Thomas Berthold: „Deutschland entwickelt sich – und kommt Spanien immer näher“

Bei den letzten beiden Turnieren zeigte Spanien der DFB-Elf die Grenzen auf. Im nächsten Jahr ist nach Angaben des Weltmeisters von 1990 der erste Sieg gegen den Favoriten drin.

Von Carlo Garganese und Clark Whitney

London. Thomas Berthold, ehemaliger Nationalspieler Deutschlands und Weltmeister von 1990, glaubt, dass sein Land im Moment noch eine Stufe unter dem EM-Titelverteidiger Spanien ist. Doch seiner Meinung nach kann sich das schon beim Turnier im kommenden Jahr ändern – und ein Sieg gegen den Weltmeister eine Wachablösung einläuten.

Spanien weiter spitze

Für Berthold ist Spanien dennoch der Favorit auf den EM-Titel, wie er Goal.com in einem exklusiven Interview verriet. Ganz sicher, dass sich die Mannschaft von Trainer Vicente Del Bosque den dritten Titel in Serie holt, ist sich der ehemalige Verteidiger allerdings nicht. „In einem Spiel ist alles möglich. Meine Reihenfolge sieht so aus: Spanien ist die Nummer Eins, dahinter kommen Holland und Deutschland und dahinter kommen England, Frankreich, Italien“, sagt Berthold.

Es wird enger

Bei der EM 2008 und der WM 2010 war für Deutschland jeweils nach Niederlagen gegen den späteren Sieger Spanien Schluss. In diesen Spielen wurde der Mannschaft von Trainer Jogi Löw gezeigt, was noch zum Sieg gegen den Favoriten fehlt. „Sie kommen dichter ran, aber wenn man die Lücke schließen will, muss man sich weiter verbessern“, meint Berthold.

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„Ganz andere Zeiten“

Wie man erfolgreich Fußball spielt, weiß der Abwehrspieler noch aus seiner aktiven Zeit – aber ein Vergleich lässt sich zwischen dem aktuellen Team und der Weltmeister-Mannschaft von 1990 nicht mehr ziehen. „Das waren ganz andere Zeiten. Jetzt ist alles viel athletischer und nicht mehr so technisch wertvoll. 1990 waren fünf Spieler von uns in der damals besten Liga der Welt, in Italien. Das ändert sich im Moment bei Deutschland auch. Aber wenn man etwas gewinnen will, braucht man das gewisse Extra“, sagt Berthold, der in Italien für den AS Rom und Hellas Verona aktiv war.

Erlebnis trotz Enttäuschung

Doch Berthold kennt sich nicht nur mit den Erfolgen aus, sondern kann sich auch in die Lage eines Spielers wie Miroslav Klose hineinversetzen, der bei vier großen Turnieren mindestens im Halbfinale stand, ohne auch nur einen Titel zu gewinnen. Für die deutsche Mannschaft war 1988 das EM-Aus im eigenen Land im Halbfinale gegen Holland eine große Enttäuschung. „Trotzdem war das Turnier ein tolles Erlebnis für uns, denn wir zählten nicht zu den großen Favoriten, während Holland eines der besten Teams der Welt hatte“, erinnert er sich.

Revanche in Mailand

„Ich saß auf der Bank und habe den Elfmeter der Holländer mit angesehen, das 2:1 von Marco van Basten mit angesehen. Aber wir haben uns zwei Jahre später in Mailand revanchiert. So geht das im Leben“, blickt Berthold auf den spektakulären Achtelfinal-Sieg bei der WM 1990 zurück.

Positive Entwicklung

Mit der aktuellen deutschen Mannschaft verbindet ihn vor allem Trainer Joachim Löw, der schon beim VfB Stuttgart und bei Adanaspor sein Chef war. „Er ist ein netter Kerl, ist gerade heraus. Als er das Amt übernommen hat, war ich davon überzeugt, dass es in die richtige Richtung geht. Und er hat es 2010 in Südafrika gut gemacht und auch jetzt ist die Mannschaft auf dem richtigen Weg. Deutschland entwickelt sich immer mehr zu einem Top-Team – und kommt Spanien immer näher“, meint Berthold.

Klose oder Gomez?

Eine Frage, die rund um das deutsche Team immer wieder diskutiert wird, betrifft den Stürmer im 4-2-3-1-System von Trainer Löw. Mit Miroslav Klose und Mario Gomez stehen zwei Angreifer zur Verfügung, die beide ihre Qualitäten haben. „Klose ist die Nummer Eins, denn er ist immer da bei den Turnieren“, legt sich Berthold bei seiner Einschätzung fest. „Mario Gomez hat bei der EM 2008 schwach gespielt. Klose ist ein Spieler, der von Anfang an spielen muss, den man nicht von der Bank bringen kann. Löw wird mit ihm beginnen, denn er ist einfach bereit“, macht der 47-Jährige seine Meinung deutlich.

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