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EXKLUSIV - Neuling und doch alter Hase: Düsseldorfs Wolf Werner gilt als Architekt des Fortuna-Aufschwungs, der im Bundesliga-Aufstieg mündete. Wir trafen ihn voller Vorfreude an.

Düsseldorf. Aus der Ruhe bringt ihn das Abenteuer Bundesliga jedenfalls nicht. Wolf Werner hat es sich an dem dunkelgrauen Holztisch in seinem Büro bequem gemacht. Sein rechtes Bein liegt lässig auf dem Stuhl, er verschränkt die Arme vor dem Bauch und legt sich ein wenig zurück.

Am 15. Mai war er mit Fortuna Düsseldorf in die Eliteklasse aufgestiegen. Danach gab es zwar noch Ärger ob der Umstände des Relegationsrückspiels gegen Hertha BSC Berlin (2:2), und die Gerichte des DFB mussten mit zwei Urteilen klarmachen, dass ein vorzeitiger Platzsturm nicht ausreicht, um einen Aufstieg zu annullieren. Aber seit Anfang Juni darf sich Werner endgültig als der Mann fühlen, der den Traditionsverein nach 15-jähriger Abstinenz zurück ins Oberhaus geführt hat.

Mit 70 Jahren wird der in der kommenden Saison der älteste Manager der Liga sein. Als Cheftrainer bei Borussia Mönchengladbach, Jugendtrainer bei Bayern München und Nachwuchsmanager bei Werder Bremen hat Werner viel erlebt. Seinen größten Erfolg feierte er aber erst im Spätherbst seiner Karriere.



„Ich verspüre ein unheimliches Glücksgefühl“, sagt er im Gespräch mit Goal.com, „für mich ist das hier nicht mal ein Traum. Ich habe nämlich nicht mal gewagt, von der Bundesliga zu träumen. Als ich hier anfing, hatten wir ganz andere Probleme.“

Das war im April 2007. Fortuna lag im unteren Mittelfeld der Regionalliga Nord, Werner trat an, um den Klub mittelfristig in die 2. Bundesliga zu führen. Nach einem halben Jahr am Rhein entließ er Cheftrainer Uwe Weidemann. Es gab damals Proteste, Weidemann stand bei den Fans hoch im Kurs. Sein Nachfolger dagegen, Norbert Meier, war als „Kopfstoß-Meier“ verschrien. Kritiker spotteten damals, lange gehe das nicht mehr gut mit Werner.

Eineinhalb Jahre später gelang der Aufstieg in die 2. Bundesliga, gleich im ersten Jahr wurde Fortuna Tabellenvierter. „Ich habe am Ende dieser Saison gespürt, dass die Symbiose aus Vorstand, Mannschaft und Spielern gut ist. Zum ersten Mal dachte ich an die erste Liga“, erzählt Werner, der kurz darauf die schwierigste Phase seiner Amtszeit überstehen musste.

Sechs Mal verlor Düsseldorf zum Auftakt der Saison 2010/2011, Trainer Meier wurde scharf kritisiert, aber Werner hielt dem Druck stand: Er ließ Meier weiter wirken, am Ende kletterte Fortuna noch bis auf Platz sieben. Im Jahr darauf gelang der Bundesliga-Aufstieg.

„Ich habe mir immer wieder neu bewiesen, dass ich mich nicht unterkriegen lasse“, sagt Werner, der in diesen Tagen und Wochen erneut eine große Aufgabe bewältigen muss. Noch lässt sich nicht sagen, ob es richtig war, Spieler wie die Aufstiegshelden Sascha Rösler, Ranisav Jovanovic und Sascha Dum auszusortieren und auf so viel neues Personal zu setzen.

WERNER ZU EXPERTEN-MEINUNGEN


„Die Chancen, die uns einige Kritiker nicht zugestehen, werden wir nutzen.“

- Wolf Werner
16 Spieler hat Werner verpflichtet, darunter Routiniers wie Stefan Reisinger (Freiburg), Nando Rafael, Axel Bellinghausen (beide Augsburg) und Du-Ri Cha (Celtic Glasgow), aber auch Unbekannte und Unerfahrene wie Ronny Garbuschewski (Chemnitz), Bastian Müller (FC Bayern II) und Gerrit Wegkamp (Osnabrück). In den Fan-Foren der Fortuna giften einige, da sei das Motto wohl „Masse statt Klasse“ gewesen. Die Abgänge der Top-Spieler wie Maximilian Beister (Hamburg) und Assani Lukimya (Bremen) könne man so nicht kompensieren.

Werner hält dagegen, indem er auf den Mini-Etat von 15 bis 16 Millionen Euro verweist: „Wir können keine Stammspieler aus der Bundesliga holen. Und wenn Klubs wie Werder Bremen einem Spieler wie Lukimya ein Angebot machen, haben wir eben keine Chance.“

Man solle ihn aber nicht falsch verstehen, sagt er: „Wir werden zwar nicht Bayern München und Borussia Dortmund gefährlich werden, aber wir blicken selbstbewusst nach vorne. Die Chancen, die uns einige Kritiker nicht zugestehen, werden wir nutzen.“ Werner scheint davon überzeugt zu sein, jedenfalls sind die Transferbemühungen der Fortuna erst einmal abgeschlossen – bis auf eine Ausnahme.

Werner bekommt zur neuen Saison einen Assistenten. Bislang hatte jeder, der die richtige Düsseldorfer Festnetznummer kannte, den Fortuna-Macher sofort persönlich am Telefon. Auch die Spielerverträge schrieb er selbst. Ein Mitarbeiter soll ihm nun ein wenig Arbeit abnehmen.

Als ersten Schritt in Richtung Ruhestand soll dies aber nicht gewertet werden. Auch im Falle des Klassenerhalts und damit des nächsten Riesen-Erfolgs für Düsseldorf will Werner nicht abtreten. „Es gibt immer Möglichkeiten, sich zu verbessern. Ich bin vom Sternzeichen Widder, diese Menschen gelten als sehr willensstark“, sagt Werner und schiebt grinsend hinterher: „Ich will noch in die Champions League.“ Ob es ein Witz war oder nicht, lässt er offen.

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