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Der Ostfußball stagniert gewissermaßen seit Jahren. Goal.com hat nun exklusiv mit Eduard „Ede“ Geyer und Hans-Jürgen „Dixie“ Dörner über die Situation im „Osten“ gesprochen.

Leipzig. Die Bundesliga startet am Freitag mit der Partie Borussia Dortmund gegen Werder Bremen in ihre nunmehr 50. Saison. Seit etwas mehr als 20 Jahren können auch Mannschaften aus der ehemaligen DDR teilnehmen. Doch auch in der kommenden Spielzeit sucht man Teams aus dem „Osten“ vergeblich. Lediglich Dynamo Dresden, Union Berlin, Erzgebirge Aue und Energie Cottbus kicken in der zweiten Bundesliga.

„Ede“ und „Dixie“ - zwei alte Haudegen des Ostfußballs

Eduard „Ede“ Geyer

 Vereine als Spieler
SC Einheit Dresden
FSV Lokomotive Dresden
Dynamo Dresden
1962-1965
1965-1968
1968-1975
 Vereine als Trainer
Dynamo Dresden (Nachwuchs)
Dynamo Dresden
DDR-Nationalmannschaft
Banyasz Siofok
FC Sachsen Leipzig
Energie Cottbus
Al-Nasr Sports Club
FC Sachsen Leipzig
Dynamo Dresden
1975–1986
1986–1990
1989–1990
1991–1992
1992–1994
1994–2004
2005–2006
2006–2007
2007–2008

Eduard „Ede“ Geyer und Hans-Jürgen „Dixie“ Dörner haben beide Seiten kennengelernt. Geyer als Spieler und Trainer von Dynamo Dresden in der ehemaligen DDR und als langjähriger Coach von Energie Cottbus in der ersten und zweiten Bundesliga. Dörner ebenso bei Dynamo und später als Verbandstrainer beim DFB. Er war auch der erste ostdeutsche Bundesligatrainer, als er ab 1996 Werder Bremen coachte. Beide kennen den Fußball im Osten wie kaum ein anderer, wie sie im exklusiven Gespräch mit Goal.com erneut zeigten.

Im Osten der Bundesrepublik gibt es durch den Bau der Nachwuchsleistungszentren zwar „gute Nachwuchsarbeit“ doch die „wenigen Sponsoren und die unterschiedlichen Klassenverhältnisse“ sorgen für einen Nachteil, wie „Dixie“ Dörner findet. Er sagte weiter: „Bei den Traditionsvereinen ist zu Beginn der 1990’er Jahre viel schief gelaufen. Durch schlechtes Management wurden Mannschaften teilweise herabgestuft, doch der Osten konnte nachziehen, was Stadien angeht. Es besteht aber noch immer ein Nachteil gegenüber großen Städten wie München, Frankfurt/Main oder Dortmund.“ „Ede“ Geyer sieht die Nachwuchsarbeit jedoch noch ein wenig kritischer: „Bundesweit muss man sich mehr um den Nachwuchs Gedanken machen. Vor allem im Osten ist die fehlende Bundesliga schlecht für den Nachwuchs, da die Vorbilder fehlen. Gibt es welche, so gehen sie doch eher nach München oder Dortmund. Und auch die Trainer hier müssen besser ausgebildet und bezahlt werden.“ 

Ist die Jugend die Lösung?

Junge Spieler zu halten wird immer eine Herausforderung bleiben. Der Chemnitzer FC hat diese Herausforderung gemeistert und in der Regionalliga verstärkt auf junge Spieler gesetzt. Sie wurden mit einem Studienplatz an der TU Chemnitz „gelockt“ und blieben so zumindest einige Jahre sicher in der Stadt. Dieser Weg ist in den Augen von Dörner auch wichtig für die Spieler, denn „nicht jeder wird genug verdienen können.“ Jungen Spielern muss durch Studium oder Berufsausbildung eine „Richtung gezeigt werden, auch nach der Karriere arbeiten zu können.“ Dies sei zwar ein guter Weg, doch nicht alle Studenten können auf diesem Niveau spielen, wie Geyer meint. Weiter sagte er: „Heute ist es doch auch kein Problem mehr, den Studienort zu wechseln und später weiterzumachen. Spieler gehen zu Bayern, wenn sie die Chance haben.“

„Wenn man Fußball spielt und nach oben will, braucht man Geld, möglichst viel Geld“

Hans-Jürgen „Dixie“ Dörner

 Vereine als Spieler
Dynamo Dresden
1969-1986
 Vereine als Trainer
Dynamo Dresden (Nachwuchs)
DDR-Olympiaauswahl
DFB (Nachwuchs)
Werder Bremen
FSV Zwickau
Al-Ahly Kairo
VfB Leipzig
1986–1988
1988–1990
1990–1996
1996–1997
1998–1999
2000–2001
2001–2003

Chemnitz hat 2011, ebenso wie der Hallesche FC in diesem Jahr, den Sprung ins Profigeschäft geschafft. Neben der Jugend spielt das Geld aber immer eine große Rolle, so der ehemalige Trainer von Energie Cottbus: „Wenn man Fußball spielt und nach oben will, braucht man Geld, möglichst viel Geld.“ Viel Geld ist in der Fußballlandschaft der ehemaligen DDR seit einigen Jahren vor allem durch Red Bull und dessen Engagement in Leipzig. Vor einiger Zeit hat sich der Konzern aus Österreich den Standort ausgesucht. Bereits als Geyer zum zweiten Mal in Leipzig gearbeitet hat, fragte das Unternehmen von Dietrich Mateschitz bei den Vereinen der Messestadt nach. Leipzig ist eine Sportstadt und die Menschen verlangen nach professionellem Fußball, doch es fehlte immer das Geld. So war ein Engagement eines großen Geldgebers in der Region und im Rathaus ganz gern gesehen, doch nicht bei den Fans der Traditionsmannschaften, denn diese wollten keinen „Kommerz“ im Leipziger Fußball sehen. Die Traditionsmannschaften 1. FC Lokomotive Leipzig oder FC Sachsen Leipzig mussten sich in den Jahren nach der Wende immer wieder auflösen oder neu gründen, Sachsen zersplitterte gar in zwei Teams. Geyer trainierte in Leipzig den Verein aus Leutzsch, während Dörner bei einem Vorgängerverein von Lokomotive sein Brot verdiente. Doch beide betrachten diese Entwicklungen kritisch. Dörner sagte exklusiv gegenüber Goal.com: „Jeder macht sein Ding und so ist es sehr schwierig was Großes zu erreichen, man müsste die Kräfte bündeln.“ Geyer bezeichnete es nur als „Kinderkram“ und ergänzte: „Leipzig könnte auch zwei Mannschaften vertragen, aber schöner wäre es, wenn alle in eine Richtung denken würden, aber RB wird seines machen und die anderen müssen sehen.“ 

„Schritt für Schritt wird es klappen“

Red Bull kam schließlich im Sommer 2009 und versuchte mit allen Mitteln in den Profifußball aufzusteigen, doch es gelang noch nicht. Der letzte Trainer der DDR-Nationalmannschaft ist sich aber sicher, dass „RB dieses Jahr aufsteigt“, dennoch sei es ein „Retortenverein“ und er würde auch gerne Lok in der Bundesliga sehen. Dörner sieht das Engagement mit Hinblick auf die Region „als verdient“, denn die Stadt und das Stadion hätten Profifußball verdient. Der Weg nach oben ist ganz klar nicht einfach und auch Rangnick allein kann es nicht schaffen, denn auch „die Mannschaft muss sich beweisen, wenn sie in die höhere Liga kommen will.“ Eduard Geyer führte noch an, dass es „Schritt für Schritt klappen wird.“ Als Beispiel nannte er Hoffenheim: „Immer Aufstieg nach Aufstieg, jetzt spielen sie nur Mittelmaß und verlieren sogar gegen BAK im Pokal. Es wird noch eine Weile dauern bei RB.“

„Etablierung ist schwer, dazu braucht es wohl einen Scheich oder so was“

Aber wie realistisch ist es, einen Ostverein in der Bundesliga zu sehen? Diese Frage bewerten „Dixie“ Dörner und „Ede“ Geyer unterschiedlich. Wo es Dörner im Moment als gut möglich erachtet, eine Mannschaft festsetzen zu können, denn das „Zeug ist da“ und mit „unserer Kraft können wir optimistisch herangehen“, sieht Geyer „gar keine Mannschaft“ in der Bundesliga. Wenn „Wirtschaft und Sponsoren dahinterstehen“, könnten es „zwei oder drei Teams“ schaffen, doch Geyer sagte auch, dass die Politik gefordert ist: „Engagement ist wichtig, auch in der Politik, zum Beispiel nehmen wir Dresden. Erst wird ein Stadion gebaut, dann für eine enorm hohe Miete verpachtet, sodass der Verein fast pleite geht. Im Moment ist keiner da, es muss Schritt für Schritt verbessert werden und bis ein Klub international spielen wird, dauert es wohl noch.“ Er räumte zwar auch ein, dass ein „Zufallsaufsteig möglich ist“, doch eine „Etablierung ist schwer, dazu braucht es wohl einen Scheich oder so was.“

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