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Im letzten Teil des Exklusiv-Interviews mit Frank Rost bezieht der ehemalige HSVer Stellung zur Entwicklung bei den Norddeutschen.

Hamburg. Viereinhalb Jahre hütete er das Tor des Hamburger SV, ehe er im Zuge eines sportlichen Umbruchs bei den Rothosen zum Abschluss seiner Karriere in die amerikanische Profiliga wechselte. Den Fans blieb Frank Rost nicht nur als souveräner Rückhalt in Erinnerung - als Führungsspieler mit langjähriger Erfahrung sprach er Missstände auch öffentlich an. Für Goal.com äußerte er über seinen ehemaligen Verein, dem er als Mitglied verbunden bleibt.

Wie stehen Sie zu der Abmeldung der Bundesligamannschaft der Frauen beim HSV?

Frank Rost: Dazu kann ich schwer etwas sagen, weil ich nicht in die Vorgänge involviert war. Offensichtlich ist es so, dass in den letzten Jahren viel Geld zusätzlich in die Frauen-Bundesliga-Mannschaft gesteckt wurde. Nichtsdestotrotz könnte man eine solche Mannschaft auch mit geringeren Mitteln finanzieren. Ich finde es schade, dass man sich für diesen radikalen Schritt entschieden hat. Die Abmeldung heißt aber nicht, dass man nicht in Zukunft mit bescheideneren Mitteln den Weg zurück findet.

Das passt aber nicht zum Anspruchsdenken in Hamburg.

Rost: Tatsache ist, dass viele Abteilungen vom Erfolg der Profimannschaft abhängig sind. Jetzt muss man sich auf das Wesentliche besinnen und das ist nun mal der Profifußball. Man muss akzeptieren, wenn die Führung des Vereins mehr Geld in die Mannschaft des HSV investieren will. Der Aufsichtsrat ist dann dazu da, die Philosophie des Vereins durchzusetzen.

Waren Sie bei der Versammlung im Mai anwesend?

Rost: Nein. Im Januar war ich allerdings dabei, wo es unter anderem um Gelder ging, die irgendwie verschwunden sind. Die Mitglieder hat das aber kaum interessiert. Von daher ist für mich kein Interesse mehr da, an solchen Versammlungen teilzunehmen. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und solange die Show läuft, ist egal, wer da oben steht. Es wird mal gehauen und gestochen, aber wirklich interessant wird es erst dann, wenn es kurz vor zwölf ist. Das sehe ich ganz nüchtern, ohne jetzt konkret Kritik üben zu müssen.

Hätten Sie als HSV-Mitglied für eine Verkleinerung des Aufsichtsrates und für die Einführung der Briefwahl gestimmt?

Rost: Ich glaube nicht, dass die Größe des Aufsichtsrates das Problem ist. Es macht vieles einfacher, wenn man nur drei oder vier statt zwölf Räten hat, weil die Wege einfach kürzer sind. Entscheidend ist die Art und Weise, wie man seinen Verein führen will. Nur wenn man sich darüber im Klaren ist, kann man die Dinge effektiv angehen. Eine Briefwahl hin oder her: Als Mitglied sollte man sich an diesem Tag die Zeit für diese Versammlung nehmen. Viel ändern würde sich durch die Briefwahl nicht, wobei es einfacher ist, etwas anzukreuzen als seine Hand zu heben.

Vor mehr als einem Jahr sagten Sie in einem Fernsehinterview, dass der HSV ein wankender Riese sei. Haben Sie befürchtet, dass er in diesem Jahr umfällt?

Rost: Diese Aussage beinhaltet im Grunde zwei Dinge: Das eine ist ein Kompliment, das andere ist eine Sorge. Es ist nicht meine Baustelle, aber der Ausgang der Saison hat mich nicht verwundert. Es bringt mir auch nichts, darüber zu sprechen, weil ich keinen Einfluss nehmen kann.

Die Frage nach dem Charakter des Teams wurde hier selbstverständlich auch gestellt.

Rost: Sie können es doch an meiner Person festmachen. Ich hätte beim HSV meine Klappe halten und ruhig bleiben können. Alle, die auch mal eine kritische Meinung äußern, sind doch ganz schnell Außenseiter. Man wird doch sofort in eine Schublade gesteckt, als Querulant bezeichnet. Wie schon gesagt, überlegt es sich jeder Spieler zweimal, ob er etwas sagt oder nicht. Ich war irgendwann in der komfortablen Situation, dass es mir egal sein konnte. Mein Stolz war mir in einigen Situationen wichtiger als das Geld. Ich würde es aber von niemandem verlangen, es mir gleich zu tun, weil ich ganz genau weiß, welche Konsequenzen
das haben kann.

Das sorgt allerdings für Stillstand.

Rost: Matthias Sammer und Joachim Löw sind sich auch nicht immer grün, aber diese Reibungspunkte bringen dich irgendwann in der Sache weiter. Vielen Bundesligisten fehlt eine Streitkultur. Man muss es zwar nicht in der Öffentlichkeit austragen, aber selbst intern wird diese Form der Auseinandersetzung doch gar nicht mehr angestrebt.

EURE MEINUNG: Was haltet Ihr von den Aussagen von Frank Rost?

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