|
|
Carsten Jancker im Interview: „In der Champions League werden die Bayern das nötige Glück brauchen“
Goal.com unterhielt sich exklusiv mit Carsten Jancker über den FC Bayern, seine Karriere und seine Zukunft.
Von Maximilian Bensinger
Wien. Man kannte ihn unter vielen Synonymen. Ob Sturmtank oder Fußballgott, die Bayern-Fans werden sich gerne an Carsten Jancker erinnern. Der Sturmkoloss gewann mit dem FC Bayern zweimal den DFB-Pokal, viermal die Deutsche Meisterschaft und erreichte zweimal das Champions-League-Finale. Nach dem Sekundentot im Finale von '99, krönte man sich 2001 zu Europas Königen. Zudem darf sich Carsten Jancker Weltpokalsieger und Vize-Weltmeister nennen.
Goal.com unterhielt sich exklusiv mit Carsten Jancker, der in Wien seinen Lebensmittelpunkt gefunden hat. Wir sprachen mit dem einstigen Star-Stürmer über den FC Bayern, seine Karriere und seine Zukunft.
Herr Jancker, Sie waren Teil des FC Bayern, als man 2001 den europäischen Thron bestieg. Kann der FC Bayern in dieser Spielzeit ähnliches schaffen?
Carsten Jancker: „Bisher spielt der FC Bayern eine sehr gute Saison. Am Ende zählen aber nur Titel. Die Meisterschaft werden sie wohl gewinnen. In der Champions League braucht man auch immer das nötige Glück.“
| „Wir haben dann auch zwei Meisterschaften mit viel Glück gewonnen. Das gleicht sich immer wieder aus.“ - Carsten Jancker
|
![]() |
Das Glück, was 1999 gefehlt hat?
Carsten Jancker: „Naja, in diesem Spiel hat schon das Glück gefehlt. Aber wir haben dann auch zwei Meisterschaften mit viel Glück gewonnen. Das gleicht sich immer wieder aus.“
Vielen ist aus dem Finale ’99 sicherlich noch ihr Fallrückzieher im Gedächtnis. Wie oft denken Sie noch daran?
Carsten Jancker: „Jetzt überhaupt nicht mehr. Aber das hat natürlich schon eine Zeit gebraucht, bis ich diese Szene aus dem Kopf bekommen habe. Ich bin diese Aktion immer wieder durchgegangen. Vor allem, weil die Niederlage so bitter war.“
Kommen wir von einer guten Torchance zu ihrem schönsten Tor…?
Carsten Jancker: „Schwierige Frage. Es gab ein paar schöne Tore, auch von der Wichtigkeit her.“
Vielleicht der Seitfallzieher gegen Rotterdam?
Carsten Jancker (lacht): „Nein, das Tor gegen 1860 München!“
Müssen Sie über dieses Tor noch manchmal lachen?
Carsten Jancker: „Ich schaue mir das nicht mehr so oft an. Damals musste ich eigentlich auch nicht lachen. Es war ja wichtig, dass wir das Derby gewonnen haben.“
Naja, kurios war es ja schon. Werden Sie noch manchmal darauf angesprochen?
Carsten Jancker: „Kurios allemal. Nein, eher weniger. Ich wohne ja auch in Österreich…“
Sind Sie noch ab und zu an der Säbener Straße?
Carsten Jancker: „Zwei- oder dreimal im Jahr bin ich in München. Meistens aber aus privaten Gründen. An der Säbener bin ich selten."
Wo haben Sie denn ihre schönste Zeit als Profifußballer verbracht?
Carsten Jancker: „Das ist klar. Das war natürlich beim FC Bayern und bei Rapid Wien. Bei Bayern bin ich Nationalspieler geworden und habe viele Titel gewonnen. Außerdem sind dort meine beiden Kinder geboren. Jetzt habe ich natürlich einen anderen Lebensmittelpunkt. Ich spiele aber noch bei den Bayern-All-Stars. Bei Rapid hat alles angefangen. Dort bin ich ein erfolgreicher Fußballprofi geworden und arbeite heute hier.“

Sie sind ein echtes Nordlicht. Jetzt wohnen Sie in Wien. Schon ungewöhnlich oder…
Carsten Jancker: „Nein, ich bin nun mal mit einer Wienerin verheiratet. Sie ist mit mir überallhin mitgekommen und es war klar, dass wir irgendwann nach Wien zurückkehren.“
Norden, Süden, Westen und Osten. Ihre Bundesligakarriere startete bei einem westdeutschen Traditionsverein - dem 1. FC Köln. Zu ihrem halben Jahr in China kommen wir gleich noch.
Carsten Jancker: „Das war auch eine schöne Zeit. Dort habe ich zwei Jahre in der A-Jugend und zwei Profi-Jahre verbracht. Am Anfang lief es auch ganz gut. Ich habe alle Jugend-Nnationalmannschaften durchlaufen und hab in meinem ersten Bundesligaspiel direkt getroffen. Danach ist es dann aber alles etwas ins Stottern geraten. Dann habe ich den Sprung nach Wien gewagt.“
Wissen Sie noch, was am 14. Oktober 1998 war?
Carsten Jancker: „Mein erster Einsatz in der Nationalelf! Wir haben damals gegen Moldawien gespielt. Mein erstes Tor habe ich dann 2000 gegen die Tschechische Republik geschossen.
Beim FC Bayern hatten Sie also ihre schönste Zeit. Wie beurteilen Sie ihre zwei Jahre bei Udinese Calcio?
Carsten Jancker: „Das war eine sehr schwere und keine schöne Zeit für mich. Anfangs spielte ich nicht gut und dann lief alles schief…“
Was genau? Zwei Tore in zwei Jahren ist natürliche eine magere Ausbeute, oder?
Carsten Jancker: „Natürlich. Aber man muss auch bedenken, dass ich eine Schambein-Entzündung hatte. Wegen dieser hartnäckigen Verletzung bin ich über eine halbes Jahr ausgefallen. Nach meinen durchwachsenen Leistungen in meiner Anfangszeit, war es danach sehr schwer, wieder Fuß zu fassen.“
Nach so einer tollen Karriere, ist das doch ein unwürdiger Abgang von der ganz großen Fußballbühne…
Carsten Jancker: „Naja, es war eben eine sehr schwierige Zeit. Das Verletzungspech und meine unglücklichen Spiele haben dazu geführt, dass ich bei Udinese Calcio nie wirklich glücklich wurde.“
Das erste Jahr endete mit dem dritten Platz beim Bidone d’oro. Hat Sie eine solche Auszeichnung mitgenommen?
Carsten Jancker (lacht): „Wenigstens ein Titel! Spaß beiseite, das berührt mich nicht wirklich. Auf dem ersten Platz war ja immerhin Rivaldo.
Auf dem zweiten Platz war übrigens As-Saadi-al-Qaddhafi. Schauen Sie sich immer noch Serie-A-Fußball an?
Carsten Jancker: „Nein, eher weniger. Nur das, was ich in der Zeitung lese. Ich wohne hier in Österreich, da schau ich mir eigentlich nur noch die österreichische und die deutsche Liga an.“
Was sagen Sie denn zu Miroslav Klose?
Carsten Jancker: „Er macht sich gut. Er hat anscheinend schnell in die Mannschaft gefunden und macht auch bei Lazio Rom seine Tore.“
![]() |
„China? Es ist eine vollkommen andere Welt, zudem war ich nur ein halbes Jahr dort. Es waren interessante Monate.“ - Carsten Jancker
|
Nach Italien ging es dann für zwei Jahre zum 1. FC Kaiserslautern und dann in den fernen Osten. Zu Shanghai Shenhua. Wie war die Zeit dort?
Carsten Jancker: „Es ist eine vollkommen andere Welt, zudem war ich nur ein halbes Jahr dort. Es waren interessante Monate.“
Wieso nach China? War das Geld ausschlaggebend?
Carsten Jancker: „Natürlich war das ein gutes Angebot. Sportlich wusste man nicht genau, was auf einen zukommt. Aber ich hab auch dort nicht zu meiner alten Form zurückgefunden, deswegen bin ich dann ja auch nach nur einem halben Jahr zurück nach Österreich.“
Wo auch die Karriere schließlich endete. Kommt Carsten Jancker irgendwann als Trainer zurück in die Bundesliga?
Carsten Jancker: „Das weiß ich nicht. Momentan würde ich sagen, dass es eher nicht danach aussieht. Ich habe meinen Trainerschein gemacht und bin nun Jugendkoordinator bei Rapid Wien. Ich muss auch ehrlich sagen, dass meine Familie nun Vorrang hat. Meine Frau ist immer mit mir mitgereist und es war klar, dass sie irgendwann zurück nach Wien möchte. Hier ist unsere Heimat.“
-
Teenager-Tränen: Als Cristiano Ronaldo bei der Heim-EM 2004 nur Zweiter wurde
EXKLUSIV - Goal.com veröffentlicht exklusive Inhalte aus Luca Caiolis Buch „Ronaldo: Leidenschaft zur Perfektion“. Heute dreht sich alles um das Finale der EM 2004.
-
EXKLUSIV - Higuain-Berater stellt klar: „Gonzalo wird Real Madrid nicht verlassen.“
EXKLUSIV – Der Agent von Stürmerstar Gonzalo Higuian schiebt den Wechselspekulationen um seinen Schützling gegenüber Goal.com einen Riegel vor.
-
Sieger, Enttäuschungen, Torschützenkönig: Die Goal.com-Redaktionstipps zur EM
Bald geht es endlich los - der Startschuss zur Euro fällt! Die Goal.com-Redaktion hat im Kicktipp-EM-Spezial einmal einige Szenarien durchgespielt und diverse Tipps abgegeben.
-
Starte dein eigenes Tippspiel auf Kicktipp.de!
Ob Bundesliga, Fußball International oder EM 2012 - Tippe jetzt online gegen Freunde und Kollegen in deiner eigenen Tipprunde


