Arrigo Sacchi: Roberto Baggio durfte aus körperlichen Gründen nicht zur EURO 1996, nicht wegen eines Streits

EXKLUSIV - Meistertaktiker Arrigo Sacchi hat gegenüber Goal.com klargestellt, warum er Ex-Weltfußballer Roberto Baggio bei der EM 1996 daheim ließ.

Von Carlo Garganese

Arrigo Sacchi (BetClic)
BetClic
London. Italiens ehemaliger Nationaltrainer Arrigo Sacchi hat die seit 15 Jahren andauernden Spekulationen rund um die Nicht-Nominierung Roberto Baggios für die EM 1996 beendet. Der Grund dafür sei nicht, wie es Gerüchte in Italien besagten, ein Streit zwischen dem Startrainer und dem Ex-Weltfußballer gewesen.

„Es war nicht die beste Phase seiner Karriere“

In einem exklusiven Interview mit Goal.com stellte Sacchi klar, dass die Nicht-Berücksichtigung des Mittelfeldstars für die Endrunde in England aus gesundheitlichen Gründen erfolgt sei. „Baggio machte zu der Zeit nicht die beste Phase seiner Karriere durch“, erinnerte sich Sacchi. „Er hatte ein Problem mit dem Knie. Ich nahm ihn damals nur wegen seiner körperlichen Verfassung nicht mit und aus keinem anderen Grund.“

Falsche Aufstellung im zweiten Gruppenspiel

Sacchi, der die Italiener 1994 in den USA ins Endspiel der Weltmeisterschaft geführt hatte, gab allerdings zu, dass ihn am Vorrunden-Aus bei der EM zwei Jahre später eine Teilschuld traf. In Italien war damals eine Menge Kritik auf ihn hereingeprasselt, weil er sich vor dem zweiten Gruppenspiel gegen Tschechien entschloss, fünf Stammkräfte zu schonen. Italien verlor mit 1:2 und der Ex-Coach des AC Milan hält es heute für einen Fehler, Leistungsträger wie Gianfranco Zola, Pierluigi Casiraghi und Angelo Di Livio draußen gelassen zu haben.

„Das würde ich heute nicht mehr machen“

„Diese Entscheidung würde ich heut in dieser Form nicht mehr treffen“, so Sacchi. „Mir war sofort klar, dass ich einen Fehler begangen hatte, als ein Journalist, der immer gegen mich war, meinte, ich hätte richtig entschieden. Aber falsch zu liegen ist menschlich. Jeder begeht Fehler.“

Zufrieden mit der Leistung, unzufrieden mit dem Resultat

Nach der Niederlage gegen die Tschechen kam Italien im abschließenden Gruppenspiel gegen Deutschland nicht über eine Nullnummer hinaus. Damit war das frühe Aus besiegelt. Sacchi war dennoch mit den Leistungen jener Mannschaft zufrieden: „Natürlich hat mich das Ergebnis 1996 nicht glücklich gemacht. Doch ich war damit zufrieden, wie wir in England gespielt haben. Es war meine beste Mannschaft, die ich als Nationaltrainer hatte. Besser, als die Mannschaft, die bei der Weltmeisterschaft 1994 den zweiten Platz belegte.“

„Für Prandelli ist der Druck nur solange gering, wie er gewinnt“

Heute arbeitet Sacchi als Jugendkoordinator beim italienischen Verband. Für seinen Nachfolger Prandelli fand Sacchi nach der überzeugenden Qualifikation für die anstehende EM-Endrunde und dem eingeleiteten Umbruch lobende Worte. Allerdings warnte er auch davor, dass die Stimmung schnell umschlagen könne: „Der Druck ist für ihn nur solange gering, wie er weiterhin gewinnt.“

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