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Shinji Kagawa: Was lief für ihn in Manchester schief?

Nach zwei Jahren ist er wieder da: Der Publikumsliebling kehrt zu Borussia Dortmund zurück und der BVB hofft, dass er nach zwei schweren Spielzeiten wieder der Alte wird.

Dortmund. Das Wichtigste für die Fans von Borussia Dortmund ist die Tatsache, dass er wieder da ist: Shinji Kagawa ist zurück in schwarz-gelb, nach zwei Jahren bei Manchester United. Zwei aus seiner Sicht eher unerfreulichen Jahren, die ihm zwar einen englischen Meistertitel eingebracht, ihn aber nicht fußballerisch weitergebracht haben. Die spannende Frage für die BVB-Fans ist natürlich jetzt, ob sie wieder den "alten" Shinji Kagawa zu sehen bekommen, der sie zwei Jahre lang mit seinen Auftritten begeisterte. Und verbunden damit ist die Frage, was eigentlich genau in England für ihn schief gelaufen ist, sodass United nur noch die Hälfte der Ablösesumme haben möchte, die der Klub vor zwei Jahren ins Ruhrgebiet überwiesen hatte. 

Trainer-Legende Sir Alex Ferguson holte sich den besten BVB-Spieler, ein Jahr, nachdem Jose Mourinho, damals noch bei Real Madrid, mit Nuri Sahin das gleiche gemacht hatte. Der Schotte wollte den kreativen Japaner unbedingt haben – und er bekam für rund 16 Millionen seinen Willen. Aber noch bevor es in der Premier League für Kagawa richtig losging, gab es ein Problem: Robin van Persie vom FC Arsenal war auf einmal auf dem Transfermarkt erhältlich, da er nicht weiter bei den Gunners vergeblich auf Titel warten wollte. United schlug erneut zu – und damit wurde der ursprüngliche Plan von Trainer Ferguson über den Haufen geworfen.

Denn eigentlich sollte Kagawa als Zehner hinter Wayne Rooney agieren und nicht nur den Angreifer mit Zuspielen versorgen, sondern auch die schnellen Außen wie Ashley Young, Antonio Valencia oder Nani mit präzisen Pässen steil schicken. Außerdem hoffte United auf die Torgefahr, die Kagawa schon beim BVB gezeigt hatte. Mit van Persie im Kader drehte sich das Konzept-Karussell: Nun war der Niederländer ganz vorne gesetzt und Rooney bekam die Rolle als hängende Spitze oder kreativer Arbeiter im offensiven Mittelfeld.

Nicht auf der Lieblingsposition

Wenn Rooney und van Persie fit waren, trug sie Ferguson in der Offensive als Erstes in der Aufstellung ein. "Während seiner zwei Jahre bei United hat Kagawa nie mehr als vier Liga-Spiele hintereinander von Beginn an gemacht", sagt Chris Davie von Goal UK. "Für jeden Mittelfeldspieler ist es schwer, etwas Entscheidendes zu machen, wenn man nur selten zum Einsatz kommt – und dann nicht einmal auf der Lieblingsposition", fügt er hinzu. Statt als Zehner wurde Kagawa nach seiner Knieverletzung im Herbst 2012 auf den Flügel geschoben, meist auf die linke Seite, und kam oft nur noch als Einwechselspieler zum Einsatz.

Auf links glänzte er nicht mehr wie noch in der Dortmunder Zentrale. "Es wäre nicht fair zu sagen, dass er körperlich nicht für die Premier League geeignet war", meint Chris Davie von Goal UK. "Es gibt viele schmale Spieler wie Luka Modric, David Silva oder Juan Mata, die in England Erfolg hatten oder haben", erklärt er. Kagawa ist aber kein Flügelspieler, der mit Tempo an seinem Gegenspieler vorbei geht und dann eine Flanke nach innen schlägt. Er ist eher der Mann für den kurzen Antritt, den schnellen Doppelpass oder die überraschende Bewegung, die ihn in Schussposition bringt. Und diese Möglichkeiten hat er vor allem dann, wenn er in der Mitte des Feldes spielt. Dort, wo der Ball oft vorbeikommt.

Hoffnungen nicht erfüllt

Im vergangenen Sommer folgte bei United der große Trainerwechsel von Sir Alex Ferguson zu David Moyes. Die Hoffnungen von Kagawa, dass es unter dem neuen Coach besser für ihn laufen würde, erfüllten sich aber überhaupt nicht: Am Ende der Spielzeit hatte er nur 14 der 38 Ligaspiele von Beginn an gemacht und war dabei erneut zum größten Teil als Linksaußen aufgestellt worden. Bei seinem ersten Einsatz in der Premier League – einer 1:2-Heimniederlage gegen West Brom am sechsten Spieltag – machte Moyes den Japaner demonstrativ zum Sündenbock für die schlechte Teamleistung und wechselte ihn zur Pause aus, was mit Sicherheit dem Selbstbewusstsein Kagawas nicht unbedingt gut getan haben dürfte.

 

"Manche behaupten, dass Kagawa ein "Luxus-Spieler" war. Jemand, der nur gut drauf war, wenn United als Team auch gut spielte. Er sah nie wie ein Spieler aus, der United alleine zum Sieg führen konnte", erklärt Chris Davie.

Keine neue Chance

Erst kam die große Konkurrenz im Kader dazu, dann die Verletzung, dann stimmte die Position nicht – und schließlich passten auch die Leistungen nicht mehr. Es war ein schleichender Abstieg von Shinji Kagawa bei Manchester United, der allerdings in diesem Sommer noch hätte aufgehalten werden können. Mit Louis van Gaal kam wieder ein neuer Trainer ins Old Trafford und damit bekam der Mittelfeldmann erneut die Chance, sich neu vorzustellen und zu beweisen. Doch bereits nach der Testspielreise in die USA fällte der niederländische Übungsleiter sein vernichtendes Urteil: "Kagawa hat meine Anforderungen nicht erfüllt, als ich ihn gebracht habe." Damit war das Schicksal des Japaners besiegelt und es drohte ihm eine Rand-Rolle in Manchester. Der Wechsel nach Dortmund ist die Flucht vor der Bedeutungslosigkeit und die Rückkehr an die Stätte des großen Triumphes.

"Wenn man nicht sofort in den Bus steigt, verpasst man ihn", brachte Sir Alex Ferguson bei seiner Buchpräsentation ein Zitat mit Blick auf die Situation von Shinji Kagawa. Vielleicht hat der Japaner in Manchester einfach auf der falschen Seite auf den Bus gewartet.

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