Graham Hunter: Wie Jose Mourinho das große Real Madrid wieder auf Augenhöhe mit dem FC Barcelona bringt

Goal.com präsentiert exklusive Inhalte aus Graham Hunters Buch über den FC Barcelona. Im vierten Teil erklärt er, wie Mourinho die „Königlichen“ wieder auf Augenhöhe hievt.

Von Graham Hunter, übersetzt von Rafael Corradino

Jose Mourinho, Real Madrid
Jose Mourinho, Real Madrid
Es mag für Real Madrid noch so belastend sein, den Erfolg des FC Barcelona und Josep Guardiolas nur durch das Schaufenster betrachten zu dürfen, doch es ist millionenfach ärgerlicher für die Madrilenen, die einer Strategie namens „Zidanes y Pavones ihr Vertrauen geschenkt hatten. Das Scheitern dieser Politik hatte mit zur Folge, dass diese Ära als die der „Galaktischen“ bekannt wurde.

BARCA: DAS MAKING OF ZUM GRÖßTEN TEAM DER WELT

Real Madrid startete als Platzhirsch der Primera Division in das Millennium. Der FC Barcelona agierte dagegen sowohl als Verein als auch auf dem Platz fast schon plumb. Florentino Perez sorgte mit seiner Verpflichtung von Luis Figo, den er ausgerechnet aus dem Camp Nou holte, für Aufsehen in ganz Europa: Es war bemerkenswert, wie der Portugiese aus Barcelona in einem der größten Transfers aller Zeiten losgeeist wurde. Den Journalisten wurde eine Politik verkauft, die dann und wann einen zauberhaften Namen erhielt: „Zidanes y Pavones“.

Jedes Jahr sollte Real Madrid die Akteure verpflichten, von den sie glaubten, dass sie die Besten der Welt seien. Nach Figo folgte Zinedine Zidane. Ergänzt werden sollte der Kader durch Akteure der Cantera, der Jugendabteilung. Spieler wie Raul, Guti und Iker Casillas, die von Madrid gefördert wurden und den Klub verstanden und liebten, sollten den Superstars zur Seite stehen. Zu der Zeit schien Francisco „Paco“ Pavon das herausragende Supertalent zu sein und so erhielt Perez' Vision den Namen „Zidanes y Pavones“. Gezielte, millionenschwere Einkäufe auf dem Transfermarkt, komplettiert durch Madrider Nachwuchs - ähnelt das nicht einem anderen Klub, der gerade innerhalb von fünf Jahren drei Mal die Champions League gewonnen hat? Wir geben keine weiteren Hinweise.


Der Wandel der Zeit | Zidane und Luis Enrique begegnen sich beim „Clasico“

Wirft man einen Blick zurück auf die seit dem Transfer von Figo vergangene Zeit, erkennt man, dass der Plan misslungen ist. Der letzte Jugendspieler, der ordnungsgemäß die Abteilungen durchlaufen hat und in die erste Mannschaft integriert wurde, ist Casillas. Er debütierte im September 1999, seitdem wurde jeder Madrilene weggeschickt, um sich andernorts zu entfalten. Alvaro Arbeloa wurde vom FC Liverpool zurückgekauft (ähnlich wie Gerard Pique und Cesc Fabregas vom FC Barcelona), Jose Maria Callejon kehrte erst nach drei Jahren Espanyol zurück.

Indes wuchsen beim FC Barcelona Akteure wie Carles Puyol, Andres Iniesta, Lionel Messi, Fabregas, Pique, Pedro, Bojan, Fernando Navarro, Sergio Busquets, Pepe Reina, Victor Valdes, Mikel Arteta, Thiago, Isaac Cuenca und sogar weitere heran. Sie ließen die Katalanen und allen voran Spanien wieder träumen. Diejenigen, die verkauft wurden, hatten statt millionenschwerer Neueinkäufe die herangezogenen Eigengewächse vor der Nase.

In der gleichen Zeit wuchsen auch bei Madrid vielversprechende Talente heran, doch die „Königlichen“ wussten sie nicht zu nutzen. Juan Mata, Alvaro Negredo, Borja Valero, Diego Lopez, Dani Parejo, Javi Portillo, Roberto Soldado, Javi Garcia and Jose Manuel Jurado. Perez wollte sie durch das Zusammenspiel mit den Besten der Welt fördern. Es war ein Verrat.


Der letzte Jugendspieler, der in die erste Mannschaft integriert wurde, ist Casillas. Er debütierte im September 1999, seitdem wurde jeder Madrilene weggeschickt, um sich andernorts zu entfalten.


Der Höhepunkt der Madrider Niederlage erfolgte im Jahre 2010, als das Champions-League-Finale im Santiago Bernabeu ausgetragen wurde. Der als Trainer bereits auserwählte Jose Mourinho holte mit Inter Mailand den Titel. Neben der Angst, Barcelona könne in der spanischen Hauptstadt die Trophäe an sich reißen, zermürbte eine weitere Tatsache die Fans: Die drei verbleibenden Halbfinalisten wurden von der „königlichen“ Ausschussware in die Runde der letzten Vier geführt.

Wesley Sneijder erzielte im Semifinale gegen Barca ein Tor und bereitete ein weiteres vor. Der Niederländer war Schlüsselspieler bei Madrids Meisterschaftstitel 2008, wurde jedoch mit Verlust an die „Nerazzurri“ verkauft. Unverzüglich wurde er zu einer treibenden Kraft im europäischen Fußball. Inter sorgte für Furore gegen die Katalanen und tat dies mit vier Akteuren, die von Florentino Perez verkauft wurden: Samuel Eto'o, Walter Samuel, Sneijder und Esteban Cambiasso.

Arjen Robben sorgte nach seinen wichtigen Treffern gegen den AC Florenz und Manchester United auch gegen Olympique Lyon (das zuvor Real rausgeschmissen hatte) für den entscheidenden Treffer zum Einzug in das Halbfinale. Der Niederländer wurde aus Madrid verjagt, bevor er eine angsteinflößende Flügelzange mit Cristiano Ronaldo hätten bilden können.


Nicht genug Dank ging an Mourinho, der diesem Trend ein Ende gesetzt hat. Die „Zidanes“ dieser Ära sind so stark wie die ehemaligen „Galaktischen“; Jugendspieler werden regelmäßig in die erste Mannschaft geholt, während der ehemals klaffende Abstand zum FC Barcelona immer kleiner wird.


Forscht man weiter, wird die Sache für Fans der Madrilenen immer schlimmer. Eto'o hat 15 Klubtitel seit seinem Abgang geholt, Cambiasso ebenfalls, Samuel 14, Sneijder sechs. Robben holte in seinen ersten beiden Spielzeiten nach Real drei Pokale, während er zusammen mit Sneijder die Niederlande in das Finale der Weltmeisterschaft 2010 geführt hat.

Madrid war am Tiefpunkt angelangt. Sie waren weder dazu in der Lage „Pavones“ herauszubringen, noch dazu „Zidanes“ zu halten. Auf Grund all der Kontroversen der vergangenen „Clasicos“ - 21 Tore, 52 Karten und neun Platzverweise - ging möglicherweise noch nicht genug Dank an „The Special One“, der diesem Trend ein Ende gesetzt hat. Die „Zidanes“ dieser Ära sind so stark wie die ehemaligen „Galaktischen“; Jugendspieler werden regelmäßig in die erste Mannschaft geholt, während der ehemals klaffende Abstand zum FC Barcelona immer kleiner wird. Das ist für die „Madridista“ der wohl schönste Effekt des Jose Mourinho.

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Es mag für Real Madrid noch so belastend sein, den Erfolg des FC Barcelona und Josep Guardiolas nur durch das Schaufenster betrachten zu dürfen, doch es ist millionenfach ärgerlicher für die Madrilenen, die einer Strategie namens „Zidanes y Pavones ihr Vertrauen geschenkt hatten. Das Scheitern dieser Politik hatte mit zur Folge, dass diese Ära als die der „Galaktischen“ bekannt wurde.

BARCA: DAS MAKING OF ZUM GRÖßTEN TEAM DER WELT

Real Madrid startete als Vater der Primera Division in das Millennium. Der FC Barcelona agierte sowohl als Verein als auch auf dem Platz fast schon plumb. Florentino Perez sorgte mit seiner Verpflichtung von Luis Figo aus dem Camp Nou für Aufsehen in ganz Europa - es war bemerkenswert, wie der Portugiese aus Barcelona in einem der größten Transfers aller Zeiten losgeeist wurde. Den Journalisten wurde eine Politik verkauft, die dann und wann einen zauberhaften Namen erhielt: „Zidanes y Pavones“.

Jedes Jahr würde Real Madrid die Akteure verpflichten, von den sie glaubten, dass sie die besten der Welt seien. Nach Figo folgte Zinedine Zidane. Ergänzt werden sollte der Kader durch Akteure der Cantera, der Jugendabteilung. Spieler wie Raul, Guti und Iker Casillas, die von Madrid gefördert wurden und den Klub verstanden und liebten, sollten den Superstars zur Seite stehen. Zu der Zeit schien Francisco „Paco“ Pavon das herausragende Supertalent zu sein und so erhielt Perez' Vision den Namen „Zidanes y Pavones“. Gezielte, millionenschwere Einkäufe auf dem Transfermarkt komplementiert durch Madrider Nachwuchs - ähnelt das nicht einem anderen Klub, der gerade innerhalb von fünf Jahren drei Mal die Champions League gewonnen hat? Wir geben keine weiteren Hinweise.


Der Wandel der Zeit | Zidane und Luis Enrique begegnen sich beim „Clasico“

Wirft man einen Blick zurück auf die seit dem Transfer von Figo vergangene Zeit, erkennt man, dass der Plan misslungen ist. Der letzte Jugendspieler, der ordnungsgemäß die Abteilungen durchlaufen hat und in die erste Mannschaft integriert wurde, ist Casillas. Er debütierte im September 1999, seitdem wurde jeder Madrilene weggeschickt, um sich andernorts zu entfalten. Alvaro Arbeloa wurde vom FC Liverpool zurückgekauft (ähnlich wie Gerard Pique und Cesc Fabregas vom FC Barcelona), so wie Jose Maria Callejon nach drei Jahren Espanyol zurückkehrte.

Indes wuchsen beim FC Barcelona Akteure wie Carles Puyol, Andres Iniesta, Lionel Messi, Fabregas, Pique, Pedro, Bojan, Fernando Navarro, Sergio Busquets, Pepe Reina, Victor Valdes, Mikel Arteta, Thiago, Isaac Cuenca und sogar weitere heran. Sie ließen die Katalanen und allen voran Spanien wieder träumen. Diejenigen, die verkauft wurden, hatten statt millionenschwerer Neueinkäufe die herangezogenen Eigengewächse vor der Nase

In der gleichen Zeit wuchsen auch bei Madrid vielversprechende Talente heran, doch die „Königlichen“ wussten sie nicht zu nutzen. Juan Mata, Alvaro Negredo, Borja Valero, Diego Lopez, Dani Parejo, Javi Portillo, Roberto Soldado, Javi Garcia and Jose Manuel Jurado. Perez wollte sie durch das Zusammenspiel mit den Besten der Welt fördern. Es war ein Verrat.


Der letzte Jugendspieler, der in die erste Mannschaft integriert wurde, ist Casillas. Er debütierte im September 1999, seitdem wurde jeder Madrilene weggeschickt, um sich andernorts zu entfalten.


However, the apogee of Madrid’s failings came when they hosted the 2010 Champions League final – eventually won by their coach-elect, Jose Mourinho, and Inter. Beyond the potential embarrassment of Barcelona winning the Champions League at the Bernabeu, the other three teams in the tournament were driven by Madrid rejects.

Wesley Sneijder scored one goal and assisted one other for Mourinho’s Inter against Barcelona in the semi-final first leg. The Dutchman was a key figure in Madrid’s 2008 title win but was sold, at a loss, to Inter. He immediately became a dominant force in European football. Inter trampled all over Barça in that first leg at San Siro and did it with four players sold by Florentino Pérez: Samuel Eto’o, Walter Samuel, Sneijder and Esteban Cambiasso.

Arjen Robben added to his tie-winning goals against both Fiorentina and Manchester United by thumping in another screamer to set Bayern Munich on the road to victory over Olympique Lyon (conquerors of Madrid) in the other semi-final. Robben had been inexplicably offloaded to Bayern before he could form what would have been a terrifying wing combination with Cristiano Ronaldo under Manuel Pellegrini.


Not enough credit is being given to the Special One. The 'Zidanes' of this era are as powerful as the original 'Galacticos'; youth team players are regulary being introduced and, sweetest of all for Madridistas, there is now only a wafer-thin gap between Barca and Madrid


The more you investigate, the worse it looks. Since being rejected by Madrid, Eto’o has won 15 club trophies, Cambiasso 15, Samuel 14, Sneijder six. Robben won three trophies in his first two seasons after leaving Madrid while he and Sneijder were pivotal in Holland’s drive to the 2010 World Cup final.

Madrid reached the stage where they were neither capable of producing 'Pavones' nor good at keeping ‘Zidanes’ when they found them. However, given all the controversy surrounding the previous seven Clasicos since it became Guardiola v Mourinho - 21 goals, 52 bookings and nine red cards - perhaps not enough credit has gone to the Special One for the way in which he is ending that trend. The 'Zidanes' of this era are as powerful as the original 'Galacticos'; youth team players are regularly being introduced and, what is sweetest of all for Madridistas, there is now only a wafer-thin gap between FC Barcelona and Real Madrid.

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