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Der ehemalige deutsche Nationalspieler musste selbst 1986 eine Nicht-Berücksichtigung verkraften. Dennoch sieht er bei drei der vier Aussortierten gute Chancen für die Zukunft.

München. Der Kader steht und schon bald werden die vier Aussortierten vergessen sein. Zumindest für die anstehende Europameisterschaft. Einer weiß ganz genau, wie sich Marc-Andre ter Stegen, Cacau, Sven Bender und Julian Draxler momentan fühlen müssen. Olaf Thon spricht im exklusiven Interview mit Goal.com über die Entscheidungen von Joachim Löw und das Gefühlsleben der vier Pechvögel.

Die vier Verlierer der Kader-Nominierung stehen fest. Wird das kein toller Sommer für Cacau, ter Stegen, Bender und Draxler?

Thon: „Natürlich. Das ist immer bitter. Ich habe das 1986 vor der Weltmeisterschaft auch mitgemacht. Damals musste unter anderem auch Guido Buchwald zu Hause bleiben. Fast alle habe ihre Zukunft aber noch vor sich. Einem Marc-Andre ter Stegen oder Julian Draxler gehört die Zukunft.“

Helfen überhaupt aufbauende Worte?

Thon: „Sie durften unter Jogi Löw nun erste Erfahrungen sammeln, darüber sollten sie sich freuen. Trotzdem ist es natürlich für alle vier Spieler bitter. Vor allem für Julian Draxler hätte ich mich gefreut. Er durfte sein erstes Länderspiel machen und ist nach Uwe Seeler nun der zweitjüngste Nationalspieler der Nachkriegszeit. Die Karriere geht aber weiter. Nach der Europameisterschaft wird er wieder im Kader sein, auch mit Hinblick auf die Qualifikationsspiele für die Weltmeisterschaft in Brasilien.“

Wie hat Ihnen denn sein Länderspiel-Debüt gefallen?

Thon: „Er hatte ein paar gute Aktionen. Eine Szene hat ja dann auch zum Tor geführt, als er einen Abpraller erzwungen hat. Die Eins-gegen-Eins-Situationen, Tempodribblings und beidfüßigen Torabschlüsse sind seine Stärken. Die Zukunft liegt jedenfalls ganz klar auf seiner Seite. Trotzdem konnte er im Spiel gegen die Schweiz nicht vollends überzeugen – so wie alle deutschen Spieler.“

Allen voran Marc-Andre ter Stegen, oder?

Thon: „Marc-Andre ter Stegen hat man die Nervosität angemerkt. Seine Fehler gegen die Schweiz haben den Ausschlag gegeben, dass sich Jogi Löw für Ron-Robert Zieler entschieden hat.“

Erst so ein Länderspieldebüt und dann wird er wenige Tage danach aussortiert. Kann ein so ein junger Kerl das verkraften?

Thon: „Natürlich ist das hart. Man darf aber nicht vergessen, dass der FC Bayern härtere Stunden hinter sich hat. Das ist viel schlimmer. Marc-Andre muss das Positive aus diesen Trainingslagern herausziehen. Er kann sich jetzt regenerieren und voll auf die anstehenden Aufgaben konzentrieren. Immerhin spielt er in der kommenden Saison mit Borussia Mönchengladbach in der Champions League.“

Und Cacau?

Thon: „Bei Cacau ist die Entscheidung völlig korrekt. Er war beim VfB Stuttgart kein Stammspieler. Er hat zumeist als Joker fungiert. Deswegen ist es auch gerecht, dass er zu Hause bleiben muss.“

Das dürfte das Ende seiner Nationalmannschaftskarriere sein…

Thon: „Das sieht so aus. Er ist aber ein positiver Spieler. Viele haben geglaubt, dass er gut in diese Mischung reinpassen könnte. Letztendlich muss man aber sagen, dass Deutschland mit Marco Reus oder auch einem Mario Götze Spieler besitzt, die besser in die Mannschaft passen.“

Besonders bitter hat es Sven Bender getroffen. Hat Jogi Löw wirklich die richtige Entscheidung getroffen?

Thon: „Einer von den Bender-Brüdern musste in Gras beißen. Ich hatte mir eigentlich gewünscht, dass Sven, der die Titel geholt hat, im Kader bleibt. Sein Bruder hat aber in Leverkusen bewiesen, dass er flexibler einsetzbar ist. Das hat bei Jogi Löw auch eine entscheidende Rolle gespielt. Man muss diese Entscheidung respektieren – sie wurde aber um Haaresbreite gefällt.“

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Thon (lacht): „Mindestens!“

Hätten Sie in der Kadernominierung auch etwas anders gemacht?

Thon: „Ich hätte Roman Weidenfeller an Stelle von Tim Wiese mitgenommen. Er hätte den Platz als zweiter Torhüter verdient gehabt. Tim Wiese ist auch ein guter Torhüter, aber er hat keine gute Saison gespielt. Natürlich hätte ich auch Julian Draxler behalten. Er hätte mit seiner jugendlichen Leichtigkeit ein bisschen Abwechslung in den Kader gebracht.“

Eure Meinung: Was haltet Ihr von den Aussagen von Olaf Thon?

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