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EXKLUSIV - Der ehemalige Werder-Star Andreas Herzog über Bremens Neueinkäufe und die Chancen der Österreich-Fraktion um Arnautovic.

Wien. Andreas Herzog ist für jeden Fan von Werder Bremen eine Institution: Der Österreicher verkörperte über acht Jahre an der Weser das Ideal des eleganten Spielmachers, das später von Johan Micoud, Diego und Mesut Özil weitergetragen wurde. Darüber hinaus holte er Meisterschaft und Pokal, dazu mit Bayern München, wo er ein einjähriges Intermezzo verbrachte, den UEFA-Cup.

Inzwischen ist er nach einigen Stationen als Coach beim Österreichischen Fußball-Bund Co-Trainer unter Jürgen Klinsmann beim Nationalteam der USA. Bei Goal.com nahm er Stellung zur aktuellen Lage bei Werder, den Neueinkäufen und der Situation von Marko Arnautovic.

Herr Herzog, als Werder-Ikone wird Ihr Name wohl für immer mit dem Klub verbunden sein. Verfolgen Sie die Geschehnisse, haben Sie noch Kontakt zum Verein?

Andreas Herzog: Die Kontakte werden zwar von Jahr zu Jahr weniger, da natürlich immer weniger Leute da sind, die ich von früher kenne. Aber natürlich verfolge ich die Geschehnisse dort intensiv, dort war meine erfolgreichste Zeit – und auch die schönste.

Aus aktuellem Anlass: Naldo ist gerade mit einem Paukenschlag nach Wolfsburg gewechselt: Ist das die Chance für einen Sebastian Prödl – ist der jetzt in der Pole Position für die frei gewordene Stelle in der Innenverteidigung?

Andreas Herzog: Er hatte letztes Jahr Pech mit der Verletzung, konnte dann direkt bei seinem ersten Spiel nach der Rückkehr ein Kopfballtor erzielen, das gibt dann natürlich Sicherheit. Er muss sich jetzt im Training anbieten und Thomas Schaaf und Klaus Allofs davon überzeugen, dass er ein absolutes Bollwerk sein kann, und ich denke, das kann er.


57 Tore in 236 Spielen für Werder Bremen - Andreas Herzog war ein Ästhet am Ball

Was halten Sie von den Einkäufen bei Werder Bremen? Ist das wieder das „alte“ Werder, das mit klugen Transfers die Großen ärgern kann?

Andreas Herzog: Man wird sehen. Werder musste was machen nach dem Abgang von Pizarro, das war die Chance für einen Umbau, einen Neuanfang. Ich hoffe, dass das gut geht – mit Arnautovic und Elia, die ja schon bei Twente gemeinsam gekickt haben, ist da durchaus was möglich. Auch Petersen hat bei Bayern vielleicht nicht so viel gespielt, aber in der Saison vorher eine Menge Tore in der 2. Liga erzielt.

Denken Sie, dass sich Arnautovic an der Seite von Elia bei Werder endlich durchsetzen kann und zu seiner wahren Stärke findet?

Andreas Herzog: Letztes Jahr hat er ja bereits gute Ansätze gezeigt, dann kam die rote Karte gegen Hannover, das bringt einen dann natürlich aus dem Tritt. Danach war er verletzt – er muss jetzt was zeigen und sein Potenzial ausschöpfen. Werder braucht seine Tore nach Pizarros Abgang!

Zu Arnautovic: „Er muss jetzt was zeigen und sein Potenzial ausschöpfen. Werder braucht seine Tore nach Pizarros Abgang!

Hängt das vielleicht auch mit der Position zusammen, die bisher meist spielte? Er ist ja von Haus aus eher Außenstürmer als zentraler Neuner...

Andreas Herzog: Er kann schon die zweite Spitze in einem 4-4-2 spielen, aber er braucht vor allem seine Freiheiten, dass er auch mal von rechts nach links geht, sich variabel positioniert. Dann ist er am stärksten.

Wie sehen Sie die Systemfrage bei Werder? Wird es auf eine Änderung hinauslaufen, eine Abkehr von der Raute? Und dann: 4-3-3 oder 4-2-3-1?

Andreas Herzog: Das muss der Thomas wissen. Die Raute bringt ja nichts, wenn du einen Spieler wie Elia hast, der über außen seine Stärken hat. Vielleicht läuft es ja auch darauf hinaus, dass man mehrere Systeme spielt und variiert, vielleicht will man so auch einfach unberechenbarer werden.

Ist Schaaf der richtige Mann für diesen Systemwechsel, wenn es ihn denn gibt oder geben muss?

Andreas Herzog: Als ich damals bei Werder war, haben wir auch mal ein 4-2-3-1 gespielt, mit Bode links, Stalteri rechts, ich in der Mitte, und Ailton vorn drin. Schaaf ist taktisch schon variabel, deshalb denke ich, dass ihm das gelingen wird.

Was denken Sie: Wird Elia bei Bremen aufblühen und an die Anfangsphase seiner Zeit bei Hamburg anknüpfen können?

Andreas Herzog: Als ich Assistent bei der österreichischen Nationalelf war, habe ich ihn in Enschede gesehen, weil ich Arnautovic beobachtet habe, und da war er schon saustark, auch wie die beiden da zusammengespielt haben. Wenn Elia bei Werder zu dieser Form findet, dann ist er ein Hammer. Und wenn man sich in dem Verein nicht wohlfühlt, wenn man es da nicht packt, wo dann?



Denken Sie, dass auch Elia davon profitieren kann, dass er schon mit Arnautovic bei Twente zusammengespielt hat, die beiden sich vielleicht gegenseitig hochziehen und befruchten können?

Andreas Herzog: Marko ist jetzt in seinem dritten Jahr bei Werder, er kann in dieser Saison 15 Tore schaffen, aber er sollte sich nicht diesen Druck machen, keine Wunderdinge von sich erwarten, ruhig bleiben, auch wenn es zu Beginn vielleicht nicht direkt klappt. Manchmal setzt er sich zu viel unter Druck, dann gibt es bei ihm auch zwischendurch immer mal Zirkus, aber er hat alle Anlagen.

Und wo sehen Sie Bremen in der kommenden Saison? Wird das noch eine Übergangsspielzeit, oder könnte es schon für das internationale Geschäft reichen?

Andreas Herzog: Ich würde es Werder wünschen, Großes zu erreichen. Es kann gut gehen, es kann auch scheitern. Ich hoffe, dass sie Erfolg haben, die Champions League wird es wohl nicht werden, aber was das internationale Geschäft angeht, da kann man sicher anklopfen.

Zu Elia: „Ich habe ihn in Enschede gesehen, und da war er schon saustark. Wenn Elia bei Werder zu dieser Form findet, dann ist er ein Hammer.“

Wie stark kann die „Österreich-Fraktion“ wohl auftrumpfen? Mit Arnautovic, Junuzovic, Prödl und auch dem jungen Torwart Strebinger ist die ja recht gut vertreten. Wie ist es mit Junuzovic – ist er gar der „neue Özil“?

Andreas Herzog: Man kann ihn nicht mit Diego oder Özil vergleichen, er ist eher ein mannschaftsdienlicher Spieler, hat nicht die Eleganz oder Genialität wie Özil, aber die haben wenige. Am Ende des Tages wird auch er an seinen Torvorbereitungen und Torabschlüssen gemessen werden, aber er kann der Mannschaft mit Sicherheit helfen.

Kann der „Werder-Block“ mit dem Ex-Bremer Harnik dem österreichischen Fußball einen vielleicht dringend benötigten Aufschwung geben? Man hat ja das Gefühl, dass das Team an sich gut besetzt ist...

Andreas Herzog: Der Aufschwung muss her. Mit der jungen Mannschaft vom letzten Jahr, mit Alaba, Fuchs, Harnik, Pogatetz ist da was möglich, trotz der schweren Gruppe mit Deutschland, Schweden und Irland muss man trotzdem versuchen, in der Qualifikation anzuklopfen.

Zu Ihnen persönlich: Sie sind ja inzwischen Co-Trainer bei den USA mit Jürgen Klinsmann. Ist das etwas, was Sie immer schon machen wollten, ein Wunschjob?

Andreas Herzog: Das ist in jedem Fall eine total interessante Aufgabe, und es macht Spaß, mit Jürgen Klinsmann zu arbeiten. Es ist eine neue Herausforderung.

Ziel ist die Qualifikation für Brasilien, wo sehen Sie das Team derzeit im Vergleich mit der Vergangenheit? Ist es die beste Nationalmannschaft der USA, die es bisher gab?

Andreas Herzog: Das kann ich so nicht sagen, dazu kenne ich die Teams aus der Vergangenheit zu wenig. Aber wir wollen uns nicht nur für Brasilien qualifizieren, wir wollen auch mal schauen, wie weit wir da kommen könnten. Mit Michael Bradley und Clint Dempsey haben wir zwei absolute Topstars, aus der Bundesliga mit Fabian Johnson einen absoluten Top-Linksverteidiger, dann noch Jones, Daniel Williams und Cherundolo, da ist sicher etwas möglich.

EURE MEINUNG: Wo seht Ihr Werder Bremen in der kommenden Saison? Packt Arnautovic den finalen Durchbruch?
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