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Nur ein Thema beherrscht die Sportmedienlandschaft der Türkei: Die Kandidatur von Yildirim Demirören als TFF Präsident. Doch wieso fragt niemand: Was wird im Fall der Wahl aus BJK?

Istanbul. Yildirim Demirören, seit 2004 Präsident von Besiktas Istanbul und Vorsitzender des Verbandes der Vereine, kandidiert für den Posten des TFF-Präsidenten und die Spatzen pfeifen es von den Minaretten, seine Wahl ist wahrscheinlich. Der Rücktritt vom ehemaligen TFF-Präsidenten Mehmet Ali Aydinlar sorgte für ein Machtvakuum an der Verbandsspitze und wenn es nach den Vereinen geht, wird diese Lücke durch die Wahl von Demirören geschlossen. Doch was wird danach aus Besiktas Istanbul? Der Verein, das ist bekannt und börsenamtlich notiert, schuldet Demirören offiziell eine Summe in fast dreistelliger Millionenhöhe – TL, keine Euro – und ein Fälligwerden oder eine Rückzahlung dieses Betrages würde den Verein in massive Finanz-Probleme bringen. Goal.com beleuchtet exklusiv die Optionen für den türkischen Traditionsverein Besiktas Istanbul.

Die Fakten lesen sich beängstigend – aus Sicht von Besiktas Istanbul

Yildirim Demirören weiß nach eigenen Angaben die Unterstützung von 14 türkischen Klubs hinter sich – das ist die offizielle Leseart, inoffiziell werden es mehr sein - und das sollte eigentlich reichen, Ende des Monats neuer TFF-Präsident zu werden. Daraus ergibt sich, dass eine weitere Präsidentschaft als Kopf des Klubs Besiktas Istanbul nicht mehr möglich ist, wird er zum neuen TFF-Präsidenten ernannt. Yildirim selbst sagt auch ganz klar, dass er bei einer Wahl zur Führungsperson des türkischen Verbandes selbstverständlich seinen Posten bei BJK räumen würde. Doch das ist einfacher gesagt als getan, denn immerhin schuldet ihm der Verein eine Summe von fast 100 Millionen TL, was umgerechnet eine Schuldensumme von über 40 Millionen Euro darstellt. Kein Betrag, den man mal eben aus der Portokasse begleicht – außer man heißt Real Madrid oder Barca.

Wie soll Besiktas diese Summe aufbringen?

Kann man den Mann dafür verurteilen, es ihm vorhalten und ihm verübeln, dass er im Falle eines Ausscheidens aus dem BJK-Präsidium sein Geld, welches er dem Verein geliehen hat, zurückfordert? Nein, eigentlich kann man es nicht, denn auch den restlichen Verantwortlichen im Präsidium wird klar gewesen sein, zieht sich Yildirim Demirören eines Tages aus dem Verein zurück – freiwillig oder auf Basis einer Abwahl als Präsident – wird eine gehörige Summe Geldes, gestreckt auf eine für beide Seiten annehmbare Rückzahlungslaufzeit, fällig. Natürlich muss man fragen, wie würde es Besiktas bewerkstelligen, bei einer angenommen Kredittilgungszeit von spekulativen fünf Jahren als gängige Hausnummer, Jahr für Jahr 20 Millionen TL abzuzweigen? Wäre das für den Verein unter Umständen das Ende der Wettbewerbsfähigkeit in der türkischen Süper Lig? Müssten gar Spieler verkauft werden? Ja, durch diese Zahlungen wäre BJK wohl auf Jahre operativ gelähmt!

Welche Optionen bleiben Besiktas?

Klar ist, niemand würde auf diese sehr hohe Summe verzichten und sie dem Verein schenken – besonders dann nicht, wenn diese Summe nicht alleine aus der Privatschatulle stammt. Welche Möglichkeiten bleiben nach der Wahl von Demirören zum TFF-Präsidenten? Da steht auf der einen Seite (neben der Rückzahlung auf Ratenbasis) der Verkauf von Spielern oder die Option, die Rechte an manchen Spielern – den Portugiesen? - in den Besitz des scheidenden Präsidenten übergehen zu lassen. Alleine der Marktwert von Ricardo Quaresma wird mit rund 15 Millionen Euro beziffert. Manuel Fernandes würde noch einmal zusätzliche 10 Millionen Euro bringen. Simaos Marktwert liegt bei rund sieben Millionen und Hugo Almeida schlägt mit kalkulierten acht Millionen Euro zu Buche. Mit diesen vier Spielern wäre eine Summe von circa 40 Millionen Euro Marktwert zu erzielen und die Kreditsumme gedeckt – wenn man die Spieler zeitnah verkauft. Doch was wäre der Verein ohne diese Topspieler? Richtig, weitgehend wertlos und nicht mehr wirklich wettbewerbsfähig.

Demirören Istanbul oder Besiktas Milangaz?

Eine weitere Alternative, die den Verein wirtschaftlich nicht ausbluten und wettbewerbsfähig halten würde, wäre die Übernahme des Vereins durch Yildirim Demirören. Das wäre quasi eine Lösung wie bei Medical Park Antalyaspor, nur eben auf Dauer. Dem Verein Besiktas Istanbul werden die Schulden erlassen und dafür gehört der Traditionsklub, der älteste Sportverein der Türkei, mit einem Schlag Yildirim Demirören und seiner Familie. Ob und wie das aber eventuell mit einer Präsidentschaft bei der TFF kollidieren würde, müsste man abwarten. Und natürlich wäre zu prüfen, wie das von den treuen Fans aufgenommen würde – denen aber hauptsächlich am Erhalt und der Wettbewerbsfähigkeit des Vereines gelegen sein wird.

Last but not least – ein neuer Investor

Eine letzte und sehr vage wie auch unwahrscheinliche Option bliebe die, dass man einen neuen Präsidenten findet, der auch gleichzeitig als Groß-Investor fungiert. Wer würde die Bürde übernehmen und einen Verein mit mehr als 40 Millionen Euro beim Vorinvestor schuldenfrei zu stellen, wenn nicht sichergestellt ist, dass der Erfolg im Land und auf europäischer Bühne gewährleistet ist? Zumal dieser Investor wohl aus der Türkei stammen müsste, da nicht zu erwarten steht, dass man ausländische Vereinsführungen auf Seiten der Fans akzeptieren würde. Und da die möglichen Großsponsoren und Privatpersonen mit der entsprechenden Finanzpotenz aus der Türkei bereits alle „ihre Vereine“ haben, ist dieser Strohhalm sehr, sehr dürftig und kann vernachlässigt werden.

Fazit: Drei realistische Optionen bleiben

Im Grunde bleiben also nur diese drei Optionen: Besiktas zahlt Demirören knapp 100 Millionen TL zurück und ist quasi pleite – gerade was den geplanten Stadionneubau angeht, denn mit dem Neubau eine Summe von jährlich 20 Millionen TL aufzubringen, sollte schier unmöglich sein. Oder Besiktas überschreibt seine Leistungsträger an Demirören, was aber bedeuten würde, nach deren Verkauf – und der müsste erfolgen, solange die Spieler einen Wert haben - ist äquivalenter Ersatz aus den Verkaufserlösen nicht machbar. Das schwächt das Team und würde die Adler in der Liga-Bedeutungslosigkeit verschwinden lassen. Oder, und das wäre die dritte Option, BJK wird zu Demirören Besiktas, Milangaz BJK – wie ja die Basketballabteilung schon heißt und wodurch die Besitzverhältnisse klar werden - oder wie auch immer der Verein heißen würde. Für den Klub sicherlich das angenehmste der möglichen Szenarien, denn damit hätte der Klub knapp 100 Millionen TL gespart, er bliebe wettbewerbsfähig, Spielerverkäufe fallen weg, das neue Stadion wird gebaut und er wüsste, der TFF-Präsident wird kaum dem eigenen Verein, der ihm immerhin gehört, auch wenn er dem Klub offiziell nicht vorsteht, zum Nachteil gereichen.

Win-Win-Win-Win-Situation für Yildirim Demirören

Egal welchen Weg auch immer Besiktas als Klub gehen wird, für Demirören ist es so oder so eine vierfache Win-Situation. Erstens ist er der mächtigste Mann im türkischen Fußball, was die Vereinsspitzen von Galatasaray und Fenerbahce in den Wahnsinn treiben würde, er erhält zweitens sein Geld zurück oder er besitzt drittens alternativ vier Spieler von Weltklasseformat oder aber ihm gehört der Verein Besiktas, der den Firmen- oder Familiennamen als Zusatz erhalten könnte, in Gänze. Die Frage wird letztlich nur sein, wie nehmen diese Möglichkeiten die Fans von Besiktas Istanbul auf und werden sie so begeistert und entspannt sein, wie es Demirören sicher sein kann.

Eure Meinung: In welche Richtung wird der Weg von Besiktas gehen? Zahlt man Demirören aus oder wird der Klub basierend auf der Schuldensumme kurzerhand übernommen? Welche Option wäre im Vereinsinteresse der beste Weg? Könntet ihr euch an Besiktas Milangaz gewöhnen?

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