Das Goal-Hinrundenzeugnis: Borussia Dortmund

Wie hat sich Borussia Dortmund in der Hinrunde der laufenden Saison geschlagen? Welche Ziele wurden erreicht, welche verpasst? Goal blickt zurück.

Der Hinrundenendspurt war etwas enttäuschend aus Sicht von Borussia Dortmund. Vier Unentschieden in Serie gegen Real Madrid, den 1. FC Köln, die TSG Hoffenheim und den FC Augsburg - nicht das, was sich die Verantwortlichen bei den Westfalen vorgestellt hatten. Generell verlief die Hinrunde nicht ganz nach Plan für die Dortmunder, die im Sommer einen großen Umbruch einleiten mussten.

BVB: Keine Angst von Aubameyang-Abgang

Der Jahreswechsel bietet eine gute Gelegenheit, um Bilanz zu ziehen. Wie haben sich die Borussen auf dem Transfermarkt geschlagen? Welche Ziele wurden erreicht? Das Goal-Hinrundenzeugnis. 


ZIELSETZUNG

Ungewöhnlich offen formulierte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke in diesem Sommer das Saisonziel: "Unser Ziel bleibt die Champions League-Qualifikation", sagte er. In den vergangenen Jahren hatte er sich mit offenen Zielvorgaben zurückgehalten, doch nach den Abgängen im Sommer wollte er wohl ein Zeichen setzen. Dies bekräftigte er nun vor einigen Tagen noch einmal. "Ich wiederhole es gern: Unser Ziel ist die direkte Champions-League-Qualifikation", sagte Watzke der Bild.

Merino: Auf Leihbasis zum 1. FC Köln?

Auch in der Champions League wollte der BVB zumindest die Gruppenphase überstehen - das gelang mit Bravour. Gruppensieg vor Real Madrid mit einer umgebauten Mannschaft. Trainer Thomas Tuchel konnte zufrieden sein. Auch mit dem Achtelfinaleinzug im DFB-Pokal.


TRANSFERMARKT
 

Sage und schreibe 110 Millionen Euro hatte Borussia Dortmund im Sommer für Neuzugänge ausgegeben. Ousmane Dembele (Stade Rennes), Raphael Guerreiro (FC Lorient), Andre Schürrle (VfL Wolfsburg), Mario Götze, Sebastian Rode (beide FC Bayern), Emre Mor (FC Nordsjaelland), Marc Bartra (FC Barcelona) und Mikel Merino (CA Osasuna) wechselten nach Westfalen. Viele junge Talente und zwei Weltmeister im Formtief schlossen sich der Borussia an. Doch nicht alle konnten überzeugen. Doch insgesamt kann Michael Zorc mit seinen Aktivitäten zufrieden sein. Besonders Guerreiro, der verletzungsbedingt nur wenige Spiele bestreiten konnte, und Dembele überzeugten auf ganzer Linie.


Überzeugte in seinen wenigen Einsätzen: Raphael Guerreiro

Gleich drei Leistungsträger verlor der BVB allerdings. Mit Mats Hummels (FC Bayern), Ilkay Gündogan (Manchester City) und Henrikh Mkhitaryan (Manchester United) verließen drei Säulen des Tuchel-Fußballs der vergangenen Saison den Verein. Zudem gab Borussia Dortmund mit Jakub Blaszczykowski einen absoluten Publikumsliebling an den VfL Wolfsburg ab, was der Vereinsführung Kritik einbrachte. Auch Moritz Leitner, der auf dem Abstellgleis stand, wurde abgegeben (Lazio Rom).

Trotz der Abgänge der wichtigen Spieler konnte der BVB seine Mannschaft qualitativ verbessern - auch wenn dies noch nicht in allen Spielen zu sehen war. Jeder ließ aber zumindest das eine oder andere Mal seine Klasse aufblitzen. Vor allem von Schürrle und Bartra hätte man aber noch mehr erwartet.


LIGA UND POKAL

Im DFB-Pokal haben sich die Dortmunder mehr oder weniger souverän ins Achtelfinale durchgekämpft, wo man im Februar Hertha BSC empfängt. In der ersten Pokalrunde gewann der BVB klar mir 3:0 bei Eintracht Trier. In der zweiten Runde musste man gegen Union Berlin allerdings bis in Elfmeterschießen. Dort gewann der BVB dank eines starken Torhüters Roman Weidenfeller mit 4:1 n. E.. 

In der Liga hingegen hatte die junge Dortmunder Mannschaft so ihre Probleme. Auch aufgrund von zeitweise zwölf verletzten Spielern ließ der BVB ungewöhnlich viele Punkte liegen. Platz sechs und nur 27 Punkte sind das absolut unter dem Anspruch der Borussen. Der 12-Punkte-Rückstand auf den FC Bayern ist für Watzke und Co. nicht leicht zu akzeptieren.


CHAMPIONS LEAGUE

In der Königsklasse lief es für den BVB deutlich besser: Keine Niederlage, Gruppensieger, im Achtelfinale nun gegen Benfica Lissabon. Die Dortmunder haben sich zwei Mal gegen Real Madrid stark präsentiert (2:2 und 2:2) und holten jeweils einen Rückstand auf. Gegen den polnischen Vertreter Legia Warschau bot Tuchels Mannschaft in beiden Spielen ein Torfestival (6:0, 8:4) und begeisterte die Fans - wenn auch im Heimspiel die eklatante Defensivleistung den Trainer zum Nachdenken brachte.

Schon in der Gruppenphase mussten die Dortmunder nach Lissabon - und trafen auf Benficas Stadtrivalen Sporting. Auch gegen die Portugiesen gewann man letztlich beide Spiele (2:1, 1:0). Nun wartet also Benfica im Achtelfinale - ein dankbarer und machbarer Gegner für den Anfang des Jahres. Der Einzug ins Viertelfinale sollte auf jeden Fall machbar sein.


TRAINER UND UMFELD

Wenn Thomas Tuchel etwas auf die Nerven geht, macht er seinem Ärger gerne Luft. Das kannte man bereits aus seinen Mainzer Zeiten. Doch in dieser Saison konnte man es in Dortmund so richtig beobachten. Nach der Niederlage bei Bayer Leverkusen machte Tuchel ein Fass auf, dass er bis heute nicht schließen konnte - weil die Gegner sich darauf einstellten. Zu viele Fouls hätte es gegen seine Mannschaft gegeben, monierte Tuchel damals. Seitdem gefühlt jede Woche.

"Wir reden dann immer, und das stört mich an der ganzen Diskussion, davon, dass das Männersport ist und man redet von einer gesunden Härte, aber das ist halt nicht der Fall. Das ist keine gesunde Härte, wenn du Foul spielst. Das ist halt eine Regelübertretung. Das hat mit gesunder Härte und Männersport leider nichts zu tun", sagte er zuletzt noch einmal. Doch geändert hat sich in der Hinrunde nichts mehr. Eher wurde es schlimmer, da die Schiedsrichter dies zuließen.

Mit der Fouldiskussion lenkte Tuchel aber auch etwas von den eigentlichen Problemen des BVB ab. Denn in der Defensive hatte seine Mannschaft immer wieder große Probleme, war enorm anfällig. Das lag auch daran, weil Tuchel immer wieder rotierte (oder rotieren musste). Einspielen in einer Formation war daher fast unmöglich. Auch weil Tuchel immer wieder sein System veränderte. Immerhin schien er gegen Ende der Hinrunde das für ihn passende 3-1-5-1-System gefunden zu haben, das in der Rückwärtsbewegung zur Fünferkette wurde.


FAZIT

Es war wahrlich keine vollends gelungene Hinrunde von Borussia Dortmund in der Bundesliga. Doch noch sind alle Ziele eindeutig zu erreichen. In der Champions League überzeugte der BVB hingegen und machte mit einer jungen Mannschaft Lust auf mehr.

Was dem BVB Mut machen sollte: Nach zwischenzeitlich zwölf Verletzten zum gleichen Zeitpunkt kann Tuchel in der Vorbereitung auf fast alle Spieler zurückgreifen (bis auf Aubameyang, der beim Afrika-Cup weilt) und endlich seine Ideen im Training umsetzen, was er in den vielen englischen Wochen der Hinrunde nicht konnte. So ist auch Marcel Schmelzer zuversichtlich: "Ich bin aber eher froh, dass die verletzten Spieler jetzt Zeit haben zurückzukommen. Das ist ein Punkt, den man nicht vergessen sollte. In der Winterpause wollen wir in der Defensive an den Dingen arbeiten, die uns noch nicht so gut gelingen und dann bin ich positiv gestimmt, dass es in der Rückrunde besser wird. Wenn wir den Kader komplett haben, im Schnitt vielleicht mit zwei Verletzten, ist das in der Rückrunde noch aufzufangen."