thumbnail Hallo,

EXKLUSIV - Abseits des Bundesliga-Alltags kickt ein mehrfacher deutscher U-Nationalspieler in der Serie A. Wir hatten die Gelegenheit, ihn ein wenig näher kennenzulernen.

Genua. Alexander Merkel hat bereits mit den ganz Großen des Weltfußballs zusammengespielt. Beim AC Mailand traf er auf Akteure wie Ronaldinho oder Zlatan Ibrahimovic, inzwischen ist der 20-Jährige wieder beim FC Genua aktiv, wohin er bereits in der Hinrunde der vergangenen Saison ausgeliehen war. Zuletzt warfen ihn Verletzungen zurück, nun will er bei seinem alten und neuen Verein wieder angreifen.

Nach dem Medizincheck bei Genua stand uns der Mittelfeldmann Rede und Antwort. Im Goal.com-Interview sprach Merkel, der kasachischer Abstammung ist und bis zur U20 alle deutschen Junioren-Nationalmannschaften durchlief, über Werder Bremen, seine Zukunft und die Stars von Milan.

Alexander Merkel, ist beim Medizincheck alles wie gewünscht verlaufen?

Alexander Merkel: Ja, alles okay.

Geht’s Ihnen denn wieder besser? Sie waren ja in den letzten Tagen krank.

Merkel: Ja. Zwei Tage lang war ich krank. Ich bin aus dem Urlaub nach Deutschland zurückgekommen und habe mir durch die Wetterumstellung was eingefangen. Ich war auf Ibiza, da waren 33 Grad.

Das EM-Finale haben Sie ja wahrscheinlich auch geschaut. Waren Sie überrascht von der spanischen Dominanz?

Merkel: Ich hätte nicht damit gerechnet, dass Spanien 4:0 gewinnt. Italien war im gesamten Turnierverlauf eigentlich sehr stark und im Vorrundenspiel haben sie gegen Spanien auch gut abgeschnitten. Deswegen hätte ich ein so hohes Ergebnis nicht erwartet. Aber Spanien hat sich das klar verdient, aber ich war natürlich für Italien.

Und für wen waren Sie beim Spiel zwischen Deutschland und Italien?

Merkel: Da habe ich natürlich den Deutschen die Daumen gedrückt. Da haben wir ein schönes Fußballspiel gesehen, am Ende aber hat das DFB-Team leider verloren. Aber die Italiener haben zu Recht gewonnen, da sie die stärkere Mannschaft waren. Ich habe von den Deutschen eigentlich ein bisschen mehr erwartet, da die die Spiele davor eigentlich sehr dominant waren, aber gegen Italien war das nicht der Fall. Da habe ich mich gewundert.

In der letzten Saison hatten Sie mit einigen Verletzungen zu kämpfen, unter anderem machten das Knie und der Oberschenkel Probleme. Wie zufrieden waren Sie dennoch mit ihren Leistungen?

Merkel: Ich sage es mal so: Man kann nie zufrieden sein. Es geht immer besser. Aber die Hinrunde war okay. Aber dann hat mich die Verletzung aus dem Rhythmus gebracht, ich wollte eigentlich bei Milan angreifen. Dann kamen die Rückschläge. Jetzt muss ich einfach aufstehen und weitermachen.

Ich wollte eigentlich bei Milan angreifen. Dann kamen die Rückschläge. Jetzt muss ich einfach aufstehen und weitermachen.

Im Winter wechselten Sie von Genua zurück zum AC Milan. Mit den „Rossoneri“ verpassten Sie die Titelverteidigung knapp. War das eine große Enttäuschung?

Merkel: Wir hatten es in der Hand und haben es selber verspielt, das war natürlich umso bitterer. Einige Spieltage vor Schluss waren wir auf dem ersten Platz, aber Juve ist Meister geworden. Ansonsten hätte ich meine zweite Meisterschaft feiern können.

Jetzt geht es zurück nach Genua. Sind Sie traurig, nach vier Jahren nicht mehr zur Milan-Familie zu gehören?

Merkel: Was heißt traurig. Ich hatte dort auf jeden Fall eine schöne Zeit, die ich genossen habe. Aber jetzt geht es weiter und ich möchte bei Genua angreifen. Ich will jetzt Gas geben im Trainingslager und fit werden, und dann wird man sehen, was passiert.

Also besteht auch noch die Option, dass Sie zu einem anderen Verein wechseln?

Merkel: Im Fußball kann man nie wissen.

Gab es denn Gespräche mit anderen Vereinen?

Merkel: Momentan nicht. Aber das macht auch mein Management, ich möchte mich nur auf den Fußball konzentrieren.

Gab es Aussagen der Milan-Bosse, dass die Chance auf eine Rückkehr besteht?

Merkel: Nein, die Vereine haben sich geeinigt und meine Transferrechte liegen jetzt zu 100 Prozent bei Genua.

Wie sieht der Fahrplan bis zum Saisonstart der Serie A aus?

Merkel: Wir fahren jetzt erst einmal für zwanzig Tage nach Bormio und werden hart arbeiten. Wir haben eine gute Truppe, ich freue mich drauf und es macht Spaß. Mal abwarten, was die neue Saison bringt.

Immer wieder gibt es Gerüchte um ein Interesse von Werder Bremen. Ist da etwas dran?

Merkel: Solche Gerüchte freuen mich natürlich. Werder ist kein schlechter Klub aber es gab nichts Konkretes.

Also gab es keinen Kontakt und keine Gespräche?

Merkel: Nein.

Wo siedeln Sie den Stellenwert der Bundesliga im Vergleich zur Serie A an?

Merkel: Schwer zu sagen. Da sind zwei verschiedene Ligen. In Deutschland sind die Stadien voll, jedes Wochenende sind die Häuser ausverkauft. In Italien ist das leider nicht so, aber auch hier wird ein schöner Fußball gespielt und es gibt tolle Spieler. Beide Ligen haben ihre Vorteile.

Solche Gerüchte freuen mich natürlich. Werder ist kein schlechter Klub aber es gab nichts Konkretes.

- Merkel zum angeblichen Interesse der Bremer

Welches sind die größten Unterschiede in der Spielweise der beiden Ligen?

Merkel: In Italien wird eher taktisch gespielt. Die Mannschaften stehen hinten etwas cleverer als in Deutschland, wo die Teams offensiver zu Werke gehen. Obwohl in Italien die Mannschaften inzwischen auch die Anweisung haben, nach vorne zu spielen und nicht nur hinten drin zu stehen.

Möchten sie irgendwann nach Deutschland zurückkehren?

Merkel: Im Fußball sollte man niemals nie sagen. Das wäre natürlich eine schöne Option. Wenn es so kommt, dann kommt es so, das kann man nicht voraussehen. Die Bundesliga ist auf jeden Fall eine attraktive Liga.

Die Experten in Italien streiten, ob Sie auf der Position des Zehners oder im zentralen Mittelfeld besser aufgehoben sind. Wo spielen Sie am liebsten?

Merkel: Egal, ob im zentralen Mittelfeld, offensiv oder halblinks - ich fühle mich überall wohl.

Sie sind in Kasachstan geboren, haben aber ab der U15 alle Junioren-Auswahlmannschaften des DFB durchlaufen. Haben sie schon eine Entscheidung getroffen, für welche A-Nationalelf Sie einmal auflaufen wollen?

Merkel: Im Moment mache ich mir darüber keine Gedanken. Ich möchte erst wieder im Verein auflaufen, und was später kommt, werden wir sehen. An erster Stelle steht aber der Verein.

Welches Ziel wollen Sie in ihrer Karriere unbedingt erreichen?

Merkel: Es ist ein absoluter Traum, irgendwann mal die Champions League zu gewinnen. Das wäre für mich das Schönste.

Weil Sie seit mehreren Jahren bereits in Italien spielen, sind sie der deutschen Öffentlichkeit nicht so sehr bekannt. Mit welchen Eigenschaften würden Sie sich beschreiben?

Merkel: Eigentlich müssen das andere Personen beurteilen. Aber ich bin, glaube ich, als Sportler ehrgeizig und privat ein lustiger Typ (lacht).

Welcher ist der stärkste Spieler, mit dem Sie bei Milan zusammengespielt haben?

Merkel: Da gab es viele, aber ich würde sagen Ronaldinho.

Zlatan Ibrahimovic, was ist das für ein Typ?

Merkel: Ein Weltklassefußballer. Ein Mann, der 100 Prozent gibt, wenn er auf dem Platz steht. Er sagt Dir ohne zu lügen ins Gesicht, was er denkt. Das finde ich hervorragend. Er ist ein außergewöhnlicher Mensch.

EURE MEINUNG: Welche Entwicklung sagt Ihr Alexander Merkel voraus?
Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal.com auf oder werde Fan von Goal.com auf !

Dazugehörig