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Thomas Broich XXL: „Ich und die Bundesliga? Das passte einfach nicht!"
EXKLUSIV - Der erste Teil des XXL-Interviews mit Australiens Fußballer des Jahres. Der ehemalige Kölner erzählt von seiner neuen Heimat und seinen sportlichen Ansprüchen.
München. Einst ein vielversprechender Shootingstar in Deutschland, nun ein Fußball-Auswanderer. Der ganz große Durchbruch blieb aus und Thomas Broich gilt bis heute als unvollendetes Talent - so wie viele andere Spieler. Der Australien-Legionär trauert dieser Zeit jedoch nicht hinterher. In Australien hat er sein Paradies gefunden und gleichzeitig eine fußballerische Heimat. Hier schätzt man sein Können und hier kann er erstmals frei aufspielen. Viel Spaß beim ersten Teil des Goal.com-XXL-Interviews.
Herr Broich, Sie spielen beim aktuellen australischen Meister. Das Stadion ist aber nie ausverkauft. Ist das in Australien normal?
Broich: „Es gibt schon Städte, wo der Fußball einen anderen Stellenwert hat. Zum Beispiel Melbourne. Da sind viele Griechen und Italiener – das macht sich natürlich auch in den Zuschauerzahlen deutlich.“
Bei Melbourne Victory und Melbourne Heart erwartet einen also ein Hexenkessel?
Broich: „Es ist nicht so, dass dort die Stadien Woche für Woche ausverkauft sind.“
Vermisst man das als Fußballprofi nicht?
Broich: „Natürlich ist es super, wenn die Hütte kocht und brodelt. Auf der anderen Seite bringt ja gerade das wieder so viele Begleiterscheinungen mit sich.“
Welche Begleiterscheinung meinen Sie genau?
Broich: „Wenn man wieder Woche für Woche vor 50.000 Zuschauern spielt, dann wäre das ganze Brimborium wieder das gleiche. Man kann nirgendwo mehr hingehen, ohne dass einen die Leute erkennen.“
Sie wirken den deutschen Medien abgeneigt. Werden sie wütend, wenn sie an diese Zeit zurückdenken?
Broich: „Ich bin nicht wütend. So ist eben das Geschäft. Jeder muss irgendwie seine Zeitung verkaufen. Mir ist das aber alles zu extrem und nicht fundiert genug. Das wird der Sache und den Spielern einfach nicht gerecht.“
Sie haben den ganzen Bundesliga-Zirkus schon selbst miterlebt. Fühlt man sich da in Australien nicht total 'ab vom Schuss'?
Broich: „Man ist total ab vom Schuss. Aber das ist gerade so angenehm. Ich hab gar kein Verlangen mehr nach diesem Bundesliga-Zirkus. Man muss dafür gemacht sein und ich bin es eben nicht.“

Was ist jetzt in Australien anders?
Broich: „Der Australier ist wesentlich entspannter und sieht in allem nicht immer nur das Negative. Das Leben ist sorgenfreier.“
Also fühlen Sie sich in Australien so richtig wohl?
Broich: „Auf jeden Fall. Das ist alles hier viel angenehmer. Auf der anderen Seite: Wenn du in Deutschland so richtig erfolgreich bist, dann lebst du wahrscheinlich auch wie Gott in Frankreich.“
Wollen Sie denn irgendwann wieder in die Heimat zurück?
Broich: „Ich rede natürlich sehr gerne Deutsch. Es ist auch schade, dass man sich im Ausland manchmal nicht so gut verständigen kann. Es kann schon passieren, dass ich irgendwann wieder in Deutschland leben will.“
Aber Fußball wollen Sie in Deutschland nicht mehr spielen?
Broich: „Momentan ist es sehr aufregend die ganze Welt zu bereisen. Ich habe noch keine Familie – ich bin vollkommen frei. Es kann sich alles noch ganz schnell ändern."
Und die vielen hübschen Frauen in Australien sind auch nicht zu verachten, oder?
Broich (lacht): „Ja, schon…“
Vermissen Sie denn irgendetwas in Down Under?
Broich: „Ich vermisse die europäische Kultur. Australien ist halt schon ein bisschen kulturlos. Hier gibt es eben keine alten Städte mit engen Gassen. So etwas vermisse ich schon, weil ich das traumhaft schön finde – gerade Südeuropa.“

Die Stadt Brisbane kenne ich aus eigener Erfahrung. Unglaublich sauber und sehr modern…
Broich: „Total! Sauber und sicher. Man kann hier wirklich toll leben, aber manchmal hat man das Gefühl, dass etwas fehlt.“
Mir hat immer die Esskultur gefehlt. Geht es Ihnen da ähnlich?
Broich: „Absolut. Manchmal ist es so, dass man einfach nur einen Burger vorgesetzt bekommt. Das ist schon fast abstoßend, oder?“
Da sagen Sie etwas! Ich habe kurze Zeit ein paar Pfunde zugelegt in Australien…
Broich (lacht): „Damit habe ich jetzt natürlich nicht so Probleme. Das trainiere ich jeden Tag wieder ab. Aber ich denke mir auch manchmal: Was esse ich hier eigentlich jeden Tag?“
Aber es gibt auch gutes Essen, oder?
Broich: „Wenn man sich dann mal etwas anderes gönnen will, dann ist das gleich um einiges teurer. Es gibt hier ja auch gute Italiener. Aber in Deutschland bekommt man dann für 9 Euro leckere Nudeln und hier zahlt man gleich 30 Dollar.“
Angenommen: Das Leben als Fußballprofi in Deutschland wäre genauso entspannt, wie in Australien. Wären Sie dann noch besser gewesen?
Broich: „Ich glaube schon, dass dann mehr möglich gewesen wäre. Ich bin ein relativ sensibler Spieler, der auch von seinem Umfeld abhängig ist. Wenn ich damals anders angenommen worden wäre, dann hätte ich wahrscheinlich auch besser spielen können.“
Wenn man in Deutschland von Thomas Broich spricht, dann sagt fast jeder, dass Sie ein klasse Fußballer waren, aber den nächsten Schritt nicht gemacht haben. Ärgert Sie diese Unvollkommenheit nicht?
Broich: „So war es ja im Endeffekt auch. Ich habe mich damit ganz gut abgefunden. Es hat einfach nicht gepasst. Wie sich die Bundesliga präsentiert und wie ich als Mensch bin. Das passt einfach nicht.“
Nicht verpassen: Am Donnerstagmorgen lest Ihr bei Goal.com Teil zwei des großen Interviews mit Thomas Broich! Darin plaudert der Ex-Gladbacher unter anderem über die Gründe für sein Scheitern in der Bundesliga, die Metalitätsunterschiede zwischen Deutschland und Australien und die Kulturlosigkeit in Down Under!
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