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Nürnbergs Timothy Chandler: „Bin mit ganzem Herzen für die USA dabei“
EXKLUSIV – Der Rechtsverteidiger aus Nürnberg hat im letzten Jahr eine kometenhafte Entwicklung durchgemacht. Im Interview spricht er über das Nationalteam und den Verein.
Von Daniel Buse
Berlin. Vor einem Jahr spielte Timothy Chandler noch in der Regionalliga Süd für die zweite Mannschaft des 1. FC Nürnberg. Sein Bundesliga-Debüt feierte er erst im Januar dieses Jahres – und seitdem ist es für den Deutsch-Amerikaner nur nach oben gegangen. Inzwischen hat er sich einen Stammplatz beim „Club“ auf der rechten Abwehrseite erkämpft – und auch schon ein erstes Duell gegen Lionel Messi hinter sich.
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Denn mit seinen Leistungen in der Bundesliga hat er auch die Verantwortlichen der US-Nationalmannschaft auf sich aufmerksam gemacht. Von Coach Bob Bradley wurde er im März das erste Mal zu einem Spiel eingeladen und auch dessen Nachfolger Jürgen Klinsmann setzt auf den athletischen und schnellen Verteidiger. Mit dem US-Team bereitet sich Chandler aktuell auf die Länderspiele gegen Ecuador und Honduras vor – und Goal.com hat sich mit dem 21-Jährigen unterhalten:
Goal.com: Timothy Chandler, wo sind Sie gerade?
Timothy Chandler: In der Nähe von Miami. Es ist sehr warm, super-traumhaft.
Goal.com: Wie gut läuft es mit dem Englisch?
Timothy Chandler: Alles gut. Es reicht, um mich mit den Mitspielern zu unterhalten. Die Ansprachen sind kein Problem, mehr die Interviews. Nur bei Interviews fehlen mir ein bisschen die Wörter, wenn die über Fußball reden, dann verstehe ich die nicht so ganz.
Goal.com: Sind die US-Spieler aus der Bundesliga wie Steven Cherundolo, Danny Williams und Sie auch bei der Nationalmannschaft eine Gruppe, die miteinander was macht?
Timothy Chandler: Nein, wir sind eigentlich immer mit allen zusammen, wir mischen uns. Wir verstehen uns alle gut.
Goal.com: Werdet Ihr von den anderen US-Nationalspielern als „die Deutschen“ betrachtet?
Timothy Chandler: Ja, schon. Die sagen immer „The Germans“, aber das ist ja ganz normal. Es kommen halt zur Zeit mehrere Spieler aus der Bundesliga, das ist natürlich auch gut.
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Goal.com: Hat das mit Jürgen Klinsmann zu tun, dass so viele Spieler aus Deutschland jetzt dabei sind?
Timothy Chandler: Ich denke schon. Weil der sich ja auch in der Bundesliga umsieht, weil der da gespielt hat und auch Deutscher ist.
Goal.com: Hat man das Gefühl, dass man sich bei Nationalmannschaft besonders beweisen muss, wenn man als „Unbekannter“ für die anderen Spieler dort auftaucht?
Timothy Chandler: Nein. Ich denke, dass ich überall meine Leistung bringen muss, egal, wo ich auftauche. Hier spiele ich auch ganz normal und locker auf. Nicht, dass ich mich unter Druck setze, um mich zu beweisen.
Goal.com: Beim US-Team gibt es die seltsame Situation, dass vier Bundesliga-Spieler – Steven Cherundulo, Daniel Williams, Fabian Johnson und Sie Rechtsverteidiger spielen oder spielen können. Wie sehen Sie das?
Timothy Chandler: Klar können alle Rechtsverteidiger spielen. Aber ich denke auch, dass die Spieler sich auch auf anderen Positionen sehen: Johnson spielt in Hoffenheim etwas offensiver, Williams ist auch eher ein zentraler Spieler. Und ich hab letztes Mal gegen Belgien auch linker Verteidiger gespielt. Das war kein Problem.
Goal.com: Welche Unterschiede gibt es auf links?
Timothy Chandler: Große Unterschiede sehe ich da nicht. Man braucht einen linken Fuß und wenn man den hat, gibt es eigentlich nicht viele Unterschiede. Man muss sich halt nur ein bisschen darauf einstellen, dass man auf der linken Seite nach links zumachen muss und auf rechts nach rechts.

„Das habe ich schon mindestens fünf Mal gesagt“
Goal.com: Die US-Journalisten haben ein wenig Angst, dass es zu gut in der Bundesliga läuft und dass dann auch Jogi Löw interessiert ist, Sie für den DFB zu gewinnen. Wie ist Ihre Einstellung zu einem Wechsel der Nationalmannschaften?
Timothy Chandler: Das habe ich schon mindestens fünf Mal den amerikanischen Journalisten gesagt: Ich war in der Jugend bei mehreren Lehrgängen beim DFB, habe aber im Moment nichts mit dem DFB zu tun. Ich habe mich für die USA entschieden und bin mit ganzem Herzen für die USA dabei. Da muss sich keiner Gedanken machen oder Sorgen haben.
Goal.com: Ist die Entscheidung für die USA eine gefühlsmäßige oder eine sportliche?
Timothy Chandler: Das ist eine gefühlsmäßige und eine sportliche Entscheidung. Die USA hat mir die Möglichkeit geboten, in der Nationalmannschaft zu spielen und die habe ich angenommen.
Goal.com: Was haben Sie für einen Eindruck von Jürgen Klinsmann?
Timothy Chandler: Ein Super-Trainer und sehr nett. Er will hier wirklich etwas aufbauen. Er spricht mit uns Spielern aus der Bundesliga englisch und manchmal auch deutsch.
Goal.com: Was möchte der Trainer auf der Position des Rechtsverteidigers sehen?
Timothy Chandler: Er möchte das von mir sehen, was ich auch in der Bundesliga mache. Aber nicht ganz so offensiv, mit so vielen Vorstößen.

„Der Kopf kommt gar nicht mehr mit“
Goal.com: Vor einem Jahr haben Sie mit Nürnberg II gegen Wehen Wiesbaden II vor 195 Zuschauer gespielt, ein halbes Jahr später schon Lionel Messi gegenüber gestanden. Wie beurteilen Sie diese verrückte Entwicklung?
Timothy Chandler: Der Kopf kommt gar nicht mehr mit bei der Entwicklung. Es geht alles so schnell.
Goal.com: Aktuell sind Sie Stammspieler in Nürnberg, haben in dieser Saison alle Spiele über 90 Minuten gemacht. Was wäre ein nächster Schritt in der Karriere?
Timothy Chandler: Es gibt keinen Plan für die Karriere. Ich möchte erstmal mit dem Club gut spielen und dort meine Leistung bringen. Über andere Sachen mache ich mir keine Gedanken.
Goal.com: Was ist drin mit Nürnberg in dieser Bundesliga-Saison?
Timothy Chandler: Wir können im Mittelfeld der Tabelle vielleicht mitspielen, vielleicht ist sogar ein Platz wie im letzten Jahr drin.
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