Gündogan: Der Mann mit dem magischen Fuß

Ein Mann ist besonders am schwarz-gelben Aufschwung beteiligt: Ilkay Gündogan. Seitdem er wieder voll dabei ist, läuft es. Der Zauberfuß ist das wichtigste Puzzleteil von Klopp.

Lange, sehr lange war Ilkay Gündogan außer Gefecht gesetzt. Über ein Jahr war bei ihm nicht ans Fußballspielen zu denken und Borussia Dortmund musste ihn irgendwie ersetzen. Der Körper, im speziellen der Rücken machte nicht mit, sogar vom Karriereende mit gerade mal 24 Jahren wurde orakelt. Das Wort Sportinvalidität begleitete die Berichterstattung um ihn.

Nervenwurzelreizsyndrom heißt die Krankheit, die den deutschen Nationalspieler fast zur Verzweiflung brachte. Alle Versuche, die Verletzung mit konservativen Behandlungen in den Griff zu bekommen, waren gescheitert. Er ließ sich sogar auf der Krim von einem Spezialisten untersuchen. Doch dann entschied sich der Mittelfeldspieler für eine riskante Operation an der Wirbelsäule. Nun zaubert er wieder - fast wie in seinen besten Tagen.

Dass er Fußballprofi ist, sieht er als "Privileg". Dafür hat er sich zurück auf den Platz gekämpft und nutzte die Hinrunde der aktuellen Saison, um wieder Fuß zu fassen. Die harte Arbeit zahlt sich aus. Er ist der wichtige Taktgeber, der dem BVB in der katastrophalen Hinrunde fehlte. Er spielt die brandgefährlichen Pässe in die Schnittstellen. Er ist es, der die Übersicht mitbringt, ein Spiel mit einer einzigen Aktion zu entscheiden.

Tipico

In allen Partien der Rückrunde stand Gündogan über die gesamte Distanz auf dem Feld - einzig im Derby durfte er sich ein paar Minuten vor Spielende den verdienten Applaus abholen. War ihm vor der Winterpause nur eine Torbeteiligung im Spiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim gelungen, als er das 1:0 erzielte, sind es im Kalenderjahr 2015 bereits vier. Einmal traf er selbst, dreimal gab er die direkte Vorlage. Im Derby gegen den FC Schalke 04 zeigte Gündogan bis dato seine beste Leistung. Er lenkte, leitete und war auch in der Defensive stark.

Zusammen mit Nuri Sahin war Gündogan bisher auf der Doppel-Sechs im BVB-Mittelfeld gesetzt. Doch Jürgen Klopp musste bereits gegen Dynamo Dresden umbauen, brachte Sebastian Kehl neben "Illy" wie er in Dortmund genannt wird. Auch gegen den Hamburger SV muss Klopp wohl erneut auf Sahin verzichten. Kehl gilt als Ersatz. Sven Bender dürfte nach seiner Genesung ebenfalls auf einen Einsatz über 90 Minuten brennen. Egal wie der Coach entscheidet, Gündogan wird es relativ egal sein, wer neben ihm spielt, solange er sich hauptsächlich auf seine offensiven Aufgaben konzentrieren kann. Denn das sind seine Stärken.

Im Moment funktioniert das Zusammenspiel mit Marco Reus, Shinji Kagawa, Pierre-Emerick Aubameyang oder wem auch immer überragend. Die lange Pause ist dem Deutsch-Türken schon nicht mehr anzumerken. Weder was die Fitness noch die Spielpraxis betrifft. Gündogan hat einen großen Anteil am Aufschwung der Schwarz-Gelben.

Neuer Vertrag?

Noch ist er sicherlich nicht bei 100 Prozent, nach dieser Leidenszeit wenig verwunderlich. Dennoch kommt er bei bisher 13 Liga-Einsätzen in dieser Saison auf inzwischen fünf Torbeteiligungen und liegt damit nur noch einen Scorerpunkt hinter seinen besten BVB-Spielzeiten 2011/12 und 2012/13. Das entspricht einem Schnitt von 208 Minuten pro Torbeteiligung. Eine Frequenz, die er weder beim BVB noch beim 1. FC Nürnberg an den Tag legen konnte.

Kein Wunder, dass Michael Zorc schleunigst mit ihm den bis 2016 laufenden Vertrag ausweiten möchte. Die Vertragsverlängerung von Marco Reus dürfte dabei ein großer Pluspunkt auf Seiten Dortmunds sein. Auch, dass der Verein Gündogan über die schwerste Phase seiner Karriere hinweg unterstützt hat, wird in seinem Kopf sein. Wenngleich aktuell Manchester United anklopft, dürfen sich die BVB-Fans berechtigte Hoffnungen auf einen Verbleib machen.

Auf was sich die Fans in jedem Fall freuen können, sind weitere starke Leistungen des Mittelfeldmotors. Gegen den HSV hat Dortmund (Samstag, 15.30 Uhr im LIVE-TICKER) etwas gutzumachen und mit einem Gündogan in dieser Form dürfte das durchaus machbar sein. Denn er stellt sich seinen Aufgaben und spielt mit Köpfchen - und einem Zauberfuß.

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