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EXKLUSIV - Die Gladbacher Torwart-Legende spricht im Interview über alte Zeiten, lobt die aktuelle Mannschaft - und erzählt, wie sehr er als Torwarttrainer von draußen mitfiebert.

Mönchengladbach. Mit 1:3 vergeigte Borussia Mönchengladbach am Dienstag das Play-off-Hinspiel der Champions-League-Qualifikation gegen Dynamo Kiew. Vor dem Rückspiel ist damit schon fast sicher, dass die Mannschaft von Trainer Lucien Favre in der Europa League starten wird.

Besser will es Gladbach am Samstag zum Bundesliga-Saisonstart machen. Um 15.30 Uhr gastiert 1899 Hoffenheim im Borussia-Park. Vorher sprach Goal.com exklusiv mit Torwarttrainer Uwe Kamps - der zu jenem Team gehörte, dass 1995/1996 und 1996/1997 zum bislang letzten Mal mit der Borussia im Europapokal spielte.

Herr Kamps, Sie haben  390 Bundesliga-Spiele für Borussia Mönchengladbach gemacht, zwischen 1995 und 1997 spielten Sie im Europapokal der Pokalsieger und im Uefa-Cup. Nach 16 Jahren Abstinenz feierte der Klub am Dienstag beim 1:3 gegen Kiew die Rückkehr nach Europa. Wurden da Erinnerungen wach?

Uwe Kamps: Natürlich, da kann man sich erinnern. Das waren sehr schöne Spiele damals. Jetzt ist ja alles sogar noch eine Etage höher, immerhin geht es um die Qualifikation für die Champions League.

Es sieht nicht gut aus für Gladbach.

Uwe Kamps: Wir sind enttäuscht, wie es gelaufen ist. Wir hatten gut angefangen und hätten sogar mit 2:0 in Führung gehen können. Dann wäre es wohl eine andere Geschichte geworden. So aber hat uns das 1:1 rausgebracht. Wir haben dann weiter alles versucht, im Endeffekt aber leider Lehrgeld bezahlt. Dazu kam dann noch das unglückliche 1:3 durch ein Eigentor von de Jong.

Kann man die heutige Gladbacher Mannschaft mit jener vergleichen, die in den 90er Jahren europäisch spielte?

Uwe Kamps: Das ist schwierig. Damals waren wir schon sehr gut eingespielt, generell wechselten Spieler nicht so oft ihre Vereine. In diesem Sommer haben uns drei Leistungsträger verlassen, da ist es nicht so einfach, diesen Verlust sofort zu kompensieren. Es dauert etwas, bis alle Rädchen ineinandergreifen. Aber ich bin sicher, dass sich die Mannschaft schnell finden wird.

Welche Parallelen gibt es bei den Teams von heute und von Mitte der 90er Jahre?

Uwe Kamps: Damals wie heute ist die Motivation riesig. Da haben sich Mannschaften gefunden, die alles dafür geben, gemeinsam erfolgreich zu sein. Die Spieler sind hungrig. Eine weitere Parallele ist, dass Gladbach auch damals lange nicht im Europapokal vertreten war – so wie heute. Alle sind heiß auf das internationale Geschäft.

Kann man die Mannschaften auch fußballerisch vergleichen?

Uwe Kamps: In Gladbach redet man ja immer von der legendären „Fohlenelf“ der 70er Jahre. An die Leistungen dieser Jahre konnten wir damals mit der Qualifikation für den Europapokal anknüpfen, und das kann die aktuelle Mannschaft auch. Es gibt viele junge Spieler, dazu wird toller, offensiver Fußball gespielt. Aber es gibt auch Unterschiede.

Was meinen Sie?

Uwe Kamps: Früher gingen die Spiele gerne auch mal 4:3 aus, die Hauptsache war, dass gewonnen wird. Heute ist es wichtiger, hinten erstmal sicher zu stehen. Das ist die Basis für unser Spiel.

Wie gut ist Gladbach heute? Reicht es in der Bundesliga wieder für einen Europapokalplatz?

Uwe Kamps: Das wäre eine tolle Sache, wenn wir das erneut schaffen. Aber noch ist es schwer, eine Prognose abzugeben. Wir müssen schauen, wie die Mannschaft mit der Mehrfachbelastung zurecht kommt. Bis zur Winterpause haben wir – vorausgesetzt, wie bleiben im DFB-Pokal - jetzt noch elf englische Wochen. Wenn die vorbei sind, werden wir sagen können, wo wir stehen.

Sie haben Ihre aktive Karriere vor acht Jahren beendet. Kribbelt es noch in den Händen?

Uwe Kamps: Es ist schon angenehmer, auf dem Platz zu stehen und selbst zu spielen. Wenn ich auf der Bank sitze, bin ich manchmal immerhin gefühlt noch mittendrin. Dann halte ich gedanklich ein paar Bälle mit.

EURE MEINUNG: Schafft Gladbach in der zweiten Saison in Folge die Europapokal-Quali?
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