg nach vorne zu suchen. Besser als wir das gegen Bayern München getan haben. Wir treffen jetzt natürlich auf ein Team, das über eine große mannschaftliche Klasse verfügt, auch über eine sehr große individuelle Klasse. Da müssen wir selbstredend über uns hinauswachsen, um zu punkten. Aber, wir haben auch die Bereitschaft über uns hinauszuwachsen. Ob uns das gelingen wird, das wird man sehen.“

TACHELES VOM CHEF


„Ich rege mich auf, wenn ich das Gefühl habe, dass ein Spieler nicht an seine Grenzen geht.“
Michael Büskens

Sie sprechen von dem „über sich hinauswachsen“. Das Spiel findet am Samstagabend statt. Flutlicht, volles Haus – die Atmosphäre kann sehr nützlich sein…

Mike Büskens: „Das ist doch das, wonach man lechzt. Wir haben das ja bereits beim ersten Heimspiel gegen Bayern erlebt. Unsere Fans wurden nicht ungeduldig. Sie genießen jeden Moment der Bundesliga. Solch eine Atmosphäre macht doch den Fußball aus, wie vor zwei Wochen in Mainz. Volles Stadion, emotionale Stimmung – wir freuen uns sehr darauf, dieses am Samstagabend wieder erleben zu dürfen.“

So etwas liebt auch Gerald Asamoah. Wie Sie und auch Edu ist er ein ehemaliger Schalker Spieler. Zuletzt kam er noch nicht zum Einsatz. Kann er trotzdem das Zünglein an der Waage sein?

Mike Büskens: „Es ist natürlich so, dass wir wissen: Geralds Erfahrung wird für uns noch sehr wichtig sein. Ähnlich, wie in der zweiten Liga, werden wir ihn für gewisse Momente brauchen. Er war dort in den entscheidenden Momenten da und hat uns geholfen, Spiele zu drehen. Und das wird er definitiv auch wieder für uns in dieser Saison machen. Ob schon am Samstag, das wird sich zeigen.“

Wo wir schon mal bei Stürmern sind. Haben Sie ihre Verteidigung schon vor Klaas-Jan Huntelaar gewarnt?

Mike Büskens: „Klaas-Jan Huntelaar ist natürlich ein ausgezeichneter Stürmer, der in der Lage ist, mit einer einzigen Aktion das Spiel zu entscheiden oder eben diesem eine Wendung zu geben. Das ist seine ganz große Qualität, dieser Torinstinkt. Die ‚Blauen‘ können sich glücklich schätzen, so einen Spieler in ihren Reihen zu haben.“

Sie treffen am Samstag auch auf Huub Stevens, unter dem Sie lange Jahre gespielt haben. Haben Sie von seiner Arbeitsweise als Trainer auch etwas für sich mitgenommen, was Ihnen als Trainer nützlich war?

Mike Büskens: „Wenn du dich früh für die Denkweise eines Trainers interessierst, womit ich schon Mitte zwanzig begonnen habe, dann schaust du natürlich auf solche Dinge, wie die Philosophie. Aber das war nicht nur bei Stevens, auch bei Josef Hickersberger, Aleksandar Ristic, eigentlich alle meine damaligen Trainer. Ich habe geschaut, wie lösen die manche Situationen? Es ist aber nicht so, dass man das kopiert. Denn eine Kopie ist immer schlechter als das Original.“

Machen wir doch direkt bei Ihnen weiter. Man sieht Sie an der Linie immer mit vollem Elan. Mal jubeln Sie, mal regen Sie sich auf. Was bringt Sie denn am meisten auf die Palme?

Mike Büskens: „Am meisten rege ich mich auf, wenn ich das Gefühl habe, und das habe ich sehr selten, dass einer meiner Spieler nicht bis an seine Grenzen geht. Dann kann ich mich fürchterlich aufregen, weil, das ist für mich einfach nicht akzeptabel.“

Andere Trainer sitzen stoisch auf der Reservebank, Sie können, und vor allem, wollen das gar nicht…

Mike Büskens: „Natürlich leidet und fiebert man mit. Wenn ich sehe, wie meine Jungs auf der Wiese brennen, dann muss ich auch brennen.“

Wie fahren Sie sich selbst denn mal runter und schalten vom Fußball ab? Geht das bei Ihnen überhaupt?

Mike Büskens (lacht): „Wie fahre ich runter? Es ist natürlich wichtig, dass ich meine freien Tage in Gelsenkirchen bei meiner Familie verbringe. In der Woche dreht sich natürlich alles um die Kugel. In meinem Leben dreht sich viel um den Fußball. Aber es gibt immer diese Momente, wo man sich wirklich Auszeiten nehmen muss und den Fußball einfach Fußball sein lässt.“

Kommen wir zur Bundesligaspitze. Wie sehen Sie die Konstellation ganz oben?

Mike Büskens: „Es ist natürlich so, dass der BVB in der Liga sehr dominant aufgetreten ist und in den letzten zwei Jahren großen Erfolg hatte. Die Bayern werden extrem heiß sein, weil es nicht ihrem eigenen Anspruch gerecht wird, dass man zwei Jahre hintereinander keinen Titel holt.“

Und Schalke?

Mike Büskens: „Für die ‚Blauen‘ geht es darum, dass sie da sind, wenn die anderen beiden schwächeln. Das muss ihr Ziel sein, wenn sie eine beständige Saison spielen. Genau dann zuzuschlagen.“

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