Andrea Ranocchia zeigt sich selbstbewusst: „Dreikampf mit Juventus und Milan“

EXKLUSIV - Nach dem Derbysieg sind die „Nerazzurri“ wieder voller Hoffnung. Goal.com hat sich mit dem italienischen Nationalspieler unterhalten.

Übersetzt von Rafael Corradino

Andrea Ranocchia - Inter
Goal.com

EXKLUSIV
Von Fabrizio Ponciroli

Mailand. Es gibt derzeit nur wenige Verteidiger, die derart talentiert sind, wie Andrea Ranocchia. Er hat noch viel Spielraum und ist womöglich der talentierteste Innenverteidiger Italiens. Mit Inter Mailand hat er gerade den Erzrivalen AC Mailand geschlagen und so alle Chancen auf den „Scudetto“ bewahrt.

Goal.com hat sich mit dem 23-Jährigen unterhalten und einiges über seine Ziele, sowohl in nächster als auch in entfernter Zukunft, erfahren.

Andrea, wie geht es dir nach dem Derbysieg und wie wichtig sind diese drei Punkte für dich?

Ranocchia (lacht): „Es war sehr unglaublich wichtig, zu gewinnen. Mit einer Niederlage oder einem Remis wäre es für uns äußerst schwierig geworden. Nach einer Derby-Niederlage findet man nur schwerlich zurück in die Spur. Für uns wäre es noch härter geworden, weil wir einen noch größeren Rückstand auf die Tabellenspitze gehabt hätten.“

Es war also ein verdienter Sieg. Welchen Einfluss hatte Claudio Ranieri auf die Mannschaft?

Ranocchia: „Ich würde sagen, dass der Coach Ruhe in das Umfeld gebracht und uns geholfen hat, zu uns selbst zu finden. Es war nicht leicht für dieses Team, denn die meisten von uns waren es nicht gewohnt, in der Tabelle so weit unten zu stehen.“

„Als erstes sorgte er sich um die Defensive. Er hat uns klar gemacht, dass es besonders wichtig sei, keine Tore zu kassieren. Mit unserer Offensive sei vorne immer etwas möglich. Wichtig war aber vor allem, dass er die nötige Ruhe reingebracht hat.“

Jetzt seid ihr zurück im Rennen - wer hat die größten Chancen auf den Titel?

Ranocchia: „Milan und Juventus natürlich im Hinblick auf das, was wir bisher gesehen haben. Sie haben die besten Kader und sind sehr organisiert. Wir werden aber bis zum bitteren Ende gegen sie um den Titel kämpfen.“

Das Ziel ist der „Scudetto“, aber auch die Champions League ist wichtig für euch. Was sagst du zum nächsten Gegner im Achtelfinale, Olympique Marseille?

Ranocchia: „Ganz ehrlich: Ich bin der Meinung, dass man es in der europäischen Königsklasse früher oder später mit jedem Gegner aufnehmen muss. Mann muss immer 100 Prozent geben. Wir müssen gegen Marseille ran und werden alles für das Weiterkommen geben, aber das wäre gegen jeden Gegner der Fall.“

In der Champions League darf man auch den FC Barcelona und Weltfußballer Lionel Messi bewundern. Was schwirrt dir durch den Kopf, während du eines ihrer Spiele siehst?

Ranocchia: „Ich fühle mich sehr gut dabei, es macht Spaß, ihnen zuzuschauen. Die Stärke der einzelnen Spieler ist unglaublich. Sie ziehen ihr Spiel auf, es ist wie einstudiert. Außerdem haben sie Guardiola, einen der besten Trainer der Welt. Das beweist er Spiel für Spiel.“

Und was ist mit Messi?

Ranocchia (lacht): „Was kann man über ihn schon sagen? Er hat drei Mal in Folge die Auszeichnung Ballon d'Or gewonnen, da kann man nicht viel hinzufügen."

Guardiola | „Einer der besten Trainer der Welt“, sagt Ranocchia

Kannst du dir das Modell Barcelona auch in Italien vorstellen?

Ranocchia: „Das ist nicht einfach umzusetzen und würde viel Arbeit mit sich bringen. Man muss schon in der Jugend eine bestimmte Art des Fußballspielens lehren. So gewöhnen sich die Jungs langsam an dieses System.“

„Ich denke nicht, dass es unmöglich wäre. Es müssen dazu große Investitionen in die Jugendabteilungen gesteckt werden, das ist nicht einfach.“

Kommen wir zu dir, Andrea: Wie fühlt es sich an, als der neue Alessandro Nesta betrachtet zu werden? Wie kommst du mit dieser Verantwortung zu Recht?

Ranocchia: „Ich gebe darauf nicht viel. Es ist nicht wichtig, wessen Nachfolger ich bin, sondern dass ich jeden Tag mein Talent demonstriere. Im Fußball muss man sich immer beweisen, da reicht ein Blick auf Inter.“

„Vor zwei Monaten noch wurde behauptet, dass die Spieler, die das Triple gewonnen hatten, am Ende waren. Sie seien ausgelaugt gewesen, könnten nicht mehr rennen. Jeder schien vergessen zu haben, was dieses Team erreicht hat. So ist es in dieser Branche, man muss sich jeden Tag aufs Neue beweisen und Titel holen.“

Erzähl uns was über Javier Zanetti, euren Kapitän. Wie ist es, mit ihm zu spielen?

Ranocchia: „In den ersten Tagen und Wochen war es unglaublich und kaum zu realisieren. Mit der Zeit habe ich mich dran gewohnt, tatsächlich ein Teamkollege von Javier Zanetti zu sein. Zu Beginn war es einfach nur verrückt!“

Kommen wir zur Zukunft: Wie sieht es mit der Euro 2012 aus?

Ranocchia: „Nein, nein, lasst uns nicht über die Euro reden. Vor der Weltmeisterschaft 2010 habe bin ich auch ins Schwärmen geraten und dann habe ich eine Verletzung erlitten. Sprechen wir darüber, wenn es so weit ist.“

Gib uns zumindestens eine Einschätzung der Teams, auf die ihr treffen könntet.

Ranocchia: „Deutschland hat ein sehr junges Team mit großartigen Talenten. Sie sind sehr stark einzuschätzen. Spanien hat natürlich auch starke Spieler, die viel gewinnen. Sie wären ein harter Gegner.“

Mit Dank an Lotto für die Kollaboration.

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