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EXKLUSIV - Der Rechtsverteidiger Kroatiens und Noch-Leihspieler Bayer Leverkusens spricht bei Goal.com über die Chancen seines Teams in der „Hammergruppe“ mit Spanien und Italien.
Breslau. Derzeit laboriert Vedran Corluka an Oberschenkelproblemen und ist sogar fraglich für die Startelf Kroatiens, was zur derzeitigen Pechsträhne im Team passt. Vor dem EM-Start gegen Irland sprach Goal.com exklusiv mit dem Defensiv-Allrounder über die Chancen Kroatiens, seine Lieblingsposition und die möglichen Turnierfavoriten.Herr Corluka, Arda Turan nannte Sie einmal den „am schwierigsten zu spielenden Außenverteidiger“ gegen den er je angetreten sei, sicher ein Kompliment. Was denken Sie, worauf er sich bezog? Und wie würden Sie Ihren Spielstil beschreiben?
Vedran Corluka: Sicher ist es schön, von so einem guten Spieler so ein Kompliment zu hören. Ich glaube, ich habe zwei Mal gegen ihn gespielt, einmal gegen die Türkei bei der EM, einmal in den Playoffs. Ich denke, es war schwierig für ihn, weil wir als Team in den zwei Partien sehr gut gespielt haben. Es ist immer schwer, über sich selbst zu reden, aber es ist schön zu hören, wenn andere Spieler dein Spiel wertschätzen.
Worauf müssen sich die Angreifer bei der EM gefasst machen? Was ist Ihr persönliches Ziel?
Vedran Corluka: Mein Ziel ist es natürlich, für Kroatien gut zu spielen. Wir erwarten, die Gruppenphase zu überstehen, was schwierig wird, aber wir glauben an uns und denken, dass wir dazu in der Lage sind.
Bei der EM 2008 hat Kroatien alle drei Gruppenspiele gewonnen und kam als Erster vor Deutschland weiter, bevor man im Elfmeterschießen gegen die Türkei im Viertelfinale ausschied. Wie können wir uns die Atmosphäre, den Geist im kroatischen Team vorstellen?
Vedran Corluka: Der Spirit ist bei solchen Wettbewerben immer da, besonders, da Kroatien ein so fußballbegeistertes Land ist, also können wir mit großer Unterstützung unserer Landsleute rechnen, und der Teamgeist ist in der kroatischen Mannschaft immer sehr ausgeprägt. Wir müssen nur gut vorbereitet ins Turnier gehen und darauf hoffen, nicht zu viele Verletzte zu haben, dann können wir gut abschneiden.

Treffen in ihrem jeweiligen Auftaktspiel aufeinander: Corluka und Irlands Robbie Keane
Kroatien muss in der Gruppenphase gegen Spanien, Italien und Irland antreten. Wie weit kann es das Team bei der diesjährigen EM bringen?
Vedran Corluka: Es ist wirklich eine harte Gruppe. Ich denke, wir haben das beste Team der Welt in unserer Gruppe, und Italien hat immer eine Vielzahl an guten Spielern. Irland war lange nicht bei solch großen Turnieren dabei, ich bin sicher, dass sie mit besonderer Motivation in die Spiele gehen werden, aber wir haben Stärke und Qualität in unserem Team, ich glaube, wir können die Gruppenphase überstehen. Es wird schwer, aber wir müssen an uns glauben.
Was muss Kroatien bei der EM erreichen, damit es ein erfolgreiches Turnier war?
Vedran Corluka: Ich weiß, dass es kein Erfolg wäre, wenn wir die Gruppe nicht packen, aber natürlich kann man nie wissen. Wie bei der letzten EM, wo wir dachten, einen tollen Erfolg erreicht zu haben nach der Gruppenphase, aber dann sind wir gegen die Türkei ausgeschieden, und der Erfolg war wie weggeblasen. Also warten wir mal ab. Wenn man in der K.o.-Runde gegen ein gutes Team spielen muss, wird es sehr schwer, aber erst einmal müssen wir uns qualifizieren, dann sehen wir weiter.
Wen sehen Sie als Favoriten bei der diesjährigen EM, und wer kann nach Ihrer Auffassung der Spieler des Turniers werden?
Vedran Corluka: Das ist schwer zu sagen, aber ich glaube, Deutschland und Spanien sind im Moment die besten Teams und haben das bei der WM und in der Qualifikation bewiesen. Sie waren die Besten. Ich glaube, es wird zwischen den beiden und Holland ausgehen. Was den Spieler angeht – schwierige Frage, bei solchen Turnieren weiß man nie, vielleicht zeigt ein Spieler, mit dem niemand rechntet, die besten Partien seines Lebens...
Angenommen, Kroatien schafft es bis ins Finale. Gegen wen würden Sie dort am liebsten spielen?
Vedran Corluka: Ich denke, man will immer gegen die Besten der Welt spielen, also wohl Spanien oder Deutschland, so dass man sagen kann, man hat die beste Mannschaft der Welt geschlagen.
Slaven Bilic ist ein Coach, der sowohl Führungsstärke verkörpert als auch einen guten Draht zu den Spielern hat. Wie ist es, mit ihm zu arbeiten?
Vedran Corluka: Es ist wirklich toll. Natürlich haben wir ein gutes Verhältnis zu unserem Trainer, er ist unser Freund, hat auf dem Feld eine große Autorität. Jeder respektiert ihn, weil er so viel über Fußball weiß, und er war ein starker Spieler – und er hatte ein paar gute Ergebnisse mit uns. Ich kann mir vorstellen, dass sein Stil vielleicht etwas sehr entspannt wirkt, aber die Spieler würden jederzeit alles für ihn tun, weil jeder ihn mag. Jedes Mal, wenn man für ihn spielt, gibt man einhundert Prozent. Man ist der glücklichste Mensch, wenn man für das Nationalteam nominiert wird und dann heimkommt, die anderen Spieler und den Trainer trifft, für Kroatien spielt.
Die kroatische Art, Fußball zu erleben und zu zelebrieren wirkt auf uns Deutsche immer sehr emotional. Wie ist er, wenn Sie nach Hause kommen? Erkennt man Sie auf der Straße? Wie sind die Reaktionen?
Vedran Corluka: Im Moment ist der Vereinsfußball in Kroatien in keinem guten Zustand, der einzige Lichtblick ist das Nationalteam. Die Leute hungern nach gutem Fußball, und sie können es kaum erwarten, Kroatien bei der EM zu sehen. Es ist für den kroatischen Fußball das Licht am Ende des Tunnels. Und natürlich erkennen dich die Leute zuhause, aber sie sind nett. Es ist nur beim Spiel, wo sie so emotional reagieren, aber wenn du verlierst, ist es wahrscheinlich besser, nicht auf die Straße zu gehen. (lacht)
Wie sehen Sie Deutschlands Chancen bei der EM?
Vedran Corluka: Ich sehe sie als einen der Favoriten. Wenn man sieht, wie sie spielen, besonders in der Qualifikation und einigen Freundschaftsspielen, wo sie die Topteams geschlagen haben... Sie spielen so großartig zur Zeit, sie sind so gut organisiert, sie haben so viele gute Spieler; ich habe, als ich jetzt nach Deutschland gekommen bin, ja selbst erlebt, wie gut der deutsche Fußball organisiert ist und wie viele starke Spieler es hier gibt.
Viele Leute erwarten bereits jetzt ein Finale zwischen Spanien und Deutschland oder empfinden sie als Hauptanwärter auf den Titel. Wie sehen Sie das – sind da noch andere Teams, die man erwähnen sollte?
Vedran Corluka: Es ist ein großes Turnier und man weiß nie, aber wenn man sich die beiden Teams anschaut, ist es realistisch, dass sie das Finale erreichen können. Aber ich denke, Deutschland hat eine sehr schwere Gruppe mit Portugal, Holland und Dänemark, also muss man abwarten. Ich hoffe nicht, dass es so kommt, aber vielleicht gibt es Verletzungen. Sie sind wohl die Favoriten, aber man weiß nie.
Eine Frage zu Luka Modric: Wo steht er im Vergleich mit solchen Meistern wie Andrea Pirlo und Xavi? Freut er sich auf diese Herausforderung, und wie wichtig ist er für das kroatische Spiel?
Vedran Corluka: Ich denke, unser Spiel hängt sehr davon ab, wie Luka spielt. Er ist so ein großartiger Spieler, er hat das bei vielen Gelegnheiten bewiesen. Und natürlich hat Kroatien niocht so viele Topspieler wie Spanien, für Xavi ist es deshalb etwas einfacher – natürlich sind seine Fähigkeiten unglaublich, aber ich glaube, es ist einfacher für ihn. Aber Luka wird es bei der EM allen zeigen, wir müssen nur dafür sorgen, dass er sich vorher etwas erholen kann, so viel Klubs wollen ihn verpflichten, er ist ein unfassbarer Spieler.
Sie sind als Verteidiger recht vielseitig, spielen rechts, links, in der Mitte, auch im defensiven Mittelfeld – wie kam es, dass Sie sich mit 1,93 als recht großer Spieler die rechte Verteidigerposition ausgesucht haben?
Vedran Corluka: Das habe ich mir nicht ausgesucht – das haben andere für mich getan! Man hat mich halt auf rechts gesetzt, dort bin ich geblieben. Bei Tottenham habe ich dort mit Aaron Lennon gespielt, was einen großen Kontrast darstellte – er ist schnell, ich offensichtlicherweise nicht so, und es war gut. Ich glaube, wir kamen zusammen auf rechts ganz gut zurecht, alo bin ich dort geblieben. Aber meine Lieblingsposition (aber mich fragt ja keiner!) ist im defensiven Mittelfeld, weil ich gern am Ball bin. Ich habe den Ball gern am Fuß, diese Position mag ich sehr, Innenverteidiger auch, aber wie ich schon sagte: Ich spiele, wo man mich hinstellt – alles für das Team.
Fast bei jedem großen Turnier gibt es eine Überraschungsmannschaft. Haben Sie einen Tipp, wer das diesmal sein könnte?
Vedran Corluka: Ich denke da an Schweden, weil wir im Februar gegen die ein Freundschaftsspiel hatten, und sie haben uns mit Leichtigkeit 3:1 besiegt. Ich finde, sie spielen sehr gut, sie haben Ibrahimovic da vorne und so viel gute Spieler um ihn herum, also könnten sie sich gut schlagen. Sie sind mit Frankreich und Engalnd in der Gruppe, was schwierig werden könnte, aber warum nicht? Ich war von ihnen sehr beeindruckt.
Wenn Sie zurückschauen, gab es da Spiele, die Sie nie vergessen werden, im positiven oder negativen Sinne?
Vedran Corluka: Ein Spiel werde ich natürlich nie vergessen: Das Viertelfinale gegen die Türkei, der traurigste Tag in meinem Leben, da wir zur 119. Minute mit 1:0 vorn waren und zwanzig Sekunden später den Ausgleich hinnehmen mussten und dann im Elfmeterschießen verloren. Das werde ich nie vergessen. Und natürlich mein Debüt für Kroatien gegen Italien 2006.
Also haben Sie Ihre größten Matches vielleicht noch vor sich?
Vedran Corluka: Hoffentlich kommen die bei der EM!
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