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Momentan überschlagen sich die Negativmeldungen, wenn es um Besiktas Istanbul geht. Es sieht so aus, als wäre die Vereinsführung mit der „Portugiesen-Gang“ unzufrieden.

Istanbul. Besiktas Istanbul ist in der Meisterschaft abgeschlagen und weit hinter Galatasaray Istanbul zurück, man muss um einen Play-Off-Platz bangen, da Spiele gegen vermeintlich schwächere Gegner leichtfertig angegangen und Punkte so verschenkt werden und auch das Europa-League-Rückspiel gegen Braga vor eigener Kulisse war durch die 1:0-Niederlage weit davon entfernt, eine Offenbarung zu sein. So wird man jedenfalls gegen den kommenden Gegner in der Europa League, Atletico Madrid, nicht bestehen können. Hinzu kommt die Tatsache, dass BJK-Präsident Yildirim Demirören mit einem Posten als TFF-Präsident liebäugelt, was die Adler nicht nur in ein Machtvakuum stürzen würde, sondern auch die finanzielle Situation nicht eben verbessert, weil der Verein dem Präsidenten fast 50 Millionen Euro schuldet. Als wäre das alles nicht genug, stehen nun mit Ricardo Quaresma, Hugo Almeida und Manuel Fernandes Spieler zum Verkauf, um welche sich eine schlagkräftige Besiktas-Elf formieren sollte – wohlgemerkt sollte, denn die portugiesischen Nationalspieler stehen (bis auf Simao – im Augenblick jedenfalls noch) kollektiv zum Verkauf.

Yildirim Demirören beauftragt Jorge Mendes mit dem Verkauf der Leistungsträger

Bei einem Treffen in Porto hat sich Besiktas-Präsident an den Starmanager Jorge Mendes gewandt – Jorge Mendes vertritt auch Spieler wie Cristiano Ronaldo, Danny, Deco, Bosingwa oder Quaresma und Trainer wie Mourinho oder Scolari – um die Marktchancen für einen Verkauf der BJK-Leistungsträger Ricardo Quaresma, Hugo Almeida und Fernandes zu sondieren, die Spieler gezielt anzubieten und bei entsprechendem Preis auch zu verkaufen. Zu den drei Stars aus dem Team soll auch das türkische Supertalent Muhammed Demirci angeboten werden, an dem bereits Barcelona Interesse zeigte und ein Verkauf nur am damaligen Veto von Besiktas-Präsident Demirören scheiterte, obwohl Barca bereit war eine Ablösesumme von drei Millionen Euro zu zahlen – für einen D-Jugendspieler eine wahnsinnige Summe, die aber sein Talent wiederspiegelt.

Jorge Mendes warnt vor übereilten Schritten

Wie aus internen Kreisen von Besiktas Istanbul zu erfahren war, hat Jorge Mendes jedoch davor gewarnt, die Spieler übereilt an potentielle Interessenten abzustoßen. Gerade die anstehende Europameisterschaft in Polen und der Ukraine sei dazu geeignet, so Mendes, bei einem vernünftigen Abschneiden der portugiesischen Nationalelf die Preise für die Nationalspieler explodieren zu lassen. Trotzdem sagte der Portugiese, der quasi die gesamte portugiesische Nationalelf unter Vertrag hat, Demirören zu, bereits jetzt schon den Markt für die genannten Spieler zu sondieren.

Wie wird Besiktas diesen Aderlass verkraften?

Was kommt da auf Besiktas zu? Präsident weg - so Demirören zum TFF-Präsidenten gewählt wird, was aber jetzt, nachdem auch Fenerbahce seine Kandidatur eindeutig stützt, mehr als wahrscheinlich ist – die finanzielle Situation unklar (Stadionneubau und Schuldensumme bei Demirören) und die mannschaftlichen Eckpfeiler werden verkauft. Natürlich sind die Nationalspieler in etlichen Spielen weit hinter ihren Möglichkeiten geblieben und haben, wie im Fall Fernandes, durch Eskapaden außerhalb des Sportplatzes auf sich aufmerksam gemacht. Oder haben, wie zum Beispiel Quaresma, durch Unbeherrschtheit auf dem Platz und darauf folgende Sperren dafür gesorgt, dass das eigene Team geschwächt wird. Oder sie waren wie Hugo Almeida, der in 17 Ligaspielen nur acht Treffer erzielen konnte, nicht in der Lage, das vorhandene Potential abzurufen. Kann ein Verein überhaupt in der Lage sein, so viele Nackenschläge auf einmal einigermaßen unbeschadet zu überstehen?

Verärgerung ja – aber bitte keine Panikreaktionen

Wenn Spieler nicht die erwartete Leistung abrufen können, ist es logisch, dass sich ein Präsident Gedanken machen muss. Schließlich steht er dafür gerade, was im Verein passiert. Aber man muss Spielern auch die Möglichkeit geben, sich im Land, in der Liga und im Verein zu akklimatisieren. Das mag bei einem Spieler schneller gehen, bei einem anderen Spieler länger dauern. Wozu also jetzt die Panikverkäufe? Basieren sie gar auf einer Emotionalität oder Verärgerung über die Spielerleistungen? Wieso, wenn man doch weiß, dass man sehr wahrscheinlich den Verein verlassen wird, um die Geschicke des türkischen Verbandes zu führen, stielt man noch Spielerverkäufe ein? Warum überlässt man diese Entscheidungen nicht einem kommenden Präsidium, welcher dann über Wohl und Wehe des Klubs zu entscheiden hat? Viele Fragen, auf die es bisher keine befriedigenden Antworten gibt.

Muhammed Demirci – das Supertalent der Türkei

Muhammed Demirci ist DAS türkische Talent, wird heute schon mit Maradona, Messi und Ronaldinho verglichen. Muha, so der Spitzname, war kaum 13 Jahre alt, da bemühten sich bereits Vereine wie Juventus, West Ham oder Chelsea um ihn. Barca bot eine Millionensumme und dort absolvierte er auch ein 14-tägiges Probetraining – als D-Jugenspieler! Und auch ihn soll nun das Schicksal ereilen, verkauft zu werden, obwohl man stets sehr bemüht war, ihn in Reihen von BJK zu halten, da er eine echte Nachwuchshoffnung ist. Was ist die Motivation, so einen Spieler abzugeben? Sind es wirklich die knapp 50 % der Anteile, die Besiktas an dem Spieler hält – knapp über 50 % der Rechte gehören einem Spielerfond - und der jetzt schon bis zu 12 Millionen Euro bringen soll, von denen BJK dann um die sechs Millionen erhalten würde? Oder geht es darum, dass die zwei Millionen Euro, die Besiktas aus dem Spielerfond erhalten hat und die darauf abzielten, den Spieler bis 2012 für mindestens zehn Millionen Euro zu verkaufen, aktuell eingefordert werden?

Los Wochos bei Besiktas

So oder so, das Chaos bei den Adler ist derzeit gewaltig und es sieht nicht so aus, als würde sich das alles in nächster Zeit beruhigen. Am Sonntag geht es ins Derby gegen Galatasaray - derzeit wohl der größte Gegner von BJK in der türkischen Liga - bei dem die Zeichen nicht eben auf Sieg für Besiktas stehen und am kommenden Montag geht es darum zu wissen, bleibt Demirören BJK-Präsident oder tritt er umgehend vom Amt zurück, da er zum TFF-Präsidenten gewählt wurde. Eigentlich kann man sich als Fan des Vereins nur wünschen, dass irgendwelche Entscheidungen fallen und man darauf basierend wieder zu einer Normalität findet, egal wie die auch ausschauen mag.

Eure Meinung: Würdet ihr euch auch von den portugiesischen Nationalspielern trennen und würdet ihr ein Ausnahmetalent wie Demirci mit anbieten? 

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