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"Geiz ist geil" – mit diesem Motto warb mal ein Elektronikmarkt. Der Revierverein hat sich das Motto diesen Sommer zu Herzen genommen und gab nicht viel Kohle aus.

Analyse
Von Hassan Talib Haji

Gelsenkirchen. Das Transferfenster ist geschlossen und wieder mal sind Millionen zwischen den Vereinen geflossen. Der FC Schalke 04 hat sich gegenüber dem Vorjahr aber etwas defensiver auf dem Markt präsentiert. Fünf externe Neuzugänge angelte sich Manager Horst Heldt. Davon haben allerdings nur zwei Akteure eine Ablösesumme gekostet, die zudem weit unter deren geschätzten Marktwerten lag. Heldt wurde zum Schnäppchenjäger der Bundesliga.

Doch hat sich Schalke 04 auch um die Schwachstellen im Kader gekümmert? Wie fällt die Transferbilanz aus und hat man angedachte Abgänge realisieren können? Die Goal-Analyse sagt es Euch!

  • Welche Baustellen gab es und wurden diese behoben?

Die wohl vakanteste Position bleibt auf Schalke die des Abwehrmannes auf der rechten Seite. Mit dem Japaner Atsuto Uchida (26) enthält der Kader nur einen gelernten Rechtsverteidiger mit Erfahrung. Jugendnationalspieler Pascal Itter (19) soll langsam an die Bundesliga herangeführt werden. Uchida befindet sich derzeit wieder im Mannschaftstraining, nachdem er wochenlang aufgrund einer Reizung der Patellasehne fehlte - und an der Vorbereitung der Schalker nicht teilnehmen konnte.

Als Alternativen sieht Trainer Jens Keller das Eigengewächs Kaan Ayhan (19), Mittelfeldspieler Marco Höger (24) und Allrounder Benedikt Höwedes (26). Allerdings hat das Trio seine Stärken in der Mitte: Höger vor der Abwehr, Ayhan und Höwedes im Abwehrzentrum. In der Rückrunde der Vorsaison kursierten bereits diverse Gerüchte um Oliver Sorg (24, SC Freiburg) und Sebastian Jung (24, VfL Wolfsburg). Diese Transfers offenbarer Wunschkandidaten kamen nicht zustande, sodass Horst Heldt bereits Wochen vor Transferfrist einen Zukauf für diese Position kategorisch ausschloss.

Wenn man wollte, könnte man die Sturmbesetzung als Baustelle betrachten. Mit Klaas-Jan Huntelaar (31) verfügt Schalke 04 über einen der besten Knipser Europas. Allerdings fehlt die wirkliche Alternative zu ihm. Diese Position doppelt zu besetzen, fällt den Königsblauen schwer. Zum einen wäre ein echter Strafraumstürmer solcher Qualität sehr kostspielig und zum anderen müsste sich ein etwaiger Ersatzmann erstmal klaglos auf die Bank setzen. Adam Szalai (26) flüchtete bekanntlich nach Hoffenheim.

  • Wie sieht die finanzielle Bilanz aus?

Vor einem Jahr gab Schalke kolportiert über 26 Millionen Euro für Neuzugänge aus, kassierte durch Abgänge nur sieben Millionen. Das Transferminus lag somit bei ungefähr 19 Millionen Euro. In diesem Sommer ging man mit dem hart verdienten Geld etwas schwäbischer um. Neuzugang Sidney Sam (26) kam für 2,5 Millionen Euro und Leihgabe Dennis Aogo (27, kam 2013 vom Hamburger SV) wurde für 1,9 Millionen Euro fest verpflichtet. Eric-Maxim Choupo-Moting (25), Fabian Giefer (24) und Christian Wetklo (34) waren allesamt ablösefrei. Die Transferausgaben lagen also bei 4,4 Millionen Euro.

Allerdings nahm der S04 mehr ein als ausgegeben wurde. Die Verkäufe von Szalai, Philipp Hofmann (21) und Lars Unnerstall (23) spülten 7,2 Millionen Euro in die Kasse. Die Ausleihe von Innenverteidiger Kyriakos Papadopoulos (22) zu Liga-Konkurrent Bayer Leverkusen brachte zusätzlich noch eine Million Euro. Damit lagen die Transfereinnahmen bei 8,2 Millionen Euro - der erwirtschaftete Transferüberschuss ergibt demnach 3,8 Millionen Euro.

  • Hat man angedachte Abgänge verzeichnen können?

Neben den genannten Verkäufen verließen mit Timo Hildebrand (35), Anthony Annan (27) und Tim Hoogland (29) drei Akteure, deren Verträge ausgelaufen sind und nicht verlängert wurden, ablösefrei den Verein. Schalke 04 plante eigentlich noch den einen oder anderen Spieler abzugeben, wie Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies Goal Ende Juli bereits mitteilte. Mögliche Kandidaten waren Chinedu Obasi (28), Rückkehrer Tranquillo Barnetta (29), Christian Fuchs (28) und Felipe Santana (28).

Verhandlungen zwischen den Spielern und anderen Vereinen, wie zum Beispiel die Gespräche von Fuchs mit dem englischen Klub Hull City, fanden statt. Eine Einigung kam jedoch bei niemandem zustande. Das mag mitunter daran liegen, dass die genannten Spieler bei Schalke ein entsprechend hohes Gehalt beziehen oder den Verein aus anderen Gründen nicht verlassen wollten. Nach jetzigem Kenntnisstand erhielt der Verein auch keine Angebote.

  • Sind Fans und Umfeld mit dieser Transferperiode zufrieden?

Auf der einen Seite können die Schalker Fans zufrieden sein, dass Manager Heldt für wenig Geld drei gute Verstärkungen an Land ziehen konnte. Sidney Sam weist einen geschätzten Marktwert von 10 Millionen Euro auf, kostete aufgrund seiner Ausstiegsklausel aber nur ein Viertel davon. Choupo-Moting war ablösefrei und sein Marktwert liegt nach Schätzungen bei knapp acht Millionen Euro. Mit Fabian Giefer, der zwar noch verletzt ist, haben die Königsblauen einen adäquaten Ersatzmann für Stammkeeper Ralf Fährmann (25) – ebenfalls ablösefrei. Zudem wurde für echte Notfälle auch noch der vereinslose Christian Wetklo verpflichtet. Sorgen auf der Position des Torhüters haben die Schalker wahrlich nicht mehr.

Allerdings gibt es auf der anderen Seite auch kritische Stimmen, die bemängeln, Heldt habe für die Stürmerposition zu wenig gemacht. Schalke ist in vorderster Front weiterhin stark von Klaas-Jan Huntelaar und seinen Toren abhängig. Einen zweiten echten Strafraumstürmer seiner Qualität haben die Knappen nicht. Donis Avdijaj (18) gilt als sehr großes Talent, als wirklicher Huntelaar-Ersatz ist der Jungspund noch nicht zu werten. Jens Keller wird damit gezwungen, die Ausrichtung auf ein Spiel in größerem Umfang zu verändern, sollte der Hunter ausfallen.

Fazit

Schalke 04 hat gegenüber anderen Mannschaften weit weniger ausgegeben. Das liegt an den Investitionen aus dem Vorjahr, den Planungen für den Umbau des Vereinsgeländes (Kosten: ca. 25 Millionen Euro) und dem auferlegten Konsolidierungskurs, um den Verein finanziell zu gesunden. Mit den vorhandenen Mitteln hat Manager und Sportvorstand Heldt einiges bewegen können, ging aber auch das Risiko ein, gewisse Planstellen nur provisorisch abzudecken. Schalke 04 hat trotzdem einen starken Kader, der, wenn er vom Verletzungspech nicht gebeutelt wird, klar die dritte Kraft in Deutschland sein müsste.

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